MOUNTAINBIKE Magazin

Totem Maurice Hardtail: 2000 Euro E-MTB im Test

Was kann das E-MTB für 2000 Euro? Test: Totem Maurice Hardtail

Wie schlägt sich ein preiswertes E-Mountainbike um 2000 Euro im Alltag? Das haben wir mit dem Totem Maurice getestet.

Kurz und knapp: Maurice Totem

  • E-Hardtail für knapp 2300 Euro
  • Vinka Motor mit 80nm-Drehmoment und 504 Wattstunden Akku
  • Aluminiumrahmen mit Montagemöglichkeit für Gepäckträger, Taschen und Seitenständer

Nicht erst seit der Corona-Krise sind E-Mountainbikes voll im Trend: Die Bergräder mit Motorunterstützung verkaufen sich seit Jahren prächtig. Mit dem Boom nahmen in der jüngsten Vergangenheit aber auch die Preise der Hightech-Bikes zu: Nicht selten knacken E-Mountainbikes die 5000 Euro-Liga. Gegen diese Summen wirkt der Kaufpreis des Totem Maurice gar wie ein Schnäppchen: Knapp 2300 Euro soll das Rad aus Tschechien kosten. Ist trotz seines günstigen Kaufpreises ein guter Deal oder floppt das Bike in unserem Test? Wie fällt der Vergleich zu einem bewährten E-MTB aus? All diese Fragen beantworten wir im Kurztest. Los geht’s!

Rahmen:

MOUNTAINBIKE Magazin

Das Totem Maurice ist ein Hardtail, was bedeutet, dass nur an der Front eine Federung bzw. Federgabel werkelt. Das Heck ist starr und spart sich einen Dämpfer. Hardtails sind traditionell günstiger als Fullsuspension Bikes. Logisch, sparen sie sich doch den Dämpfer und den komplexeren Hinterbau. Zudem sind sie durch diese einfachere Konstruktion auch noch leichter als ein vergleichbares Fully. Apropos Gewicht: Unser Testbike wiegt knapp 23,3 Kilogramm.

MOUNTAINBIKE Magazin

Im Falle des Maurice ist der Aluminiumrahmen von der robusteren Sorte, die Schweißnähte fallen im Vergleich zu hochpreisigen Bikes massiv aus. Auch gibt es viele spannende Features am Totem E-MTB zu entdecken: Neben einer praktischen Montagemöglichkeit für den Seitenständer bietet das Maurice zudem Aufnahmen für Schutzbleche oder Seitentaschen. Die Alltagstauglichkeit fällt damit höher aus als bei vielen sportlichen E-Mountainbikes, auch in der teureren Kaufklasse. Nur selten bieten diese Montagemounts oder eine Vorbereitung für einen Seitenständer.

Auch die Motorintegration löst Totem am Maurice recht ansehnlich: Der Akku ist im Unterrohr integriert und lässt sich auf Wunsch ganz entnehmen. Der Motor ist weniger wuchtig im Tretlagerbereich integriert.

Die Geometrie richtet sich mit dem moderat langen Oberrohr in Kombination mit konservativ gewählten Sitz und Lenkwinkel eher an sportliche Gelegenheitsfahrer. Für sportliche Trailrides fällt die Sitzposition etwas zu lang aus, der Lenkwinkel sehr steil. Doch dazu später mehr.

Antrieb/Motor:

MOUNTAINBIKE Magazin

Kommen wir zum Herzstück des Totems: Der Vinka-E20-Motor. Der Motorenhersteller Vinka stammt aus Japan und ist in Deutschland noch relativ unbekannt. Das Aggregat ist im Bereich des Tretlagers montiert. Laut Hersteller soll der Motor in der Spitze bis zu 80Nm bei 250 Watt (Nenn)-Leistung bieten. Der Akku ist mit mit 504 Wattstunden genug Power für lange Ausfahrten bieten. In der Praxis ließen sich im "Automatik"-Modus Reichweiten um 50-60 Kilometer bei moderatem Höhenprofil und einem Testergewicht von 65 Kilogramm erreichen. Unsere Testfahrten ergaben folgenden Reichenweitenwerte: steile Bergfahrt: 18 km, Tour: 50 km , Stadtverkehr: 58km Reichweite. Im Mittel liegt der Stromverbrauch pro Kilometer so bei 8,5 bis 10 Wattstunden, was ein passabler Wert ist. Im Anbetracht des Kaufpreis und der Akkugröße sind diese Reichenweitenwerte als "sehr gut" einzuordnen

Die Bedienung erfolgt über ein kleines Display plus Bedientaster. Schnell findet man sich im Menü zurecht, die Bedienung erfolgt problemlos, die Taster geben genug haptisches Feedback und das Display ist aufgrund seiner indirekten Beleuchtung auch bei Nacht ideal ablesbar. Es lassen sich Werte wie Durchschnittsgeschwindigkeit, Trip, Ladezustand, Restreichweite, Uhrzeit und Co anzeigen  Vier verschiedene Fahrmodi sind einstellbar, zudem verfügt der Vinka-Motor über einen Walk-Assist (Schiebehilfe für steile Schiebestücke)

MOUNTAINBIKE Magazin

Schaltung:

MOUNTAINBIKE Magazin

An hochpreisigen MTBs ist der Siegeszug der Einfach-Schaltungen, also Schaltungen mit nur einem Kettenblatt vorne und großen Kassetten mit gigantischer Bandbreite am Ritzelpaket, längst beschlossen. Auch an E-Mountainbikes mit Mittelmotor setzen Hersteller wie Brose, Bosch und Shimano auf nur ein Kettenblatt am Motor, während hinten eine große Kassette für die Berggänge zuständig ist.

