Voll in die Eisen: Bremsfahrtechnik am MTB

Fahrtechnik: Richtig bremsen mit dem MTB

Sie können die Fotostrecke mit den Richtungspfeilen der Tastatur bedienen
←   →
Foto: Benjamin Hahn Fotografie

ABS fürs Bike: Bremsmodulation

Meide Vollbremsungen und bremse stattdessen mit Modulation! Wenn du den Hebel voll durchziehst, blockieren die Räder sofort und driften hin und her. Du verlierst die Kontrolle über den Brems­vorgang, was im anspruchsvollen Gelände fatal sein kann. Besser ist es, wenn du den Hebeldruck kontrolliert steigerst, ange­passt an das Gefälle und den zur Verfügung stehenden maximalen Bremsweg. Deine Räder bleiben dann in Bewegung, halten die Spur und blockieren erst kurz vor dem Stillstand. Unser Bild zeigt zudem, dass der Bremsweg (weiße Linie) bei einer modulierten Bremsung sogar kürzer ist als bei blockierten Rädern (gelbe Linie).

Ein Bremsfinger genügt

Warum ist Bremsen mit einem Finger eigentlich besser als mit zwei? Diese häufig gestellte Frage lässt sich mit meh­ reren Gründen beantworten. Wenn du den Bremshebel so weit in Richtung Vorbau schiebst, dass der Zeigefinger gerade noch in die Ausbuchtung greift, klemmst du dir beim Bremsen nicht versehentlich die anderen Finger ab. Dadurch kannst du den Griff auch voll durchziehen und den kompletten Hebelweg aus­ nutzen. Mehr Weg ist mehr Wirkung oder übersetzt mehr Bremskraft bei geringerem Krafteinsatz. Mit einem Finger auf dem Hebel kannst du zudem viel feinfühliger und dosierter bremsen. Außerdem bleiben Einfingerbremser noch vier Finger, um den Lenkergriff unter Kontrolle zu halten. Und am Ende ist mehr Kontrolle gleich mehr Fahrspaß.

Ferse nach unten

Wenn du in Abfahrten die Ferse beim Bremsen nach unten drehst, verschiebst du Gewicht in Richtung Heck und hast hinten mehr Bremstraktion. Du „drückst“ das Hinterrad durch eine kurze Bewegung quasi in den Boden. Je schneller du anhalten willst, umso weiter solltest du die Hacken absenken.

Vorne oder hinten?

Die Vorderradbremse zum schnellen Herunterbremsen, die Hinterradbremse zur Geschwindigkeitskontrolle? Das ist eine goldene Regel, die aber nicht in jeder Situation richtig ist. Da auf der Front mehr Gewicht liegt, ist die Bremswirkung vorne höher. Grundsätzlich macht es also Sinn, die Vorderradbremse stärker einzusetzen, vor allem für CC- und Tourenfahrer. Da sie meistens nach vorne gebeugt sitzen, ist ihre Gewichtsverteilung sehr frontlastig. Abfahrtsorientierte Fahrer stehen dagegen zentral im Bike und drücken weniger auf die Front, was die Gewichtsverteilung etwas ausgleicht. Das erlaubt den aggressiveren Einsatz der Hinterradbremse. Erst recht, wenn der Untergrund lose ist. Wenn du in losem oder rutschigem Untergrund vorne zu aggressiv bremst, bricht dein Vorderrad aus und du schmierst unkontrolliert ab. Bremst du vorne moduliert und hinten aggressiver, behält das Vorderrad den Grip und führt dich über den Trail.

In Kurven ist Bremsen (fast) verboten

Bevor du in eine Kurve einbiegst, musst du dein Bike auf die Kurvengeschwindigkeit runterbremsen, in der Kurve bleibt die Bremse meist offen. Rotierende Laufräder geben dir in Kurven Führung, Fahrstabilität und Gleichgewicht. Gerade das Vorderrad ist hier wichtig, darf nie unkontrolliert ausbrechen oder zu stark verlangsamt werden. Deshalb ist ein Griff zur Frontbremse in Kurven ein absolutes Tabu. Die Hinterradbremse kannst du dagegen moderat einsetzen, um die Geschwindigkeit zu kontrollieren oder einen kurzen Drift anzusetzen.
Mehr zu dieser Fotostrecke: MTB-Fahrtechnik: Alle wichtigen Tipps bei MOUNTAINBIKE