Mountainbiken im Grödner Tal – Infos und GPS-Daten zu Touren auf den Gebirgsjäger-Trails

Grödner Tal: Infos und GPS-Daten zu den Gebirgsjäger-Touren

Umwerfend schön! Wer die Dolomiten von ihrer attraktivsten Seite kennenlernen will, bezieht Quartier in Gröden und unternimmt von hier Tages- oder Mehrtagestouren – etwa den „Giro della Grande Guerra“ auf spektakulären Gebirgsjäger-Trails.

Fotostrecke: Mountainbiken im Grödner Tal – die schönsten Bilder von den Gebirgsjäger-Trails

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MOUNTAINBIKE 0517 Gröden Grödner Joch Foto: Manfred Stromberg
MOUNTAINBIKE 0517 Gröden „Dolomiti Supersummer“-Revier Foto: Manfred Stromberg
MOUNTAINBIKE 0517 Gröden Anstieg Foto: Manfred Stromberg

Lage: Das Grödner Tal als eines der längsten östlichen Seitentäler der Eisack liegt eine dreiviertel Autostunde von Südtirols Hauptstadt Bozen entfernt auf 650 bis 2200 Metern Höhe.

Anreise: von Deutschland am besten über Autobahn A 8, Innsbruck, Brenner und A 22 bis Klausen und weiter auf der SS 242d über Lajen in die Hauptorte St. Ulrich (270 km/3 h ab München) oder Wolkenstein (280 km/3:15 h ab München).

Beste Reisezeit für die zweitägige Gebirgsjägertour: von Anfang Juli bis Ende August. Bei der Marmolada-Enduro-Tour laufen die Aufstiegsanlagen vom 17. Juni bis 24. September, beim Val-Gardena-Enduro von Anfang Juni bis Anfang Oktober. Diese beiden Touren sind im September am schönsten zu fahren. Achtung! Im August sind auf der Val-Gardena-Tour sehr viele Wanderer unterwegs, also besser im Juni, Juli und September.

Allgemeine Reise-Infos: www.valgardena.it/de/

Guiding, Bike-Shop und Bike-Verleih: MTB School Ortisei: Tel. 00 39/04 71/78 62 42, www.mtbschool.it

Übernachtung: Bikehotels in Gröden: www.bikehotels.it/de/regionen-infos/dolomiten/groeden.html; Bikehotels in ganz Südtirol: www.bikehotels.it

Seilbahnen für Enduristen: Die Tageskarte kostet 45 Euro, die Wahlabokarte für drei aus vier Tagen 105 Euro, die Wahlabokarte für fünf aus sieben Tagen 140 Euro.

Shuttle: direkt über die MTB School Ortisei in St. Ulrich (www.mtbschool.it) oder bei Taxi Ivan (www.taxi-ivan.com)

MTB-Geheimtipps für Gröden und Umgebung

1. Den besten Apfelstrudel gibt es sicherlich auf der urigen Marmotta-Hütte (1950 m) in der Nähe von Pralongia oberhalb von Corvara (Tour 1), www.lamarmotta.com

2. Traditionelle Südtiroler Schlutzkrapfen genießen Mountainbiker am besten in der Daniel-Hütte (2240 m) unterhalb der Gipfelstation Seceda (Tour 3), www.seceda.cc

3. Eine leckere Weinverkostung (aber besser nach als während Tour 3 ...) gönnt man sich vorzugsweise in der Sofie-Hütte auf 2412 Metern Höhe unterhalb der Seceda, www.seceda.com

4. Viel Wissenswertes rund um die ladinische Kultur und Sprache erfährt man im „Museum de Gherdeina“ in St. Ulrich, www.museumgherdeina.it

5. Die älteste Kirche in Gröden, die St.-Jacobs-Kirche aus dem Jahre 1283, liegt mitten im Wald oberhalb von St. Ulrich.

6. Das berühmteste Bike-Rennen ist natürlich das Sellaronda Hero am 17. Juni 2017, www.sellarondahero.com

MTB-Reisereportage: Gebirgsjäger-Trails rund um Gröden

Obacht Kalauer: Unterhalten sich zwei Grödner bei der Beerdigung des alten Bergbauers Kostner: „Was hat er denn gehabt?“ „Drei Hotels.“ „Nein, was hat ihm denn gefehlt?“ „Ein Skilift.“ Das Grödner Tal ist von allen Tälern Südtirols das vielleicht schönste. Sicherlich aber das geschäftstüchtigste. Der jahrhundertelang gewachsenen Holzschnitztradition, den kurzen Wegen von Brenner und Bozen – und den schlauen Tourismus-Schachzügen der Grödner – sei’s gedankt.

