Mountainbiken in den spanischen Pyrenäen – Infos, Tourentipps und GPS-Daten

Mountainbiken in den spanischen Pyrenäen: alle Infos

500 Kilometer Trails! Die „Zona Zero“ rund um Aínsa in den spanischen Pyrenäen bietet 60 Loops aller Schwierigkeitsgrade, besonders aber Enduro-Touren an. Die meisten Routen sind ausgeschildert, einige – die für die ganz harten Jungs – lassen sich nur mit Hilfe eines GPS-Geräts erkunden. Wir haben GPS-Daten zu vier Top-Touren in der Region.

Fotostrecke: Mountainbiken in den spanischen Pyrenäen - die schönsten Bilder

5 Bilder
MOUNTAINBIKE 0317 Pyrenäen Nationalpark Monte Perdido Foto: Stefan Eigner
MOUNTAINBIKE 0317 Pyrenäen Mediano-Stausee Foto: Stefan Eigner
MOUNTAINBIKE 0317 Pyrenäen Trail Nationalpark Monte Perdido Foto: Stefan Eigner

Lage: Die „Zona Zero“ umschließt den Ort Aínsa in Aragonien im Norden Spaniens. Sie liegt am mittleren Südrand der Pyrenäen und grenzt an den Nationalpark Ordesa y Monte Perdido.

Allgemeine Reise-Infos: www.villadeainsa.com

Spezielle Bike-Infos: www.bttpirineo.com/en

Beste Reisezeit: In den Höhenlagen der Pyrenäen liegt im Winter Schnee. Aber in der Zona Zero kann und wird das ganze Jahr über gefahren. Regenwolken bleiben meist auf der französischen Seite hängen, auf dem spanischen Teil bleiben die Trails oft trocken.

Anreise: per Flugzeug nach Barcelona oder Zaragoza und weiter mit Mietwagen oder Bus (300 km/3:15 h ab Barcelona; 170 km/2:30 h ab Zaragoza; Infos über die Touri-Info in Aínsa: Tel. 00 34/9 74/50 07 67, E-Mail: turismo@ainsa-sobrarbe.es). Per Auto über Toulouse und Bielsa-Tunnel (1150 km/12 h ab Freiburg).

Unterkünfte:Casa Rivera“, Apartments im Herzen von Aínsa; „Hotel Dos Ríos“, ein modernes, zentral gelegenes Hotel; „Balcon del Pirineo“, charmante Apartments mit toller Aussicht; „Casas La Ribera“, moderne Apartments mit rustikaler Gemütlichkeit

Unbedingt einpacken: Es ist mehr als empfehlenswert, ein gutes Spanisch-Wörterbuch einzupacken. Die Menschen sind hier sehr hilfsbereit, beherrschen aber keine Fremdsprachen.

Weitere Touren inkl. GPS-Daten: www.bttpirineo.com/en

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Biken in den spanische Pyrenäen: Geheimtipps

1. Mittelalter pur: „La Morisma“ ist ein Mittelalterfestival in Aínsa, welches nur alle zwei Jahre stattfindet. Im Herbst 2018 wird die Altstadt von Aínsa das nächste Mal zur Bühne für unglaubliche Historienspektakel. Infos: www.lamorisma.com

2. Unesco-Welterbe: Dieser Titel schmückt den Nationalpark „Ordesa y Monte Perdido“ seit 1997. Das Ordesa-Tal ist das Herzstück des Nationalparks und dessen Grand Canyon. Aber Obacht vor Braunbären! Infos: www.turismosobrarbe.com

3. Wildwassersport: Raften auf dem Rio Ara oder Canyoning in den umliegenden Schluchten buchen unausgelastete Biker am besten bei Aventura Raid Sarratillo oder bei TT Aventura, beide in Aínsa ansässig.

4. Touristenfrei dinieren: Das Restaurant „Callizo“ in Aínsa bietet exklusive, kreativ und ausgefallen arrangierte Menüs. Und das zu erschwinglichen Preisen und mitten in der pittoresken Altstadt. Ein echter Geheimtipp, eine Homepage gibt es nicht.

