Mountainbiken in den Tälern südlich des Brenner-Passes – Infos, MTB-Tourentipps, GPS-Daten

MTB-Touren in den südlichen Brennerbergen: Infos, Tipps, GPS-Daten

Nur wenige Autofahrer nehmen auf dem Weg gen Süden gleich nach dem Brenner die erste Ausfahrt, um die Täler östlich und westlich des Eisacktals zu entdecken. Selbst schuld! Denn die südlichen Brennerberge sind eine prima Alternative zu den Südspots in den Dolomiten und am Lago.

Lage: Das Eisacktal ist eines der Haupttäler Südtirols. Die Ferienregion Eisacktal erstreckt sich vom Brennerpass bis hinab zur Landeshauptstadt Bozen. Die lohnendsten Spots für Mountainbiker sind Brennerbad, Gossensass, Sterzing und Brixen.

Allgemeine Reise-Infos: www.eisacktal.com

Beste Reisezeit: von Anfang Mai bis Ende Oktober

Anreise: aus Richtung München über Garmisch und Innsbruck zum Brenner (200 km/2:00 h), nach Sterzing (215 km/2:15 h) oder nach Brixen (240 km/2:30 h)

Hotels: Hotel Brenner in Sterzing (www.hotel-brenner.com); Gasthof Alpenrose in Kematen im Pfitschertal (www.gasthof- alpenrose.it); Bikehotels Südtirol gibt’s in Brixen, Natz-Schabs, Vahrn und Feldthurns (www.bikehotels-suedtirol.com)

Bikeshops & Guiding: Radverleih m2 bike in Sterzing (www. m2-bike.com); Radverleih rent and go an der Talstation Rosskopf in Sterzing (www.skipro.it)

Lift & Bike: Folgende Seilbahnen im oberen Eisacktal transportieren Biker und Bikes: Seilbahn Ratschings; Seilbahn Mühlbach – Meransen; Seilbahn Jochtal (Bike-Mitnahme gratis); Seilbahn Gitschberg (Bike-Mitnahme gratis); Seilbahn Plose; Seilbahn Rosskopf (Bike-Mitnahme erlaubt, allerdings keine Downhill-Bikes)

Weitere Touren mit GPS: www.sentres.com

MTB-Geheimtipps für die südlichen Brennerberge

1. Das etwas andere Bier: Echtes Kastanienbier schenkt man in Klausen, etwas weiter unten im Eisacktal, aus. Im Gasslbräu lässt man es sich dabei und bei echter Südtiroler Ku?che gutgehen. www.gassl-braeu.it

2. Weinprobe: Wer Rebsorten wie Vernatsch, Lagreiner, Blauburgunder, Portugieser und Silvaner verkosten will, der besucht Anton Fink auf dem Winklerhof in Villanders. www.winklerhof.eu

3. Echtes Törggelen: Der Griesserhof ist ein typischer Buschenschank. Den Keltereiprozess kann man hier live erleben – und da- nach auf zur traditionellen Weinprobe! www.griesserhof.it

4. Die Versuchung: bei einem Abstecher nach Brixen das mit Schokolade überzogene „Kastanienherz“ in der Konditorei Pupp probieren. Vorsicht, Kalorienbombe. www.pupp.it

5. Schnapseln: Die hohe Kunst des Schnapsbrennens lässt man sich von Norbert Blasbichler vom Radoarhof – hoch über dem Eisacktal in Feldthurns – erklären. www.radoar.com

MTB-Reisereportage: Südliche Brennerberge

Wie hypnotisiert starren Daniel und Roman auf das rostbraune Band. Und auf den Strom, der unaufhörlich nach Norden und Süden fließt. Was sich da unter ihnen in eleganter Links-rechts-Kombination um den nächsten Bergrücken windet, ist eine ziemlich geschmeidige Linie. Aber nicht nur Richtung, auch Farben scheinen sich andauernd zu ändern. Und wie so häufig: Aus einer gewissen Distanz und von oben herab strahlt dieser stählerne Riesenwurm sogar eine gewisse Ästhetik aus. Wie ein Freundschaftsband führt die Trasse direkt ins gelobte Land der optischen und der kulinarischen Genüsse.

