Biken in Schottland – Die besten Trail Centres

Biken in Schottland: Die besten Trail Centres


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MOUNTAINBIKE 1216 Schottland Highland
Foto: Andreas Kern

 

MOUNTAINBIKE 1216 Schottland Wolftrax-Trail-Centre
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MOUNTAINBIKE 1216 Schottland Wolftrax
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MOUNTAINBIKE 1216 Schottland Richy Thomas auf dem Trail
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MOUNTAINBIKE 1216 Schottland Edinburgh
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Die Schotten sind ein ziemlich Bike-verrücktes Land – trotz des oft regnerischen Wetters. Auf vergleichsweise kleinem Raum drängen sich zahlreiche Trail Centres, also Bikeparks. Wir stellen die besten vor.

Maria Stuart muss eine tolle Frau gewesen sein: Im Alter von 17 Jahren war sie nicht nur verheiratet, sondern auch schon wieder Witwe. Ob eine schwarze, ist nicht überliefert. Jedenfalls war sie 25 Jahre lang Königin von Schottland und verlor nach nach so mancher Intrige schließlich im Zickenkrieg mit Elisabeth I. von England im wahrsten Sinn den Kopf.

Ihr verdankt die Welt aber auch Appetitliches: Marmelade! Standesgemäß nicht daheim in den schottischen Highlands, sondern in Frankreich erzogen, lockte der Hofkoch das blutarme Mädel mit den Worten „Marie est malade!“ zum Vitamine-Naschen. Prinzessin Marie wurde dank der Orangenpampe des Franzosenkochs wieder gesund. Und die Marmelade – nicht zu verwechseln mit Jam – begann von Schottland aus ihren süßen Siegeszug rund um die Welt.

Schottland ist wie Bayern. Zerklüftet, windig, alkoholischen Durstlöschern zugeneigt, mit unzähligen Seen (den Lochs) gesegnet und mit schattigen Tälern gestraft. Beide Länder sind gleich groß, ihre Herrscher (seit Maria Stuart und Franz-Josef Strauß) selbstbewusst und gegenüber dem Mutterland misstrauisch. Die Stänkereien aus der Provinz gipfeln gerade in Schottlands Ambitionen, Britanniens Brexit zu canceln.

Am Fuße des Ben Nevis

Freiheit und Unabhängigkeit ist des Schotten größter Traum. Auch in Sachen Biken. E-Bikes? No way! Lifte, um sich nach oben gondeln zu lassen? Are you kiddin’? Das schottische Credo: Earn your trails! Die Abfahrten wollen verdient sein. Also erst hochstrampeln, dann runtersausen. With style, please! Das muss man im Nordland von GB nicht zwei Mal sagen. Wie Sommersprossen sprenkeln ein Dutzend „Trail Centres“ quer durch Schottland. Einige der besten haben sich zum Verbund „7 Stanes“ zusammengetan.

Wer an Schottland und Mountainbiken denkt, hat jedoch erst einmal Fort William vor Augen. Das 6000-Seelenstädtchen liegt am Fuß des Ben Nevis, des mit 1345 Metern höchsten Berges Großbritanniens. Und der macht seinem Namen – frei übersetzt so viel wie „Kopf in den Wolken“ – alle Ehre: Rund 300 Tage im Jahr verbirgt sich der Gipfel im Nebel- oder im Regenmantel. Trotzdem wird der Downhill-Weltcup in Fort William seit Jahren zum besten im gesamten WC-Zirkus gewählt. Und mit Wahlen kennen sich die Briten ja aus!

Aber noch eine zweite Einmaligkeit erwartet Biker in Fort William: die einzige Gondel im Vereinigten Königreich, die Bikes mitnimmt. Oben angekommen, wartet dann ein famoser Tiefblick hinab auf Loch Eil – und die Vorfreude auf 525 anspruchsvolle Tiefenmeter. Schnelle Downhiller sind in vier, fünf Minuten unten ...

