Mountainbiken im Valtournenche am Matterhorn – Infos,Tourentipps, GPS-Daten

MTB-Touren am Matterhorn: Infos, Tipps, GPS-Daten für das Valtournenche

Das Matterhorn ist bei weitem nicht der einzige Viertausender, der rund ums Valtournenche in den Himmel ragt. Aber natürlich der bekannteste! Die Touren bieten fette Panoramablicke für Trail-Fans, die sich auch von hochalpinen Herausforderungen und Tragepassagen nicht stoppen lassen. Wir stellen 4 Top-Touren in der Region vor - inklusive GPS-Daten.

Fotostrecke: Mountainbiken im Valtournenche am Matterhorn - die schönsten Bilder

5 Bilder
MB 12/16 Valtournenche Matterhorn Foto: Christian Penning
MB 12/16 Valtournenche Matterhorn Foto: Christian Penning
MB 12/16 Valtournenche Matterhorn Foto: Christian Penning

Lage: Das Valtournenche ist eines der nördlichen Seitentäler des Aostatals. Am nördlichen Talende liegt Breuil-Cervinia am Fuße des Matterhorns (4478 m). Im Osten schließen sich das Monte-Rosa-Massiv (4634 m) und das Val d’Ayas an.

Allgemeine Reise-Infos: www.lovevda.it, www.cervinia.it

Beste Reisezeit: von Ende Juni bis Anfang September

Anreise: aus Richtung München – Lindau – Chur – A 13 San Bernardino – Lugano – Mailand – Richtung Aosta. Bei Chatillon ins Valtournenche, weiter bis Cervinia (650 km ab München).

Bikehotels: Les Neiges d’Antan (3 Sterne) in Cervinia (lesneigesdantan.it); Principe delle Nevi (4 Sterne) in Cervinia (principedellenevi.com); Hotel Lac Bleu (3 Sterne) in Cervinia (hotel-lacbleu.com); Al Caminetto (2 Sterne) in Valtournenche (hotelalcaminetto.org); BNB Outdoor in Herin bei Antey-Saint-André (bnboutdoor.com);

Guiding: Lucky Rides, deutscher Guide mit Pauschalangeboten im Hotel Les Neiges d’Antan (lucky-rides.com); Maestri di MTB (maestrimtb.com)

Bikeshops: Verleih: Cervinia 2001 (cervinia2001.com); Shop: Cicli Lucchini (ciclilucchini.it)

Lift & Bike: Die Bergbahnen in Cervinia und Chamois nehmen Bike und Biker mit (cervinia.it)

Bike-spezifische Landkarten: IGC-Karte „Cervinia Matterhorn, Champoluc“, 1:25 000; Supertrailmap „Valle d’Aosta est“, 16,95 Euro (supertrail-map.com)

Loading  

MTB-Tipps: Valtournenche am Matterhorn

1. Heli-Biken: bis zu 3000 Höhenmeter Abfahrt pro Tour – der Geheimtipp und Traum für alle, die von den Trails im Valtournenche gar nicht genug kriegen können. Ein Tag mit Guide und einem Heli-Flug kostet etwa 200 Euro. www.bnboutdoor.com

2. Maxivalanche Gletscher-Downhill: das Kultrennen mit Massenstart auf 3480 Meter am Plateau Rosa – und dann runter auf Schneepisten und Schotter-Trails nach Cervinia. Am 29. und 30. Juli 2017 ist es wieder so weit! www.ucc-sportevent.com

3. Schön schlemmen: mit lokalen Spezialitäten und einer tollen Aussicht im „Foyer des Guides“. www.foyerdesguides.it

4. Die beste Pizza: natürlich aus dem Holzofen, dünn, lecker und knusprig – im „La Grotta“ am Ortsrand von Breuil-Cervinia gleich neben den Skipisten. www.lagrottaristorantecervinia.com

5. Matterhorn-Geschichte: perfekte Lektüre zur Einstimmung aufs Matterhorn: Reinhold Messners Buch „Absturz des Himmels“ über die Erstbesteigung, erschienen im S. Fischer Verlag.

MTB-Reisereportage: Valtournenche am Matterhorn

Die ersten Sonnenstrahlen fließen gerade über den Grat der Cime Bianche. Millionen Tautröpfchen auf den Almwiesen der Eve Nére funkeln wie Diamanten. Ganz hinten am Talende leuchtet eine pyramidenartige Bergspitze in der Morgensonne: das Matterhorn.

