Mountainbiken im Odenwald – Infos, Tourentipps und GPS-Daten

Biken im Odenwald: alle Infos

Der Odenwald im Grenzgebiet zwischen Hessen, Bayern und Baden-Württemberg gilt als Land der Sagen und der Burgen. Gutes Essen, abwechslungsreiche Landschaften und romantische Dörfer gibt es obendrauf. Und neuerdings auch fantastische Trails – mit dem amtlichen Segen des Naturparks.

Lage: Der Odenwald ist ein Mittelgebirge im Grenzgebiet zwischen Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Er erhebt sich auf 60 Kilometer Länge mehrere hundert Meter über die Oberrheinische Tiefebene. Höchster Berg ist mit 626 Metern Höhe der Katzenbuckel, ein erloschener Vulkan.

Allgemeine Reise-Infos: www.hessen-tourismus.de

Bike-Infos: www.mtb-geo-naturpark.de; www.mountainbike-miltenberg.de

Beste Reisezeit: von Mai bis September. In den höheren Lagen kann es im Frühjahr und Herbst empfindlich kalt werden. Odenwalds Spitzname „Badisch Sibirien“ sagt alles.

Anreise: von Norden kommend auf der Autobahn A 3 bis Aschaffenburg, dann Landstraße L 469 bis Miltenberg (74 km/1 h ab Frankfurt). Aus Süden via A 81 bis Boxberg, dann weiter auf der L 514 nach Miltenberg (140 km/2 h ab Stuttgart).

Übernachtung: Tagungshotel Lufthansa Seeheim, im Wald gelegen, guter Traileinstieg (www.lh-seeheim.de); Es Lämmche, einfacher und preiswerter Gasthof in Breuberg (www.eslaemmche.de); Flair-Hotel Hopfengarten, ein idyllisches Altstadt-Hotel in Miltenberg (www.flairhotel-hopfengarten.de)

Bikepark Beerfelden: www.bikepark-beerfelden.de

Bikeshop & Touren: Odenwaldbike in Lorsch (www.odenwaldbike.de). Inhaber Tord Steinbock hat entscheidend am Trailnetz des Odenwaldes mitgewirkt und ist deshalb der richtige Ansprechpartner für Touren und Trailtipps im Odenwald.

Biken im Odenwald: Geheimtipps

1. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Unter dem Motto „Wärme, Wellness, Wohlbefinden“ bieten die Odenwald-Thermen ein breites Angebot zum Relaxen und Entspannen. Eines der vielen Highlights ist die Meersalzgrotte (www.odenwald-therme.de).

2. Essen & Trinken: Der Einkehrtipp im Odenwald ist das Gasthaus „Zum Riesen“ in der Hauptstraße 99 in Miltenberg. In dem urigen Gasthof gibt’s deftiges bayerisches Essen und süffiges Bier (www.riesen-miltenberg.de).

3. Survival im Odenwälder Outback: Mitten in der Wildnis des Odenwalds finden seit neustem auch Outdoor-Kurse statt. Das Angebot reicht vom Fliegenfischen bis zum Überlebenstraining. Infos unter www.wildniskurs.de

4. Bikemarathon durch Streuobstwiesen: Der 17. Odenwald-Bike-Marathon mit Start und Ziel in Hirschberg-Leutershausen steigt am Sonntag, den 17. September 2017. Infos und Anmeldung unter www.odenwald-bike-marathon.de

MTB-Reportage Odenwald

Matzel steht mit leuchtenden Augen und verschwitzten Backen am Treffpunkt in Miltenberg und scharrt mit den Hufen. Ohne nur ein Wort gewechselt zu haben, lesen wir in seinem Gesicht, dass er schon ein paar Trail-Kilometer in den Beinen haben muss. Und so ist es auch. Kaum ist die Autotür offen, fällt unser Bike-Kumpel bereits mit einem Wortschwall über uns her. „Dieser Tobi’s Trail ist der Hammer! Sprünge, enge Kehren, Wurzeln – und dann die Landschaft! Los, macht hinne, ich will da heute unbedingt noch mal runter.“

Matzel ist ebenso Bike-verrückt wie konditionsstark. Während Bettina und ich heute Morgen erst gemächlich nach dem Frühstück vom Ruhrgebiet aus Richtung Odenwald aufgebrochen sind, konnte es Matzel nicht abwarten und ist schon frühmorgens in den Süden gedüst. Der frühe Vogel entdeckt den Trail! Matzel ist die heute geplante Runde rund ums bayerische Fachwerkstädtchen Miltenberg einfach schon mal abgefahren. Die 30 Kilometer und knapp 900 Höhenmeter checken. Jetzt will er uns mit seinen frischen Ortskenntnissen zeigen, was er vormittags ausgekundschaftet hat – und fährt die Runde gleich noch mal mit uns ab.