MTB-Reportage spanische Pyrenäen

Zona Zero. Nein, das ist kein Trainingslager für Doppelnullagenten und auch kein ehemaliges Atombombenversuchsgebiet. Es ist viel harmloser: Zona Zero umschreibt bildhaft die nullförmige Streuung von Mountainbike-Trails rund um die nordspanische Stadt Aínsa. Fragt sich bloß, ob der Name ein Omen ist und die Region eine Nullnummer.

Eher nicht, denn immerhin liegt hier im Norden Spaniens ein Austragungsort der Enduro-World-Series. Außerdem gilt diese Region in den Pyrenäen unter Endurobikern als Geheimtipp. Grund genug für mich und den Fotografen Stefan Eigner, dem Revier auf den Zahn zu fühlen und zu testen, ob hier außer der Gravity-Fraktion auch Touren- und Genussbiker fündig werden.

Martín Campoy, Exil-Argentinier, fröhlicher Lebenskünstler und unser Guide für die kommenden Bike-Tage, gibt eine klare Antwort: si! Drei Tage lang führt er uns durchs alpine España. Genauer: durch den spanischen Teil der zentralen Pyrenäen. In der Mitte der Null liegt – auf einem stattlichen Aussichtshügel thronend – die mittelalterlich anmutende Stadt Aínsa. Stadt ist bei nur 2000 Seelen allerdings eher übertrieben.

Nicht übertrieben ist aber: Quasi vor jedem Café und jeder Tapas-Bar stehen drei bis vier High-End-Endurobikes, und Rucksäcke und Helme hängen an den Stühlen.

Rückblende: Schon gleich nach der Landung bereuen wir unsere Entscheidung, uns nur Zeit für einen Kurztrip genommen zu haben, nicht mehr. Denn der Mittelmeerstrand ist vom Flughafen El Brat in Barcelona nicht mal zehn Minuten entfernt. Und so bringen Stefan und ich uns nach kurzer Nacht und langem Check-in durch ein Meerbad wieder in Wallung. Hellwach treten wir mit unserem rappelvoll gepackten Mietwagen die lange, dreistündige Anfahrt in die Pyrenäenmitte an.

Gegen Ende werden wir aber mehr als belohnt: zwei Bilderbuchstauseen mit türkis glänzendem Wasser – und ein Kirchturm mitten im See. Moment mal! Wir sind schon am Mediano-See, nicht am Reschensee? Si!

Martíns Auftrag: uns in der Kürze der Zeit die Mannigfaltigkeit der Natur und die Vielfalt der Wege zu zeigen. Aufgrund der Kürze unseres Trips brechen wir gleich mit einer hiesigen Sitte: Es gibt zwar Shuttles, doch die meisten Enduristen in der Zona Zero strampeln aus eigener Kraft die Pyrenäen hoch. Um Zeit und Körner zu sparen, schenken wir uns aber bei unserer ersten Tour die Auffahrt. Der Tag wird so oder so noch lang.

Die folgenden 600 Tiefenmeter kommen mir vor, als würde ich durch verschiedenste Zeiten und Regionen fahren. Nachdem wir den verlassenen, langsam zerfallenden Ort Morcat passiert haben, führt der Weg weiter über steinige Trails zur Coño del Mundo – ein feuchtes Naturspektakel mitsamt Wasserfall, das seinen Namen aufgrund seiner eindeutigen Optik bekommen hat. Frei übersetzt: die Vagina der Welt. Die Spanier pflegen offenbar ein Faible für eine möglichst bildhafte Sprache.

Weiter geht es über flowige Waldtraversen auf einen schmalen, welligen Trail, der keinen übermäßigen Spielraum für Fahrfehler lässt. Mit dem Örtchen Sieste taucht ein weiterer märchenhaftverschlafener Ort vor uns auf. In puncto Zustand allerdings genau das Gegenteil von Morcat: Hier blühen bunte Blumen in zahlreichen Balkonkästen. Wir treffen auf Teresa, die ehemalige und letzte Lehrerin von Morcat und Gastgeberin für Biketouristen. Die gesprächige Dame preist uns das Brunnenwasser an, ihre Einladung zum Kaffee allerdings müssen wir ausschlagen, die Zeit drängt leider.

