Mountainbiken in Flims – Infos, MTB-Tourentipps, GPS-Daten

MTB-Reisereportage Flims

Touren, chillen, freeriden – Flims ist wie geschaffen, um mit dem Bike jede Menge Spaß zu haben. Ein Playground in grandioser Bergkulisse, von dem große Jungs und Mädels nicht genug kriegen können.

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MountainBIKE Flims Panorama Foto: Christian Penning
MountainBIKE Flims Caumasee Foto: Christian Penning
MountainBIKE Flims Sunset-Ride vom Cassonsgrat Foto: Christian Penning

Bahmm! Flo fühlt sich, als hätte ihn eben ein Raumschiff abgesetzt. Eine Landschaft wie auf fernen Planeten. Dabei hat er gerade nur die Gondel der Cassons-Bergbahn verlassen. Die titanenhaften Steinmassive des Piz Dolf und des 3114 Meter hohen Piz da Sterls transformieren mit ihrer optischen Wucht scheinbar sogar das Licht: Grau schimmernd und gleichzeitig gleißend ist der Schein, den die gigantischen Wände reflektieren. Eine beinahe unwirkliche Szenerie.

Wie von einem anderen Stern ist Minuten später auch die fast 1700 Höhenmeter lange Abfahrt auf dem „Sunset-Trail“ vom 2675 Meter hohen Cassonsgrat hinunter nach Flims. Ganz nach Flos Geschmack. Denn nichts macht er lieber, als mit Bike, Gelände, Hindernissen, Schwer- und Fliehkraft zu spielen. Und in dieser Hinsicht haben die Trails oberhalb von Flims einiges zu bieten: mal flowig, mal knackig verblockt, Schotter, Waldboden, steile, griffige Felsplatten – und das Ganze wie vor einer überdimensionalen Fototapete.

Dario, der Flo auf der Abfahrt begleitet, hat’s gut. Diese Tapete schmückt gewissermaßen sein Büro. Dario ist Bikeguide bei der „Emprova Bike-School" in Flims und so etwas wie der Türöffner für Flo zu diesem alpinen Spielplatz.

Denn der Sunset-Ride vom Cassons ist für Tourenbiker und Freerider, die nach Flims kommen, gewissermaßen das Sahnehäubchen. Und solche Leckereien gibt es nicht jeden Tag. Weil auf der Strecke einige felsige Abbrüche lauern und auch viele Wanderer die Bergpfade am Cassons samt ihrer grandiosen Aussicht genießen wollen, ist der Zugang für Biker zeitlich limitiert – und nur mit Guide gestattet.

Feinste Kost - auf und abseits der Trails

„Willkommen“, deutet Dario mit einer einladenden Handbewegung an, tritt in die Pedale und verschwindet nach drei, vier Kurven hinter karstigen Felsblöcken. Ah ja! Steile Felswände und Grate – nur die Westseite des Cassons ist mit dem Bike befahrbar. Die stellenweise heute noch kahlen, hellgrauen Kalkflächen markieren die Abrissstelle des Flimser Bergsturzes, der größten Gerölllawine der Neuzeit vor rund 10 000 Jahren. Sie hat unten im Tal die Terrasse geschaffen, auf der die Orte Flims, Laax und Falera gewachsen sind.

Ein schmaler Trail schlängelt sich über Felsplatten und Almwiesen. Mal verlangen enge Switchbacks im Steilgelände oder kurze felsdurchsetzte Steilstufen vollste Konzentration, mal zieht der Trail in flachen Wellen über sanfte Hänge. Wie die Adern am Arm eines Bergriesen schlängeln sich unterhalb Bachläufe und Rinnsale durch die Schotterebene des Unteren Segnesbodens. Griffiger, waldiger Untergrund und flüssige Kurven zaubern auf dem letzten Drittel der Strecke Flo und Dario ein seliges Lächeln auf die glühenden Gesichter.

Aber die Abfahrt hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Bremsen geben heiser kratzende Geräusche von sich. Na ja, waren ja auch ordentlich beansprucht. Zeit für einen Check! Also ab zum Boxenstopp in den Bike-Keller des Signinahotels in Laax Murschetg. Die Hotel-Keycard öffnet den „Maschinenraum“. Mit ein paar gekonnten Handgriffen ist das Jammern abgestellt.

„Hunger!“ Schwupp, noch rasch unter die Dusche. Ein paar Minuten später steht im „Nooba“ ein dampfendes Thai-Curry auf einem der langgezogenen Holztische vor Flo. Der Laden hat ordentlich Style, könnte ohne Weiteres auch ein Asiate in München oder Zürich sein. Das „Rocksresort“ ist eh so ein Flimser Leckerbissen: Sieben Restaurants sorgen hier für kulinarische Abwechslung – vom Burger bis zur traditionell exquisiten Gault-Millau-Küche.

