Mountainbiken im Nord-Schwarzwald – Infos, MTB-Tourentipps, GPS-Daten

MTB-Reisereportage Nord-Schwarzwald

Neues Bike? Dann nichts wie los zur Jungfernfahrt! Aber wohin? Steile Bergflanken, idyllische Flusstäler und Kniffeltrails sind bei der Premiere Pflicht – aber die Alpen zu weit weg. Warum also nicht mal in den Nordschwarzwald?

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MountainBIKE Nord-Schwarzwald Panorama Foto: Ralf Schanze
MountainBIKE Nord-Schwarzwald Trail mit Hindernissen Foto: Ralf Schanze
MountainBIKE Nord-Schwarzwald Anstieg mit Ausblick Foto: Ralf Schanze

Donnerstagabend, das Telefon klingelt. „Hier ist Inga.“ Wichtige Neuigkeiten? „Ich habe ein neues Bike“, sprudelt es aus ihr heraus. Welches, also Marke und Ausstattung, will sie nicht verraten. Aber es ist toll, sieht gut aus, ist schnell ... Inga ist völlig aus dem Häuschen.

Natürlich will sie es sofort einweihen. Mit einem tollen Wochenende und natürlich mit vielen Trails. Wir verabreden uns also gleich am Freitag früh in Bad Wildbad zur Premierenfahrt, um übers lange Wochenende kreuz und quer durch den Nordschwarzwald zu düsen.

Freitagmorgen: Es herrscht Premierenwetter. Über den Hügeln des Schwarzwälder Kurorts lockt ein wolkenloser Himmel zum Trail-Rocken. Doch als Inga aus dem Auto steigt, sehe ich schon ihrem Gesicht an, dass etwas schiefgegangen ist. „Mein Händler hat den Aufbau gestern Abend nicht mehr hingekriegt“, jammert sie und schiebt ihr altes Bike missmutig in Startposition. Ich versuche sie zu trösten. Die Sonne lacht, wir haben vier gesunde Beine, zwei funktionstüchtige Bikes und vor uns die Wälder des Nordschwarzwalds, eines der größten Waldgebiete Deutschlands. So what?

Auf den Höhenzügen im nördlichen Schwarzwald

Durch dichte Fichten- und Tannenwälder geht es dann auch direkt in einer steilen Rampe nach oben. Meine Oberschenkel quittieren das mit einer kleinen Laktatdusche, die mir die letzte noch verbliebene Morgenmüdigkeit aus dem Körper bläst. Meine Mitfahrerin dagegen stampft kraftvoll und rhythmisch, als wolle sie ihren Ärger über das nicht fertiggestellte Bike mit jedem Pedalschlag wegtreten.

Das erste Ziel ist der Hohlohturm im Naturschutzgebiet Kaltenbronn. Der gemauerte Turm aus dem Jahr 1897 liegt auf 984 Metern Höhe etwas nördlich der flachen Gipfelkuppe des gleichnamigen Bergs und bietet eine der weitreichendsten Aussichten des Nordschwarzwalds.

Zahlreiche ältere Herrschaften in beigefarbenen Popeline-Jacken kreuzen strammen Schrittes mit reich verzierten Wanderstöcken unseren Weg. Fast alle begegnen unserem fröhlichen „Hallo“ mit einem Lächeln, kecken Sprüchen zu unserem Fahrtempo oder mit einem aufmunternden „Hopp, hopp“. Das im Schwarzwald oft auf die Probe gestellte Miteinander von Wanderern und Mountainbikern scheint hier im Naturschutzgebiet jedenfalls reibungslos zu funktionieren. Alle begegnen sich mit natürlichem Respekt und freuen sich ganz einfach, an der frischen Luft zu sein.

Bald schon sehen wir die Spitze des fast 30 Meter hohen Turms aus dem Tannenmeer herausragen. An seinem Fuß besteht Inga darauf, dass meine geplagten Oberschenkel auch noch die 158 Stufen bis zur Aussichtsplattform auf 1012 Meter Höhe erklimmen müssen.

