Mountainbiken am Trauf der Schwäbischen Alb – Infos, Tourentipps und GPS-Daten

Mountainbiken am Trauf der Schwäbischen Alb: alle Infos

Der Albtrauf, diese mehrere hundert Meter tiefe Abbruchkante, ist ein Abenteuerspielplatz für Mountainbiker. Die Topspots sind der Vordere Albtrauf zwischen Teck und Neuffen und die Fünftälerstadt Geislingen mit ihrer unermesslich großen und spannenden Wege-Infrastruktur. Wir stellen 4 Top-Touren in der Region vor - inklusive GPS-Daten.

Fotostrecke: Biken am Trauf der Schwäbischen Alb – die schönsten Bilder

8 Bilder
Schwäbische Alb: MTB-Galgenbergtour Foto: Björn Hänssler
Schwäbische Alb: MTB-Fünftälerrunde Foto: Björn Hänssler
Biken am Trauf der Schwäbischen Alb Foto: Björn Hänssler

Lage: Das mittlere und obere Filstal im Landkreis Göppingen ist geprägt vom Steilabfall der Hänge, dem sogenannten Albtrauf, und den mäanderförmigen Taleinschnitten. Das tief ausgeschnittene Filstal bietet mehrere Albkanten mit Hängen um 25 bis 30 Grad Neigung. Die Wanderwege sind deshalb haufenweise als Spitzkehren angelegt – ein Trailparadies genialer Möglichkeiten! Die beste Spielwiese ist der Vordere Albtrauf zwischen Teck und Neu en bis zum Hohenstaufen, dem Wahrzeichen Göppingens.

Allgemeine Reise-Infos: Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf (www.erlebnisregion-schwäbischer-albtrauf.de)

Beste Reisezeit: Auf den sonnigen Berghängen sind die meisten Abfahrten auch im Winter trocken und befahrbar. Schlamm und Dreck kennt der Alb-Biker selten, weil Wasser sogleich am Berg abfließen kann und schnell in das Kalkgestein absickert.

Anreise: Aus Richtung Stuttgart fährt man am besten über die gut ausgebaute B10 bis Geislingen an der Steige (60 km/1 h). Wer aus Richtung München kommt, fährt bei Ulm von der Autobahn ab und nimmt die B 10 nach Geislingen (165 km/2 h).

Guiding: Eric Winklbauer ist der Hausmeister der Schwäbischen Alb und kennt jede Spitzkehre mit Spitznamen! Infos und Anmeldung unter www.trailemotions.com

Übernachtung: Bad Hotel in Bad Überkingen (www.hotel- kingers.de); Talblick Auendorf (www.talblick-auendorf.de)

Achtung Bike-Verbot: In Baden-Württemberg sind Wege unter zwei Meter Breite offiziell für (fahrende) Biker verboten.

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Mountainbiken am Trauf der Schwäbischen Alb - Geheimtipps:

Trailrideshuttle: Der ermöglicht auf der Alb bis zu 2500 Tiefenmeter an einem (langen) Tourentag – und Spitzkehren bis zum Abwinken! Aber Obacht: Die Abfahrten bewegen sich im Schwierigkeitsbereich S2 bis S3. Infos: www.trailemotions.com

Burgruine Helfenstein bei Geislingen: Die ist rund 900 Jahre alt und liegt hoch über den Tälern der Eyb, des Rohrbachs und des Talgrabens. Mountainbiker fahren nach der Besichtigung auch auf (und von) Ödenturm, Anwandfels und Bismarckfels ab.

Schwäbische Küche: Ob Spätzle oder Kartoffelsalat – die Guides von Trailemotions kennen nicht nur die geheimsten Trails, sondern auch die beste Küche! Wie das Gasthaus zur Mutter Franzl auf der Kuchalb bei Donzdorf.

Spare, spare, Häusle baue: Das Südwestdeutsche Schatztruhenmuseum in Geislingen zeigt 50 Exponate aus vier Jahrhunderten. Das Museum ist von Mai bis Anfang November täglich (außer montags) von 15 bis 17 Uhr geöffnet. www.geislingen.de

MTB-Reportage Albtrauf-Touren

Mittelgebirge? So manche Alpenradler mögen jetzt vielleicht die Nase rümpfen. Für die allermeisten Mountainbiker jedoch strahlen Mittelgebirge einen speziellen Reiz aus. Sei es, weil sie nur einen Katzensprung entfernt oder sogar direkt vor der Haustüre liegen. Dieser Reiz droht aber häufig schnell zu schwinden, weil man oft schon nach kurzer Zeit jeden Stein und jede Wurzel zu kennen glaubt und die lohnendsten Abfahrten quasi blind hinunterbrettert. Oft liegt dies an der geringen geografischen Ausdehnung, oft aber auch an mangelnder Experimentierfreude, dass ein Revier schnell langweilig werden kann. Was allerdings nichts Mittelgebirgsspezifisches ist, sondern ebenso für Reviere wie Gardasee und Co. gilt.

Die Gefahr, dass Langeweile aufkommt, dürfte an der gut 200 Kilometer langen, bis zu 400 Meter abfallenden Albkante indes gegen null tendieren. Hier gibt es massig Spielplätze zum Rauf- und Runterkurbeln, die eine große Strahlkraft auf Bergradler ausüben – Zwei-Meter-Regelung hin oder her. Ein besonders attraktiver Abschnitt wartet am nordöstlichen Ende auf Biker: die Fünftälerstadt Geislingen an der Steige – bekannt durch WMF – und das benachbarte Bad Überkingen – bekannt durch sein Mineralwasser, malerisch in den Tälern gelegen und von steilen, teils kahlen Felswänden flankiert. Hier ist der "Hometurf" von Mountainbike-Urgestein Eric Winklbauer, der mit seinen Fahrtechnikkursen die Instanz in der Gegend ist. Wenn er nicht gerade als Bike-Guide in Südtirol herumdüst.