Trail Centres in Schottland: Die 7 Stanes

Fort William ist Schottlands bekanntester, aber längst nicht einziger Bikespot. Die sieben Trail Centres Glentrool, Kirroughtree, Dalbeattie, Mabie, Forest of Ae, Glentress/Innerleithen und Newcastleton, allesamt im Süden der Linie Edinburgh–Glasgow gelegen, bilden wie gesagt den Verbund „7 Stanes“.

Jeder der „sieben Steine“ hat seinen eigenen Charakter: Glentress beispielsweise, Schottlands größtes Trail Centre, protzt mit 73 Kilometern Bike-Wegen. Keine Autostunde von Edinburgh entfernt. Newcastleton, fast schon in England, ist the place to be für Einsteiger. Und in Mabie in der Nähe von Dumfries versteckt sich der „Kona Dark Side“, der längste und schwierigste Northshore-Trail im Königreich.

Allen diesen sieben Trail Centres gemein: eine überdimensionale Steinskulptur neben dem Trail, die einen uralten schottischen Mythos versinnbildlicht. Geschaffen wurden die Skulpturen von Gordon Young, einem der größten Bildhauer der Insel. Leider kein Schotte, sondern ein Engländer – wenn auch nur 16 Kilometer südlich der grünen Grenze, in Carlisle, geboren.

350 Kilometer nordwestlich von Carlisle liegt die Isle of Skye. Auf dieser sturmgepeitschten Insel vor der schottischen Atlantikküste wurde anno ’85 der kleine Danny geboren. Heute kennt ihn jedes Kind. Auch wenn MacAskill durch die ganze Welt jettet – der Trialer ist und bleibt ein echter Schotte. Was auch bedeutet, dass er sich nicht zu schade ist, beim Jubiläum eines Baumarkts in Inverness zu trialen – zwischen Traktoren, Hüpfburgen und Fish-and-Chips-Ständen. Respekt, wer’s selber macht!

Noch sympathischer macht das Ganze, dass Superstar MacAskill keine One-Man-Show abzieht, sondern seinen Trialkumpels ebenfalls eine Bühne bietet, um ihr Können zu zeigen. Höhepunkt: der Hochsprungwettbewerb, der nach hartem Battle erst bei 1,25 m endet. Zugunsten Dannys.

MacAskill gehört zu Schottland wie Whisky und Maria Stuart. Und wie Endura. Kein Schreibfehler, sondern glücklicher Zufall (oder Hellseherei), dass diese Klamottenfirma dem derzeitigen Megatrend in Sachen Bike bis auf einen Vokal entspricht. Dabei schneidern die Schotten schon seit einem Vierteljahrhundert ausdauernde Bikebekleidung, die ihre regnerische Herkunft kaum verleugnen kann. Wer, bitte, hatte die Idee, eine Bikeshorts mit wasserdichtem Hinterteil auszustatten? Klar, die Schotten von Endura!

Fahrradbekleidung von der Insel

Wie so viele Erfolgsgeschichten begann auch diese zufällig: Als dem Schotten Jim McFarlane anno ’92 in Australien die Radklamotten geklaut werden, muss er sich down under gezwungenermaßen neu einkleiden. Und ärgert sich so sehr über die unterirdische Qualität, dass er selbst zu schneidern beginnt. 25 Jahre später ist Endura von der Garage in einen schicken Neubau am Rande Edinburghs gezogen. Nach wie vor ist McFarlane ein detailverrückter Typ, der täglich an Innovationen hirnt. Kein Showman, sondern erdig und ehrlich. Und (fast) ein Highlander wie Connor MacLeod. Oder Danny MacAskill!

Wer wie MacAskill auf Airtime steht, der ist in „Wolftrax“ fehl am Platz. Dieses kleine Trail Centre auf etwa halbem Weg zwischen Aviemore und Fort William punktet nicht mit Kickern, Tables und Gaps, sondern mit superflüssigen Schmalwegen, die zwar als Wolfsspuren durchgehen könnten, aber von Menschenhand kunstvoll in die Highlands hineingeschnitzt wurden.