Flims - Heimat der Profis

Am nächsten Tag hat Dario einen weiteren Flimser Bike-Klassiker auf den Spielplan gesetzt. Die Tour hinauf zum Vorabgletscher. Der Wetterbericht prophezeit zwar Gewitter, doch noch taucht die Sonne die Bergspitzen in goldenes Morgenlicht. „Am besten, wir sparen Zeit und nehmen die Gondel“, schlägt Dario vor. Kurz bevor die Bergbahn startet, huschen zwei Mädels samt Bikes herein. „Das sind doch ...“, überlegt Flo. Caro und Anita Gehrig!

Die beiden Schweizer Enduro-Queens haben Flims vor ein paar Jahren zu ihrer Wahlheimat gekürt. Ebenso wie Freerider René Wildhaber und Cross-Country-Star Nino Schurter haben sie hier den idealen Spielplatz gefunden, um an ihren Fahrkünsten und an ihrer Kondition zu feilen. Und da Flims ein Ganzjahrestreffpunkt der jungen Ski-, Snowboard- und Bikeszene ist, fühlen sich die schnellen Schwestern hier pudelwohl.

Oben an der Bergstation am Crap Sogn Gion steuern Anita und Caro den „Never-End-Trail“ hinunter. Dario und Flo kurbeln bergauf Richtung Vorab. Erste Schweißperlen rinnen über die Stirn. „Wir sind hier von der Sonne verwöhnt. Südlage. Da kannst du schon im Mai in die Pedale treten“, erzählt Dario. Natürlich nicht oben am Gletscher. Dort ist nur im Hochsommer und Frühherbst Saison. Ohne Liftunterstützung fordern die 1800 Höhenmeter vom Tal herauf jedoch ordentlich Wadenschmalz. Dafür entschädigen oben die einmaligen Flimser Slickrocks.

Die Gletscherzunge, die sich in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter zurückgezogen hat, hinterlässt hier oben perfekt glattgeschmirgelte Felsplatten – mit einem Hammer-Ausblick: auf die bizarren Felsformationen der „Tektonikarena Sardona“, seit 2008 Unesco-Weltnaturerbe. Und tief im Tal auf die Rheinschlucht, den „Schweizer Grand Canyon“.

Runca-Trail und Caumasee

Während sich die Gipfel langsam in Wolken hüllen, kurven Dario und Flo auf Naturtrails wieder nach Flims hinab. Doch noch hält das Wetter. „Mit ein bisschen Glück“, meint Dario, „schaffen wir noch den Runca-Trail.“ Flo ist wie elektrisiert. Nicht umsonst steht der Runca-Trail als Synonym für Spiel, Spaß, Spannung. Noch ein kurzer Boxenstopp in der „Legna Bar“ an der Talstation, dann geht’s mit dem Lift hinauf zur Alp Naraus.

Und Action! Anliegerkurven, Northshore-Elemente, Natur-Trails, Tables und Wellenritte à la Pumptrack liefern ständig neue Überraschungen. „Und das Gute“, ergänzt Flo, „du musst dafür kein Freeride-Profi sein.“ Aber auch für Cracks hält der Trail Drops und andere adrenalinfördernde Spielarten bereit. Kurz vor dem Ende der Achterbahn geht es dann los: „Plock, plock, ...!“ Dicke Tropfen klatschen auf die Northshore-Bretter. Minuten später entlädt sich ein krachendes Sommergewitter.

Neuer Tag, neues Glück: Während um die Gipfel immer noch Gewitterreste wabern, haben sich die Wolken im Tal am nächsten Morgen weitgehend verzogen. Der letzte Tag des Flimser Biketrips eignet sich perfekt für eine lockere Cross-Country-Runde um den Caumasee. Ohne allzu fiese Steigungen oder knifflige Downhill-Passagen zieht sich die Schotterrunde um den kristallklaren, türkisgrünen Bergsee. „Fast wie in der Karibik“, schwärmt Flo.

Und als die Route das Strandbad passiert, kann er einfach nicht anders. Er reißt sich das Trikot vom Leib, steuert auf das Sprungbrett zu und taucht mit einem Backflip in die Fluten – ohne Bike. Ein paar Kids ringsherum quittieren den Stunt mit offenen Mündern. Flims ist eben doch ein riesiger Spielplatz – für kleine und große Kinder!


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15.02.2015
Autor: Christian Penning
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 6/2015