Nein, die weltbekannte Toblerone-Form wie auf der Schweizer Seite hat der Berg von Süden – vom italienischen Valtournenche – nicht. Und das ist auch gut so. Hier ist der Berg noch Berg. Nicht Süßigkeit. Nicht Wahrzeichen. Nicht Marketing- Tool. Nicht Häkchen im Reisebericht tausender Japaner. Italien statt Schweiz eben.

Aber es hätte auch anders kommen können. Vielleicht säßen die reichsten Hoteliers dann nicht auf der Nordseite in Zermatt, sondern auf der Südseite in Cervinia. Die zwei Seiten der Medaille Matterhorn haben mit dem Kampf um seine Erstbesteigung zu tun. Daran erinnert Wegweiser Nummer 35, dem Lukas und Flo bergauf zu einer Scharte namens „Finestra di Cignana“ folgen. Ein bärtiger Herr ist auf dem Schild zu sehen: Jean-Antoine Carrel. Er trägt ein Sakko aus grobem Stoff, einen Hut, in der Hand hält er eine lange Holzstange. So ging man vor 150 Jahren in die Berge. Carrel stammte aus Valtournenche, war Bergführer. Im Juli 1865 lieferte er sich ein Rennen mit Edward Whymper, der gleichzeitig von Zermatt auf den Gipfel wollte. Während der Engländer sich zusammen mit Schweizer Führern bereits am Gipfel verewigte, kletterte Carrel noch ein paar hundert Meter unterhalb. Wenige Tage später war auch der Italiener auf der Südroute erfolgreich. Doch es half nichts – er war geschlagen, auch wenn ein Teil der Zermatter Seilschaft beim Abstieg zu Tode stürzte. Whymper wurde ein weltberühmter Bergsteiger. Carrel blieb einfacher Bergführer. Heute liegt Cervinia sprichwörtlich im Marketingschatten Zermatts.

Krasse Höhenunterschiede im Aostatal
Auch wenn Cervinia weniger berühmt ist als Zermatt – die Blicke auf den allgegenwärtigen wuchtigen Felszacken sind nicht minder imposant. „Ein Monument!“ raunt Flo, als er direkt auf die Spitze zukurbelt, die aus einer dünnen Wolkenbank über dem Tal wächst. Da wird selbst der schönste Trail zwischenzeitlich zur Nebensache. Das Matterhorn wirkt wie ein Magnet, der alle Blicke allzeit anzieht. Oben auf der Bergschulter am Finestra di Cignana angelangt, scheinen selbst die Gipfel des höheren Monte-Rosa-Massivs, die sich im Osten aufbauen, kleiner, zahmer.

Entsprechend wild sind auch einige der Trails am Fuß des Matterhorns. Ein uralter, schmaler Bergpfad, ruppig, stufig, felsdurchsetzt, schlängelt sich wie zu Carrels Zeiten hoch über dem Tal auf das Matterhorn zu. Den Tipp zu dieser Panoramatour hatte Ludovico Bich, Chef des Bikehotels „Les Neiges d’Antan“. Der durchtrainierte Hotelier kennt jeden Meter Trail im Tal. Unterhalb der Felswände des Monte Rous sitzt er plötzlich neben seinem Fully auf einem Felsblock am Bach. „Ihr habt doch sicher Hunger“, grinst er und zaubert Sandwiches für Flo und Lukas aus seinem Rucksack. „Ja“, gibt er zu, „manche Trails hier haben’s in sich. Aber grundsätzlich findet hier jeder das passende Terrain – vom Bikepark bis zu schwindelerregenden Alpinpfaden auf 3000 Metern Höhe.“ Schließlich ist dieses Hochtal verdammt lang. „Die Möglichkeiten bei uns reichen weit über die Hochgebirgstrails rund um Cervinia hinaus“, ergänzt er. „Weiter unten, dort, wo das Valtournenche ins Aostatal mündet, gibt es auch herrliche Wald-Trails.“

Mystische Waldpfade unterm Gipfelmeer
Um sich die 800 Höhenmeter von Cervinia zum Lago Cime Bianche zu sparen, nehmen Lukas und Flo für den zweiten Teil der Panoramatour die Gondel. So bleibt mehr Zeit zum Staunen: grüne Almwiesen vor den leicht angezuckerten Graten des Matterhorns, mittendrin kitschig türkis leuchtend der Lago-Goillet-Stausee. Weltklasse! Auch wenn wir weit über sieben Stunden im Auto saßen – dieser Megatrip auf die Alpensüdseite lohnt sich für Alpinbiker in jedem Fall!

