Im MOUNTAINBIKE-Test: 10 E-All Mountains/Enduros

Test: E-All-Mountains und E-Enduros

Foto: Benjamin Hahn Mountainbike E-Allmountain/Enduro Test

Fotostrecke

E-Bikes im All-Mountain- und Enduro-Segment mit Federwegen von 140 bis 160 mm sorgen für Fahrspaß in allen Lagen – ob über flowige Trails, ausgesetzte Wege, im steilen Uphill oder einfach auf der komfortablen Genusstour. Wir haben zehn potente Alleskönner ab 4999 Euro getestet.
Zu den getesteten Produkten

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Canyon Spectral:On 8.0 (2018) 4999 Euro Überragend
Centurion No Pogo E R3500 (2018) 5899 Euro Sehr gut
Conway eWME 72 (2018) 5999 Euro Sehr gut
Focus Sam2 (2018) 4999 Euro Sehr gut
Merida eOne-Sixty 900 (2018) 5099 Euro Sehr gut
Scott E-Genius 710 (2018) 6199 Euro Sehr gut
Thok MIG-R (2018) 5250 Euro Sehr gut
Giant Full-E+ 0 SX Pro (2018) 5999 Euro Gut
Haibike XDuro AllMtn 9.0 (2018) 5499 Euro Gut
Bulls E-Stream EVO AM 4 27,5+(2018) 4799 Euro Gut

kurz & knapp:

  • E-MTBs besitzen einen Elektromotor, der beim Pedalieren unterstützt. Um abseits öffentlicher Straßen fahren zu dürfen, muss die Nennleistung des Motors bei maximal 250 W liegen, und der Motor darf nur bis 25 km/h mitarbeiten.
  • In diesem Test befinden sich E-Fullys der Kategorien All-Mountain und Enduro. Je nach Hersteller liefern diese Bikes zwischen 140 und 160 mm Federweg vorne und hinten. Ihr Einsatzbereich ist vielseitig. Von leichten Touren durchs Gelände bis zum Bikepark-Besuch ist nahezu alles möglich.
  • In Sachen Laufradgrößen setzen die meisten Hersteller auf 27,5-Plus-Reifen. Neu ist der Mix von 29" vorne und 27,5" hinten

Dreht sich nicht alles im Leben um den Spaß? Mitnichten, beim Biken aber eigentlich schon! Und beim E-Biken sogar noch mehr. Denn hier unterstützt der Motor da, wo „normales“ Biken anfängt wehzutun. Doch jeder Biker versteht unter Fahrspaß etwas anderes. Spaß ist subjektiv. Beim Bike heißt das für den einen, das Cruisen auf dem Feldweg, die Natur genießen.

Für den anderen ist Fahrspaß das technisch fordende Biken auf Trails. Warum wir darüber sprechen? Weil es kaum eine Kategorie gibt, die derzeit so sehr für Fahrspaß steht, wie die der hier getesteten E-All-Mountains und - Enduros: 10 Bikes, zwischen 5000 und 6200 Euro, die mit 140 bis 160 mm Federweg so viel Potenzial bieten (sollen), um es auch auf anspruchsvollsten Trails krachen zu lassen.

An diesen Bikes finden sich teils moderne, tendenziell abfahrtslas- tige Geometrien, kreuzstabile Parts, Reifen mit Monster-Grip und bis ins Detail durchdachte Konzepte, die einen facettenreichen Einsatz ermöglichen. Dazu gehört natürlich auch die Tour durch die Alpen oder die entspannte Feierabendrunde. Stichwort Motor: In diesem Test finden sich E-Bikes mit Motoren von Brose (Bulls), Bosch (Centurion und Haibike), Yamaha (Giant) und Shimano (Canyon, Conway, Focus, Merida, Scott und Thok).

Doch nicht nur die Antriebe sorgen für Vielfalt. In keinem unserer E-MTB-Tests in diesem Jahr fielen die Charaktere so unterschiedlich aus wie in diesem. So orientieren sich die Geometrien von Canyon, Conway und Merida eher an modernen Enduro-Bikes ohne Motor – also jenen, die ein verspieltes Trail-Handling liefern.

Die Bikes von Centurion oder Bulls setzen hingegen auf lange, kletterfreund- liche Heckpartien, die aber Spielfreude kosten. Kurzum: Man sollte bei der Wahl des zukünftigen E-Bikes schon genau hinsehen und sich im Vorfeld darüber bewusst sein, für welchen genauen Einsatzbereich man ein Bike sucht.

Weil Fahrspaß über allem steht, ist dieser auch in unserer Bewertungstabelle stark gewichtet zu finden. Und diesen fanden wir, neben anderen Faktoren, beim neuen Canyon so überzeugend, dass es diesen Test für sich entscheiden konnte. Aber auch die E-Allrounder von Conway, Focus, Merida und Scott können auf fast ganzer Linie überzeugen und sind ihr Geld wert.

Kurz und Knapp

E-Bikes der Kategorie Enduro und All-Mountain sind die spannendsten E-MTBs am Markt, sie bieten Fahrspaß in allen Facetten, bewährte Motoren und höchst robuste Parts. Nicht alle Bikes im Test können überzeugen, einige dafür umso mehr.

Foto: Redaktion Mountainbike E-Allmountain/Enduro Test

So testen wir E-Mountainbikes

E-MTBs müssen bei uns – wie normale Bikes auch – einen umfangreichen Labor- und Praxistest durchlaufen. Im Labor nehmen wir alle relevanten Daten auf, bevor die Bikes auf die Trails gelassen werden. Heraus kommt ein objektives, transparentes und für jeden nachvollziehbares Testergebnis.

