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Shimano

Shimano Präsident Yozo Shimano im Interview

Shimano-Präsident Yozo Shimano über E-Bikes, urbane Mobilität und die Zukunft des Fahrrads.

E-Bikes spielen in Städten eine immer wichtigere Rolle? Wie wichtig ist das Thema E-Bike für Shimano?

Antwort: Natürlich ist das sehr wichtig, denn E-Bikes bieten Lösungen für alle Probleme der heutigen urbanen Mobilität – sie machen weniger Lärm als Autos, sie brauchen weniger Platz, sie erzeugen keine Staus, sie sind emissionsfrei, sie fördern einen gesunden Lebensstil und noch vieles mehr!

Shimano wurde 1921 gegründet, blickt auf knapp 100 Jahre Fahrrad-Know-how zurück. Wie sehr verändert das E-Bike die Fahrrad-Tradition und -Technik?

Antwort: Weniger als man erwarten würde. Unsere Philosophie ist es, dass ein E-Bike immer noch ein Fahrrad ist und sich genauso anfühlen und kontrollieren lassen sollte wie ein Fahrrad. Deshalb nutzen wir unsere gesamte Erfahrung aus fast 100 Jahren, um Komponenten für E-Bikes zu entwickeln, die genau das tun.

In den Anfängen war ein E-Bike ein Fahrrad, an das jemand einen Motor und einen Akku gebaut hat. Jetzt sind E-Bikes eher eigenständige Fahrzeuge. Wie viel Fahrrad steckt noch in einem Elektrorad?

Antwort: Dieses tolle Gefühl, wenn man in die Pedale tritt und den Wind im Gesicht spürt, ist bei einem E-Bike immer noch vorhanden. Man muss immer noch schalten, die Kraft über den Antriebsstrang übertragen und bremsen. Natürlich müssen wir angesichts der erhöhten Leistung eines E-Bikes die Entwicklung unserer modernen Brems-, Antriebs- oder Schaltkomponenten speziell auf die Anforderungen von E-Bikes ausrichten. Aber dennoch folgen sie alle unserem System-Ansatz. Deshalb ist ein E-Bike immer noch ein Fahrrad.

Das E-Bike macht das Fahrrad auch für die Automobil-Industrie interessant. Fast alle großen Zulieferer bieten bereits eigene Systeme an. Wie beobachten Sie die Entwicklung?

Antwort: Wir haben den Wettbewerb auf unserem Markt schon immer begrüßt, weil er die Entwicklung und den Fortschritt vorantreibt. Wir sind zuversichtlich, dass wir uns auch bei einem Markteintritt der großen Akteure aus der Automobilindustrie behaupten können. Denn im Gegensatz zu ihnen sind wir nicht nur ein Motor- oder Batteriehersteller, sondern entwickeln und konstruieren voll integrierte Systeme, die auf 100 Jahren Erfahrung mit Fahrrädern basieren.

Wie viele Anbieter verträgt der Markt am Ende?

Antwort: Der aktuelle Markt besteht aus einer Handvoll größeren Anbieten und anderen lokalen, kleineren Herstellern. Das ist eine gute Voraussetzung, die beim Verbraucher Vertrauen schafft, ihm den Zugang erleichtert und die Produktentwicklung befördert.

Von Shimano bekommen Radhersteller alles aus einer Hand: angefangen beim E-System bis hin zur Ketten- oder Nabenschaltung. Wie wichtig ist das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten?

Antwort: Das ist für uns mit Abstand der wichtigste Faktor. Von Anfang an haben wir immer unseren System-Ansatz verfolgt. Jede Komponente, bis hin zu den kleinsten Ersatzteilen wie Bremsbelägen, Ketten und Leitungen wird im System entwickelt. Die Komponenten arbeiten dadurch in perfekter Harmonie zusammen. Auf diese Weise funktioniert das System als Ganzes und ist mehr als die Summe seiner Teile.

Für E-Bikes interessieren sich nicht nur eingefleischte Radfahrer, sondern zum Beispiel auch Menschen, die keine Lust mehr aufs Auto habe. Für diese Zielgruppe ist Service extrem wichtig.

Antwort: Das stimmt. Viele Menschen, die dank E-Bikes mit dem Fahrradfahren beginnen oder nach einer längeren Pause wieder anfangen, erwarten ein Serviceniveau, das sie aus der Automobilwelt kennen. Mit buchstäblich zehntausenden von Fahrradhändlern weltweit bietet SHIMANO das größte Servicenetzwerk, bei dem ein qualifizierter Partner nie weit entfernt ist.

In Deutschland ist der E-Bike-Boom seit vielen Jahren ungebrochen. Wie lange hält diese Entwicklung noch an?

Antwort: Das E-Bike ist nicht mehr wegzudenken. Es hat sich als Fahrrad-Kategorie fest etabliert. Mittelfristig erwarten wir, dass etwa ein Drittel aller Fahrradverkäufe in Deutschland E-Bikes sein werden.

Wird das Elektro-Fahrrad das normale Fahrrad verdrängen?

Antwort: Das ist sicher nicht unsere Absicht! Wir glauben, dass es immer normale Fahrräder auf dem Markt geben wird. Das hängt vom Einsatzbereich ab. In einigen Bereichen werden E-Bike-Versionen den Markt dominieren, in anderen werden elektrisch unterstützte Varianten Nischenprodukte bleiben.

Stichwort Entwicklung und damit ein Blick in die Zukunft: Auf welche Innovationen dürfen sich E-Biker in den kommenden Jahren noch freuen?

Antwort: Bei den Antriebseinheiten geht der Trend zu kleineren und leichteren Motoren und größeren Batteriekapazitäten. Aber wenn dieser Entwicklungspfad technologisch an seine Grenzen gerät, können wir auch effizientere Antriebeinheiten in Kombination mit einer steigenden Batteriekapazität erwarten. Konnektivitäts-Funktionen und Integration sind ebenfalls aktuelle Trends, die weiter an Bedeutung zunehmen werden.

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