E-Mountainbike im Test

Testbericht: Specialized Turbo Kenevo Expert

Foto: Detlef Göckeritz E-MTB Duell Rotwild R.G+ FS Ultra 36 vs Specialized Turbo Kenevo Expert

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Für einen Freerider ist das Kenevo sehr verspielt und agil, dennoch hält das satte Fahrwerk das Specialized auch in ruppigstem Gelände sicher auf dem Trail. Parts und Motor gefallen ebenso.
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Auch das Kenevo entzieht sich trotz 180 mm Federweg an Front und Heck der Einordnung als Freerider, drängt anders als das Rotwild aber in die Enduro-Ecke. Kenner werden das schon beim Blick auf Oberrohr und Dämpferaufnahme erahnen, die dem motorlosen Enduro von Specialized entlehnt sind. Da sich die beiden Bikes eine Rahmenplattform teilen, besitzen sie ähnliche Stärken. Die Geometrie des Kenevo ist wunderbar ausgewogen, die Kettenstreben kurz, der Reach perfekt ausbalanciert – bei angenehm hoher Front. Der Fahrer steht zentral im Rad, das mit agilem Handling glänzt und die Kurven direkt angeht.

Foto: Detlef Göckeritz E-MTB Duell Rotwild R.G+ FS Ultra 36 vs Specialized Turbo Kenevo Expert

Der Stahlfederdämpfer springt feinfühlig an und agiert angenehm linear. Dafür ist das Setup kompliziert und langwierig.

Es ist mehr das mit 24 Kilo hohe Gewicht, das einen zwingt, das Kenevo aktiv ums Eck zu drücken. Andererseits verpasst der tiefe Schwerpunkt, gepaart mit achem 65°-Lenkwinkel, dem US-Dampfhammer genug Fahrstabilität, um beim heißen Ritt über Wurzeln und Steine die Spur zu halten. So präzise wie das Rotwild zieht das Specialized aber nicht seine Bahnen, auch weil die 2,8" breiten Plus-Pneus bei allem Grip ihre berüchtigte Schwammigkeit in hart gefahrenen Kurven zeigen. Das Fahrwerk lässt das Kenevo satt aufliegen, harmoniert aber nicht ganz perfekt. Während die feinfühlige Lyrik an der Front mit weicherer „Mitte“ und viel Endprogression arbeitet, zeigt sich der Öhlins-Stahldämpfer ebenfalls sensibel, gleitet dann aber linearer durch den Federweg. Der Specialized-Motor – eine Adaption von Brose – funktioniert ähnlich wie beim Rotwild mit angenehmer Unterstützung, ohne Raketenschub. Im Uphill steht der Hinterbau schön hoch im Federweg, reagiert dennoch sensibel und traktionsstark auf Unebenheiten – sodass das Kenevo problemlos selbst steilste Stiche erklimmt.

Technische Daten des Test: Specialized Turbo Kenevo Expert

Preis: 6299 Euro
Gesamtgewicht: 24,1 kg
Vertriebsweg: Fachhandel
Verfügbare Rahmenhöhen: S, M, L, XL
Rahmenmaterial: Carbon
Motor: Specialized 1.3 (Brose)
Akku: 504 Wh Li-Ion (36 V)
Federgabel: Rock Shox Lyrik RCT3
Federweg getestet: 180 mm
Federbein: Öhlins TTX22M
Federweg getestet: 180 mm
Gänge und Übersetzung: 1 x 11: 32 Zähne vorne, 11–42 Zähne hinten
Schaltwerk: Sram GX
Schalthebel: Sram GX
Bremse: Sram Code R 203/180 mm
Sattelstütze: Command Post Wu (Vario, 150 mm)
Vorbau: Specialized 45 mm
Lenker: Specialized 780 mm
Naben: Specialized
Felgen: Roval Traverse
Reifen: Specialized Butcher Grid 2,8"
Testurteil: Sehr gut

Geometrie

Einsatzbereich und Sitzposition

Fazit

Für einen Freerider ist das Kenevo sehr verspielt und agil, dennoch hält das satte Fahrwerk das Specialized auch in ruppigstem Gelände sicher auf dem Trail. Parts und Motor gefallen ebenso.

15.02.2018
© E-MOUNTAINBIKE
Ausgabe /2018