Salzburger Almentour in drei Etappen – Infos und GPS-Daten

MTB-Reisereportage Salzburger Almentour

Ein Prosit der Gemütlichkeit! Bergseen, Wälder, Wiesen und 60(!) Boxenstopps – auf der „Salzburger Almentour“ radeln Genussbiker in drei Tagen über die sanften Hügel des Salzburger Landes.

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Biken ist manchmal wie Fußball: ergebnisorientiert. Eben sind wir in Führung gegangen. Gegen den Favoriten. Überraschend, aber hochverdient. Und so schnell werden wir die Führung nicht hergeben.

Wir, das sind Larissa, Horst und ich. Quasi Red Bull Salzburg auf Stollenreifen. Die letzten Serpentinen treten wir zügig „auffi“. Und auf dem Downhill Richtung Hintersee quietschen die Bremsen, es staubt der Forstweg. Wann starten die Bayern die Schlussoffensive?

Dabei hatte der Tag so gemütlich angefangen. Wir sind ohne Eile den ersten langen Anstieg zum Seewaldsee hochgetreten. Und auch während der Rast am Ufer des idyllischen Bergsees konnten wir noch nicht ahnen, dass unser Bike-Tag so rasant enden würde.

Aber mit Matthias und Stephan wurde aus Spaß Ernst. Quasi Bayern München auf Stollenreifen. Zwar trugen sie weiß-blaue Trikots – vielleicht doch „Löwen“ von 1860 München? –, aber am Dialekt eindeutig erkennbar: Bayern. Die beiden Mountainbiker grüßten freundlich-selbstbewusst zu uns rüber und überholten uns in der Innenkurve. Die Säcke.

Unser zweites Aufeinandertreffen war dann ungefähr zwei Kilometer später. Reifenpanne! Nicht bei uns, sondern glücklicherweise bei Stephan aus Bayern. Der Boxenstopp unserer Gegenspieler brachte uns unversehens wieder ins Spiel. Aber wir freuten uns zu früh, beim nächsten Anstieg mussten wir uns mit einem „Fahrwerksschaden“ in Form eines Kettenrisses rumschlagen. Nachdem wir mit unserem spartanischen Werkzeug die Kette gerade so zusammengeflickt hatten, sahen wir die beiden blau-weiß gefleckten Trikots gerade noch am Horizont verschwinden. Das war’s, das Rennen war wohl gelaufen. 2:1 für Bayern! Wie im echten Leben.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Die steilen Rampen hoch zu den Bergalmen sind genau unser Terrain. Kurve für Kurve treten wir zügig bergauf. Und pünktlich zur Einkehr treffen wir die beiden wieder. „Servus, setzt’s euch doch zu uns her“, begrüßen sie uns auf der Terrasse. „Wo fahrt’s denn hin? “ fragt mich Stephan. Nach ein paar Minuten Geplauder erfahren wir, dass wir das gleiche Ziel haben: die Salzburger Almentour.

Stimmiges Duo: Natur und Kultur im Salzburger Land

Drei Tage lang führt die Salzburger Almentour durch die Osterhorngruppe bis in das Salzkammergut und wieder zurück. Hohe Berge findet man hier zwar nicht, doch die sanften Wiesenlandschaften, die dunkelgrünen Wälder und die gemütlichen Almhütten sind ein ideales Terrain, um den Alltagsstress der Arbeitswoche hinter sich zu lassen.

„Euer erstes Mal?“ fragt Matthias. „Ja“, antworten wir a bisserl verlegen. Die beiden haben dieses Jahr schon ein paar Mehrtagestouren hinter sich: rund um den Watzmann, quer durchs Karwendel und, und, und – sie sind echte Etappenbiker. Und wir? Wie gesagt, das erste Mal: mit Rucksack, Hüttenschlafsack, Kultursackerl ...

Nach der kurzen Rast auf der Bergalm – die Brettljause ist wirklich einmalig – geht es für uns weiter bergab Richtung Tal. Der Trail führt zuerst flach über die Almwiesen, bis er an der Kante steil bergab in das Tal sticht. Unglaublich, hinter dem nächsten Berg beginnt schon die Stadt Salzburg, wo gerade die „Festspiele“ – sozusagen das Champions-League-Finale für Opernfreunde – in die Schlussphase gehen. Kultur gepaart mit Natur – da macht dem Salzburger Land niemand was vor!