Das Grödner Tal: Es entspringt hoch oben am Sellajoch und Grödner Joch und mündet 25 Längen- und 1,5 Höhenkilometer weiter unten bei Waidbruck ins Eisacktal.

Apropos Skilift: Eingezwängt zwischen den sogenannten „Grödner Dolomiten“, also Geislerspitzen und Puezgruppe im Norden sowie Sella und Langkofel im Süden, haben die cleveren Grödner früh erkannt, wie sie Touristen in ihr Hochtal locken können: nicht mit Holzschnitzkunst, sondern mit Skiliften. Kaum ein Hügel, auf den heutzutage keine Kabinenbahn hinaufgondelt. „Dolomiti Superski“ nennt sich das Ganze, und 450(!) Liftanlagen und 1200 Pistenkilometer übertreffen dabei jegliches Vorstellungsvermögen.

Grandios: „Dolomiti Superski“ im Sommer

Was den Skifahrern im Winter recht ist, kann den Mountainbikern im Sommer nur billig sein. Dachten sich auch Trial-Traumtänzer Tom Öhler, Fotograf Manfred Stromberg, beide aus Innsbruck, und Conny Bucher, Bergab-Rennsemmel aus Stuttgart.

Bei derartiger Optionenvielfalt an Liften und Abfahrten tun aber auch drei Berufsbiker gut daran, sich Beistand zu holen. Nicht von ganz oben – obwohl der bei einigen zweifellos fatalen S4-Stellen nie schaden kann. Sondern von einem Einheimischen, der in seinem Grödner Tal jeden Stein (und jeden Liftbesitzer) mit Vornamen kennt: Mark Vinatzer aus St. Ulrich. Und der hat eine ganz besondere Tour im Köcher: den zweitägigen „Giro della Grande Guerra“ – eine äußerst anspruchsvolle Runde auf faszinierenden Gebirgsjägertrails zwischen Gröden und Cortina.

Aber Mark ist angespannt. Nicht aus Angst um Conny, Manfred oder Tom, sondern weil ihnen die Zeit davonläuft. Sie müssen unbedingt den letzten Lift hinauf zum Rifugio Averau kriegen! Vor lauter titelwürdiger Foto-Motive haben die Biker ihren Zeitplan gecrasht.

Einige Platten später später steigt die Nervosität. Der Plan: mit dem Shuttle von Selva di Cadore hoch zum Rifugio Fedare und per Lift zur Übernachtungshütte Rifugio Averau. Aber der Taxifahrer scheint bis dato nur Altmetall transportiert zu haben. Als er eine Carbon-Kurbel mit dem Hammer in die Haltevorrichtung treiben will, übernehmen Tom & Co. die Verladung lieber selbst. Im Shuttle telefoniert Mark die ganze Zeit wild herum. Wer wie er jeden Liftboy Südtirols kennt, weiß, dass keiner eine Minute länger, als im Liftplan steht, zu arbeiten pflegt. Aber wenn sie den Lift verpassen, stehen ihnen 800 abendliche Höhenmeter bevor ...

Aber Wunder gibt es immer wieder. Auch fünf Minuten nach Liftschluss. Der Liftboy ist zwar weit und breit nicht zu sehen, weil schon heimgefahren, aber der Hüttenwirt der Averau-Hütte lässt den Lift kurzerhand weiterlaufen, bis Biker und Bikes oben angekommen sind. Puh!

Bei Marks hektischen Telefonaten bekommen die Nordälpler eine gleichermaßen merkwürdige wie faszinierende Sprache zu hören: Ladinisch. Von den beiden Hauptdörfern „Urtijëi“ (St. Ulrich) und „Sëlva“ (Wolkenstein) bis über das „Jëuf de Frea“ (Grödner Joch) hinaus gehört diese uralte rätoromanische Sprache zum Grödner Tal wie Holzschnitzerei und Luis Trenker. Der ist zusammen mit Reinhold Messner der berühmteste Südtiroler der Welt. 1892 als Sohn eines Holzschnitzers in St. Ulrich geboren, wurde der Luis als tollkühner Bergsteiger sowie später als Bergfilmer und -regisseur mit einem Hang zur heroischen Alpinschnulze berühmt.

