Mountainbiken im Südtiroler Eggental - Infos und Tourentipps

Biken zwischen Rosengarten und Latemar

Hochwälder und Almen, wuchtige Felstürme und Geröllhalden, Zwerge und Riesen: Die Ferienregion Eggental steckt voller Kontraste. Rosengarten und Latemar sind die besten Beispiele.

Lesen Sie in diesem Artikel:


Felsblöcke. Häusergroß, kühlschrankförmig, Fußball-Size, kieselklein. Die Geröllhalde am Fuß von Latemartürmen und -spitze erinnert an die Bowlingbahn eines Riesen, der aus Wut, dass er keinen Kegel traf, mit Felsklötzen um sich geschmissen hat.

Um die Trümmer oberhalb des Karersees ranken sich nicht nur Flechten und Moose, sondern auch viele Sagen. So sollen hier einst fruchtbare Almen gewesen sein, die zerstört wurden, weil die Hirten dort in Sünde lebten. Außerdem soll in den Türmen oberhalb des Blockfelds seitdem ein Maurer versuchen, eine Mauer aufzubauen, die immer wieder einstürzt. Wer den Türmen zu nahe kommt, um den Maurer zu erspähen, wird von ihm mit Steinschlag vertrieben.

Mountainbiker halten unabhängig von Sagen oder Naturgewalten automatisch einen respektvollen Abstand zu den Latemartürmen. Der Trail durch das Felsenlabyrinth an ihrem Sockel ist unfahrbar, lohnt aber einen Abstecher. Hier erleben Biker die Dolomiten in all ihren Schattierungen. Vom grauen und ockergelben Dolomitgestein über Geröllhalden, grüne Wiesen und Wälder bis hin zu dunklen Bergseen – bei dieser Naturvielfalt ist es kein Wunder, dass Le Corbusier die Dolomiten einst als schönstes Bauwerk der Welt titulierte. Ein Großteil des Gebirgskamms – darunter auch Rosengarten und Latemar – wurde 2009 zum Welterbe der Unesco erhoben.

Aus den "Bleichen Bergen", wie die Dolomiten bis zur Erforschung des Gesteins im 18. Jahrhundert durch den französischen Geologen Deodát de Dolomieu hießen, sticht der Latemar besonders hervor. Er ist nicht nur eines der kleinsten und am wenigsten erschlossenen Gebirgsmassive der "Bleichen Berge", sondern auch eines der einsamsten. Was spricht also dagegen, diesen Bergstock mit dem Mountainbike zu umrunden? Nichts! Zahlreiche Routen stehen zur Auswahl. Angefangen bei der kinderfreundlichen Unter-400- Höhenmeter-Tour für Familien bis hin zum 1.800-Höhenmeter-Mammut-Loop sind viele Runden machbar.

Mountainbike-Klassiker unter sich

Eine besonders schöne Runde hat Kurt Resch ausgearbeitet. Der Bikeguide und Hotelier aus Steinegg kennt die Region Eggental so gut wie nur wenige. Schließlich führt er seit 1994 Biketouren und leitet mit dem Steineggerhof eines der ersten Bikehotels in Südtirol. Erster Höhepunkt seines 44 Kilometer langen Latemar-Klassikers von Eggen über den Karersee, Moena und Predazzo zurück ins Eggental ist sicherlich der Trail zwischen Karersee und Karerpass. Die gewundene Wegführung, kombiniert mit Engstellen sowie kurzen Auf- und Abfahrten, macht richtig Laune.

Auf dem Downhill nach Moena kommt man schnell in Atemnot. Nicht vor Anstrengung, sondern weil sich die Freude lauthals Luft macht! Wurzeln, Stufen, Geröll, Spitzkehren, Bachbettquerungen und eine Trasse, die sich wie eine ausgewaschene Bobbahn in Achterbahnmanier durch den weichen Waldboden schlängelt und dabei über 500 Höhenmeter vernichtet – dieser Trail ist einsame Klasse! Aber längst noch nicht alles. Nach der Auffahrt mit der Seilbahn und dem Sessellift von Predazzo zum Feudo-Pass locken weitere Traum-Trails. Biker-Herz, was willst du mehr?

Vielleicht ein Kontrastprogramm vom gleichen Ausgangsort? Wie wäre es mit einer Tour durch eine sanft geformte Hügellandschaft mit ursprünglichen Bauernhöfen, Wiesen und Hochwäldern, wie die Runde zu der 2013 eröffneten und einzigen Sternwarte Südtirols? Liebliche Hügellandschaft mag in Anbetracht der schroffen Felsen des Latemar- und Rosengarten-Massivs unglaublich klingen, ist dank der geologischen Gegebenheiten der Region Eggental aber wahr. Vor 230 Millionen Jahren legte sich nämlich auf dem Grund des Tethysmeeres, in einer Lagune durch Korallenriffe geschützt, Material ab. Durch hohen Druck infolge immer weiterer Ablagerungen wurde dieses Material zu dem Sedimentgestein verfestigt, das den heutigen Latemar formt.

Das Gebiet östlich von Bozen wird dagegen aus Bozner Quarzporphyr zum Gebirge gebildet. Dieses vulkanische Gestein verwittert anders als Sedimente und bildet heute die Hügellandschaft des Eggentals. Also unten zart, oben hart! Sieben Bergdörfer zieren die Hänge hinab nach Bozen. Dank Höhenlagen zwischen 250 und 2.500 Metern startet die Bike-Saison hier schon ab April. In der Abenddämmerung kann man von hier unten den einstigen Rosengarten König Laurins, nach dem der Rosengarten der Sage nach benannt ist, bestaunen. Laurins Fluch nach sollte den Garten niemand mehr zu sehen bekommen: weder bei Tag noch bei Nacht. Doch er vergaß die Dämmerung … Sprachforscher sehen das freilich anders. Sie bringen den Rosengarten mit dem Wort "ruza" in Verbindung. Was das bedeutet? Geröllhalde.


Inhaltsverzeichnis

15.01.2013
Autor: Mirjam Hempel, Andreas Kern, Achim Isenmann
© MOUNTAINBIKE