MTB-Traum-Trails: Vom Gornergrat nach Zermatt – Infos, Karte, GPS-Daten

Traum-Trails: Vom Gornergrat nach Zermatt


Zur Fotostrecke (13 Bilder)

MountainBIKE Gornergrat Monte Rosa
Foto: David Schultheiß

 

MountainBIKE Gornergrat Abfahrt zum Gletscher
Foto: David Schultheiß

 

MountainBIKE Gornergrat Frühstück
Foto: David Schultheiß

 

MountainBIKE Gornergrat Steinböcke
Foto: David Schultheiß

 

MountainBIKE Gornergrat Matterhorn
Foto: David Schultheiß
Manche Berge geistern Alpinisten und Mountainbikern ständig durch den Kopf. Bestes Beispiel: das Matterhorn. Manfred Stromberg und Konsorten statteten dem „Berg der Berge“ einen Besuch ab. Sein Aussichts-Trail: der Gornergrat.

Infocenter Zermatt-Gornergrat:


Tourist-Info: www.zermatt.ch

Anreise: über die A 96 nach Lindau und via Rheintal und Furkapass (2429 m) ins Wallis nach Täsch (500 km/6:30 h ab München) und per Shuttle ins autofreie Zermatt.

Bike-Info: www.zermatt.ch/mountainbike

Bike-Saison: Juni bis Oktober

Fahrleistungen Gornergrat: 19,7 km/206 Hm/1693 Tm/3 h

Kondition: mittel

Fahrtechnik: meist S1 bis S2, einige wenige Stellen S3 und S4

Einkehr: www.gornergrat-kulm.ch; www.matterhorn-group.ch

Guiding: www.beoutside.ch; www.bikeschoolzermatt.ch

 

MountainBIKE Gornergrat Zermatt Karte
Foto: MountainBIKE Die Abfahrt vom Gornergrat hinunter nach Zermatt

Lässt man ein dreijähriges Kind einen Berg malen, sieht das Ergebnis garantiert aus wie das Matterhorn. Ebenso eindeutig wie die Form des Walliser Viertausenders ist die der Toblerone. Wer kennt sie nicht, die Schokostange aus vielen kleinen Matterhörnern? Süß, nussig und klebrig, dass man auch nach Stunden auf dem Trail noch Teile zwischen den Zähnen für eine Zwischenmahlzeit findet.

Als fleißige Toblerone-Konsumenten machen sich Manfred, Fabian und Fotograf David auf den Weg in die Schweiz, das Ursprungsland der Toblerone. Das Ziel: Zermatt, am Fuß des Matterhorns. Zum Berg, der der Toblerone ihre Form gegeben hat. Dachten sie ...

Knapp sechs Stunden Autofahrt trennen Innsbruck von Zermatt. Die Anreise über Landstraßen, Pässe und Schweizer Autobahnen zieht sich ewig, aber irgendwann erreichen die drei dann doch Täsch, den letzten Ort vor Zermatt. Und den größten Parkplatz der Schweiz. In Zermatt selbst sind nämlich nur Elektroautos erlaubt. Und Velos. Wohl oder übel müssen wir unsere Autos hier unten abstellen und die letzten Kilometer per Shuttle zurücklegen.

Angekommen in Zermatt, sieht man vom Matterhorn: nichts! Dichte Wolken versperren die Sicht, und es regnet. Immerhin kann Manfred im Supermarkt einen Fünfer-Pack Toblerone auftreiben. Sie schmieden Pläne für den nächsten Tag, entdecken kulinarische Highlights – Toblerone, eingetunkt in Ovomaltine – und erhaschen kurz vor Sonnenuntergang doch noch einen Matterhorn-Blick.

Und wovon träumt der MountainBIKE-Fahrtechnik-Chef nachts? Von der 1500-Tiefenmeter-Abfahrt vom Gornergrat auf über 3100 Metern Höhe ins Dorfzentrum von Zermatt.

