Mountainbiken im Südtiroler Eisacktal - Infos und Tourentipps

Schöne Aussichten: Biken im Eisacktal


Zur Fotostrecke (8 Bilder)

Biken im Südtiroler Eisacktal
Foto: Manfred Stromberg

 

Biken im Südtiroler Eisacktal
Foto: Manfred Stromberg

 

Biken im Südtiroler Eisacktal
Foto: Manfred Stromberg

 

Biken im Südtiroler Eisacktal
Foto: Manfred Stromberg

 

Biken im Südtiroler Eisacktal
Foto: Manfred Stromberg
Was für Möglichkeiten! Biken im Eisacktal ist immer dreierlei: Hochgebirge kombiniert mit einer ausgedehnten Weinreben-Landschaft und einer Prise Kultur quirliger Altstädte.

Lesen Sie in diesem Artikel:


Der Hagel trommelt aufs Autodach, die Sicht endet auf Höhe der Motorhaube des Shuttles. Im Nordic-Walking-Tempo tastet sich das Auto die Forststraße hinauf zur Hütte. Wir warten im Auto, bis die Hagelkörner kleiner werden, und sprinten ins Trockene. Die nächsten zwei Stunden treibt Cappuccino den Puls hoch.

Es ist nicht mein erster Besuch in Brixen, auch im vergangenen Herbst war ich hier: beim legendären CAIdom-Rennen. Der Massenstart-Downhill beginnt auf der Plose, dem Hausberg Brixens.

Genauer: auf einer großen Ebene, wo zu Zeiten des Kalten Krieges noch Nato-Soldaten exerzierten. Zusammen mit 200 anderen Freunden der Gravitation stand ich da und bekam nicht nur wegen des unerwarteten Schnees kalte Füße.

Doch spätestens, als der Hubschrauber herandröhnte, um das Startsi­gnal zu geben, spielte das alles keine Rolle mehr, so vollgepumpt waren alle mit Adrenalin.

Brixen bedeutet: Trails vom Feinsten

Von diesem Abenteuer schwärme ich den Jungs vor, während wir auf das angekündigte Wolkenloch warten. Endlich! Die Sonne zeigt sich. Wo eben noch dichte Nebelsuppe schwappte, erscheinen jetzt die majestätischen Spitzen der Geißlergruppe im klaren Abendlicht.

Unsere Augen leuchten, als wir starten. Satte 1.500 Höhenmeter Trailabfahrt liegen vor uns. Unser Guide Alex Resch, Brixener Hotelier und passionierter Biker, kennt hier jeden Trail. Übermütig wollen Tobias und ich uns ein kleines Rennen liefern, die vielen glitschigen Wurzeln mahnen aber zur Vorsicht. Scheinbar endlos schlängelt sich der Pfad dahin und bereitet trotz Nässe viel Freude. Im allerletzten Tageslicht erreichen wir Brixen und gönnen uns in einer quirligen Altstadtbar das erste Bier.

Einfach mal die Seele baumeln lassen

Am nächsten Tag ist der Wallfahrtsort Latzfonser Kreuz unser Ziel. Vom Kasereck und der nahen Käserei Jochalm führt die Forststraße auf ein eindrucksvolles Hochplateau. Der Weg wird zum Trail und erfordert trotz des moderaten Anstiegs einiges an Kraft und Konzentration.

Auf dieser Talseite gegenüber der Plose ist der Blick auf die fernen Dolomitengipfel sensationell. Langkofel, Seiser Alm und im Vordergrund grasende Haflinger: Da baumelt die Seele trotz erhöhtem Puls. Das Kesselbild schließlich gibt den Blick frei auf den angeblich höchsten Wallfahrtsort Europas und die noch bevorstehenden Höhenmeter. Doch wir wären nicht in Südtirol, wenn danach nicht eine grandiose Abfahrt warten würde.

Lange Touren sind eine schöne Sache – können eine Truppe aber auch dazu bewegen, am Folgetag mal das Runterfahren ganz oben auf die Prioritätenliste zu setzen. Wir cruisen durch die Altstadt zum Bus zur Plosebahn. Das Städtchen gibt sich aufgeweckt. Viele Radfahrer sind unterwegs, die Cafés öffnen und wir genehmigen uns spontan einen zweiten Cappuccino.

