E-MTB-Einzeltest Stefan Eigner
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Rotwild R.E 375 Pro (2021) im Einzeltest

Test: Rotwild R.E 375 Pro E-MTB im Light Prinzip: Die Rotwild-Revolution

Leichter, agiler, aber mit weniger Reichweite: Rotwild geht mit dem leichten R.E 375 einen neuen Weg. Wir haben das neue E-Enduro ausgiebig auf den Trails getestet.

 geringes Gewicht, leichtfüßiges Handling

 potentes 170-mm-Fahrwerk

 toller, starker und dynamischer Motor

 sehr kleiner Akku

"Light-E-MTB", "Performance-E-MTB", "PowerE-MTB" – der Begriffswahnsinn macht auch vor elektrifizierten MTBs nicht halt. Das von Rotwild neu vorgestellte R.E 375 lässt sich wie das ebenfalls neue R.X 375 nur schwer in eine Kategorie pressen. Bei nur 19,5 Kilo Gesamtgewicht bietet es dennoch den neuen, 85 Nm starken Shimano-EP8-Motor. Womit es sich kraftmäßig weit von anderen Leicht E-MTBs absetzt. Hier liegen sonst derzeit Drehmomente von 60 Nm (Fazua-Motor) oder nur 35 Nm am Specialized Turbo Levo SL an. Für ein klassisches E-MTB ist wiederum der Akku zu klein, denn der bietet gerade einmal 375 Wattstunden.

Ganz neu ist der Weg, den Rotwild jetzt einschlägt, nicht. Focus setzt schon länger auf dieses Prinzip, bietet jedoch einen Akku-Zusatzpack für die Unterrohr-Montage an, der die Kapazität verdoppelt. Und: Am neuen Enduro Sam² geht Focus wieder weg vom Doppelpack und pflanzt ganz normal einen dicken 625-Wh-Akku ins Unterrohr. Umso spannender also, ob es Rotwild gelingt, diese Nische erfolgreich zu besetzen.

Dank des neuen Shimano-EP8-Motors stehen die Chancen gut. Denn dessen App-Steuerung erlaubt es, zwei völlig unterschiedliche Profile für die Unterstützungsmodi zu programmieren. So kann man neben einem Profil mit maximaler Leistung eines mit zum Beispiel höchstens 60 Nm Power und entsprechend stromsparender Charakteristik anlegen.

Shimano-EP8-Motor
Antriebssysteme

Während Rotwild das All-Mountain R.X 375 mit eher moderater Geometrie für die breite Masse empfiehlt, ist das R.E 375 voll auf Abfahrtsspaß gemünzt. Zwei Varianten bieten die Hessen an, das Core-Modell für 7499 Euro sowie die Pro-Version für 8999 Euro, deren Eckdaten den auf Downhill getrimmten Ansatz unterstreichen. So bietet das E-Enduro einen ultraflachen 63,5°-Lenkwinkel, Radstand, Reach und Kettenstreben fallen lang aus. Standesgemäß gibt es dazu 29"-Räder/Reifen und vorne wie hinten 170 mm Federweg. Modern: der steile 77°-Sitzwinkel, der auch verblockte Uphills gut möglich machen soll.

Rotwild setzt übrigens bewusst auf die Fox-36- Gabel und nicht auf die deutlich schwerere Super-Enduro-Forke 38. Selbstverständlich ist der Rahmen aus Carbon, sogar die Hülle des Akkus wurde aus Carbon gestaltet, um Gewicht zu sparen. Hübsch, wenn auch nicht diebstahlsicher ist die Akku-Entnahme per Knopfdruck! On Top gibt es noch die vollintegrierte 8Pins-Vario-Sattelstütze, die einen Verstellbereich von bis zu 230 mm bietet. Insgesamt ist das Finish des R.E 375 perfekt – alles erscheint wie aus einem Guss.

Doch letztendlich entscheiden natürlich die Fahreigenschaften über Top oder Flop. Erwartungsgemäß fühlt sich das Rotwild vergleichsweise sehr leicht an und erinnert eher an ein strammes Bio-Enduro, als an ein E-Bike. Flink ist es im Vortrieb, sogar das Übertreten der 25-km/h-Grenze ist durchaus angenehm und gut möglich. Darunter zieht der neue Shimano-Motor wie bekannt sehr kräftig, aber wohl dosierbar an. In Kombination mit dem steilen Sitzwinkel und der sportlich integrierten Sitzposition sorgt das für Uphill-Spaß pur – sofern man im Profil 1 mit voller Leistung unterwegs ist. Laut unseren Berechnungen liegt die Reichweite in diesem Fall bei höchstens 30 Kilometern im Flachen bzw. bei maximal 1000 Höhenmetern auf 11 Kilometern. In der Praxis ist erfahrungsgemäß noch etwas früher Schluss. Für lange Touren sollte deshalb unbedingt Profil 2 aktivert sein, was aber dann wiederum rund 30 Prozent an Motor-Power kostet. Die Alternative wäre der 700 Euro teure Ersatzakku für die Mitnahme im Rucksack.

Unabhängig vom Thema Reichweite ist das Rotwild eine wahre Enduro-Waffe sondergleichen. Mit seinem sensiblen, gleichzeitig "satten" Fahrwerk sowie der angesprochenen bergablastigen Geometrie nimmt das R.E 375 Drops, Sprünge oder verblocktes Terrain maximal gelassen hin. Vor allem geübte Fahrer werden den flachen Lenkwinkel lieben, der in engen Kehren aber etwas Nachdruck verlangt. Dennoch fährt sich das rote Wilde auch da im Vergleich zu deutlich schwereren E-MTBs ausgesprochen agil und führig.

Preis 8999 €/Fachhandel
Gewicht 19,5 kg
Rahmenmaterial Carbon
Rahmengröße M, L, XL
Motor Shimano EP8
Akku Rotwild, 375 Wh
Display Shimano SC-EM800
Federweg Gabel 170 mm, Rahmen 170 mm
Schaltung 1 x 12 Gänge, 34 : 10–51 Zähne, Shimano-XT-Schaltgruppe
Bremsen Shimano XT (M8120) 203/203 mm
Federgabel Fox 36 Float Factory
Federbein Fox Float DPX2 Factory
Laufräder DT Swiss HX1501 Spline One
Reifen (v/h) Schwalbe Magic Mary/Hans Dampf Evo TLE 29 x 2,4"
Vario-Stütze 8Pins H01 (bis 230 mm)
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Stefan Eigner

Fazit von Chris Pauls, Redakteur: "Volle E-Bike-Power bei einem so gerin – gen Gewicht: Das ist einmalig und macht aus dem neuen Rotwild R.E 375 ein geniales E-Enduro."

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