A 22. Besser bekannt unter: Brennerautobahn. Wer mit 110 Sachen über den 1370 Meter niedrigen Brennerpass donnert, nimmt die Knotenpunkte des Eisacktals – Brennerbad, Gossensass, Sterzing und Klausen – beim Blick durchs Autofenster meist nur flüchtig wahr. 1000 Meter höher fahren wir – Bike-Pro Daniel Schäfer, Ski-Pro Roman Rohrmoser und ich – derweil wie durch ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch. Unter Daniels und Romans Stollenreifen zerbröselt der Mussolini-Beton lautlos zu Sand. Wind und Wetter zersetzen langsam, aber sicher das Bunkerdach unterhalb des Grubenkopfs. Unmittelbar an der Gratschneide, auf der italienischen Seite, ducken sich Festungen an Schützengräben an Bunker an Tunnels. Verbunden werden die strategisch wichtigen Kriegsposten aus dem letzten Gebirgskrieg mit einem zehn Kilometer langen Fahrweg, der Brenner Grenzkammstraße.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs sind erst 70 Jahre vergangen. Weltgeschichtlich ein Hühnerschiss. Dennoch überraschend, dass die ehemaligen Verteidigungswege, die sich von Brennerbad und Gossensass hier herauf - und am Kamm entlangschlängeln, kaum Alterserscheinungen zeigen. Dennoch gruselt es uns 70 Jahre nach dem letzten Schuss immer noch gehörig. Aber der Tief- und Weitblick lenkt von allzu morbiden Gedanken ab: Im Osten lassen die Zillertaler Alpen ihre weißen Zähne blitzen, im Westen strebt der Pflerscher Tribulaun derart gen Himmel, als wolle er dem Matterhorn den Mittelfinger zeigen. Und im Süden zieht das rostrote Band an Sterzing vorbei gen Bozen und Gardasee. Insgeheim freuen wir uns wie die Schnitzel, dass wir nicht zu den Lago-Lemmingen zählen, sondern hier oben unsere „Grenzerfahrung“ machen.

Lebenskunst zwischen Tirol und Italien
Jeder, der schnell zum Gardasee oder zu einem anderen Südsee will, muss über den Brenner. Klar, der eine oder andere mag schon mal in Sterzing zur Weinprobe abgebogen sein, doch die anderen Orte kennen deutsche Biker nur von Autobahnausfahrtsschildern. Selbst schuld! Denn wer in die Eisacktaler Seitentäler hineinschaut, taucht im Nu ein in die echte und unverstellte Südtiroler Lebensart. Diese ist seit jeher geprägt vom Austausch. Schon immer haben die Menschen zwischen Tirol und Italien regen Handel getrieben. Den sonnigen Hängen, auf denen die Obstbäume, Kastanien und Weinreben wachsen, sei Dank. Es sind die freundlichen, sonnengegerbten Gesichter der Winzer und Obstbauern, die Bände sprechen. Wie etwa das von Anton Fink vom Winkler-Hof. Der erzählt uns vom guten Geist des Weines, den er anbaut. Und von seiner Mutter, die nach ihrem Hüftbruch jetzt schon wieder auf dem Feld arbeitet. Mit 80 Jahren. Respekt, wer’s selber macht.

