Mit dem E-MTB in den Dolomiten – Infos und GPS-Daten zu Touren am Latemar und Sellamassiv

E-MTB-Touren Dolomiten: Infos und GPS-Daten

Südtirol und speziell die Dolomiten sind das Wunderland für Biker. Wären nur viele der Auffahrten nicht so brutal steil. Wer mit dem E-MTB die Dolomiten entdeckt, spart wertvolle Körner und kann mehr genießen! Wir stellen 3 Top-E-MTB-Touren am Sellamassiv und am Latemar vor.

Fotostrecke: Mit dem E-MTB in den Dolomiten – die schönsten Bilder

5 Bilder
MOUNTAINBIKE 0817 Dolomiten E-MTB Langkofel und Plattkofel Foto: Harald Wisthaler
MOUNTAINBIKE 0817 Dolomiten E-MTB Pralongià-Hütte Foto: Harald Wisthaler
MOUNTAINBIKE 0817 Dolomiten E-MTB St. Christina in Gröden Foto: Harald Wisthaler

Charakter: Das schönste Gebirge der Welt ist auch das steilste! Mit dem E-MTB und Liften verlieren die Megarampen aber den Schrecken.

Reise-Infos: www.val-gardena.com; www.altabadia.org; www.eggental.com

Anreise: aus Richtung München über Brenner bis Klausen und nach Wolkenstein (280 km/3:15 h) oder bis Ausfahrt Bozen Nord und ins Eggental (300 km/3:30 h) oder bis Ausfahrt Brixen und ins Gadertal (310 km/3:30 h)

Beste Reisezeit: Die Aufstiegsanlagen laufen meist von Mitte Juni bis Ende September/Anfang Oktober. Achtung! Im August sind viele Wanderer unterwegs, also besser im Juni, Juli oder am allerschönsten im September.

Übernachtung: Hotel Fanes in St. Kassian (www.hotelfanes.it; Tour 1); Cyprianer Hof in St. Cyprian (www.cyprianerhof.com; Tour 2); Ganischger Hof in Deutschnofen (www.ganischger.com; Tour 2); Bikehotels in Wolkenstein (www.bikehotels.it/de/regionen-infos/dolomiten/groeden.html; Tour 3)

Guiding und Fahrtechnik: www.dolomitebiking.com; www.mtbschool.it; www.bikeschool-eggental.com

Liftticket: Mit diesem Ticket (ab 45 Euro/Tag) können Biker talübergreifend 90 Lifte benutzen! www.dolomitisupersummer.com

Mit dem E-MTB rund um Sellamassiv und Latemar

Zwergenkönige, Wassernixen, Puppen aus Stein: Die Dolomiten sind und bleiben einfach sagenhaft! Wer sie erstmalig sieht, fühlt sich wie in einer Tolkienschen Welt. Einer Welt, in der mächtige Burgen, Zitadellen und Wehrtürme unvermittelt aus sattem Grün senkrecht in den tiefblauen Himmel emporstreben.

Vor allem im wilden Westen der Dolomiten – dem Südtiroler Teil also – sehen die Berge aus wie zu Stein erstarrte Phallussymbole. Der Schlern. Der Rosengarten. Der Latemar. Der Sellastock. Alles sehr, sehr männliche Gestalten. Allen Herren gemeinsam: Der Zahn der Zeit nagt seit geraumer Zeit – um ungenau zu sein: seit mehreren Millionen Jahren – an ihnen herum. Daher auch die riesigen Schutthalden unter senkrechten Felstürmen aus butterweichem Gestein. Erdgeschichtliche Karies eben.

Kein Wunder also, dass sich die Menschen seit Anbeginn der Zeit ihren eigenen Reim auf diese beängstigenden Gestalten gemacht haben. Da wurde dann das Abendrot, das die Berge regelmäßig zum Glühen bringt, zum sagenhaften „Rosengarten“ von Dolomitenkönig Laurin. Auf dem Schlerngipfel trafen sich des Nachts die Hexen zum Tanz. Also ja nicht da hinauf! Und im Karersee hauste eine bunte Schar Wassernixen. Die Dolomiten sind und bleiben einfach sagenhaft! Bis in die Neuzeit hinein.

