Mountainbiken rund um Meran – Infos, MTB-Tourentipps, GPS-Daten

Mit Steffi Marth auf Trail-Tour rund um Meran

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Meran Foto: Andreas Kern
Meran Foto: Andreas Kern
Meran Foto: Andreas Kern

Steffi Marth kennt kein Mensch! Mal abgesehen von den vier Millionen deutschen Bikern. Die Brandenburgerin ist eines der Gesichter des Mountainbikesports hierzulande. Von Dutzenden Titelseiten lächelte Steffi („nicht Stefanie!“) Bikern schon entgegen, und wer sie trifft, kann sich ihrem erfrischenden Charme nicht entziehen. Aber wehe, wenn sie losgelassen! Bergab zeigt sie den anderen Race-Ladys nämlich ziemlich charmelos meist nur das Hinterrad. Ungezählte DM Titel vom BMX über Downhill bis zum 4-Cross und eine WM-Medaille 2014 lügen nicht.

Aber Steffi kann auch nachdenklich sein. Auch wenn das diesmal nicht ganz freiwillig ist. Im letzten Downhill-Weltcup ist sie gestürzt und hat sich verletzt. Nun macht sie eine Zwangspause. Was tun? Aufhören mit dem ganzen (Weltcup-)Zirkus? Vom Downhill und 4-Cross zu den Enduristen wechseln? Sich mit ihren 30 Lenzen einen Job als Architektin suchen? Oder einen Aufbaustudiengang draufpacken? Fragen über Fragen! Wenn der Kopf vernagelt ist, kann die Leidenschaft zum Leidensweg werden. Aber wie entnagelt man die Birne? Klar, mit Sommer, Sonne und Biken. Zur Abwechslung mal ganz entspannt.

Also Endurobike und ein paar Klamotten gepackt und ab in die sprichwörtliche „Sommerfrische“! So wie die reichen Stadtaristokraten um die vorletzte Jahrhundertwende, deren sommerliches Motto lautete: Raus aus Hektik und Hitze und rein ins Landvergnügen. Frische Luft, Freibaden, Bergsteigen inklusive. Von Beginn weit vorne auf der Sommerfrischler-Beliebtheitsskala: Südtirol im Allgemeinen und Meran im Speziellen. Die Stadt war jahrhundertelang Tirols Hauptstadt und ist heute eine der bedeutendsten alpinen Kurstädte. Und auch hundert Jahre nach dem Fin de Siècle die Sommerfrische schlechthin. Perfekte Voraussetzungen zum Biken!

Meran hat mit seinen 300 Sonnentagen eine Dauerkarte im himmlischen Solarium. Seine bevorzugte Toplage – auf nur 320 Metern Seehöhe gelegen, aber rundherum von Zwei- und sogar Dreitausendern bestens vor Wind und Wetter behütet – schafft ein mediterranes Wohlfühlklima sondersgleichen. 100 Jahre nach der Blüte des Jugendstils kurbelt die Jugend – aber nicht nur die – mit Stil hinauf auf die Berge rund um Meran. Die altehrwürdige Kurstadt und ihre Kurschatten – allen voran die Orte Hafling, Schenna und Naturns – locken eher mit sanften als mit harten Trails. Aber mit Aussicht in die Dolomiten, zum Ortler und in die Ötztaler hinauf. Apropos hinauf: Rund um Meran nimmt so gut wie jede Seilbahn Biker und Bikes mit. Die Südtiroler wissen eben, was Zweirad-Sommerfrischler wollen.

In Meran kommen die Zarten in den Garten
Hier gibt’s keine meterhohen Absätze, Roadgaps und No-Fall-Zones wie im Weltcup. Hier kann die Seele baumeln. Und (fast) unendlich weit schauen. Wie auf dem flachen Grasbuckel der „Stoanernen Mandln“. Oder im „Knottnkino“.

Untertags über entspannte Trails fräsen. Nachmittags unter Palmen und in Nachbarschaft der fetten Dreitausender der Texelgruppe seine wohlverdiente „Marende“ – den typisch Südtiroler Nachmittagsimbiss aus Schüttelbrot, Speck, Kaminwurzen, Essiggurken und Rotwein – genießen. Sich danach tiefenentspannt durch die Laubengasse mit ihren über 200 Geschäften durchshoppen wie Gott in Südtirol. Und schließlich im Gasthaus Rainer, dem ältesten der Kurstadt, einkehren und im Spezialitäten- und Feinkostladen Seibstock schwelgen. Das ist Meran!

Auf den Südtiroler Blocksberg
Barbara Pachler kennt kein Mensch. Außer einige Teufelsanbeter und Hobbyhexen vielleicht. Anno 1540 soll sie laut Gerichtsprotokoll auf dem Gipfel des Schönecks weit über Meran mit Hexen getanzt und sich mit Teufeln verlustiert haben. Hexensabbat im Angesicht der Dolomitenkönigin Marmolada und geduldet von König Ortler? Das Gerichtsurteil hatte für Fräulein Pachler wahrscheinlich ungesunde Folgen. So himbeerfarben es sich anhört, so teuflisch ist also die Geschichte des Schönecks. Vor Jahrtausenden war der 2000 Meter hohe Wiesenbuckel ein keltischer Kultplatz, Menschenopfer inbegriffen.