Was viele nicht wissen: Trenker war mit Mitte zwanzig Oberleutnant in einer Bergführerkompanie im „Grande Guerra“, dem Gebirgskrieg im Ersten Weltkrieg. Der tobte von 1915 bis 1917 zwischen österreichisch-ungarischen Kaiserjägern auf der einen und italienischen Alpini auf der anderen Seite. Eine der am heftigsten umkämpften Fronten verlief vom Grödner Joch über die Passi Valparola und Falzàrego nach Cortina. Genau hier – und genau 100 Jahre nach dem Irrsinn des Stellungskriegs an der Dolomitenfront – hat Mark seine Zwei-Tages-Tour ausgetüftelt.

An Tag eins führt sie mit Hilfe von neun(!) Liftanlagen vom Grödner Tal über Grödner Joch, Corvara, Pralongia, Arabba und Padonkamm (mit dem berühmten „Bindelweg“) hinab nach Alleghe und nach Selva di Cadore. Nach satten 60 Kilometern – fast überwiegend auf Trails –, 1500 selbstgetretenen Höhenmetern und 4500 Tiefenmetern lassen sich Tom, Conny und Manfred wie gesagt mit Taxi und Sessellift auf 2413 Meter chauffieren. Und schlafen wie die Murmeltiere.

Am nächsten Morgen zeigen sich auf der Terrasse der Averau-Hütte die Dolomiten von ihrer schönsten Seite: in unmittelbarer Nachbarschaft die fünf Finger der Cinque Torri, dahinter der mächtige Klotz der Tofana, weit über Cortina wachsen Cristallo-Gruppe und dahinter die Drei Zinnen aus dem knallblauen Morgenhimmel.

Hundert Jahre nach dem Grande Guerra

Nur sechs Kilometer Luftlinie im Westen des Rifugio Averau zeigt sich ein geografischer und historischer Höhepunkt der Tour: der Col di Lana.

Der Kriegswinter 1916/1917 wurde zu einem der kältesten seit Menschengedenken. Schnee, Sturm und Lawinen machten den Kampf Mensch gegen Mensch zu einem Kampf Mensch gegen Berg. Schützengräben und Stollen aus dem Grande Guerra bleiben als anklagende Zeitzeugen. Besonders umkämpft war der Col de Lana, der wie der Bug eines Panzerkreuzers die Täler des Cordevole- und Valparolabaches durchschneidet. Beide Gegner gruben in Tag- und Nachtschichten Tunnels in den Berg. In der Nacht zum 18. April 1916 wurde der Gipfel samt Kaiserjägern mit fünf Tonnen Dynamit gesprengt. Seither sieht man am Col de Lana nur noch einen Krater – und eine hölzerne Kapelle als stummes Mahnmal.

Liftunterstützung gehört natürlich dazu

Vorbei an den Cinque Torri führt Mark seine Gäste über grandiose, aber ausgesprochen amtliche Trails hinüber zum Passo Falzàrego. Im Angesicht von Tofana und Lagazuoi – hier gibt es einen Tunnel, der 600 Höhenmeter(!) bis hinauf auf den Gipfel des Lagazuoi führt – geht es dann hinab ins Alta Badia. Da Tom, Conny und Manfred ziemlich genau wissen, was geht, schickt sie Mark relativ hemmungslos in schwierige Trails.

Aber keine Bange! Für normalsterbliche Biker gibt es auf dieser Zwei-Tages-Tour jede Menge Alternativrouten. Wer aber den Aufwand – und den schweren Rucksack – einer Hüttentour à la Averau scheut, mietet sich einfach im Grödner Tal ein und unternimmt von hier Tagestouren mit Liftunterstützung. Enduro-Einsteiger tasten sich beim leichten „Val-Gardena-Enduro“ an das ständige Rauf und Runter heran, Ambitionierte wagen sich rüber zur Marmolada, der „Königin der Dolomiten“.

Aber mal ganz ehrlich: Wer sich wie Enduro-König himself fühlen will, der muss zwei Tage lang über die Gebirgsjägertrails ballern!

07.05.2017
Autor: Andreas Kern
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2017