Wo die Kastanien noch Keschtn heißen
Einfach (und) gut: Auch der eingefleischteste „Spag-Bolo“-Fan freut sich hier am Ende eines grandiosen Trailtags auf einfache Gaumenfreuden. Wie Schlutzkrapfen, Knödel-Tris – und natürlich Edelkastanien. Die kommen von süß über herzhaft bis flüssig auf den Tisch. Richtig gelesen! Im Gasslbräu, weiter unten in Klausen, kann man mit leibhaftigem Kastanienbier auf die gelungene Tour anstoßen. Gerade die Kastanie hat hier an den Hängen eine enorme Bedeutung. Sie ist seit jeher fast schon Hauptnahrungsmittel der Südtiroler. Jeder Hof hatte einst einen „Nenerbam“ – Großvaters Baum. Er hatte im wahrsten Sinne des Wortes zentrale Bedeutung. Über Generationen hinweg ernährte der Kastanienbaum nicht nur den Opa, sondern die ganze Familie. Der Großvater wiederum war verantwortlich für den Nenerbam und übertrug diese Verantwortung beizeiten an die Nachkommen.

Aber zurück vom Baum zum Bunker. Von unserer Aussichtsplattform schauen wir gegen Westen, in Richtung Agglsspitze und Feuerstein. Gleich dahinter liegt das Stubaital. Alles liegt so nah beisammen, dass man sich unwillkürlich fragt, warum es eigentlich immer Grenzen geben muss, wenn eh alles irgendwie eins ist und zusammengehört. Dort drüben über dem Grenzkamm, ich kenne sie von Skitouren, reihen sich die spannenden Winterziele wie Rosskopf, Ellis-, Lorens-, Agglsspitze, Feuerstein und Hochegg aneinander. Weit unten im Südosten lugt die Plose hervor. Ein sagenhaftes Trailgebiet. Aber der Brenner Grenzkamm braucht sich selbst vor dem Hausberg Brixens nicht zu verstecken.

Projektarbeit Brenner: Es gibt viel zu biken!
Die Gondeln der Rosskopf-Seilbahn glitzern in der Nachmittagssonne wie eine Perlenkette. Dahinter zieht sich ein langes Tal nach Ridnaun und Maiern und steigt dort zur Rückseite der Feuersteine steil an. Und von Ratschings führt eine feine Tour von hinten offroad zum Jaufenpass – und übers Platschjoch durch flowigste Singletrails hinunter ins Eisacktal. Die perfekte Ankomm-, Feierabend- oder Sonnenuntergangstour.

Wer wie wir mit dem Bike auf dem Grenzgrat balanciert, erahnt einen Hauch des Potenzials, das im Eisacktal und seinen Seitentälern schlummert. Kopfkino vom Feinsten, das dabei gezeigt wird: Möchte man etwa mehr aus der Platschjochrunde machen, schaut man vom Jaufenpass mal Richtung Passeiertal. „Stell dir mal vor“, meint Daniel, „dort hinten über die Scharte, dann den Hang queren und wieder hoch auf den Grat, das müsste doch gehen!“ „ Dangerous Dan“ redet von der perfekten Rundtour, die sich vor seinem inneren Auge abzeichnet. Eine Tour mit Tragepassage über das Ratschinger Kreuz oder das Staudenbergjöchl, den 30 A oder 28er ins Lazzachertal, gegebenenfalls über Maiern und Ridnaun ... Alles äußerst verlockende Früchte, die gepflückt werden wollen.

Die untergehende Sonne erinnert uns, dass wir nicht ewig auf unserem zerbröselnden Bunkerdach verweilen können. Denn schließlich haben wir auf dem Weg nach Gossensass noch ein paar Kilometer Militärstraßen und Trails vor uns. Vom Grat scheint uns der Weitblick über diese im Schatten des Brenners liegenden Gipfel und Täler wie eine Offenbarung, vielleicht auch gerade weil sie nicht im Mittelpunkt des touristischen Interesses stehen. Aber jetzt freuen wir uns erst einmal auf die finale Abfahrt. Und auf den Abend, zuversichtlich, die Portion Spaghetti Bolognese mangels Alternativen diesmal nicht bestellen zu müssen. Und zur weiteren Tourenbesprechung heute Abend gönne ich mir ein Glas Silvaner. Der soll ja bekanntlich beflügeln ...

01.09.2016
Autor: Thilo Brunner
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 01/2017