Schöneck kennt trotzdem kein Mensch. Die „Stoanernen Mandln“ aber schon. Auch wenn sie kein Touri auch nur annähernd so kehlig aussprechen kann wie echte Südtiroler, weiß jeder Sommerfrischler, was gemeint ist: Über hundert harte Gesellen, aus Steinplatten teilweise über zwei Meter aufgetürmt, bewachen seit einem halben Jahrtausend stumm das Schöneck.

Fern-Sehen im skurrilsten Kino Südtirols
Franz Messner kennt kein Mensch. Der Künstler, der auf einem Bergbauernhof aufgewachsen ist und auch heute noch drüben am Ritten wohnt, hat um die Jahrtausendwende auf dem porphyrroten Rotsteinkogel über Hafling und Vöran sein „Knottnkino“ eröffnet. In dem Naturkino – „Knottn“ bedeutet auf gut Südtirolerisch „Fels“ – nimmt man auf einem von 30 Kinosesseln aus Stahl und Kastanienholz Platz. Und blickt auf ein kleines Stück vom Paradies: 1200 Meter unter sich Meran und das Etschtal. Hinter der altehrwürdigen Kurstadt und 2000 Meter höher als das Knottnkino: die Gipfel der Texelgruppe. Und weit im Süden zanken sich die Zacken der Dolomiten um den Horizont. Wer kurz vor Sonnenuntergang mit dem Bike von Vöran hier heraufkurbelt, kann sich auf eine Abendvorstellung im extrabunten Cinemascope-Format freuen. Und bergab die leichte Abfahrt mit der Stirnlampe ausleuchten.

Heini kennt kein Mensch. Ich nicht einmal seinen Nachnamen. Und Heinis Hütte, die Tablander Alm hoch über Naturns am Eingang in den Vinschgau, kennt auch kein Mensch. Und das ist auch gut so. Hier oben, an der bewaldeten Nordflanke des Nörderbergs, erlebt man Südtirol wie anno dazumal: Die Dächer der Almen sind steingedeckt. Wer nicht frieren will, der muss sein Feuerholz draußen selbst spalten. Und statt Wii oder PS 4 frönen die Hüttengäste dem, man glaubt es kaum: Kegeln! Abräumen auf einer hölzernen Kegelbahn auf fast 1800 Metern Seehöhe ...

Bike-Highline – Laufsteg ohne Zuschauer
Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Werden Heini auf seiner Tablander Alm besuchen – und vielleicht gar in dem Hexenhäuschen übernachten– will, der muss sich ganz schön abstrampeln. 1200 Vertikalmeter liegen zwischen dem Talort Naturns und der Alm. Wer jedoch erst mal auf der Höhe ist, radelt entspannt auf der nagelneuen „Bike-Highline Meran“ von einer Alm, von einer Marende zur nächsten. Wer will, kann auf dem 25 Kilometer langen Laufsteg von der Marzoner Alm über Tablander Alm, Mausloch-Alm und Naturnser Alm bis zum Vigiljoch promenieren. Und wer es bequemer mag, nimmt in Rabland die Seilbahn hoch nach Aschbach und fährt die Bike-Highline Meran von Ost nach West. Bergab zu den Apfelbäumen und Weinreben des Unteren Vinschgaus geht es dann mit extra viel Spaß auf einem der vier neuen Trails namens „Lupo“, „Fontana“, „Ötzi“ und „Stoanbruch“. Steffi hat all das off ensichtlich befl ügelt: Einen Monat nach ihrer Meraner Sommerfrische gewinnt sie bei der WM im Val di Sole Bronze im 4-Cross.

Steffi Marths Geheimtipps für Meran:

1. Das beste Eis nach der Tour: Über 20 hausgemachte und ultraleckere Eissorten gibt es bei meinem persönlichen Eisdealer, der Eisdiele Anny in der Kupferlochgasse 4 in Schenna. Unbezahlbar: dieser Tiefblick – 250 Meter über den Dächern von Meran!

2. Die besten Burger: zwei silbern glänzende Airstream-Würstelbuden inmitten von Palmen und Zypressen – das leicht schräge „Happm Pappm“ in der Gampenstraße in Marling ist ein Stück US-Burgermania mitten in Südtirol! happmpappm.com

3. Der urigste Buschenschank, den ich kenne, ist der Hilberkeller in Riffi an, etwa drei Kilometer nördlich von Meran.

4. Extreme-Relaxing: ganz klar in der Therme Meran, dem preisgekrönten Wellness-Kubus des Südtiroler Stararchitekten Matteo Thun mit seinen 25 (!) Pools. termemerano.it/de

5. Nachts in Meran: erst stilvoll ins Forsterbräu (forsterbrau.it), danach direkt in die Cocktailbar Rossini (rossini-bar.it) und anschließend ohne Umwege in den Club Raffl keller (raffl keller.it).


Inhaltsverzeichnis

01.03.2016
Autor: Andreas Kern
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2016