ABS E-MTB Bosch Agron Beqiri

Erster Test: Bosch ABS für E-MTBs

E-Bike ABS jetzt auch fürs E-MTB Erster Test: Bosch E-MTB ABS

Bosch rüstet E-MTBs zukünftig mit einem trail-geeigneten ABS aus. Wir konnten es schon ausprobieren.

ABS am Mountainbike? Ergibt das Sinn? Laut Bosch durchaus. Ob und wie die jüngst von den Schwaben vorgestellte "Stotterbremse" fürs Bergrad funktioniert, wollten wir mit diesem Test herausfinden. Doch zunächst einen Schritt zurück. ABS, was ist das überhaupt? Vermutlich eine auf den ersten Blick dumme Frage, denn das Antiblockiersystem kennen die meisten Menschen, seitdem es in den 90er Jahren in Autos in Serie ging. Doch wer wusste bislang, dass schon seit 1903 an sogenannten Bremskraftreglern getüftelt wird? Ende der 60er Jahre kam es dann an den ersten Autos in den USA zum Einsatz. Auch Bosch forschte bereits vor über 50 Jahren am Antiblockiersystem. Heute ist es an Autos und Motorrädern nicht mehr wegzudenken, an PKWs sogar seit 2004 Pflicht.

Das Prinzip ist simpel: ABS verhindert – nomen est omen – das Blockieren der Räder durch zu starkes Bremsen. Ein "nicht stehendes" Rad kann weiter Traktion aufbauen, der Bremsweg wird kürzer, und das Fahrzeug bleibt selbst bei Vollbremsung manövrierbar. 2018 stellte Bosch das erste serienreife ABS-System für E-Bikes vor: Das für Citybikes entworfene System funktionierte, brachte allerdings ein Mehrgewicht von 800 g alleine für Sensorik und Elektronik mit und benötigte ein großes Steuermodul, das unter dem Lenker saß. Der Einsatz am E-MTB schien nicht nur wegen Gewicht und Optik schwer vorstellbar, auch die Funktion war fürs Mountainbiken noch nicht bereit. Seit August dieses Jahres soll sich das geändert haben, denn die Schwaben verkleinerten ihr ABS. Das Steuermodul sitzt jetzt am linken Gabelholm und soll nur noch 200 g wiegen – dazu kommen dann noch die Sensoren, spezielle Bremsscheiben etc. Dabei handelt es sich auf den ersten Blick um ein vergleichsweise einfaches System, das nur die Vorderradbremse steuert und bei starken Bremsmanövern Geradeausfahrten sicherer machen soll. Das neue ABS bietet aber zwei Modi: "Allroad" fürs Trekkingrad und "Trail" für den Einsatz im Gelände. Während der Sensor am Heck im Allroad-Modus verhindert, dass das Hinterrad bei einer Vorderradbremsung den Boden verlässt, und somit dem Überschlag entgegenwirkt, erlaubt der Trail-Modus genau dieses Anheben – um in Spitzkehren das Hinterrad elegant versetzen zu können.

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Besser bremsen: Bei Geradeausfahrten arbeitet das ABS bar jeder Kritik. Zieht man im „Allroad“-Mode die Vorderradbremse voll durch, regelt das System die Verzögerung so, dass das Rad nicht wegrutscht.

"Nose Wheelie" für alle?

Wortwörtlich erster Berührungspunkt in unserem Praxis-Test an einem dafür zur Verfügung stehenden Cannondale Moterra Neo: die für versierte Bikerinnen und Biker gewöhnungsbedürftigen, arg ausladenden Zweifinger-Bremshebel der in Kooperation mit Bosch konstruierten Magura-MT-C-ABS-Bremse. Sobald man das System via Bedienteil aktiviert hat, muss man dem ABS vertrauen. Das fällt im Allroad-Modus aber absolut leicht. Egal, wie stark man die Bremse betätigt, das Bike bleibt bei gerader Fahrt perfekt kontrollierbar, das Hinterrad hebt nie ab. Dabei fühlt sich die Vierkolben-Magura-Bremse sogar extrem bissig an – aber eben mit "Maulkorb". Im Trail-Modus erhöht sich die Bremskraft noch weiter. Schon bei der ersten Probebremsung steigt das Heck an, bei vollem Zug kommt das Hinterrad ordentlich hoch. Ein eleganter "Stoppie" ist kein Problem.

