Mountainbiken rund um Frankfurt/Main und im Taunus – Infos, MTB-Tourentipps, GPS-Daten

MTB-Reisereportage Frankfurt/Main

Hier steigt nicht nur das Börsenbarometer. Fünf gewinnträchtige Mountainbike-Touren vor den Toren der Bankenmetropole Frankfurt sind jedes Investment wert. Ob um den Flughafen oder auf den Feldberg – auf jeder der Routen rund um Mainhattan gilt: investieren, kassieren! Und zwar tolle Erlebnisse, die null Cent kosten.

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Was hat die Börse mit Biken zu tun? In beiden Sportarten geht’s immer wieder hoch und runter. Wer clever investiert, kassiert am Ende. Börsianers Epizentrum im Lande ist Frankfurt. Die Main-Metropole zählt gar zu den wichtigsten Finanzzentren weltweit. Deshalb ähnelt Frankfurt auch eher einem gläsernen Großstadtdschungel als einem spannenden Bikespot.

Wer sich deshalb fragt, was „Mainhattan“ hier bei MountainBIKE zu suchen hat, dem empfehle ich wärmstens „Halten“, wie der Aktienanalyst zu sagen pflegt. Manchmal sind die unscheinbaren Aktien – und Bike-Spots – diejenigen mit den aussichtsreichsten Kurszielen. Und dass vor den Toren der City ein Eldorado an mehr oder weniger risikoreichen Zickzack-Kursen liegt, zeigt dieser Touren-Check.

Das Besondere: Jede Tour beginnt an einer Bahnhaltestelle. So kann man Abgasen und Straßenwirrwarr schnell entkommen und doch direkt von der Stadt aus starten. Quasi von der Bank auf die Bank.

Tour eins gehört in Risikoklasse 1, ist also sicherheitsorientiert. Als sanften Einstieg lassen wir die Hochhausschluchten hinter uns, bleiben den Superlativen aber treu. Die Strecke führt rund um den Frankfurter Flughafen, der mit Abstand größte in Deutschland. Nachdem wir uns durch den Industriehof von Höchst mit seinen Fabrikschloten und Betontürmen geschlängelt haben, wird schnell klar, dass Frankfurt nicht nur aus Hochglanzfassaden besteht, sondern durchaus viel Natur zu bieten hat.

So durchqueren wir entspannt die grüne Lunge der Mainmetropole, den Stadtwald Frankfurt, der mit seinen 4800 Hektar zu den größten kommunalen Wäldern in Deutschland zählt. Tief durchatmen! Tritt für Tritt fällt der Großstadtstress ab.

Aber kaum verlassen wir den Wald, hebt der Puls schon wieder ab: der Flughafen mit seinen zwei Terminals und vier Start- und Landebahnen! Und noch dazu das Frankfurter Kreuz, mit über 300 000 Fahrzeugen pro Tag eine der meistbefahrenen Verkehrsadern Europas. Während im Minutentakt die Maschinen herandonnern, führt der Weg meist auf der beschaulichen Regionalparkroute entlang – ein ständiger Kurswechsel zwischen Heidelandschaft, Kiefernwald, Stoppel- und Rollfeld.

Am Aussichtspunkt Nord-West ist die Fliegerschau besonders beeindruckend. Bei Westwind, wenn die großen Vögel von Osten kommend dort landen, heißt es: Kopf einziehen und volle Deckung! Parallel zu dieser Landebahn kann man auf Augenhöhe mit den stählernen Kranichen mitrollen. Mit einer Prise Fernweh im Gepäck radeln wir den Rest der Tour in weitem Bogen durch Rüsselsheim, über den Main nach Raunheim und dann überwiegend auf dem Maindamm zurück nach Frankfurt Höchst.

War die erste Tour noch was für Schnupperbiker, sollte für die folgende schon das Funktionsshirt rausgeholt werden. Die Fahrt auf den Feldberg ist in puncto Höhenmeter und Fernsicht der Klassiker im Rhein-Main-Gebiet. Also bekommt diese Runde das Prädikat „konservativ“. Was nicht langweilig bedeutet. Nein, man weiß einfach, was man hat, wenn man es aufs Dach des Taunus geschafft hat.