Wir bleiben aber lieber auf den Trails und fahren zu unserem ersten Etappenziel, dem Gasthof Hintersee. Und wie schon gesagt, die erste Halbzeit (genau genommen das erste Drittel) konnte knapp die Heimmannschaft für sich entscheiden.

Hoch zum Zwölferhorn

Wir starten am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrüh. Die zweite Etappe ist zwar mit rund 35 Kilometern nicht tagesfüllend, doch wir wollen eine längere Pause beim Wolfgangsee einlegen. Der Erfrischung wegen. Doch bis dahin ist es schon noch ein Stück.

Zunächst führt der Weg durch ausgedehnte Wälder und über Forststraßen hoch zur Schafbachalm. Die Alm liegt auf einer Lichtung auf einem versteckten Bergsattel und ist eines der Highlights am zweiten Tag. Für uns ist es jetzt aber noch zu früh für eine Einkehr, und so lassen wir die Alm links liegen und folgen dem Weg bergab. Ob unsere bayerischen Kollegen wohl schon aufgebrochen sind? Sie wollten später starten und uns Salzburgern einen Vorsprung geben.

Wir stehen nun vor dem längsten Anstieg der Almentour. Bis zum Gipfel des Zwölferhorns sind es knapp 800 Höhenmeter. Wolf Haas würde sagen: „Serpentinenfestival Hilfsausdruck.“ Also kräftig in die Pedale treten! Unter den Einheimischen ist das Zwölferhorn ob seiner Aussicht sehr beliebt. Wir gehen die ersten Meter langsam an und verstecken uns unter dem dichten Wald vor der Sonne.

30 Grad Höchsttemperatur sollen es heute werden, da wird es Zeit, frühnachmittags zum See zu kommen. Nach ungefähr halber Wegstrecke hoch zum Gipfel schützt kein Blätterdach mehr, der Stern knallt ungebremst auf unsere Köpfe. Ein letzter Schluck aus den Camelbaks gibt nochmals Auftrieb für den Gipfelsprint. Dann sind wir oben.

Ab in den Wolfgangsee

Vom Zwölferhorn aus genießen Larissa und Horst den einmaligen 360-Grad-Blick. Unter uns leuchtet der Wolfgangsee mit seinem türkisblauen Karibikwasser. Und gegenüber sehen wir die Rauchschwaden der Schafberg-Zahnradbahn aus der grünen Alpenlandschaft hervorstechen, wie sie sich den Weg bis zum Gipfel des Schafberges hochquält. Richtung Süden leuchten die weißen Gipfel des Dachsteinmassivs, und nach Norden hin beginnt das österreichische Flachland. Wie von Künstlerhand gemalt. Irgendwo im Nordwesten muss wohl München – und die „Arroganz-Arena“ – liegen. Aber wo bleiben die Bayern?

Nach den schweißtreibenden Rampen bergauf geht es für uns Salzburger jetzt hinab zum Wolfgangsee. Die Luftkühlung ist die reinste Wohltat.

Zuerst über Schotterwege, dann über einen schmalen Trail durch die Wälder des Salzkammergutes flitzen wir bis zum Ufer des Sees hinunter. Jetzt ist erst einmal eine gepflegte Badesession angesagt. Wir tauschen die Radklamotten gegen Badehose und Bikini und lassen uns im überraschend warmen Wasser treiben. Fast hätten wir die Zeit übersehen, wären da nicht unsere beiden bayerischen Freunde, die schließlich doch noch wie angekündigt zu uns aufschließen und den Tag mit uns am Ufer des Sees ausklingen lassen.

Aber das Runde (das Bike) muss ins Eckige (den Radkeller). Also auf zum zweiten Etappenziel! Dann haben wir nur noch einen letzten Tag vor uns. Bayern München und Red Bull Salzburg beschließen, die dritte Etappe gemeinsam anzugreifen. Knapp 60 Kilometer sind wegzukurbeln, da heißt es wieder: früh aufstehen! Am Ende wird es ein gerechtes Unentschieden. Und das ist auch gut so!


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01.05.2015
Autor: Heiko Mandl
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 8/2015