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Disyplay: Bosch bietet das ABS nicht zum Nachrüsten an. Es muss vom Radhersteller konfiguriert werden und arbeitet nur zusammen mit dem noch recht neuen Bosch-Smart-System. Über Remote und das bekannte Kiox-Display kann man einen der beiden Modi wählen oder es ganz ausschalten.

Doch wie agiert das ABS auf dem Trail? Beeindruckend ist, wie souverän es auch hier im Geradeaus den Schlupf selbst über verschiedene Untergründe hinweg reguliert.

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Unterschiedliche Untergründe „erfühlt“ das neue ABS souverän und vermeidet so das Blockieren des Rads.

Sogar während der Bremsung passt der Algorithmus die Dosierung blitzschnell an. Wo das ABS nicht hilft, ist beim Bremsen in Kurven. Während moderne Motorrad-ABS gekonnt einen Sturz in Schräglage verhindern können, rutscht das MTB vorne weg. Es gilt also weiterhin, vorausschauend zu fahren und die Beschaffenheit des Trails zu scannen.

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Schräglagen kann das eher simpel aufgebaute ABS nicht erkennen. Bremst man abrupt in der Kurve, rutscht das Vorderrad genauso weg wie bei einem Bike ohne ABS.

Das ist auch beim Hinterradversetzen in Spitzkehren wichtig. Zwar schafft man es bei gleichbleibendem Bodenbelag selbst als Ungeübte(r), das Hinterrad beeindruckend hoch zu lupfen, im Scheitelpunkt der Kurve "on Trail" gelingt das dann aber nicht mehr so geschmeidig. Typischerweise wechselnde Untergründe irritieren die Sensoren zu stark, alle unsere versierten Tester notierten, diesen Fahrtechnik-Akt ohne ABS weitaus geschmeidiger hinzubekommen.

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Im Tanz durch Spitzkehren reagiert der neue „Trail“-Modus (noch?) etwas zu unsensibel und schwer berechenbar: Es ist kaum einzuschätzen, wie stark das ABS regelt – oder wann es öffnet.

So profitieren vor allem Hobby-E-Bikerinnen und -Biker vom Bosch-(Trail-)ABS, deren Ausfahrten spürbar sicherer werden dürften. In Sachen Dosierbarkeit bei "Nose Wheelie" und Co. wird das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Firmware-Updates oder neue Ausbaustufen des ABS werden hier noch ganz neue Dimensionen erschließen.

Bosch-ABS im Detail

1. Schalter

Mit Boschs LED-Remote wechselt man zwischen dem "Allroad"- und dem "Trail"-Mode oder schaltet das ABS gleich ganz aus. Das Display zeigt den Modus während der Fahrt an.

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2. Regler

Nur 200 g soll der Bremskraftregler an sich wiegen. Er sitzt am rechten Gabelholm und steuert den Bremsdruck der Vorderbremse. Über die Sensorik an Vorder- und Hinterrad wird das ABS gespeist.

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3. Bremse

Das ABS kommt lediglich an der Vorderradbremse zum Einsatz. Die starke Vierkolben-Magura- Bremse wird über die "Schnittstelle" Bremskraftregler gesteuert und nicht mehr direkt vom Fahrer dosiert.

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4. Sensorik

Hinten und vorne sitzen Sensoren, die dem ABS-System mitteilen, wann das Vorderrad blockiert oder ob das Hinterrad steigt. So kann die Software effektiv gegensteuern.

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Fazit von Testchef Chris Pauls: "Braucht noch Zeit"

Beim ersten Kontakt mit dem neuen Bosch-ABS merkt man als versierter Biker schnell, dass noch nicht alles perfekt ist. Der etwas plumpe Zweifinger-Bremshebel zum Beispiel oder auch die noch nicht optimal gelungene Dosierbarkeit in Spitzkehren. Doch im Vergleich zum ersten ABS von Bosch ist ein Quantensprung passiert. Geht die Entwicklung so weiter, dann könnte in ein paar Jahren jedes E-MTB mit ABS ausgestattet sein, ähnlich wie es bei Motorrädern schon längst der Fall ist.

Erste Eindrücke des Bosch-ABS in Bildern

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