Das Maurice ist auch mit einer Einfach-Schaltung ausgestattet. Hinten ist eine Shimano-Altus-Schaltwerk verbaut, welches knackig durch die Gänge wechselt. Leider ist die Bandbreite der Schaltung von 11-34-Zähnen für den Einsatz an sehr steilen Bergen nicht geeignet: So ist ein Ende der Übersetzung sowohl bei hohen Geschwindigkeiten erreicht, ebenso am Berg wenn man sich eine Untersetzung wünscht. Anders gesagt: Am Berg wird es trotz Motorunterstützung schnell zu "dick", während man auf der Talfahrt rasch ins Leere tritt. Zum Vergleich: Aktuelle 1x12-Schaltungen bieten hinten 12-Gänge die eine Bandbreite von 10-52-Zähne bieten. Am Berg findet man so nahezu immer einen passenden Gang – talzus wie bergauf.

Fahrwerk/Gabel:

MOUNTAINBIKE Magazin
Der Lockouthebel der Gabel ist nicht ideal zugänglich.

Für Komfort und Unterstützung im Gelände gehört an ein E-Mountainbike eine potente Federgabel. Am Maurice federt eine RST-Fork mit 100mm-Federweg, die sich auf Wunsch per Fernbedieung blockieren lässt, individuell aufs Fahrergewicht lässt sie sich über einen schwer bedienbaren Hebel feintunen. Die Werkseinstellung für Fahrer von ca. 70 Kilogramm zeigten sich im Praxistest als passig. Das Heck des Hardtails kommt natürlich ohne Dämpfer aus, gibt sich aber dennoch für ein Hardtail recht komfortabel.

Bremsen:

MOUNTAINBIKE Magazin
DIe Bremshebel sind auch für kleine Hände geeignet, könnten aber mehr Verstellmöglichkeiten bieten.

Wo Vortrieb ist, will auch verzögert werden. Das Totem-Bike ist mit einer Shimano-Scheibenbremse ausgestattet, die top Verzögerungswerte verspricht. Im Praxistest konnte das Bike jederzeit mit tollen Bremsleistungen punkten, auch bei schnellen Abfahrten. Für schwerere Fahrer jenseits der 90 Kilogramm-Grenze könnte die Zweikolbenbremse auf langen Bergabfahrten jedoch etwas zu schwach sein. Und: Zwar vermitteln die großen Bremshebel dem Fahrer oder der Fahrerin viel Sicherheit. Wer eher kleine Hände besitzt könnte mit den großen Bremshebeln teils jedoch überfordert sein, speziell wenn man mit nur einem Finger für maximale Radkontrolle Bremsen möchte. Im Idealfall könnte man zudem die Griffweite der Bremshebel anpassen, was am Shimano-Modell leider nicht möglich ist.

Kurz-Test: So fährt sich das Maurice

Ausprobiert: So gibt sich das Totem in der Praxis Rauf auf den Sattel! Der Fahrer nimmt auf dem Totem recht sportlich Platz: Der Vorbau ist mit 100 mm lang messen, der Lenker fällt dafür mit 700mm schmal aus. Die Geometrie zeichnet Totem eher konservativ. Gut so, überfordert das Bike-Handling so erfahrungsgemäß auch Radsport-Neulinge nicht. Schon auf den ersten Metern macht sich der Vika-Motor bemerkbar: Er arbeitet lauter als die Konkurenz von Bosch und Co, unterstützt teils nicht so feinfühlig, schiebt aber munter voran. Die Bedienung des Motors über die das Display ist intuitiv und schnell erlernt.

Eignet sich das Maurice fürs Trails? Eher nein! Die schmal profilierten Reifen, die konservative Geometrie und die fehlende Variosattelstütze lassen Abfahrten schwerfälliger vonstatten gehen, für Anfänger ist das Maurice teils etwas unberechenbar im Handling. Aber keine Sorge, für moderate Feldwege oder Schotterstraßen die nicht besonders steil abfallen ist das Maurice geeignet.

Fazit:

Für Gelegenheitsfahrer und preisbewusste Hobby-Radsportler ist das Totem ein fairer Deal: In Stadt und gemäßigten Offroad-Einsätzen weiß es zu überzeugen und bietet viel für wenig Geld. Für den Trail ist das Maurice indes weniger geeignet: Die schmalen Reifen, die Rahmengeometrie samt Cockpit sowie die (zu) geringe Bandbreite der Schaltung stoßen im harten Offroadeinsatz rasch an ihre Grenzen. Die Motorpower geht hingegen klar, auch wenn der Akku auch in den hohen Unterstützungsstufen etwas ausdauernder sein könnte.

Dieser Artikel kann Links zu Anbietern enthalten, von denen mountainbike-magazin eine Provision erhält. Diese Links sind mit folgendem Icon gekennzeichnet:
Zur Startseite
E-MTB Test Einzeltest Brixen: Giant Reign E-Enduro mit wuchtigem Motor gecheckt Giant Reign E+ 0 (2022)

Neuer Motor, neuer Glanz? Das Giant Reign E+ 0 im Test