Im Test: 9 E-MTBs-Hardtails

Neun E-MTB-Hardtails im Test

Foto: Daniel Geiger E-MTB E-Mountainbike E-Hardtail-Test

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Wie fit sind E-Hardtails für Ausflüge ins Gelände? Dieser Test beweist, dass so manches aktuelle Modell auch abseits befestigter Wege viel Fahrspaß vermittelt. Wir haben nach Stärken und Schwächen geforscht.
Zu den getesteten Produkten

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Bulls Six 50 27,5 Plus E3(2017) (Testsieger) 3199 Euro Sehr gut
Conway EMR 429(2017) 3000 Euro Sehr gut
Cube Reaction Hybrid HPA SL 500 (2017) (Preis-Leistungs-Tipp) 2799 Euro Sehr gut
Giant Dirt-E+ 0.5 LTD (2017) 3299 Euro Sehr gut
Mondraker E-Prime R+ (2017) 3499 Euro Sehr gut
Scott E-Scale 720 Plus (2017) 3399 Euro Sehr gut
BH Bikes Rebel 29 (2017) 2899 Euro Gut
Drössiger HTA Steps 2 (2017) 3199 Euro Gut
Flyer Uproc 1 4.10 (2017) 2499 Euro Gut

E-Mountainbike: Fully oder Hardtail?

Wie bei herkömmlichen Mountainbikes gibt es auch bei E-Mountainbikes solche mit Vollfederung (Fullys) und jene, die nur per Federgabel an der Front federn. Über die Vor- und Nachteile ist viel geschrieben worden, und beide Varianten haben ihre Anhänger. Kurz gesagt: Hardtails sind billiger, leichter und wartungsfreundlicher, Fullys komfortabler und sicherer im Gelände. Doch lassen sich diese groben Unterscheidungen auch auf E-MTBs übertragen.

Im Grunde ja, wenn auch das Thema Gewicht eine weniger tragende Rolle spielt. Klar ist, dass vollgefederte E-Mountainbikes im Gelände mehr Spaß und Komfort bieten. Ergibt es dann überhaupt einen Sinn, ein meist über 20 Kilo schweres E-Bike ohne Heckfederung zu fahren? Wir sagen ja und beweisen es in diesem Test. Einige der neun Bikes haben mehr drauf als das gemütliche Biken auf Forstwegen, sie machen auch auf Trails eine gute Figur. Sie sind also etwa für Umsteiger, die über eine solide Fahrtechnik verfügen, ein preiswerter E-Einstieg.

9 E-Hardtails von 2500 bis 3500 Euro

Deshalb entschieden wir uns für die Preisklasse um 3000 Euro, da hier schon hochwertige Motoren sowie Ausstattungen, die unter MTB-Bedingungen funktionieren, verbaut werden. Da unser Labortest schon früh im Jahr stattfand, konnten viele Hersteller keine Testbikes zur Verfügung stellen – etwa Merida, Centurion, Ghost, Specialized, Simplon und Focus. Schade, denn so waren Bikes, die mit dem neuen Shimano-Steps-E8000-Motor ausgestattet sind, zum Testzeitpunkt noch nicht serienreif. Shimano ist dennoch mit dem Einsteigermotor Steps-E6000 am Drössiger HTA Steps 2 im Test vertreten. Die meisten Bikes im Test setzen aber auf den starken Bosch-Performance-Line-CX-Motor. Yamaha rüstet die Bikes von BH und Giant mit dem PW-Motor aus. Wobei der Antrieb für Giant eigens modifiziert wurde und eine eigene Bedieneinheit sowie Display bietet. Wie der aufwendige Labor- und Praxistest ablief – siehe im Abschnitt weiter unten.

Einen knappen Sieg unter den neuen Testbikes errang das ausgewogene Bulls Six 50 Plus E3, das preiswerte und dennoch hochwertige Cube Reaction Hybrid HPA SL 500 holte den Kauftipp.

Foto: Daniel Geiger E-Mountainbike E-MTB E-Hardtail

Die E-Hardtails im Test-Einsatz.

kurz und knapp E-Hardtail-Test

Gerade für fahrtechnisch versierte Umsteiger vom Normal- aufs E-MTB sind E-Hardtails eine Überlegung wert. Preislich attraktiv, bieten vor allem Bikes mit Plus-Bereifung viel Fahrspaß und Komfort selbst abseits befestigter Wege. Der Trail kann also kommen!

So testen wir E-Mountainbikes:

Im großen E-MTB-Praxis- und -Labortest wurden die neun Bikes in diversen Laboren geprüft sowie auf E-MTB-typischen Teststrecken gefahren.

Um einen aussagekräftigen Vergleichstest mit E-MTBs durchzuführen, braucht es viel Zeit und Erfahrung. Erfahrung in puncto Praxistest und Geometrievermessung sowie Bewertung, damit kann die Redaktion dienen. Für die Analyse der Motoreigenschaften wie etwa das Drehmoment und die Reichweite haben wir uns Unterstützung von der Firma e-Checker geholt. Hier der Testablauf im Detail.

1. Reichweite:

Ein reproduzierbarer Test der Reichweite ist nur unter Laborbedingungen möglich. Bei Messfahrten im Gelände sind äußere Einflüsse wie Außentemperatur, Windsituation, wechselnde Untergrundbeschaffenheit und die Kraftzugabe des Fahrers selten konstant. Sprich: Im Zweifelsfall kommt eine erneute Messung nicht auf den exakt gleichen Wert. Deswegen entschieden wir uns für eine Kooperation mit dem Prüflabor e-Checker, in dem die E-Bikes auf einem Spezialprüfstand ein immer gleiches Programm durchlaufen.