Was bei schwäbischen Wanderfreunden Juckreiz auslösen würde, kratzt die Schotten nicht die Bohne: Die Wege sind alle maximal lenkerbreit – und verlaufen mitten durch den Cairngorms National Park! Möglich macht’s die Kombi aus rustikalem Pragmatismus der Schotten – und ihrer großen Liebe für die Outdoors. Gebaut und betrieben wird das Trail Centre von der Schottischen Forstbehörde.

Wer sich die 110 Meilen von Edinburgh bis Wolftrax gebahnt hat – was bei hohem Schafaufkommen drei Stunden dauern kann –, den erwartet kein Disneyland-Bikepark à la Leogang, sondern ein Café , ein überschaubarer Bikeshop und ein Duschhäuschen für danach. Rauf geht’s schottisch-gewöhnlich aus eigener Kraft, runter dann auf zwei grünen oder zwei roten Trails. Oder auf einem schwarzen. Wer dieses 3,7 Kilometer kurze, aber tiefschwarze Trailabenteuer mit dem Kopf auf den Schultern überlebt hat, kommt am Ende beim Devil‘s Chessboard heraus, dem „Schachbrett des Teufels“.

Alexander Stewart (1343–1394), der Wolf of Badenoch, soll der Legende nach nachts von einem großen, dunkel gekleideten Besucher auf eine Partie Schach eingeladen worden sein. Der Wolf verlor, und ein wildes Unwetter umtoste sein Ruthven Castle. Als sich am nächsten Morgen der Sturm gelegt hatte, wurden seine Männer vor der Burg gefunden. Schwarz verbrannt, wie vom Blitz getroffen. Der Wolf of Badenoch lag tot da, äußerlich unverletzt, nur aus seinen Stiefeln waren alle Nägel herausgezogen. Bloß gut, dass Dannys Five-Ten-Schlappen nicht genagelt sind ...

Top 10: Die besten Trail Centres in Schottland

Anreise: Direktflüge, z. B. mit Easyjet nach Edinburgh, kosten ab ca. 120 Euro www.easyjet.com, dann am besten per Mietwagen in die Highlands. Alternative für Autofahrer: DFDS-Fähren fahren täglich von Amsterdam nach Newcastle www.dfdsseaways.de. Ab da in einer Stunde nach Schottland.

Übernachtung in Edinburgh: Die Hotels der Kette „Motel One“ sind günstig und zentral gelegen www.motel-one.com/de/hotels/edinburgh/

Bike-Verleih: „Escape Route“ in Pitlochry liegt direkt auf dem Weg in die Highlands www.escape-route.co.uk.

TRAIL CENTRES – DIE TOP 10

1. Fort William: das Epizentrum aller Downhiller www.ridefortwilliam.co.uk

2. Wolftrax: nettes kleines Trail Centre in den Highlands http://scotland.forestry.gov.uk/visit/laggan-wolftrax

3. Glentrool: Einsteiger- und Familienorientiertes Trail Centre in Galloway.

4. Kirroughtree: ausgesprochen vielseitig – vom Übungsparcours für die Kurzen bis zur Pro-Line für die Checker.

5. Dalbeattie: In der Nähe von Dumfries warten technische Trails, Granit-Obstacles und Küstenlandschaften.

6. Mabie: Trail Centre nahe Dumfries, dessen vielseitige Wege sich meist durch schönen Mischwald schlängeln.

7. Forest of Ae: ebenfalls bei Dumfries. Vom Übungsparcours bis zur Downhillsektion findet hier jeder sein Geläuf.

8. Glentress: sehr beliebtes und supervielseitiges Trail Centre, nur eine Autostunde vor den Toren Edinburghs.

9. Innerleithen: ebenfalls nahe Peebles. Bekannt für seine vier DH-Sektionen und seinen roten CC-Traumtrail.

10. Newcastleton: Schon fast in England gelegen, findet man hier viele Trails und wenig Hektik.

Infos zu allen „7 Stanes“-Trail-Centres (Spots 3 bis 10) gibt es hier.

 

MOUNTAINBIKE 1216 Schottland Karte
Foto: MOUNTAINBIKE
04.01.2017
Autor: Andreas Kern
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 12/2016