Brixen liegt flach im Tal und ist umgeben von Mittelgebirgshügeln, das Umland ist hochalpin. Die Berge rundum bescheren ein angenehm trockenes Klima, 300 Sonnentage im Jahr sorgen auf der geringen Höhe von etwa 550 Metern für viel Wärme. Damit ist Brixen fast das ganze Jahr über ein ideales Bike-Gebiet. "Da unten ist die Strecke!" Aufgeregt zeige ich von der Gondel hinaus. Gelegentlich können wir einen Blick auf die Route des CAIDom-Rennens erhaschen – zum Nachfahren ist sie leider nicht komplett freigegeben.

Wir wollen heute neue Wanderwege erforschen. Zuerst stehen aber 500 Höhenmeter aus eigener Kraft an: Auf Forstwegen treten wir uns vor traumhafter Kulisse zur Plosehütte, dem "Rifugio Plose CAI". CAI steht für Club Alpino Italia­no, den Italienischen Alpenverein. Deswegen heißt das Rennen auch CAI-Dom: von der Hütte zum Domplatz. Der Plose besteht aus mehreren Gipfeln, einer davon ist der Telegraph.

Unsere heutige Tour-Empfehlung startet hier und fordert selbst unsere aus Bike-Guides bestehende Gruppe: Der Trail ist eng, ausgesetzt, lose und stufig. Für Verschnaufpausen sorgen nur einige Flow-Passagen. Leicht abgekämpft kehren wir in der Ochsenalm ein und genießen traditionelle Tiroler Speckknödel. Einfacher wäre es gewesen, den 30er-Weg direkt von der Gondel hierher zu nehmen, aber wir wollten ja Abenteuer …

Singletrail-Nirwana

Um die Fahrgemeinschaft aus der Gemütlichkeit zu reißen, braucht es einiges an Motivationsarbeit. Leicht träge starten wir auf dem Zirmweg am Hang entlang. Das Auf und Ab durch Alpenrosen und Zirben weckt schnell wieder die Lebensgeister der Truppe. Im kurvig-holprigen Spaßflow verpassen wir den Einstieg in den 4er-Wanderweg, aber nach einem Blick in die Karte ist die Fahrtrichtung schnell wieder klar. Bergab! 1.500 Höhenmeter Singletrail am Stück! Abwechslungsreich schlängelt sich der Pfad durch den Wald, fordernd, aber nicht überfordernd.

Viele rundliche Zapfen, hier Tschiertschen genannt, sorgen für ein kleines Plus an Spannung unterm Vorderrad. Nach der Plosebahn-Talstation will ich meinen Freunden die Rennstrecke zeigen und deren extremes letztes Stück fahren statt des klassischen Wanderwegs. Aber beim Rennen war ich wohl besser in Form. Heute schaffe ich gerade noch, eine unfreiwillige Schussfahrt ohne Bike zu verhindern.

Mit Stirnrunzeln beobachtet die Gruppe meine Bodenakrobatik und verabschiedet sich. "Viel Spaß noch", rufen sie und folgen dem Wanderweg. Dass sich unsere Wege länger als geplant trennen, hätte ich mir eigentlich denken können. Die Strecke ist natürlich nicht mehr markiert, und ich habe keine Brieftauben-Gene. Als ich schweißtropfend die Runde komplettiere, sitzen meine Kumpels schon längst vergnügt beim zweiten Radler.

Abwechslung ist Trumpf

In Brixen muss man sich nicht immer die Härte geben: Durch die Mittelgebirgslandschaft führen liebliche Trails, und so lassen sich hier Touren fahren, auf denen auch weniger Trainierte und Familien mit Kindern Spaß haben. Das Bike-Gebiet erstreckt sich über sieben, zum Teil wenig erschlossene Täler. Dank Plosebahn können viele Touren um bis zu 2.000 Höhenmeter entschärft werden.

Die Abendsonne taucht das Kloster Neustift zwischen den Weinbergen in weiches Licht. Zum Biken kommen wir spätestens im Herbst wieder. Und sollte es dann wieder neblig sein, warten wir auch gerne wieder auf der Hütte auf das fantastische Alpenglühen.


Inhaltsverzeichnis

01.04.2013
Autor: Manfred Stromberg
© MOUNTAINBIKE