Hoch zum Gornergrat

Bloß gut, dass die Schweizer ein technisch versiertes Völkchen sind. Bereits 1898, mitten in der Gründerzeit des alpinen Tourismus, eröffnete die Gornergratbahn. Damals war es eine technische Sensation, wie die Schmalspur-Zahnradbahn die 1500 Höhenmeter auf fast zehn Kilometern Fahrtstrecke überwand. Heute ist sie nach der Jungfraubahn die zweithöchste Bergbahn Europas. Die modernen Elektrozüge brauchen von Zermatt auf den Gornergrat schlappe 33 Minuten. Die maximale Steigung beträgt satte 20 Prozent. Mit den Endurobikes will da keiner freiwillig hochkurbeln.

Die Eidgenossen sind aber nicht nur technisch versiert, sondern auch im Geldverdienen. Stramme 43 Franken kostet die einfache Fahrt mit der Zahnradbahn hinauf zum Gornergrat. Fürs Bike drückt man nochmals sechs Stutz ab. Dafür darf man das gute Stück auch selbst verladen. Der Lohn: körnersparende 1500 Uphillmeter.

Manfred und David genehmigen sich die Sonnenaufgangsfahrt zum Gornergrat. Trotz der frühen Stunde ist die Bahn randvoll mit Touristen aus aller Welt. Nach dem ersten Viertel der Fahrt lichten sich die Arven und geben den Blick auf das Matterhorn frei. Der Moment, auf den alle gewartet haben. Unsere Mitreisenden stürmen auf die rechte Seite der Bahn und knipsen wie die Weltmeister. Wäre die Bahn ein Schiff, es würde jetzt kentern.

An der Bergstation auf 3089 Meter Höhe präsentieren sich dann exakt 29 Viertausender. Allen voran der Berg der Berge, das Matterhorn. Fast noch eindrücklicher: der riesige Gebirgsstock des Monte Rosa, der fast zum Greifen nah erscheint. Nur der Gornergletscher und nochmals 1500 Vertikalmeter liegen zwischen dem Gornergrat und dem Gipfelmeer des Monte Rosa.

Atemberaubende Gletscherlandschaft

Das Panorama aus Matterhorn, Breithorn, Dufourspitze, Alphubel und Dom, das Hundertschaften von Japanern entzückt schnattern lässt, lässt andere völlig kalt: Steinböcke. Der Touristenrummel scheint ihnen nichts auszumachen, ganz im Gegenteil. Sie geben sich alle Mühe, den Fotografen ein gutes Motiv zu bieten. Poser!

Manfred und Fabian lassen den Rummel hinter sich und folgen dem Weg noch etwas weiter bergauf. David möchte das erste Sonnenlicht nutzen und Fotos mit dem Monte-Rosa-Massiv und der 4634 Meter hohen Dufourspitze schießen.

Es ist verrückt – sie sind keine 10 Minuten von der Gornergrat-Bergstation entfernt und doch in einer anderen Welt: keine Touristen, keine Zivilisation. Nur ein schmaler Weg inmitten der hochalpinen Gletscherlandschaft. Die drei genießen die Ruhe und fühlen sich ganz demütig. Rundherum nur Gletscher und Viertausender.

Kurz vor Beginn der Abfahrt hält Manfred plötzlich inne. Die Bremse am Vorderrad funktioniert nicht richtig! Das Problem ist schnell gefunden: Seine neue Gabel hat eine andere Bremssattelaufnahme und ist für einen anderen Scheibendurchmesser konzipiert. Konsequenz: Die Bremsbeläge haben kaum Kontakt zur Scheibe. Am Bike eines neuseeländischen Touristen(!) erspäht er zufällig den passenden Adapter und überredet ihn kurzerhand zum Tausch.

David und Fabian nutzen derweil die Zeit, um ein paar Bilder mit dem Breithorn im Hintergrund zu schießen. Die Bike-Legende Thomas Frischknecht und der Extrembiker Lukas Stöckli sind vor Jahren einmal vom 4159 Meter hohen Gipfel nach Zermatt hinuntergefahren.

