In 3 Tagen: Mit dem MTB um den Wilden Kaiser – Etappen-Infos und GPS-Daten

MTB-Reisereportage Wilder Kaiser

Der Wilde Kaiser zog schon immer Bergsteiger und Kletterer in seinen Bann. Mountainbiker warten vergebens auf eine Audienz. Macht nix! Dafür lässt sich „der Kaiser“ in drei Tagen umrunden.

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„Stand!“ „Seil aus!“ „Nachkommen!“ Was ist hier denn los? Ganz einfach – hier klettert ein Alpinisten-Duo gerade an den lotrechten Abbrüchen des Wilden Kaisers hinauf zum Gipfel.Ob Ellmauer Halt, Fleischbank oder Totenkirchl – Kletterer hangeln sich schon seit weit über 100 Jahren auf die vielen steilen Kalkdächer des Kaiserpalastes.

Für Mountainbiker ist das Fahren auf des Kaisers Forstwegen und Trails aber meist verboten. Die Einheimischen hüten ihr Juwel wie einen Goldschatz, seit 1963 stehen die Gipfel unter Naturschutz, was auch gut so ist. Was bleibt Bikern also übrig, als den grauen Riesen aus sicherer Entfernung zu bewundern, ihm so nah wie möglich zu kommen, ihn voller Ehrfurcht einzukreisen? Heute ein Kaiser – das wär’s! Und morgen gleich nochmals, und übermorgen erst recht. Bis er umzingelt ist.

Petra und Larissa haben an diesem Wochenende genau das vor. Drei Tage nehmen sich die beiden Bikerinnen Zeit, um den Wilden Kaiser zu umrunden. Drei Tage mit netten Trails und Hütten sollen es werden. Allein die Planung ist nicht leicht. Wie gesagt, die Kernzone des Wilden Kaisers ist für Biker tabu.

Die drei Etappen dürfen nicht zu lang sein und möglichst wenig Tragestrecken beinhalten. Doch nach intensivem Studium von Landkarten haben sie eine vielversprechende Route zwischen Kitzbüheler Alpen und Chiemgauer Alpen gefunden. Traumwochenende und Bergdoktor (die ZDF-Serie wird hier gedreht), wir kommen!

Tag 1

Petra und Larissa können ihre Augen nicht von der grauen Eminenz lassen. Der Wilde Kaiser thront genau gegenüber und wird von den letzten Sonnenstrahlen des Tages illuminiert. Seine Schatten werden immer länger und modellieren die unzähligen Rinnen, Grate und Tobel der Wände immer stärker heraus.

Ein letztes Aufflackern, dann gleitet der rote Feuerball sanft in den Horizont hinein und schickt den Monarchen in Minutenschnelle in den Tiefschlaf. Zeit, selbst in die wohlverdiente Nachtruhe zu gehen. Denn der erste von drei Tagen im Bike-Sattel war lang, anstrengend und erlebnisreich.

Von Kufstein aus sind die beiden die vielen Serpentinen zum Brentenjoch getreten. Von 500 auf 1200 Meter Seehöhe führte die steile Schotterstraße hoch zum ersten Highlight der Tour. Als Belohnung wartete ein wunderschöner Tiefblick nach Kufstein mit Burg und Inn, der mitten durch die Stadt fließt.

Nach der Rast beim Weinbergerhaus nahmen Petra und Larissa den Rest der ersten Etappe in Angriff und fuhren über die Kaindlhütte rüber zur Walleralm. Tragestrecke inklusive. Denn ganz ohne Widerstand lässt sich kein Kaiser erobern. Erst recht kein österreichischer.

Tag 2

Heute Morgen starten die beiden Freundinnen von ihrem Hotel in Söll schon ganz früh. Zwar stehen nur gute 30 Kilometer auf dem Tagesplan, doch zu Saisonbeginn sind die Beine noch nicht in Hochform. Und überhaupt, Stress soll an so einem Ladys-Wochenende nicht aufkommen, das hatte schon von Anfang an oberste Priorität.

Der erste Anstieg hoch zum Brandstadl fordert den beiden alles ab, immer wieder federn ihre Bikes unter dem noch unrunden Tritt ein. Ein Glück, dass zumindest die ersten Kilometer auf asphaltierter Straße bewältigt werden können. An den steilen Grashängen stehen die mächtigen Bauernhäuser wie Festungen, geschmückt mit Blumen und verziert mit Holzschindeln. Im Frühling trauen sich die Kühe wieder aus den Ställen und testen die ersten Grashalme auf ihre Qualität, das Läuten ihrer Glocken gibt den beiden den Takt für ihre Trittfrequenz vor.

Über den Bromberg erreichen sie schließlich den Brandstadl. Ein idyllisch gelegener Speicherteich kommt nach den schweißtreibenden Metern auf den Gipfel gerade recht. „Schau mal, wen wir da haben“, ruft Petra. Und da steht er wieder, der alte Bekannte. Vis-à-vis mit dem Kaiser-Massiv lassen sie die Zeit verstreichen und kühlen ihre Waden in dem kalten Nass ab. Was jetzt noch kommt, ist nur noch reiner Abfahrtsspaß!

Tag 3

Auch der letzte Tourentag beginnt wie die vorangegangenen: Auf dem langen Anstieg zur Kohlalm fahren sich Larissa und Petra frühmorgens erst einmal warm. Der Wilde Kaiser hat ihnen mittlerweile den Rücken gekehrt, doch seine Nordseite ist nicht weniger imposant als die Südwände, die viele Postkarten und Imagekataloge zieren.

Fleischbank, Ellmauer Tor und auch Stripsenjochhaus – exakt zwischen Wildem und Zahmem Kaiser gelegen – sind von hier aus gut zu erkennen. Für Biker sind diese Hot Spots der Alpinszene kein Thema. Von hier oben bei der Kohlalm führt nur ein Weg weiter – und zwar bergab bis zur Feldalm.

Über einen Pfad tragen die beiden ihre Bikes lieber hinunter. „Wer sein Rad liebt, der schiebt!“ nehmen Petra und Larissa diese Tragestrecke mit Humor. Die Feldalm liegt am Ende eines langen Tales, das sich vom Walchsee Richtung Kaisergebirge zieht.

Keine Gondeln, kein Motorenlärm, nur die Geräusche der Natur begleiten die Alpenidylle. Bei einem Glas frischer Buttermilch und einem Apfelstrudel lassen es sich die beiden gut gehen.

Über die Gwirchtalm – mit einem kurzen und knackigen Anstieg – fahren die Freundinnen schließlich bis an das Ufer des Walchsees. Wie ein Alleinherrscher steht der Wilde Kaiser inmitten sanfter Hügel und dunkler Wälder. Aber bald schon kennen sie ihn von allen Seiten. Also nehmen die beiden den letzten Anstieg der Tour zur Aschingeralm in Angriff.

Der Tag biegt auch schon in die letzte Kurve ein, und so bleibt für sie nicht mehr viel Zeit, im letzten Tageslicht Kufstein zu erreichen. Und stets wacht der Wilde Kaiser über sie und passt auf, dass ihm niemand zu nahe kommt. Nicht mal die beiden Ladys.


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20.09.2015
Autor: Heiko Mandl
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe /2016