MTB-Topspot Gardasee

Endstation Seensucht

Sie wissen nicht mehr, wie oft Sie schon dort zum Biken waren? Kein Wunder, denn der Gardasee hat Suchtpotenzial! Für alle neuen und alten Fans zeigt MountainBIKE die schönsten Touren und gibt die besten Tipps rund um den Lago.

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Fotostrecke: Gardasee: die schönsten Touren in Bildern

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Gardasee Foto: Daniel Geiger
Gardasee Foto: Christoph Malin
Gardasee Foto: Daniel Geiger

Saisonstart. der Lago ruft. Wer ihn kennt, muss immer wieder hin. Und wer ihn kennenlernt, wird sofort gefesselt sein – vom Gardasee. Kein Revier ist bei Bikern so beliebt, kein Revier bietet so viele Möglichkeiten für alle Ansprüche, und in keinem Revier treffen sich so viele Gleichgesinnte – zum Biken, zum Spaß haben und natürlich zum Entspannen bei Cappuccino, Rotwein und Pasta in atemberaubender Umgebung.

Die schönsten Touren am Gardasee:

Schon bei der Ortseinfahrt von Nago kribbelt es in Bauch und Beinen. Es ist diese Mischung aus Freiheit und Vertrautheit, die Symbiose aus Wegfahren und Heimkommen, die Biker immer und immer wieder an den Lago zieht. Dort, wo im Norden Italiens der Süden beginnt, liegt ihr Sehnsuchtsort. Oder besser gesagt: das einzig wirksame Heilmittel für die Seensucht, die sie plagt.

Sobald sich hinter Nago zum ersten Mal der Blick weitet und das funkelnde blaue Band zwischen den steil abfallenden Bergflanken auftaucht, öffnet sich das Biker-Herz. Man ist angekommen. Endlich wieder da! Wie alte Bekannte grüßen Monte Baldo und Monte Altissimo von Osten herüber. Im Westen schweift der Blick Richtung alte Ponalestraße. Wie viele Biker dort wohl in den letzten 20 Jahren raufgekurbelt sind? Und welche Überraschungen die Wege und Trails wohl dieses Mal bereithalten?

Ein kurzer Zwischenstopp in der Meckibar gehört zum Ritual. Die Espressomaschine zischt, Neuigkeiten werden ausgetauscht. Hier ist man unter seinesgleichen. Und hier ergibt sich auch so manche Diskussion. Zum Beispiel darüber, was den Gardasee für Biker so besonders macht. Da gibt es die einen, die auf die Militärstraßen schwören. Weil die Front zwischen Italien und Österreich-Ungarn im 1. Weltkrieg durch die Bergketten des Alto Garda verlief, finden sie dort ein sagenhaftes Netz an verwegen angelegten Nachschubwegen. Der bekannteste davon ist die serpentinenreiche Strecke am Tremalzo. Sie gilt als die Gardasee-Biketour schlechthin, und jeder, der sich einmal aus eigener Kraft zum Scheiteltunnel auf 1863 Metern Höhe gekämpft hat, weiß, warum.

Doch nicht nur die Dynamite Trails haben ihre Anhänger. Viele Bikefans begeistern neben den fahrtechnischen Herausforderungen vor allem die gigantischen Panoramablicke, die sich während der Ausfahrten immer wieder auftun. Gerade im Frühjahr ist die Tour zwischen Garda und Malcesine ein Paradebeispiel für die Verbindung aus mediterranem Flair und alpiner Umrahmung. Gut 200 Höhenmeter über dem See schlängelt sich die Strecke zwischen Olivenhainen, Oleanderhecken und Hibiskussträuchern dahin, während die Gipfel der Berge auf der gegenüberliegenden Uferseite noch weiß im Sonnenlicht glänzen. In den kleinen Dörfern oberhalb der Gardesana Orientale spürt man auch nichts vom Trubel, der rund um den Gardasee herrscht. Hier gibt es noch Plätze, wie etwa das fast verlassene Dorf Campo, wo die Zeit stillzustehen scheint.

 

Von den Trails oberhalb des Lagos bieten sich traumhafte Panoramen.

Von Riva, Torbole und Arco kann man das nicht behaupten. In den Orten am Nord-ufer des Sees ist im Zuge wachsender Beliebtheit die entsprechende Infrastruktur für Biker entstanden. Wie überall auf der Welt bringt der Fortschritt auch am Lago seine Vor- und Nachteile mit sich: Höhenmeter-Faule und Freerider freuen sich über das Angebot der Shuttle-Anbieter.

Fitness-Päpste dagegen haben nur einen abschätzigen Blick für die Kleinbusse übrig, die auf der endlosen Monte-Baldo-Straße an ihnen vorbeibrausen. Bei den Einheimischen ist die Meinung über den Fahrservice gespalten. Denn einerseits handelt es sich dabei um einen lohnenden Geschäftszweig. Andererseits kommen Freerider dadurch leichter in ein Gelände, dem sie nach dem Geschmack ihrer Kritiker zu wenig Respekt entgegenbringenund daher dort nichts zu suchen haben.

Wie dem auch sei: Shuttle-Touren gehören zu den herausragenden Bike-Möglichkeiten am Gardasee. Vor allem die Tour über den Dosso dei Roveri steht hoch im Kurs. Egal, ob man die Querung der Altissimo-Westflanke über die Baita della Selva oder über Prati di Nago unter die Stollen nimmt, die Trails sind ein Traum. Hier gilt das Motto: je schmaler der Pfad, desto größer die Freude.

Und am Dosso dei Roveri angekommen, sollte man unbedingt eine Panorama-Pause einlegen. Zu schön ist der Ausblick auf den von Segelbooten überzogenen See und die Steilwände am gegenüberliegenden Ufer zwischen Limone und Pregasina.

Wer nach dem folgenden Abfahrtsrausch keine Lust auf die Blechkarawane auf der Gardesana Orientale hat, kommt in einen weiteren Genuss, den Biken am Gardasee bietet. Der Rückweg über den Seeweg ist nicht nur ausgesprochen entspannend. Er bietet auch Zeit, um die Tour Revue passieren zu lassen und neue Pläne zu schmieden. Denn eines ist sicher: Rund um den Gardasee findet sich auch nach dem x-ten Besuch noch eine Militärstraße, eine Panoramarunde oder eine Shuttle-Tour, die man noch nicht gefahren ist – oder dringend mal wieder fahren sollte.

Und mit jedem Besuch in Riva, Torbole oder Arco fühlt man sich ein bisschen mehr daheim, wenn sich nach Nago zum ersten Mal der Blick weitet und das funkelnde blaue Band zwischen den steil abfallenden Bergflanken auftaucht.

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27.05.2008
Autor: Alexandra Graf
© MountainBIKE
Ausgabe 06/2008