Mountainbiken in Nordirland – Infos, Tourentipps, GPS-Daten

MTB-Reisereportage Nordirland

Grüne Hügel, Schafherden und senkrechte Küsten – all das bietet Nordirland. Fine: Mit dem Mountainbike lässt sich die Schönheit der Republik am besten erkunden.

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MountainBIKE Nordirland Foto: Heiko Mandl
MountainBIKE Nordirland Foto: Heiko Mandl
MountainBIKE Nordirland Foto: Heiko Mandl

Eigentlich hätte unser Flug nach Dublin nur gute zwei Stunden dauern sollen, doch wilde Wolkenbrüche über München hatten was gegen unsere Kurztrip-Pläne. So haben Angie und ich die erste Nachthälfte im Flughafen München verbracht – und die zweite Hälfte in der Ankunftslobby in Dublin. Dabei hatten wir eigentlich erst in Irland mit Regen gerechnet. Aber manchmal kommt es eben anders. Nach 14 Stunden Anreise – inklusive zwei Stunden Autofahrt vom Flughafen Dublin nach Belfast in Nordirland – lassen wir uns in die weiche Couch von Alistair fallen und schlummern sofort ein. Welcome to Northern Ireland!

Irland bedeutet Regen. Vielleicht sind unsere Koffer deswegen so voll. Die schiere Menge an Regenklamotten nimmt schon einiges an Platz weg. Alistair hat uns aber schon vor Ankunft beruhigt. „Bei uns regnet es nicht so viel, wie manche glauben, und das Klima ist auch meist mild“, schrieb er uns via E-Mail. Geglaubt habe ich ihm nicht ganz – und noch eine extra Regenjacke eingepackt.

Schlaft euch erst einmal aus, ab morgen ist Sonne angesagt, dann können wir starten“, beruhigt er uns nach unserer Ankunft. So ist der erste Tag erst einmal mit „Couching“ und Sightseeing verplant. Ali, so wird Alistair von seinen Freunden genannt, wohnt mitten in Belfast im Stadtteil Holywood. Mit nur einem „l“. Von hier aus ist es nicht weit bis zu den ersten Trails. Irland war für mich bisher das Land der grünen Wiesen, der Schafe und des Guinness, aber ich konnte die Insel nicht wirklich mit Mountainbiken verbinden. „Lasst euch überraschen, hier hat sich einiges getan“, meint Ali kryptisch, als ich ihn nach möglichen Mountainbiketouren frage. Er muss es wissen, schließlich ist er für das Design von Nukeproof-Bikes verantwortlich und war auch einige Zeit mit dem Worldcup-Zirkus unterwegs. Alis Worte haben Gewicht, nicht nur wenn es ums Biken geht. Ein echter Nordire.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zum ersten Spot. Dabei bekommen Angie und ich einen ersten Eindruck von der Landschaft in Nordirland. Wenige Fahrminuten, nachdem wir Belfast verlassen haben, tut sich eine weite Wiesenlandschaft auf, die gespickt ist mit sanften Hügeln und vielen kleinen Wäldern. Natürlich dürfen hier die Schafe nicht fehlen, und so kann man auf den grünen Rundungen immer wieder weiße, wollige Punkte erkennen.

Unser Ziel heißt Rostrevor und liegt eine knappe Autostunde südlich von Belfast. Das Gebiet ist letztes Jahr bekannt geworden durch den Red-Bull-Foxhunt, der hier erstmalig stattfand. Downhillprofi Gee Atherton musste bei dem Event eine Bikemeute von 400 Fahrern einholen, bergab über schlammige Trails und Kicker. Very funny indeed!