Am nächsten Morgen ist das Gipfelmeer verschwunden. Schwere, graue Wolken wabern über dem Talgrund. Zeit für einen Abstecher nach Torgnon. Hinter der Alpe Gorza beginnt das, was Ludovico mit „Wald-Trails“ gemeint hat: flowige Traumpfade durch Hochmoore und mystischen Wald, in denen das Grün schier explodiert. Die Jungs stört es auch kaum, dass der Nieselregen den Untergrund gefährlich glatt macht.

Bleibt die Frage: Wo ist Luis Trenker?
Den Rest des Tages verbringen Flo und Lukas über die Karte gebeugt in der Bar im „Les Neiges d’Antan“. Pläneschmieden für den nächsten Tag. Die holzvertäfelten Mauern erzählen Geschichten von früher, genau wie die zahllosen Schwarzweißbilder vom Matterhorn, die an den Wändenhängen. Und es würde nicht wundern, wenn plötzlich Luis Trenker an der Theke säße. Der Grödner, Bergsteiger, Regisseur, Schriftsteller und Schauspieler in einer Person, spielte 1938 in „Der Berg ruft“ über die Erstbesteigung des Matterhorns die Rolle des Jean-Antoine Carrel und übernahm zugleich die Spielleitung.

Doch am nächsten Tag wird der Berg Flo und Lukas rufen. „Ihr solltet morgen früh los“, mahnt Ludovico. „Das wird ein Traumtag!“ Keine zwölf Stunden später pedalieren die beiden durch die dünne Höhenluft am fast 3000 Meter hohen Colle Sup. Delle Cime Bianche. Gebetsfahnen rund um ein Steinmännchen flattern im Wind. Es ist noch saukalt. Die letzten Wolkenreste lösen sich gerade über den Berggraten auf. Irgendwie wie Tibet. „Atemberaubend!“ keucht Flo. Nicht nur die Anstiege! Vor ihm beginnt ein sagenhafter Trail durch eine monumentale Bergeinsamkeit. Links blinken die Gletscher des Monte-Rosa- Massivs herüber. Tief unten funkeln die Bergseen um den Gran Lago. Und geradeaus windet sich der Trail auf einem breiten, grünen Band zwischen Felsriegeln hinab ins Val d’Ayas.

„Gemma!“ Steinböcke am Endlos-Trail
Der ist nach der zweistündigen Abfahrt hinunter nach Saint Jacques längst nicht zu Ende. „Da wollen wir hoch?“ fragt Flo nach der Kurbelei hinauf zum Rifugio Grand Tournalin. Gegenüber mündet der Pfad unterhalb des Col de Nana in eine scheinbar senkrechte Felswand. „Sieht aus wie eine Miniversion des Matterhorns für Biker“, ruft Flo. „Ich brauch erst mal ’nen Espresso.“ Erst beim Näherkommen wird der Steig, der sich mitten durch die Felsen schwindelt, sichtbar. „Also dann, ...!“ pustet Flo und schultert sein Fully. „Sch... Schlepperei“, will er oben am Joch gerade fluchen, da wandert sein Blick ein Stück den Berghang hinauf. Ein Dutzend Steinböcke, teils mit mächtigen Hörnern, hat es sich auf den Graspolstern zwischen den Felsen gemütlich gemacht. Kein Wunder, schon seit Stunden gehören die Trails uns alleine. Keine Menschenseele.

Das Beste kommt wie immer zum Schluss: der 1200-Tiefenmeter-Singletrail hinab nach Valtournenche. Aber nach ein paar Kehren: Vollbremsung! Ein Steinbock? Nein, für einen Moment spitzt das Matterhorn aus den Wolken. Dann verschwindet es mit Blitz und Donner hinter einer schwarzen Wand.

01.06.2016
Autor: Christian Penning
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 12/2016