Die Mühe lohnt sich: Unsere Blicke schweifen von den Vogesen im Südwesten hinüber zum Pfälzerwald im Nordwesten. Aus dem Norden grüßen die bewaldeten Hügel des Odenwalds herüber, und im Süden erspähen wir den Feldberg. Sogar einige Schweizer Alpengipfel können wir ganz in der Ferne ausmachen.

Kurz darauf rattern unsere Bikes in wilder Fahrt hinab ins Murgtal, eines der größten und tiefsten Täler des Schwarzwalds. Weiter geht es entspannt an der Murg entlang zurück nach Bad Wildbad. Wegen ihrer wilden und ursprünglichen Ufer wird der Fluss auch „Amazonas des Schwarzwalds“ genannt.

Mit Ortskenntnis um Bad Wildbad

Neuer Tag, neues Glück. Für Inga trifft das heute hundertprozentig zu: Grinsend und voller Stolz holt sie ihr silber glänzendes Schätzchen aus dem Kofferraum. Sie kann es kaum erwarten aufzubrechen. Ich muss mich noch kurz darüber aufklären lassen, dass es kein Silber ist, sondern „RAW“-Optik. Und dass die grünen Griffe doch 1a zum grünen Sattel passen würden.

Ich erspare uns chauvinistische Sprüche zur Farbauswahl von Bikes und Zubehör bei Damen. Auch, weil mir meine rennerprobte Begleiterin das sonst im Laufe des Tages mit fortlaufenden Tempoverschärfungen heimzahlen würde. Außerdem haben wir heute mit Patrick einen Guide an unserer Seite, der ebenfalls ein erfahrener Amateur-Racer ist.

Und so ziehen die beiden schon am ersten Berg ebenso leichtbeinig wie schnatternd von dannen. Ich höre nur noch, dass es um die Erlebnisse beim letzten Trans-Schwarzwald-Rennen geht, während ich keuchend versuche, mit meinem schweren Fotorucksack den Anschluss nicht gänzlich zu verlieren.

Heute folgen wir den Spuren von Deutschlands bekanntestem Etappenrennen rund um Bad Wildbad. Patrick kennt rund um den Kurort jedes noch so kleine Weglein. Viele Trails später rollen wir erschöpft, aber glücklich am späten Nachmittag wieder in Bad Wildbad ein. Zur Feier des Tages gönnt sich Inga ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte. Die Kalorienbombe darf hier in keinem Café fehlen und gehört wie roter Bollenhut und Kuckucksuhr zu den Markenzeichen der Region.

Deutschlands 15. Nationalpark - der Schwarzwald

An unserem dritten Tag starten wir in Forbach im mittleren Murgtal. Die Murg zählte früher zu den wichtigsten Flößerrouten des Schwarzwalds. Auf ihr gelangten die mächtigen Tannenstämme bis zum Rhein und weiter nach Amsterdam.Uns führt jedoch weder der Fluss noch die 250 Jahre alte freitragende Holzbrücke hierher, sondern der Nationalpark Schwarzwald – der jüngste nicht nur im Ländle, sondern im ganzen Land.

Die 10 000 Hektar große Region zwischen Baden-Baden und Freudenstadt wurde erst Anfang 2014 zum 15. deutschen Nationalpark erklärt. Das Besondere: Biker sind hier ausdrücklich willkommen. Vorausgesetzt, sie bleiben auf den 2-Meter-Wegen.

Uns geht es heute nicht um anspruchsvolle Trails, sondern um das Naturerlebnis. Und der junge Nationalpark enttäuscht uns nicht. Schon nach wenigen Kilometern umgibt uns fast völlige Stille. Nur unsere grobstolligen Reifen suchen sich leise knirschend ihren Weg.

Spinnennetze glitzern in der Morgensonne. Gerippe verstorbener Bäume recken sich silbergrau zwischen dem frischen Grün von Moosen und Farnen in den Himmel. Zwei kleine braune Bergeidechsen sonnen sich auf einem umgestürzten Baumstamm. Uns befällt eine seltsame Mischung aus Demut und Glück. Inga schaut langsam tretend herüber und ich meine, ihn leise in den Tannen zu hören: den Premierenapplaus.


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16.03.2015
Autor: Ralf Schanze
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 5/2015