Heute zeigt sich die Region von ihrer sonnigen Seite. Genau wie Ali es uns versprochen hatte. Während in unserer Heimat der Winter zurückgekehrt ist, stehen wir mit kurzen Shirts beim Parkplatz des Trail Centers. Sechs solcher Bikeparks gibt es in Nordirland, alle mit verschieden langen Trails und Pumptracks ausgestattet. Die Parks kommen bei den Locals bestens an, der Parkplatz in Rostrevor ist schon zu früher Stunde rappelvoll. Das Publikum könnte unterschiedlicher nicht sein: Downhill-Cracks und CC-Spandex-Jungs einträchtig nebeneinander, und auch einige Kids kommen mit ihren Dirtbikes hierher. Das Ziel der meisten Fahrer ist der Gipfel des Slievemeen, mit 472 Metern der höchste Punkt im Park. Dabei startet man fast direkt vom Meer aus. Lift? Fehlanzeige!

Wir kurbeln also gen Gipfel und bekommen einen Überblick über die Region. Unter uns breitet sich das Meer in der weiten Bucht aus. Der Fjord ist sogleich Grenze zwischen Nordirland und Irland. Grenzbefestigungen zwischen den beiden Regionen sind aber schon lange nicht mehr vorhanden, bestenfalls noch in den Köpfen der Einwohner. Etwas weiter rechts können wir Rostrevor erkennen, ein typisch irischer Ort mit Pubs, Fish & Chips-Läden und Guinness-Reklame. An Letzteres wollen wir jetzt noch nicht denken, schließlich haben wir noch eine Runde mit dem Bike zu bewältigen.

Das Besondere hier ist, dass wir fast ausschließlich auf Singletrails unterwegs sind. Breite Forststraßen wie in den Alpen findet man in den Parks selten. So ist auch der Anstieg hoch zum Gipfel auf den schmalen Wegen viel anstrengender als gewohnt. Dafür geht es dann umso schneller bergab – und das natürlich wieder über Schmalwege, die mit Anliegern und einigen Kickern gespickt sind.

„Hab ich euch zu viel versprochen?“ fragt uns Ali schmunzelnd. Unser fettes Grinsen im Gesicht ist Antwort genug. Wir wollen auch keine Zeit verschwenden, sondern fahren gleich weiter den Trail zurück nach Rostrevor. Die Infrastruktur in dem Park ist perfekt. Es gibt eine Bike-Waschanlage, und die Szene trifft sich im Café zu einem „After-Bike-Bier“. Wir fahren aber ins Zentrum von Rostrevor – auf eine Portion Fish & Chips. Der erste Tag war schon vielversprechend, selbst Angie, die mit ihrem Bike bereits die halbe Welt bereist hat, ist angetan. Mountainbiken auf den vielen Trails in Nordirland verliert hier seinen gewohnt alpinen Charakter und wird mehr als Funsport für alle betrieben. „Die Leute nehmen die Parks sehr gut an, und auch die Kids sind ganz verrückt nach den Pumptracks“, erzählt Ali stolz.

Am nächsten Tag fahren wir nach Castlewellan, das nördlich von Rostrevor liegt. Szenerie und Trails haben hier ein völlig anderes Gesicht. Die Touren führen um einen See herum, und man fährt meist in bewaldetem Gebiet. Wir kurbeln an einem viktorianischen Schloss vorbei, das wie in einer Rosamunde-Pilcher-Schnulze über dem See thront und von einem schönen Garten umgeben ist. Eigentlich passen hier die Mountainbiker mit ihren bunten Klamotten nicht wirklich ins Bild, und auch der Pumptrack steht im krassen Kontrast zu den mittelalterlichen Steinmauern der Gebäude.

Wir fahren noch ein paar verschiedene Touren in dem Trail Center ab und legen uns anschließend in die Sonne. „Morgen fahren wir an die Nordküste, da kenne ich eine schöne Cross-Country-Runde direkt am Meer“, macht uns Ali den Mund wässrig. Bereits am zweiten Tag haben wir die Insel in unser Biker-Herz geschlossen. Kein Wunder, dass unsere Vorfreude stetig wächst auf die Trails, die wir in den nächsten Tag erleben dürfen. Ali hat nicht zu viel versprochen. Wir Alpenbiker hätten nie gedacht, dass die Grüne Insel eine grüne Bike-Insel ist. Aber manchmal kommt es eben anders. Eigentlich.


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24.02.2014
Autor: Heiko Mandl
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 04/2014