Sagenhafte Reviere für Mountainbiker

Genauso sagenhaft sind die Mountainbiketouren im Oberstübchen Bozens. Eine halbe bis eine Autostunde über den Dächern der Südtiroler Hauptstadt – genauer: im Grödnertal, im Eggental und im Gadertal – verbergen sich einige der sagenhaftesten Reviere für Mountainbiker.

Ob rund um die Sella (und mitten durch die mystische „Steinerne Stadt“), hinauf auf den Schlern zum Hexensabbat, hinein in den Rosengarten (den Zwergenkönig Laurin vor lauter Wut in Stein verwandelt hat) oder zum geheimnisumwitterten Karersee – die Touren im Südtiroler Teil der Dolomiten sind allesamt superspektakulär. Und super steil. Aber dafür gibt’s auch eine sagenhafte Erfindung: Elektro-Mountainbikes!

So einen Bergauf-Turbo wünscht sich jeder, der jemals beim „Sellaronda Hero“ mitgefahren ist. So wie MOUNTAINBIKE-Chefredakteur Jens Vögele. Der hat 2015 beim härtesten Marathon der Alpen gelitten, gekämpft, geschoben. Und die ultrasteilen Rampen verflucht. Die Originalstrecke des Hero ist quasi eine Canossafahrt mit über 20-prozentigen Steigungen. Mit Elektro-Unterstützung jedoch – und auf einer entschärften Variante der Originalroute – mutiert das Sellaronda-Biest zur Schönen.

Entspannt um die Sella

Die Sella: Im Genickstarrenwinkel wachsen die Mauern dieser sechs mal sechs Kilometer großen Rundburg aus den Tälern des Grödner-, des Gader-, des Cordevole- und des Avisiobaches viele hundert Meter in die Höhe. Vor Millionen von Menschengenerationen hatten hier Kalkriffe in den Tiefen des Urzeitmeers Tethys die Luft angehalten, um dann langsam, aber stetig an die Oberfläche zu schwappen.

Das Ergebnis: die einzigartige Form aus steilsten Flanken ringsherum, oben ein riesiges Plateau und ein kecker Spitz namens Piz Boe, mit 3152 Metern einer der höchsten Dolomitengipfel. Mit Glück und Gespür findet man auf der Sella sogar versteinerte Muscheln. Ganz hinauf kraxeln aber nur Bergsteiger und Kletterer, im Winter erfahrene Skialpinisten.

Wie es Burgen so an sich haben, umrundet man sie besser statt die senkrechten Mauern zu entern. Im Winter carven Skifahrer auf der weltberühmten Pistensafari „Sellaronda“ einmal außen herum. „Sellaronda“ ist auch Namenspatronin für Sommerspaß auf Stollenreifen. Aber nicht nur an der Sella, sondern kreuz und quer durch die Dolomiten haben die cleveren Südtiroler erkannt, wie sie Gäste anlocken können: nicht mit Holzschnitzkunst, sondern mit Liften. Kaum ein Hügel, auf den heutzutage keine Kabinenbahn hinaufgondelt. „Dolomiti Superski“ nennt sich das Ganze, und 450(!) Liftanlagen und 1200 Pistenkilometer übertreffen dabei jegliches Vorstellungsvermögen. Was den Skifahrern im Winter recht ist, kann den Mountainbikern im Sommer nur billig sein. Der größte Liftverbund der Alpen gondelt nämlich im Sommer Biker und Bikes ganz selbstverständlich auf die Pässe.