Der Große Feldberg ist mit 881 Metern der höchste Berg des Rheinischen Schiefergebirges. Vom Gipfel hat man eine Knaller-Sicht auf die Skyline von Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet. Außerdem bietet das Taunus-Revier unzählige Möglichkeiten für probierfreudige Mountainbiker. Wer stets auf der Suche nach flowigen Waldtrails oder steilen Wurzelpfaden ist, kommt hier voll auf seine Kosten (siehe Tour 4).

Wir wählen heute aber die konservativere Variante und verlassen den Feldberg in Richtung Waldgasthaus Fuchstanz, das in der Bikerszene als Pflichtstopp gilt. Und nach der Einkehr: 20 Kilometer lang entspannt zurück in die City rollen. Mit fallendem Kurs.

Es ist Bullenmarkt. Die Kurse steigen schon eine ganze Weile. Und das recht knackig. Wir sind auf gewinnbringenden Pfaden unterwegs und kurbeln uns schon eine geraume Zeit die steilen Wege zum Meisterturm hoch. So schafft man in kurzer Zeit nicht nur einige Höhenmeter, sondern gewinnt auch schnell den nötigen Abstand zum hektischen Alltagstrott.

Und das ist genau das, was den Nabel der Finanzwelt so attraktiv macht. Welche Großstadt kann da schon mithalten? Eben noch als Anzugtyp im hochmodernen Wolkenkratzer, und 20 Tretminuten später weisen nur noch die weißen Kondensstreifen am Himmel auf ziviles Leben hin.

Die überaus attraktive und erholsame Feierabend-runde um das pittoreske Fachwerkstädtchen Hofheim ist ein Bilderbuch-Mix aus Allgäu-Hügeln, nach Frankreichurlaub duftenden Nadelhölzern und unzähligen Skylineblicken. Risikoreich sind hier allenfalls die Möglichkeiten für Einkehrschwünge ... Neben den vielen kleinen Cafés und Kneipen in der Hofheimer Altstadt locken alle paar Kilometer urige Waldgaststätten mit hessischen Spezialitäten. Und was ist besser als ein kühler „Äppler“ mit Frankfurter „Grie Soß“, um auf den hessischen Waldboden zurückzufinden?

Tour 5 - Im Taunus

Was noch fehlt im Depot, ist sonnenklar: eine Tour in Risikoklasse 5. Wer hier nur auf satte Ausblicke spekuliert, wird zwar belohnt, sollte aber auf Schwankungen des Kurses achten. Die fahrtechnisch anspruchsvolle Runde um Zacken und Beilstein im Taunus ist genau das Richtige für knallharte Risikomanager: eine geniale Bike-Anlage mit Spaßrendite.

Diese beginnt bei Börsianern bekanntlich mit einer starken „Hausse“ (französisch für Anstieg). Gleich am Anfang heißt es also, die steilen Rampen hoch zum Roten Kreuz zu kurbeln. Ist das geschafft, eröffnet sich eine Spielwiese für Trailtechniker, denn die Zickzack-Passagen um die schroffen Felsformationen „Zacken“ und „Beilstein“ erfordern starke Nerven und hohe „Steuer“-Künste, um den Crash zu vermeiden. Ein paar knifflige Wurzelpassagen später gehen wir auf Erholungskurs und genießen von der 576 Meter hohen Felsrippe den Ausblick ins Emsbachtal.

Das Sahnestückchen der Tour, der wilde Trail am Weltkulturerbe Limes, erinnert nicht nur daran, dass wir uns auf einst römischem Boden befinden, sondern lässt im Kopf auch Assoziationen freien Lauf: Römer, Rathaus, Wahrzeichen – Frankfurt! Und eben jenes Frankfurt sehen wir von unserem verdienten Relaxpunkt, dem 30 Meter hohen Atzelberg- Turm, jetzt im Abendlicht blitzen.

Die Sonne spiegelt sich in den gläsernen Hochhausfassaden und taucht die Skyline in ein rosa Flimmerlicht. Mainhatten liegt vor uns, ganz ruhig und klein. Hier oben ist nichts zu spüren von den Knarzereien im Großstadtgetriebe. Nur die am Horizont heranschwebenden Großraumjets, die wie auf einer Perlenkette aufgereihte Leuchtkäfer aussehen, lassen ahnen, dass diese Stadt niemals schläft.


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22.02.2015
Autor: Indre Schuch
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 4/2015