Klassiker: die Abfahrt vom Gornergrat

Das machen sie das nächste Mal! Jetzt steht erst einmal ein Megaklassiker auf dem Morgenprogramm: die Abfahrt vom Gornergrat. Manfred & Co. sind recht früh unterwegs, die Zahl der Wanderer ist noch überschaubar. Somit können sie die Bremsen auch mal offen lassen und fliegen ins Tal. Am Riffelsee schießen die drei noch ein paar Fotos. Leider ohne Wandtapetenmotiv Nummer eins. Das sich im Riffelsee spiegelnde Matterhorn schmollt in den Wolken.

Weiter geht es auf einem durchaus knackigen Trail bis nach Furi – und „knackig“ ist auch so gemeint: Von Spitzkehren über hohe Stufen bis zu ausgesetzten Stellen ist alles dabei – trotzdem ist der Trail eine offizielle Bike-Strecke. Gut so, Zermatt!

Viel zu schnell sind sie wieder unten in Zermatt. Um alle Trails abzufahren, alle Gipfel zu erkunden und auch die versteckten Gässchen in Zermatt zu entdecken, braucht man sicher zwei Wochen. Aber wer kann sich das leisten? Immerhin haben Manfred, Fabian und David noch Zeit, um dem Matterhorn noch etwas auf die Pelle zu rücken. Sie nehmen die Gondel zum Schwarzsee, von dort aus schieben und tragen sie ihre Bikes bergauf. Waren gestern noch Japaner in Flipflops an der Tagesordnung, sehen sie heute hauptsächlich Bergsteiger mit Seil und Eispickel.

Das Ziel: die Hörnlihütte. Zum 150-jährigen Jubiläum der Matterhorn-Erstbesteigung wird sie allerdings neu gebaut. Dafür gibt es auf 2900 Meter Höhe ein „Basecamp“ – eine Ansammlung von Metallzelten. Natürlich tobleroneförmig. Standesgemäß teilen sich Manfred und Fabian eine Toblerone und machen sich an die Abfahrt.

Apropos Toblerone: Die Form hat ihren Ursprung nicht im Matterhorn, sondern geht auf Tänzerinnen aus der Pariser Revue „Folies Bergères“ zurück, die sich bei einer Show zu einer Pyramide formierten. Und wieder was für die Allgemeinbildung getan!

 

MountainBIKE Manfred Stromberg
Foto: David Schultheiß

Der Autor: Manfred Stromberg

Eigentlich kommt der 44-Jährige aus Duisburg im Ruhrgebiet, lebt aber seit Jahren in Innsbruck. Manfred Stromberg war in seiner Jugend drei Mal Deutscher Meister und Fünfter bei Europa- und Weltmeisterschaften. Später war er war Mitglied der DH-Nationalmannschaft und wurde 2005 Deutscher Vizemeister in der Masterclass.

Heute leitet er die Fahrtechnikschule „Bikeride“ und bringt MountainBIKE-Lesern in seinen Fahrtechnikserien Bunnyhop, Manual & Co. bei. Aber damit nicht genug! Jede freie Minute pirscht Stromberg als Profifotograf nach spektakulären Bike-Spots.

Und wenn er doch mal frei hat? Dann geht er mit Freunden zum Biken. Und lässt sich, wie hier in Zermatt, auch gern mal selbst ablichten.

Mehr starke MTB-Reviere in der Schweiz:

Fotostrecke: Mountainbiken in Flims und Laax – die schönsten Bilder

8 Bilder
MountainBIKE Flims Panorama Foto: Christian Penning
MountainBIKE Flims Caumasee Foto: Christian Penning
MountainBIKE Flims Sunset-Ride vom Cassonsgrat Foto: Christian Penning

Fotostrecke: MTB-Spot Savognin - Biken vor der Kulisse des Oberengadins

5 Bilder
Savognin Graubünden Foto: Wolfgang Ehn
Savognin Graubünden Foto: Wolfgang Ehn
Savognin Graubünden Foto: Wolfgang Ehn
29.07.2015
Autor: Manfred Stromberg
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 9/2015