Mountainbiken im Ahrtal – Infos, Tourentipps und GPS-Daten

Biken im Ahrtal: Alle Infos

Ahrtal? Nie gehört? Bildungslücke! Die Ahr fließt in der Eifel knapp 90 Kilometer lang gen Rhein – durch ein steiles, felsiges Romantiktal. Und zaubert nicht nur Weinbauern, sondern auch Bikern ein Grinsen ins Gesicht. Wir stellen drei Top-Touen in der Region vor - inklusive GPS-Daten.

Tourist-Info: www.ahrtal.de

Anreise: aus Norden kommend über die A 61 zum Autobahndreieck Bad Neuenahr-Ahrweiler. Aus Süden bis zur Ausfahrt Sinzig/Bad Neuenahr. Weiter via A 571 und B 266 in Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Übernachtung: Hotel Rodderhof, www.hotel-rodderhof-ahr.de; SETA Hotel, www.setahotel.de

Guiding: Tourenanbieter „sportsinteam“ (www.sportsinteam.de) aus Bergisch Gladbach bei Köln bietet geführte Touren, z. B. den Spring-Break-Tourentag, Anfang April an.

MTB-Reportage Ahrtal

„Sehe ich aus wie Luigi?“ fragt der beleibte Hüttenwirt des Steinerberghauses oberhalb von Altenahr mit einem Grinsen. Grund seiner emotionalen Eruption war unsere vorsichtige Frage, ob wir – trotz Ruhetag der Hütte – drei Latte macchiato haben könnten. Will uns der Hüttenwirt auf den Arm nehmen oder gibt es wirklich keinen Kaffee? Den gibt es, zum Glück, trotz Ruhetag. Aber als deutschen Filterkaffee. Wenigstens Tassen, keine Kännchen. Obwohl wir draußen sitzen ...

Geschäumte Milch hin oder her, das Ahrtal hat ganz viel von Italien. Gut, das Wetter ist heute eher Eifel-rustikal: graue Hängewolken. Doch sonst kann das Flusstal südöstlich von Bonn mit fast 1500 Sonnenstunden pro Jahr aufwarten. Damit gehört es zu den verwöhntesten Regionen Deutschlands. Was wiederum die zahlreichen Winzer erfreut, die auf den steilen Hängen des Ahrtals einen Roten zaubern, der es auch mit italienischen Spitzenweinen aufnehmen kann.

Die Trails sind wie am Gardasee:
steinverblockte Serpentinen-Monster, die sich in immer enger werdenden Kehren zum Fluss hinabschrauben. Wer sich bei der Ahrtal’schen Tourenplanung durch allzu lustige Trail- Namen wie Bunte Kuh, Akropolis, Teufelsloch oder Winkelgasse einlullen lässt, wird an den steilen Uferhängen des fast 90 Kilometer langen Flusses sein blaues Wunder erleben. An Schienbein oder Ellenbogen ...

Aber wofür gibt es Protektoren? Eingepackt und geschützt wie für einen anspruchsvollen Alpen-Downhill, habe ich mich heute Morgen mit Daniel und Karsten nahe des Örtchens Altenahr aufgemacht. Ich fühle mich angesichts der Tatsache, dass wir eine Tour in einem deutschen Mittelgebirge machen wollen, etwas „overdressed“. Doch ich sollte im Laufe des Wochenendes an der Ahr eines Besseren belehrt werden.

Karsten hat mir schon seit Monaten von den Hammertrails im Ahrtal vorgeschwärmt. Von unserem Wohnort im Ruhrgebiet sind es gerade mal 90 Minuten Fahrzeit. So schnell, das steht mal fest, ist man auf jeden Fall nicht in Italien. Aber in einer ganz anderen Welt. Kurz hinter der Autobahnausfahrt türmen sich auf einmal steile Berghänge auf. Die sind entweder dicht mit Wäldern bewachsen oder von den geometrischen Mustern unzähliger Rebstockreihen geprägt. Dazwischen kriecht in einem engen, von Felsen gesäumten Tal die Ahr Richtung Rhein. Skurril: Die Ahr entspringt im Eifelstädtchen Blankenheim – im Keller eines Fachwerkhauses.

Für den im Tal vor sich hin kriechenden Fluss,
der vom Trail aus immer wieder zwischen den Baumkronen sichtbar ist, habe ich gerade keine Augen. Die müssen nämlich auf den Weg schauen. Oder auf Karstens Hinterrad, das er gerade gekonnt im hohen Bogen durch die enge Serpentine versetzt. Hinter der Serpentine, eigentlich ist es ein Serpentinchen – jedenfalls, was den Radius angeht –, fällt das Gelände steil Richtung Fluss ab. Der Adrenalinspiegel geht in den Notstandmodus. Ein Fahrfehler, und auch die Protektoren werden mich nicht vor einem Besuch des hiesigen Krankenhauses bewahren. S3*-Passagen sind hier nicht selten, einige Stellen motivieren stark zum Schieben. Nicht selten geht es fast in Falllinie bergab. Willkommen an der Ahr!

Am nächsten Tag zeigt sich das Ahrtal dann von seiner milden Seite. Wir rollen gemächlich durch die Weinberge bergauf und genießen die famose Aussicht in das Flusstal. Den Weg teilen wir uns friedlich mit unzähligen Wanderern, die das Ahrtal ebenfalls als Naherholungsziel nutzen. Ein freundliches „Hallo“ hier und ein Lächeln dort schaffen ein entspanntes Miteinander. Als wir bergauf eine lustige Damengruppe in der Stärke einer Fußballmannschaft überholen, gibt es sogar anfeuernden Applaus und „hopp-hopp-hopp“-Rufe für uns.

Bella Italia! Schon die Römer sollen im Ahrtal Wein angebaut haben. Womit ein weiteres Mal bewiesen wäre, dass das Ahrtal doch mehr mit Italien zu tun hat, als man auf den ersten Blick vielleicht annehmen würde.

Die steilen, felsigen Südhänge des Ahrtals
lassen nicht nur Biker, sondern auch Winzer strahlen. Sie heizen sich bei Sonnenbestrahlung nämlich rasch auf und geben die gespeicherte Wärme so langsam an die Reben weiter, dass auch nachts ausgeglichene Temperaturen herrschen. Für Biker haben die Felshänge den Vorteil, dass die Trails auch nach Regengüssen schnell abtrocknen und besten Grip bieten. Und die Steilhänge sind es auch, die uns fahrtechnisch den Rest des Tages immer wieder alles abverlangen. Abends sitzen wir schließlich in einer gemütlichen Weinwirtschaft und kosten zur Feier eines tollen Bike-Tages einen „Roten Sauser“, einen jungen Rotwein mit wenig Alkoholgehalt. Und Daniel fasst unseren Kurzausflug mit einem Genussseufzer zusammen: „Wie im Italien-Urlaub.“ Nur der Latte macchiato auf dem Steinerberghaus fehlte.

15.07.2016
Autor: Ralf Schanze
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 11/2016