3-Tages-MTB-Tour Giro Engiadina Bassa – Infos und GPS-Daten

3-Tages-Tour mit dem Val d'Uina als Highlight

Zwei Länder, eine faszinierende Schlucht, eine sensationelle Dreitagesrunde – wer sich diesen Traum erfüllen will, muss sich nach Scuol im Unterengadin aufmachen!

Hier gibt's alle Details und die GPS-Daten zur 3-Tages-Tour

Es muss Anfang der Neunziger gewesen sein. Noch heute habe ich die Bilder vor Augen, auf denen ein durchgeknallter Biker mit Fullspeed einen lenkerbreiten Felsenweg hinabschießt. Links von ihm: nichts als ein tiefer Abgrund. Da wollte ich auch hin! Durch das „Val d’Uina“ – so heißt diese berühmt-berüchtigte und spektakuläre Schlucht.

Allerdings wollte ich auch wieder zurückkommen, weshalb mir klar war, dass ich da definitiv schieben werde. Fahrtechnisch ist der mitten in den Fels gesprengte Weg zwar keine Herausforderung. Aber ein Fehler endet hier garantiert tödlich.

Zwei Jahrzehnte später. Manche Träume brauchen Zeit, um sie zu verwirklichen. Und jetzt schiebe ich, wie damals versprochen. Die Initialzündung kam von Annette, Bikeguide im Schwarzwald, die meinen Freund Thorsten und mich dazu überredete, mit ihr auf Wochenendtour rund um den Schweizer Nationalpark im Engadin aufzubrechen. Im Zentrum ihrer Schwärmerei: das Val d’Uina.

Das Val d'Uina: Ein Muss für jeden Tourenbiker

Die Uinaschlucht. Anno 1908 hatten die Unterengadiner begonnen, eine 1,30 Meter breite und 600 Meter lange halbe Röhre ins Kalkgestein der „Quar-Schlucht“ zu sprengen. Zwei Jahre und 32 500 Fränkli später war der Felsenweg fertig. Er kommt auf unserer Tour gleich am Anfang.

Nach dem Start in Scuol gewinnen wir im Val d’Uina an Höhe, bis wir auf der Hütte „Uina Dadaint“ im hintersten Talschluss den eisigen Hauch der Mordsschlucht bereits spüren können. Der Felsenweg ist dann fast noch atemloser als erwartet. Und der Blick in die Tiefe ist furchteinflößend. Nach 20 spannenden Minuten sind wir durch. Die mir aber viel länger vorkommen. Ist aber auch klar, wenn man behutsam Fuß für Fuß voreinandersetzt, um ja nicht auszurutschen.

Manchmal bleibe ich stehen, stütze mich am Bike auf und werfe vorsichtig einen Blick in den furchterregenden Abgrund. Zauberhafte Trails führen uns im Anschluss über eine Hochebene zur Sesvennahütte.

Die drei schönsten Seiten hier auf 2256 Metern Höhe. Erstens: Südtiroler Schlutzkrapfen beruhigen unsere knurrenden Mägen. Zweitens: Biker sind hier gern gesehen. Im Hochsommer stehen weit über 100 Mountainbikes vor der Hütte. Und drittens: Hier oben, weit über dem Vinschgau, zahlt man in Euro statt in Franken, was den Geldbeutel schont.

Nach der Übernachtung auf der Hütte endet unser Gastspiel in Südtirol nach einer sausteilen Abfahrt zur Schliniger Alm und weiter hinunter ins Obere Vinschgau bis kurz hinter Taufers schon wieder. Es geht nun steil bergauf und über das einsame Val Mora, durch das sich nur Alpencrosser auf ihrem Weg gen Süden hindurchwagen, zu dem türkisgrünen Stausee mit dem wohlklingenden Namen „Lago di San Giacomo di Fraele“.

Noch die Dutzend Schotterserpentinen eines 100 Jahre alten Militärwegs sowie eine lange Gerade hoch, und wir stehen am Passo Alpisella, dem 2300 Meter hohen Eingangstor nach Livigno. Dieses skurrile Bergdorf heißt wegen seiner gottverlassenen Lage und Topogra e „Klein-Tibet“.

Priester Don Alessandro, 1929 nach Trepalle bei Livigno strafversetzt, war hier König der Schmuggler – und literarisches Vorbild des „Don Camillo“. Das Ex-Schmuggler-Paradies ist heute Zollfrei-Himmel. Weil wir kein schweres Gepäck mit uns rumschleppen wollen, kaufen wir aber mal lieber nichts ...

Die härteste Nuss: der Passo Chaschauna am 3. Tag

Die härteste Nuss wartet am dritten Tag unserer Tour. Der Passo Chaschauna, legendärer Alpencross-Scharfrichter und Höhepunkt der Heckmair-Route. Wir bezwingen ihn anders als Generationen von Alpencrossern nicht von Norden, sondern von hinten. Von hier führt ein Fahrweg bis fast zum Pass hinauf – eigentlich ganz gut fahrbar.

Der Downhill aus 2700 Metern Höhe zur Alpe Chaschauna und hinaus ins Untere Inntal setzt unserem „Giro Engiadina Bassa“ dann die Krone auf. Im oberen Teil ist der Trail noch steil und ausgewaschen, unten schießen wir mit Fullspeed Richtung Inn. Wie der durchgeknallte Biker damals im Val d’Uina. Nur ohne Abgrund links. Sondern mit Teppichen aus Alpenrosen. Und der entscheidenden Frage: Warum haben wir das nicht schon früher gemacht?

Hier gibt's alle Details und die GPS-Daten zur 3-Tages-Tour

Mehr Touren-Tipps fürs Engadin:

01.01.2016
Autor: Christian Lampe
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2016