Echte Helden – wie etwa Chefredakteur Vögele – umrunden beim „Hero“ die Sella aber im Renntempo. Oftmals mit Tunnelblick und hart am Hungerast. Schwerkraftverliebte Enduristen sammeln dank vieler Lifte maximale Tiefenmeter. Mit dem „Supersummer Ticket“ können Biker von Anfang Juni bis Anfang November rund 90 Bergbahnen im gesamten Verbundgebiet der Dolomiten benützen. Ein Tag kostet 45 Euro, fünf aus sieben Tagen 140 Euro. Ganz Clevere verbinden jedoch das Nützliche mit dem Angenehmen. Und verwandeln mit dem E-Mountainbike und diversen Liftanlagen den Klassiker „Sellaronda“ in einen erlebnisreichen Halbtagesausflug ohne Wadenbeißer, Kalorienschuld und Weinkrampf. Biken 2.0!

Imposante Ziele

Der Latemar: Dieses 2800 Meter hohe Schloss aus Fels fläzt sich genau zwischen dem Südtiroler Eggental und dem Trentiner Fassatal. E-Mountainbiker umrunden in einem halben Tag diesen Gebirgsstock zwischen Rosengarten und Lagorai. Möglich macht’s der (hoffentlich vollgeladene) 500-Wh-Akku – und die Seilbahn in Predazzo. Die sammelt im Nu satte 1100 Höhenmeter und liftet am Ende des Tourenvormittags Mensch und Maschine hinauf auf den Passo Feudo.

Auf 2200 Meter Höhe liegen einem dann zwei kleine Paradiese zu Füßen: im Süden das Val di Fassa. Und im Norden das Eggental. Seine auf Blumenwiesen hingestreuten Bergdörfer Deutsch- und Welschnofen, Obereggen, Steinegg und Tiers sind der Abenteuersportplatz der Bozner. Im Winter auf zwei Brettern, im Sommer auf zwei Stollenreifen. Wenn anderswo in den Alpen der Osterhase seine Eier noch im Schnee sucht, sitzt Bikeguide Robert Pichler aus Deutschnofen mit seinen Gästen schon längst im Sattel. Im höher gelegenen Welschnofen beginnt die Saison dann etwas später im Mai. Die sanften Höhepunkte Nigerpass, Karerpass und Jochgrimm empfangen Biker dafür bis in den goldenen Oktober hinein.

Einkehrtipps am Berg

Wer entspannt radelt, soll auch genauso einkehren! Bestes Beispiel: die „Baita Gardoné“ auf der Runde um den Latemar. Robert Pichler und sein Bruder Klaus haben hier auf der Mittelstation der Latemar-Seilbahn ein Hideaway namens „The Mountain Riviera“ geschaffen. E-Biker auf ihrem Weg rund um den Latemar können hier in Lounge-Sesseln chillen, eine Runde Beachvolleyball spielen – oder einfach nur die umliegenden Dolomiten abspeichern.

Ähnlich und doch anders: die „Las Vegas Lodge“, eine der stylischsten Hütten Südtirols. Wer einen abendlichen E-Kurztrip von St. Kassian unternimmt, erlebt hier auf der Pralongià-Hochebene über dem Alta Badia den Heiligkreuzkofel und die Conturinesspitzen zum Greifen nahe. Immer „on Fire“: Ulli Crazzolara, Ex-Skiprofi und Hüttenwirt in Personalunion. Und ein echtes Original.

Wie er und die Pichlers denken viele Südtiroler über den nächsten Gipfel hinweg. In den Tälern haben sich jede Menge Hotels auf Biker eingestellt. Nicht nur mit Standpumpe, Hochdruckreiniger und Ersatzbremsbelägen, sondern mit einer Software, die dem Gast das Gefühl vermittelt, im Urlaub daheim zu sein. Hier ist es ganz selbstverständlich, dass der Hotelier noch selbst Touren führt. Wie das Land, so die Gastgeber: echt (und) nett!

01.04.2017
Autor: Andreas Kern
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 08/2017