Mountainbiken in Samnaun – Infos, MTB-Tourentipps, GPS-Daten

MTB-Spot Samnaun: Infos, Tourentipps, GPS-Daten

Samnaun war bis weit ins letzte Jahrhundert ein bettelarmes Bergdorf im Niemandsland zwischen Graubünden und Tirol. Dann wurde es zu dem Traumziel von Zollfrei-Junkies. Und neuerdings von Grenzgängern mit dem Bike.

Lage: Samnaun ist ein um die 1800 Meter hoch gelegenes Hochtal und Zollausschlussgebiet im Nordosten des Schweizer Kantons Graubünden.

Beste Reisezeit: Aufgrund der großen Höhe – die Touren führen z. T. auf fast 2900 Meter Höhe – dauert die Bikesaison nur etwa von Juli bis Oktober.

Anreise: über Kufstein, Innsbruck und Landeck nach Samnaun (270 km/3 h ab München).

Info: www.samnaun-engadin.ch

Bikehotel: www.laret.ch Top-Tour (Karte): Grattour Zeblasjoch – Greitspitze – Samnaun (23,8 km/1382 m/3:30 h)

Flowtrails: Viderjoch – Alp Trida (3,9 km/488 Hm/0:20 h); Alp-Trida-Sattel – Alp Trida (1,8 km/214 Hm/0:10 min)

Landkarte: Supertrailmap Unterengadin/Samnaun 1:50.000

Bike-Reportage Samnaun: "Nichts zu verzollen"

Der Zöllner könnte der hässliche Bruder von Robert de Niro in „Der Pate 2“ sein. Er kommt direkt auf uns zu und herrscht uns zackig an: „Die Ausweise bitte! Haben Sie etwas zu verzollen? Bitte Rucksäcke öffnen!“

Tatort: Brenner? Freilassing? Nein, Viderjoch! Auf über 2700 Metern Höhe, weit über dem Zollfrei-Paradies Samnaun. Der Zöllner kommt bedrohlich nahe. Er greift sich unter die Uniform. Was tun mit den Moskovskaya- Flaschen und den fünf Stangen Kippen im Evoc?

Zollfreiheit ist schon eine prima Erfindung, verwandelt sie doch bettelarme Bauerndörfer in stinkreiche Hotelburgen. Siehe Livigno oder eben Samnaun. Aber wie wird man zollfrei? Das abgeschiedene Hochtal Samnaun wurde jahrhundertelang als „Maiensäss“ – also Sommerweide für Rindviecher – nur über Saumpfade und hohe Pässe besiedelt und versorgt. Vom Schweizer Unterengadin aus. Historisch gehört das Samnaun also zur Schweiz, geografisch aber zu Tirol. Straßenverbindung zum Mutterland? Über Jahrhunderte Fehlanzeige! Als Ausgleich wurde das Samnaun anno 1892 zollfrei.

Der Zöllner! Nix wie weg! Wofür fahre ich schließlich Downhill-Rennen? Bis zum Beginn meines Wirtschaftsingenieurstudiums auch im Weltcup. Und wozu hat der Ex-Weltklasse-Abfahrer Claudio Caluori zwei Bobbahnen für Biker in die Hänge zwischen Viderjoch, Alp-Trida-Sattel und Alp Trida gefräst? Also genau da hinein! Das Einzige, was ich höre: mein eigener Atem, ein rätoromanischer Fluch und das Entsichern einer Waffe ...

Erster Anlieger, Kamelbuckel, zweiter Anlieger. Der „Enduro-Trail“, der sich von der Gipfelstation am Viderjoch unter dem Sessellift bis zur gemütlichen Alp Trida schlängelt, lässt mich wieselflink die Flucht ergreifen.Gegenüber am Hang zieht sein kleiner Bruder, der „Flowtrail“, vom Alp-Trida-Sattel runter zur gleichnamigen Alp. Die tun was, die Samnauner! Die geschäftstüchtigen Bergler verkaufen nicht nur den Liter Diesel für 78 Cent, sondern schufen in den letzten Jahren auch einen 150 Kilometer langen, mit Ischgl hinterm Viderjoch verbundenen Bike-Zirkus. Hier im Sandwich zwischen Graubünden und Tirol fährt man selbstverständlich mit der Gondel und dem Sessellift hinauf ins Paradies.

Apropos Auffahrt: Die zweite Erfindung, die neben dem Zollfrei-Status den Wohlstand Samnauns begründete, ist der Skilift. Samnaun gab ab Mitte des letzten Jahrhunderts mit dem Liftbau dermaßen Gas, dass hier keiner mehr Hunger leiden muss. Wie drüben in Ischgl.

Diese grenzüberschreitende Konkurrenz schafft so manches Wunder der Technik. Zum Beispiel den „Twinliner“ – die erste Seilbahn der Welt mit doppelstöckigen Kabinen. Der 27 Tonnen schwere Doppeldecker schießt Biker in wenigen Minuten von Samnaun (1778 m) zum Alp-Trida-Sattel (2500 m). Weiter geht’s per Sessellift zum Viderjoch. Hoch zur Grenze. Und zum Grenzer ...

Was Skifahrern recht ist, ist Bikern nur billig. Denn hier oben auf atemlosen 2732 Metern Seehöhe eröffnet sich ein Kästchen voller Trailschätze: Man kann dem langen Rückgrat genau nach Süden folgen, um zur Greitspitze (2872 m) und zum Palinkopf (2864 m), den Höhepunkten dieses grenzüberschreitenden Bike-Gebiets, zu gelangen. Clevere Alpencrosser lifteln bis hier hoch und nehmen den Abkürzer über Forcola di Val Gronda zum Fimberpass. Enduristen und Freerider schießen über die Trails nordseitig hinab nach Ischgl.

Mein Überlebensplan: Flucht über den Enduro-Trail zur Alp Trida und über den Freeride-Trail von dort über Laret wieder hinab nach Samnaun. 1000 Meter Abfahrtsspaß! Klar, vom Weltcup in Val di Sole bin ich was anderes gewöhnt, aber diese superflüssigen Steilkurven machen mächtig Laune. Aber wann kommt er nun, der große Knall?

Da durchzuckt mich ein mächtiger Schlag. War’s das nun? Nein, ein fetter Stein hat das Unterrohr getroffen. Zöllner, Knarre, Moskovskaya – alles nur geträumt! Aber warum ist eigentlich mein Rucksack so schwer?

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01.01.2016
Autor: Andreas Kern
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 07/2016