Schwerpunkt und Gewichtsverteilung

In unserem hauseigenen Labor wird die Gewichtsverteilung auf Vorder- und Hinterrad gemessen sowie die Höhe des Schwerpunkts ermittelt. Über eine einfache Messung und anschließende Berechnung kann die Verteilung in Prozent gezeigt werden. Zudem wird ermittelt, wie hoch der Schwerpunkt liegt. Diese Werte fließen nicht direkt ins Ergebnis ein, sondern dienen den Testfahrern als Korrespondenzwert.

Warum diese Werte bei E-MTBs wichtig sind? E-Bikes wiegen weit über 20 kg, dadurch wird das Fahrverhalten deutlich beeinflusst. Ein hoher Schwerpunkt kann sich spürbar negativ auf die Wendigkeit des Bikes auswirken. Je tiefer dagegen der Schwerpunkt, desto besser lässt sich ein Bike in Kurven legen. Die Verteilung vom Gewicht auf Vorder- und Hinterrad gibt zudem zusätzlich Hinweise darauf, ob das Rad eher front- oder hecklastig steuert. Die Werte in Prozent und Millimeter findest du in der Tabelle unten.

Foto: Redaktion Mountainbike E-Allmountain/Enduro Test

Gewichte, Geometrien und Ausstattung

Wie üblich in einem Vergleichstest von MOUNTAINBIKE werden die Geometrien in einem digitalen Vermessungsprüfstand ermittelt. Die Werte in den Geometrietabellen sind also tatsächliche Daten und keine Herstelleranga- ben. Zudem notiert unser Laborleiter Haider Knall die Ausstattung und ermittelt Gewichte von Komplettbike und Akku. Alle Angaben befinden sich in den Testbriefen.

Praxistest

Wichtigster Bestandteil eines jeden Biketests ist der Praxistest. Jeweils drei Tester mit unterschiedlichen Fitnesslevels und Vorlieben fahren die Bikes. Unsere Teststrecke beinhaltet steile Anstiege, ebene Forststraßen sowie Singletrails mit Anliegern und Sprüngen. Nach jeder Fahrt notiert jeder Fahrer seine Eindrücke und benotet einzelne Kriterien wie etwa Handling, Hinterbaufederung oder den Antrieb. Alle Noten und Werte werden in einer Excel-Tabelle zusammengeführt und entsprechend gewichtet.

Foto: Redaktion Mountainbike E-Allmountain/Enduro Test

Punktevergabe und Benotung

Jedem MOUNTAINBIKE-Radtest liegt eine komplexe Punktematrix zugrunde. Um maximale Transparenz und Informationen zu bieten, gibt es die Ergebnistabelle bereits seit der letzten Saison zum Nachlesen. Wie jedes Jahr haben wir die Kategorien 2018 auf die Entwicklungen der Saison angepasst. Für die E-MTBs gibt es eine eigene Punktematrix: Motorleistung und -charakteristik ersetzen die Punkte Lenkkopfsteifigkeit und Rahmengewicht, die bei den motorisierten Bikes eine untergeordnete Rolle spielen.

Auch die Gewichtungen haben wir entsprechend angepasst. Gleich ist für beide Kategorien die Maximalpunktzahl 250. Die Höchstnote ist „überragend“. Eine Bewertung, die nur die ganz wenigen Bikes bekommen, die quasi perfekt sind. Im Umkehrschluss bedeutet „gut“, dass das Bike auch wirklich gut und kein Reinfall ist. Die Unterschiede zwischen einem „sehr guten“ Bike mit 220 Punkten und einem „sehr guten“ Rad mit 200 Punkten sind ebenfalls deutlich bemerkbar.

Modelle im unteren sehr guten Bereich sind oft nicht so ausgewogen oder zeigen leichte Schwächen, dafür ist eine Charaktereigenschaft wie Downhill oder Vortriebseffizienz bisweilen stark ausgeprägt. Ganz wichtig: Die jeweilige Gewichtung, wenn etwa für Downhill 20 oder aber 30 Punkte verteilt werden, passen wir auf das Testfeld an. Nur so lassen sich Räder innerhalb der unterschiedlichen Kategorien bewerten und vergleichen. Der Fokus bei den All-Mountain-/Enduro-E-Bikes liegt auf dem Handling und dem Fahrspaß auf Trails, aber natürlich müssen diese Bikes in allen Bereichen überzeugen.

Rund ein Drittel der Punkte (Gewichte, Ausstattung, Verarbeitung/Sonstiges) resultieren aus Laborergebnissen und der Analyse unserer Techniker. Die anderen Punkte berechnen sich aus den (nicht abgebildeten) Einzelnoten der drei Testfahrer aus dem Praxistest. Klar, das Bike mit den meisten Punkten erhält den Testsieg. Zudem vergeben wir einen zusätzlichen Tipp für das (oder die) Bike(s) mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Spinnennetz in unseren Testbriefen zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Bikes in Relation zum Testumfeld liegen.

Je größer der Ausschlag in eine der acht Richtungen, desto prägender der Charakterzug. Ein Allrounder weist rundum eine große Fläche, ein Spezialist eine verschobene Grafik auf. Die jeweiligen Eigenschaften wie Up- oder Downhill sind meist gegensätzlich angeordnet. So siehst du auf einen Blick, welches Profil das Bike aufweist. Die Beispielgrafik zeigt ein abfahrtslastiges E-Bike mit potentem Fahrwerk und schwachem Motor sowie sehr hohem Gewicht.

18.10.2018
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 2018/2018