Ein Motor beschleunigt den Kurbelarm, gegen das Hinterrad drückt eine Rolle, ähnlich wie bei einem Rollen-Hometrainer. Über die Rolle kann der Widerstand reguliert werden, das Fahrergewicht wird mit 80 kg berücksichtigt. Zwischen Akku und Motor wird eine Messschnittstelle installiert. Sie misst, wie viel Strom der Motor verbraucht. Die Messfahrt dauert nur einige Minuten. Durch die gesammelten Daten kann die Reichweite errechnet werden. Unser Testprogramm beinhaltet drei Fahrsituationen.

1. Trail:

Das Bike wird auf 20 km/h beschleunigt. Um einen kurvigen Trail zu simulieren, wird das Bike 5 Mal auf 10 km/h abgebremst und dann wieder beschleunigt. Die 1,25 km lange, ebene Wegstrecke steigt am Ende 2,5 % an.

2. Tour:

Auf einer Strecke von 2 km wird zwischen 23 und 20 km/h gefahren. Hinzu kommen drei kurze Anstiege von 2,5 %. Zum Schluss muss der Motor einen Berg mit 10 % Steigung bezwingen, hier wird mit maximal 15 km/h gefahren. Alle Werte fließen mit in die Endnote ein. Im Detail findest du die Reichweite in den Testbriefen ab Seite 28. Weil der Prüfaufbau nicht jegliche Fahrsituationen in der Praxis abdecken kann, kann es sein, dass die Labormessungen von der tatsächlichen Reichweite in der Praxis abweichen.

2. Motorleistung:

Ein weiterer Test misst die Motorleistung. Bei einer Bergfahrt mit variabler Steigung bis zu 15 % wird ermittelt, wie viel Drehmoment der Motor maximal im kleinsten Gang am Hinterrad aufbringen kann. Die Werte liegen unter den angegebenen Drehmomenten der Hersteller, da diese das am Motor zur Verfügung stehende Moment angeben. Bis zum Reifen kommt es jedoch zu Verlusten. Die Angabe in Newtonmeter fließt ins Endergebnis ein. Alle Werte findest du in den Testbriefen.

3. Schwerpunkt und Gewichtsverteilung

Im hauseigenen Labor wird die Gewichtsverteilung auf Vorder- und Hinterrad gemessen sowie die Höhe des Schwerpunkts ermittelt. Über eine einfache Messung und anschließende Berechnung kann die Verteilung in Prozent gezeigt werden. Zudem wird ermittelt, wie hoch der Schwerpunkt liegt. Diese Werte fließen nicht direkt ins Ergebnis ein, sondern dienen den Testfahrern als Korrespondenz-Wert. Warum diese Werte bei E-MTBs wichtig sind? E-Bikes wiegen über 20 kg, dadurch wird das Fahrverhalten deutlich beeinflusst. Ein hoher Schwerpunkt wirkt sich spürbar negativ auf die Wendigkeit des Bikes aus. Je tiefer der Schwerpunkt, desto besser lässt sich ein Bike in Kurven legen. Die Verteilung vom Gewicht auf Vorder- und Hinterrad gibt zudem zusätzlich Hinweise darauf, ob das Rad eher front- oder hecklastig steuert. Die aufgenommenen Werte in Prozent und Millimeter findest du in den Testbriefen.

4. Gewichte, Geometrien und Ausstattung

Wie üblich in einem Vergleichstest von MOUNTAINBIKE werden die Geometrien in einem digitalen Vermessungsprüfstand ermittelt. Die Werte in den Geometrietabellen sind also tatsächliche Daten und keine Herstellerangaben. Zudem dokumentierte unser Laborleiter Haider Knall die Ausstattung und ermittelte Gewichte von Komplettbike, Akku und Laufrädern. Alle Angaben befinden sich in den Testbriefen.

5. Praxistest

Wichtigster Anteil eines jeden Biketests ist der Praxistest. Hier fuhren drei Tester unterschiedlicher Statur, verschiedener Fitnesslevels und Vorlieben (Racer, Tourenfahrer, Endurist) die Bikes. Die Teststrecke beinhaltet teils sehr steile Anstiege, ebene Schotterpassagen sowie kurvige Singletrails mit schnellen Abfahrten, engen Kehren bis hin zu kleineren Sprüngen. Nach jeder Testfahrt notierte jeder Fahrer seine Eindrücke und benotete Einzelpunkte wie etwa Geometrie, Hinterbau oder den Antrieb.

Alle Noten und Werte aus den zuvor beschriebenen Testverfahren wurden anschließend in einer Excel-Tabelle zusammengeführt und dem Einsatzbereich eines E-MTBs entsprechend gewichtet. Aus ihnen resultieren die Endnoten und somit auch das Testergebnis.

Schwerpunkt und Gewichtsverteilung:

Je höher das Gewicht eines Bikes, umso wichtiger wird die Lage des Schwerpunkts. Schon eine leichte Verschiebung beeinflusst das Fahrverhalten spürbar.

Foto: E-MOUNTAINBIKE E-MOUNTAINBIKE 0417 Tourenfullys Punkteverteilung und Wertung

Der Notenschlüssel zeigt, wie weit entfernt oder nah das Produkt an der nächsten Note liegt.

Punkteverteilung und Wertung E-Hardtails

Anhand einer Auswertungstabelle wird die Punktezahl für jedes Bike errechnet und somit die Endnote bestimmt. Die Punkte erlauben eine feine Unterscheidung in der Beurteilung etwa zwischen zwei Bikes, die beide im „sehr gut“ liegen, aber dennoch nicht auf demselben Niveau abschneiden.

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05.12.2017
Autor: Chris Pauls
© E-MOUNTAINBIKE