Seit uns ein Bike-Kollege vor ein paar Monaten von seinem Ausflug in den Odenwald vorgeschwärmt hat, steht die verträumte Mittelgebirgslandschaft im Dreiländereck von Bayern, Hessen und Baden-Württemberg auf Matzels und meiner „Bike-to-do-Liste“ ganz weit oben. Unser Kumpel erzählte von steilen Berghängen, Weinbergen, schroffen Sandsteinformationen und herrlichen Ausblicken ins Rhein- und Maintal. Und natürlich von Trails, Trails und Trails.

Trails, die übrigens ein staatlicher Naturpark mitbegründet hat – was hierzulande ja keine Selbstverständlichkeit ist. Zu oft kommen sich Mountainbikesport und Naturschutz in den Parks ins Gehege. Nicht so im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Er wurde schon 1960 als einer der ersten Naturparks in Deutschland gegründet. Seit Dirk Dewald, der für die Koordination des Mountainbikesports mit dem Naturschutz im Park zuständig ist, und sein Team vor ein paar Jahren damit begonnen haben, ein modular aufgebautes Netz aus beschilderten Rundstrecken aufzubauen, gilt der Odenwald in Sachen Mountainbike als Topspot im Lande. Inzwischen gibt es über 30 Strecken mit einer perfekten Infrastruktur.

Amtliche Trails mit jeder Menge Airtime

Doch genug der grauen Theorie! Nach einer kurzen Auffahrt stehen wir endlich vor dem Eingang zu „Tobi’s Trail“. Matzel ruft uns ein „Ich bin dann mal weg!“ zu und verschwindet – halb fliegend, halb rollend – im Trail, der durch den Stephleinsgraben steil bergab führt. Wir versuchen, einigermaßen das Hinterrad unseres Freundes zu halten. Schon nach ein paar Metern zieht auch uns diese magische Linie im Wald in ihren Bann.

Der Trail windet sich wie eine Achterbahn durch die Bäume. Kehren, Serpentinen, Felsplatten und Wurzelpassagen, dann ein Gegenanstieg, den wir mit Vollspeed hochrollen, dahinter ein Steinfeld, das wir mit viel Gefühl langsam durchzirkeln – der Trail reiht ein Schmankerl an das andere. Auf einigen moosbedeckten Felsen steht „Jump“ draufgepinselt. Und wir lernen: Wo im Odenwald „Jump“ draufsteht, ist auch „Jump“ drin! Den Rest des Tages verbringen wir nicht minder unterhaltsam auf weiteren Trails an der Bergflanke oberhalb von Miltenberg. Um anderntags weiter nördlich die Grenztrails zwischen Mainfranken, Südhessen und Nordbaden zu checken.

Die Strecken rund um das Städtchen Alsbach haben einen ganz anderen Charakter. Hier an der Nördlichen Bergstraße winden sich vornehmlich leichte Trails meist durch schöne Wälder. Wir kurbeln bis zum 517 Meter hohen Gipfel des Melibokus als höchstem Punkt und genießen einen fantastischen Weitblick in die Rheinebene. Weiter geht es über sanfte Hügel und durch zahllose Streuobstwiesen. In der sonnenverwöhnten Lage wachsen Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Trauben und Kirschen. So schön ist Deutschland!

Abends sitzen Matzel, Bettina und ich im ältesten Gasthof des Orts und genießen zum Gerstensaft Leberkäse, Knödel und Co. Im „Gasthaus zum Riesen“ sind wir mit Stefan Ruprecht verabredet, der sich als Streckenpate des MTB-Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald um die örtlichen Strecken und Trails kümmert. „Unser Erfolgsgeheimnis sind die Locals“, sagt Stefan. „Die, die sich mit Herzblut um die Strecken kümmern, die Gegebenheiten vor Ort bestens kennen und immer ansprechbar sind.“ Denn auch in Miltenberg war es ein langer Weg, bis „Tobi’s Trail“ und die anderen Touren das wurden, was sie heute sind. Wer immer auch dieser Tobi sein mag – danke für diesen denkwürdigen Trail!

01.07.2017
Autor: Ralf Schanze
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 07/2017