TESTARTIKEL E-Light-Mountainbikes
Fakten, Bikes und Neuheiten: Alle Infos zu Light-E-MTBs

Immer mehr Modelle, Konzepte und Motoren machen das noch junge "Light E-Mountainbike"-Segment interessant. Wir zeigen den Stand der Dinge und eine Übersicht aller Light E-MTBs.

Fakten, Bikes und Neuheiten: Alle Infos zu Light-E-MTBs
Foto: Orbea

Von Light-Cola bis Light-Mortadella – kalorienreduzierte Produkte aus der Food-Industrie "genießen" einen zweifelhaften Ruf. Kommen die aktuell boomenden Light-E-MTBs ebenso fad daher? Sind sie bloß eine zweifelhafte Modeerscheinung? Mehr Schein als Sein? Unsere Meinung ist klar: Nein. Im Gegenteil, Light-E-MTBs haben, sofern gut gemacht, das Zeug zum Gamechanger. Mehr noch, für viele – sicher nicht für alle! – stellen die "Lightrider" die ideale Symbiose aus E-Bike und klassischem MTB dar

Was sind Light E-Mountainbikes?

Doch worum geht es überhaupt? Zunächst einmal um ein Problem, nämlich das hohe Gewicht von "Full-Size"-E-MTBs. Kraftvolle Motoren, riesige Akkus und kreuzstabile Parts treiben die Gewichte oft auf 25 Kilo und mehr. Das wird bergauf von bärenstarken Aggregaten à la Bosch dank rund 90 Nm Drehmoment locker kaschiert, auch bergab liegen die Dickschiffe grundsätzlich maximal satt und sicher. Knifflig wird’s, wenn’s knifflig wird: Auf verwinkelten Trails stören die Pfunde, Bremspunkte verschieben sich, Fahrtechniken wie Bunny-hop oder das Versetzen des Hinterrades werden zum Kraftakt. Aber auch abseits des Pedals können die Schwergewichte nerven. Etwa beim Tragen über Weidegatter oder gar über längere, ausgesetzte Felspassagen hinweg – oder schon schlicht beim Hinabwuchten in den heimischen Keller.

Orbea
Leistungsentfaltung erst bei hoher Kadenz Ein Geheimrezept der Light-Assist-Motoren ist, dass sich die Leistung erst bei höheren Trittfrequenzen um 75 U/min entfaltet. Orbea veränderte z. B. (siehe Diagramm) die Leistungskurve des Shimano EP8 stark in Richtung hohe Kadenz. Das spart Wattstunden, da sich die Leistung durch Drehmoment und Drehzahl berechnet. Zudem fühlt sich das Treten sehr natürlich an.

Light-E-MTBs setzen der Schwerstarbeit ein Ende. Top-Modelle wiegen unter 19 Kilo. Und das im stabilen All-Mountain- oder gar Enduro-Trimm. Das Schlagwort dahinter ist das der Light-Wurst: Reduktion. In dem Fall natürlich nicht bei Fett und Zucker, sondern zunächst einmal beim Drehmoment. In den meisten Light-E-MTBs arbeiten "Minimal-Assist"-Motoren, die mit circa 50 Nm maximalen Drehmoment rund die Hälfte bis zwei Drittel der Leistung

eines typischen E-Bike-Aggregats liefern. Dadurch können diese Motoren sehr kompakt (was der Geometrie des Bikes zugutekommen kann) und entsprechend leicht ausfallen. Viel wichtiger: Weniger Leistung bedeutet weniger Stromhunger, entsprechend klein und vor allem leicht sind die Akkus. Batterien mit 350–450 Wattstunden sind Standard – rund die Hälfte der schweren Brummer in den Full-Size-Modellen. Dennoch erzielen Specialized Levo SL, Trek Fuel EXe und Co. fast dieselbe Reichweite und -höhe wie ihre ungleich schwereren Brüder, weil sie weniger "Saft ziehen". Und wer noch weiter oder höher hinaus will, nimmt einen (teuren) Zusatzakku, der zumeist in Form einer Trinkflasche im dafür vorgesehenen Halter Platz nimmt und 150–250 Wattstunden on top liefert.

Gibt es Nachteile bei Light E-Mountainbikes?

Und die Kehrseite der verlockend leichten Medaille? Wer ein "dickes" E-MTB gewohnt ist, wird beim ersten Pedalhub die Augen verdrehen. Verglichen mit dem, was die großen Motoren liefern, ist der Output der Minimal-Assist-Aggregate natürlich spürbar geringer.

Von einem lauen Lüftchen zu sprechen wäre aber falsch, schließlich leisten auch die kleinen Motoren in der Spitze 350 Watt zusätzlich, der neue Fazua gar für kurze Zeit 450 Watt. Man muss aber selbst etwas (mehr) dafür tun. Die meisten der Motoren sind zum Beispiel "Trittfrequenz-hungrig": Mit einem dicken Gang in den Uphill donnern und hoffen, dass es der Motor regelt? Das wird knapp ... Aber auch das ist am Ende konsequent, Light-EMTBs fahren sich "natürlicher". Sowohl bergauf wie bergab sind sie dem unmotorisierten MTB oft sogar näher als dem klassischen E-MTB und zielen damit auf eine neue, alte Zielgruppe: den Mountainbiker.

Zusatzakkus von Light E-Mountainbikes

Hersteller wie Specialized und Orbea schwitzen noch einige Gramm durch einen fest verbauten Akku aus: Das Unterrohr kann leichter gestaltet werden, wenn keine große Öffnung vorhanden ist. Diese Hersteller bieten dann Reichweitenerweiterer ("Range Extender") als Zubehör an, die sich in den Flaschenhalter einsetzen lassen und 160 oder 252 Wh Kapazität liefern.

Specialized
Range Extender“, also Reichweitenvergrößerer, die etwa in den Flaschenhalter passen, gibt es von Specialized (160 Wh) und Orbea (252 Wh). Das Zusatzgewicht liegt bei 1,0 bzw. 1,4 Kilo, die Preise betragen 370 Euro (Specialized) und 500 Euro (Orbea)

Die E-MTB-Light-Motoren in der Übersicht: