Mountainbiken rund um den Weißensee in Kärnten – Infos, Tourentipps, GPS-Daten

Biken am Weißensee: Alle Infos

Der See der Superlative: Kärntens sauberstes Naturgewässer lockt mit sanfter, idyllischer Alpenlandschaft ohne Touristen-Overkill. Weitere Gründe für die lange Anreise ins Grenzgebiet Österreich-Italien-Slowenien: das milde Klima mit vielen Sonnenstunden und die kulinarische Vielfalt. Wir stellen vier Traum-Touen in der Region vor - inklusive GPS-Daten.

Charakter: Die Bike-Region Weißensee lockt mit sanften, meist bewaldeten Bergen rund um den gleichnamigen Gebirgssee vor allem Genießer, Familien und Fitness-Biker. Die Touren rund um den Weißensee verlaufen großteils im leichten bis mittleren Schwierigkeitsgrad über gut ausgebaute Forstwege und Schotterstraßen, schwierige Singletrails findet man eher selten.

Allgemeine Reise-Infos: www.weissensee.com

Beste Reisezeit: durch das milde Klima in der Region bereits von Ende April bis weit in den Oktober hinein.

Anreise: aus Richtung München über die Autobahn A8 nach Salzburg und hier auf die Tauernautobahn A10 Richtung Villach. An der Anschlussstelle Lendorf auf die Bundesstraße B100 in Richtung Lienz/Drautal. In Greifenburg von der B100 abfahren und auf die B87 Richtung Oberdorf. Richtung Weißensee halten und weiter nach Techendorf (320 km/3:30 Stunden ab München).

Übernachtungstipps: Hotel Arlbergerhof, Familie Schwarzenbacher, Gatschach 47, A-9762 Weißensee, Tel. 00 43/47 13/22 80, www.arlbergerhof.at. Das Bikehotel liegt am Nordufer des Sees und bietet alles, was sich Biker wünschen. Weitere Bikehotels findest du unter: www.bike-holidays.com. Camping Knaller, Techendorf 16, A-9762 Weißensee, Tel. 00 43/47 13/22 34-0, www.knaller.at

Einkehrtipps: Die Naggler Alm (Tour "Große Weißenseerunde") bietet tolle Bioprodukte von regionalen Produzenten. Der Geheimtipp auf der Hermagorer Bodenalm (Tour "Über den Radniger Sattel"): das üppige "Frigga-Pfandl"!

Geheimtipps für die Weißensee-Region

1. Mit dem Ausflugsdampfer über den See: Am Weißensee lässt man das Auto am besten stehen. Mit den Schiffen, die fahrplanmäßig über den See tuckern, kommen auch Biker ganz leicht von A nach B. Die eine oder andere Tour kann so auch leicht abgekürzt bzw. erweitert werden. www.weissensee-schiffahrt.at

2. Kulinarik-Festival: "Aufwart’n am Weißensee", so heißt das viertägige Festival Mitte Mai, bei dem regionale Gourmets ihre Gerichte präsentieren. www.weissenseekulinarik.at

3. Fischen am Weißensee: Der knapp 1000 Meter hoch gelegene See gehört zu den saubersten Seen in Österreich und besticht durch eine große Vielfalt an Fischarten. Tageskarten können einfach vor Ort erworben werden. Wer Glück hat, fängt den schwersten Fisch des Jahres! www.weissensee.com/fischen

4. Bike-Trail: Mit der Gondel hoch und mit dem Downhillbike wieder runter – der "Weißensee-Trail" ist der Treffpunkt für alle Downhiller und Freerider! www.weissensee-bergbahn.at

MTB-Reisereportage: Weißensee

Selbst Timothy Dalton hat dem Weißensee schon einen Besuch abgestattet. Das ist allerdings schon 30 Jahre her. Bleibt die Frage: Wer ist Timothy Dalton? Ein Stiefbruder der Daltons? Nein, zweimaliger James-Bond-Darsteller! 007 kam 1986 an den idyllisch-verschlafenen Weißensee, um Action-Szenen für den Film "Der Hauch des Todes" zu drehen. Lang, lang ist’s her.

30 Jahre n. Bond. Die Auffahrt zur Naggler Alm hat auch mit Action zu tun. Wobei sich die Action vorwiegend in den Beinen abspielt. Jeder Pedaltritt fühlt sich zu Saisonanfang zäh wie Kleister an, da war Bonds PS-starker Aston Martin V8 Vantage schon sehr viel flotter unterwegs. Der Grund für unsere Kurzvisite ist halt auch ein ganz anderer als der von Dalton alias Bond.

Downhill-Rotschopf Angie Hohenwarter und ich wollen keine Bösewichte (oder Friseure) verhauen, sondern einfach nur in die Bikesaison starten. Und welches Bundesland könnte sich dafür besser eignen als Österreichs sonnen- und seenreichstes: Kärnten! Nebenbei ist der Südstaat auch Angies Heimatbundesland.

Nach ein paar Minuten Keulerei haben wir die steilsten Rampen aber schon hinter uns und werden mit einem wundervollen Ausblick über das Tal mit seinem berühmten See belohnt. Sehnsüchtig schaue ich auf den leuchtenden Weißensee unter mir. Wie gerne würde ich meine glühenden Waden jetzt in das frische Wasser stecken! Aber für uns geht es weiter bergauf.

Der fjordartige, zwölf Kilometer lange, aber kaum über einen Kilometer breite Gebirgssee, der zwischen den sanften Bergen türkisblau schimmert, ist auf den meisten Touren omnipräsent. So hatte auch unsere Klettertour hoch zur Naggler Alm gemütlich am Ufer angefangen: Nach einer kurzen Besprechung mit unserem Guide Peter rollten wir zuerst locker durchs Dorf, über die Brücke und ein Stück am Südufer entlang. Pure Idylle. Hier gibt es wenig Autoverkehr und noch weniger Hotelbunker. Disneyland-Attraktionen wie Coaster oder Flying-Fox sucht man hier im Süden Kärntens vergebens.

Nach ein paar Metern am See entlang entschlossen wir uns, die restliche Strecke bis zum Beginn des Anstiegs mit dem Schiff zurückzulegen. Aus Bequemlichkeit? Ach was, wir wollten uns eine einmalige Fahrt nicht entgehen lassen – die auf der "MS Alpenperle". Das Schiff ist das erste Hybrid-Fahrgastschiff Österreichs. Wir beugten uns an Deck über die Reling und konnten die Unterwasserwelt des Weißensees bewundern. "Ich kann fast bis zum Grund sehen", staunte Angie nicht schlecht. Kein Wunder. Der Weißensee ist einer der saubersten Seen in Österreich und gleichzeitig mit fast 1000 Metern über dem Meeresspiegel der höchstgelegene Badesee in Kärnten. Und exakt 99 Meter tief.

Im Winter gilt er als idealer Eislaufplatz. Ein Kältesee aus Luft über dem Talboden lässt ihn schnell zufrieren. Jetzt im Sommer ist er dagegen Ziel für Badegäste, Angler und Taucher. Aber auch für uns Biker hat er viel zu bieten. Die meisten der offiziell ausgeschilderten Touren haben eines gemeinsam: den atemberaubenden Blick auf den Südsee!

Willkommen auf der Naggler Alm!

Zurück zur Aussichtstour über dem See: Jetzt heißt es für uns noch einmal, kräftig in die Pedale zu treten. Der rund sechs Kilometer lange Anstieg zur Nagggler Alm zieht sich wie Wrigley’s Spearmint. Die 1-a-Forststraßen sind uns hier sehr willkommen. Ein paar Serpentinen weiter ist das Schlimmste geschafft. Die Naggler Alm liegt vor uns, und wir rollen die letzten paar hundert Meter zu unserer verdienten Rast. Die Hütte liegt auf einer großen Weide inmitten der Kärntner Berge. Oberhalb sehen wir den Naggler Nock, einen unscheinbaren, bewaldeten Gipfel. Es gibt in der Region viele solcher "Nocken" – eine Kärntner Lautmalerei für die runden, kuppenartigen und grasbewachsenen Berggipfel. Für uns heißt es: Energie tanken! Die Bauern haben sich ganz der biologischen Almwirtschaft verschrieben und bieten nur regionale Produkte an.

So trinken wir also Kräutertee aus dem eigenen Almgarten und laben uns am warmen Apfelstrudel frisch aus der Küche. "Hier oben haben sie eine Action-Szene zum James-Bond-Film gedreht", erinnert sich die Wirtin. Der Spion ist hier noch allgegenwärtig. Einige ältere Semester haben sogar als Statisten im Film mitgespielt.

Auf der Naggler Alm spielen aber schon lange Wanderer die Hauptrolle. Und immer mehr die Biker. Besonders seit die Bergbahn Räder transportiert, haben sich die Zweiradler hier oben stetig vermehrt. Neben vielen Hardtail-Fahrern können wir auch einige Downhiller mit Protektoren und Vollvisierhelm erkennen. Die neue Downhill-Strecke kommt bei den Locals bestens an.

Angie steht nach unserer Rast vor der Bergstation des Sessellifts. "Und nun?" fragt sie skeptisch. Nach rechts biegt der Trail in den dunklen Wald ab, geradeaus führt der Forstweg Richtung Seeufer. Die Entscheidung fällt nicht schwer, natürlich nehmen wir lieber den Trail. Freeriderin Angie gilt ja nicht umsonst als eine der schnellsten Bikerinnen Österreichs.

Der Trail führt die ersten Meter verwinkelt durch den Wald, später zieht er über Wiesen in vielen Steilkurven bergab. Wir fetzen mit voller Geschwindigkeit in die Anlieger. Unter uns, wie könnte es anders sein, grüßt der Weißensee herauf. Wie Ameisen wuseln die Badegäste unter uns herum. Und jede Menge Nussschalen tanzen auf dem See. Das Leben ist schön.

Um den saubersten See Kärntens herum

Am nächsten Tag beschließen wir, einen Klassiker unter den Touren in der Region zu fahren. Einmal rund um den Weißensee, mit vielen Hütten an der Strecke und einfachen Forststraßen in sanfter Alpenlandschaft. Mit den ersten Sonnenstrahlen schwingen wir uns auf unsere Bikes und treten mit steifen Gliedern in die Pedale. Die Tour ist für uns heute ideal: Die Waden schmerzen doch noch sehr von der Tour gestern, und die ersten einfachen Passagen bringen die verhärteten Muskeln auf Temperatur.

So folgen wir dem Weg über dem Nordufer Richtung Mühlwand. Im Nu haben wir die ersten Höhenmeter hinter uns gebracht und blicken wieder auf den See runter. Die MS Alpenperle gibt ihre Signaltöne von sich, ansonsten herrscht absolute Ruhe in den Kärntner Bergen. Alltag hier in der Region. Bis zum Horizont erstrecken sich Kärntens Nocken. Weit im Südosten erkennen wir die ersten senkrechten Kalkwände der Julischen Alpen. Nach dem ersten Anstieg zieht der Weg Richtung Ostufer. Immer wieder geht es, technisch nicht zu anspruchsvoll, aber dennoch mit einigen steinigen Passagen gewürzt, auf und ab.

Von Braunbären und Frigga-Doping

Vom Ostufer führt die Tour auf einer breiten Forststraße hoch zur Bodenalm, die gute 300 Höhenmeter über dem See liegt. Unübersehbar: das Warnschild vor Braunbären. Auch die gibt es in der Region. Sie kommen öfters von Slowenien zu Besuch und sind dann auch schnell wieder fort. Für uns Biker stellen die scheuen Tiere keine Gefahr dar. Aber die Bauern hier sind über die ungebetenen Gäste unglücklich. Schon öfter ist ein Schaf oder ein Bienenstock den braunen Gesellen zum Opfer gefallen.

Die letzten Meter bis zu unserer Raststation cruisen wir gemütlich leicht bergauf und kehren in der Hermagorer Bodenalm ein. Die Alm liegt mitten auf einer saftig grünen Wiese. "Ihr müsst hier den Frigga kosten", meint Peter. Frigga? Klingt wie ein Gericht aus Skandinavien, ist aber, so lassen wir uns belehren, eine Pfanne mit Speck, Käse und Kartoffeln. Das ideale Biker-Mahl!

Und nach einer halben Seeumrundung haben wir uns die Extrakalorien auch verdient. Der letzte Teil der Strecke führt wieder zum See bergab. Die Luft hat sich inzwischen kräftig erhitzt, und wir sind bereit für ein Bad im kühlen Nass. Den restlichen Tag verbringen wir am Strand des Weißensees, planschen herum und lassen die Zeit verstreichen. In der Ferne hören wir das Signalhorn der MS Alpenperle. Eines ist klar: Wenn mich ein Mountainbiker fragt, wo er und gern auch die Familie im Urlaub so richtig mit allem Drum und Dran auftanken kann, dann empfehle ich ihm den Weißensee.

01.02.2017
Autor: Heiko Mandl
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 06/2017