Schließlich wollen wir heute noch eine zweite Tour in Angriff nehmen: Von einem weiteren malerischen Bergdorf namens Linés geht es zu einem Naturschauspiel. Besser: auf ein Naturschauspiel. Die „Nummuliten“ – Fossile ehemaliger Einzeller und Zeugen eines riesigen Urozeans – sind plötzlich vor, unter und neben uns. Münzgroße Steinlinsen, die rutschig, aber trotzdem berechenbar sind und ein einmaliges (Fahr-)Erlebnis bieten: Driften auf fossilen Einzellern! Unglaublich, dass es so etwas gibt! Unglaublicher, dass man darauf biken kann. Aber am unglaublichsten: dass man es sogar darf!

Am folgenden Morgen stehen wir früh auf 1700 Metern Höhe und haben einen alpin anmutenden Pyrenäentrack vor uns: die Cebollar-Tour, etwa 50 Kilometer von Aínsa entfernt. Aussicht, Ausgesetztheit, Einsamkeit und Größe der Natur – ehrfürchtig genießen wir dieses einmalige Zusammenspiel, bevor wir uns in den Trail stürzen.

Martín, Stefan und ich schießen lange auf steinigem Untergrund bergab durch eine offene, waldarme Landschaft mit tollem Panorama. Doch je tiefer wir kommen, umso mehr Bäume säumen unseren Pfad und verdichten sich langsam zu einem Wald. Als sich plötzlich die Vegetation wieder öffnet und der Trail über einen Grat einer grauen Sedimentformation führt, die dem Verlauf einer Achterbahn ähnelt, kann ich nicht anders als zurückzuschieben und das Fahrerlebnis ein weiteres Mal zu genießen. Martín lächelt, er weiß, dass solche Spielstellen in den kommenden Abfahrten ein wiederkehrender Bestandteil sein werden. Dennoch lässt auch er es sich nicht nehmen und schiebt ebenfalls ein weiteres Mal mit hoch. Wir wollen doch nur spielen!

Kein Wunder, dass „Chiquitín“ mein Spitzname des Tages wird. Im Spanischen steht der Begriff für ein Kind im Kindergartenalter, das noch völlig unbekümmert seinen Spieltrieb ausleben darf. Genau der Spieltrieb, der mich noch ein paar Mal zurückschieben lässt. Dabei kommen wir ganz schön ins Schwitzen, sodass wir uns wenig später mit Wonne in das Wasser des Flüsschens Ara stürzen, obwohl es verdammt kalt ist. Wir sind hier nicht allein, denn die einen befahren den Fluss mit dem Kajak, andere mit dem Schlauchboot. Ganz Wagemutige springen todesverachtend von Felsen.

Bei den unvermeidlichen, weil unverschämt leckeren Tapas und Bocadillos, den typisch spanischen belegten Broten, treffen wir Jorge Ruiz de Eguilaz. Der ist Mitbegründer der Zona Zero. Voller Passion und Begeisterung schildert er, wie viel Arbeit und Mühe in der Suche und dem Freilegen der alten Bergpfade steckt, die früher die zahlreichen kleinen, heute zum Teil verfallenen Dörfer verbanden. Jorges Stolz über die ehrenamtlich geschaffenen Trailkilometer ist offenkundig. Was uns in unserem Eindruck bestärkt, dass hier die ganze Region hinter „ihrer“ Zona Zero steht. Jeder ist auf seine Weise in das Projekt involviert. So werden wir mit Enthusiasmus auf die nächste Tour geschickt, auf der uns wieder zahlreiche Besonderheiten wie Spitzkehren-Kaskaden oder sauber gebaute Drops erfreuen und zu Chiquitíns werden lassen.

Unser Belohnungsbier gibt es heute in der mittelalterlich anmutenden Altstadt von Aínsa. Ob stilecht mit Tapas oder nur gegen den Durst, ob mit Shuttle oder aus eigener Kraft – die Zona Zero ist genau das Gegenteil einer Nullnummer für Mountainbiker und Genießer.

01.03.2017
Autor: Thomas Schmitt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 03/2017