Early Bird auf Schwäbisch: Noch vor Sonnenaufgang treffen wir Eric. Zusammen mit seinen Guides, einer kleinen Flotte Lightville 301 und ihrem Shuttlebus wartet er am Ortseingang von Bad Überkingen. Uns direkt gegenüber erhebt sich die Hausener Wand, eine 250 Meter hoch aufragende Felsflanke aus Weißem Jura. "Die verwinkelten Täler hier am Albtrauf bieten unzählige Möglichkeiten. So eine Vielfalt findest du nicht mal in den Dolomiten!" erklärt Eric und zeigt nach oben zur Traufkante. "Mit unserem Shuttle können wir hier an einem Tag 2000 Tiefenmeter machen und – falls gewünscht – bis zu 250 Spitzkehren fahren, von der keine der anderen gleicht."

Das beeindruckt! Und man bekommt sofort Lust, das Gelände, von dem Eric mit leuchtenden Augen erzählt, selbst zu erkunden. Da wir unbedingt den Sonnenaufgang oben an der Hangkante erleben wollen, werden die Enduros flugs auf den Anhänger geladen, und wir fahren aus Bad Überkingen über einige Serpentinen hoch. "Die Menschen sind früher täglich mit ihren Eselskarren von der Albkante runter in die Täler gekommen. Deshalb hat es an jedem Hang eine Vielzahl von jahrhundertealten Wegen, die heute anderweitig genutzt werden", erzählt Eric.

Gerade noch rechtzeitig vor Sonnenaufgang parkt der Shuttle vor den Felsvorsprüngen, und wir inhalieren die klare Morgenluft. Dann sendet die Sonne ihre ersten Strahlen über die Hügellandschaft. Der Blick schweift am Albtrauf entlang über das umliegende, tief im Nebel liegende Goisatal, aus dem die Kuppe des Wasserbergs ragt. Eric und seine Guides kennen hier jeden Winkel, und trotzdem macht sich ein Grinsen der Vorfreude auf ihren Gesichtern breit: "Die Trails lutschen sich nicht aus, dazu gibt es hier zu viele Möglichkeiten." Und schon schwingen wir uns auf die Bikes und rollen den am Hang entlang laufenden Trail hinab ins Tal. Jetzt im späten September ist der Waldboden mit welkem Laub bedeckt, aber die vergangenen Tage hat es nicht geregnet. Entsprechend sind die Hänge trocken und bieten optimalen Grip. Hochwillkommene Unterbrechungen auf unserem Sinkflug sind spitze Kehren. Kurz bevor wir zurück ins Tal gelangen, passieren wir auf einer Anhöhe einen geheimnisvollen Pavillon: den vor 112 Jahren zu Ehren des Dichters errichteten "Schillertempel".

"Die Täler hier sind voller kleiner Wunder", fährt Eric fort. Im Frühjahr explodiert das Autal mit seinem lichten, feuchten Hangwald voller weiß blühender Märzenbecher – ein echtes Naturschauspiel. Dann zeigt er in Richtung des östlichen Hangs auf zwei vorgelagerte Felsen, die keck aus dem Wald hervorstechen: "Da oben ist der Kahlenstein, unser nächster Anfahrtspunkt." Die recht steile Auffahrt ist wegen jeder Menge Laub und fehlender Traktion nicht ohne, aber schnell hinter uns gebracht. Schon befinden wir uns wieder in einem von Felsen und Wurzeln durchzogenen Mischwald oberhalb der Trauflinie und kurbeln einen gewundenen Pfad in Richtung besagter Felsen. Der Wald steht dicht bis an die steil abfallende Kante heran, und das felsige Plateau ist ein idealer Aussichtsbalkon auf die gegenüberliegende Seite, die wir vor einer halben Stunde abgefahren sind. Das zerklüftete Gelände hat einige Ein­ und Durchgänge und ist beliebtes Wanderziel wie auch Trainingsgebiet für ambitionierte Kletterer. Dicht unterhalb der Felsenkante befindet sich zudem eine Höhle, die Funden zufolge unseren Vorfahren bereits vor 5000 Jahren als Unterschlupf diente.

Hier oben an der Kante folgen wir dem Trail am Albtrauf weiter in Richtung Nordosten zum Denkmal „Ostlandkreuz“ und sehen hinunter in die Senke nach Geislingen, aus der sich sternförmig die fünf Täler in alle Richtungen winden. Auf der anderen Talseite erhebt sich auf einem vorgelagerten Felsen eines von Geislingens Wahrzeichen, die Burgruine Helfenstein. Etwas weiter südlich ragt auf gleicher Höhe der einsam wachende Ödenturm aus dem Wald. Also ab ins Tal, abermals auf am Hang verlaufenden Pfaden hoch und über etliche Spitzkehren zur kurzen Mittagsrast in Geislingen.

Während wir beim Italiener für den folgenden Aufstieg zur Burg Energie tanken, freue ich mich über die durchweg freundlichen Reaktionen der wenigen Wanderer, denen wir auf der bisherigen Tour begegnet sind. Eric bestätigt nickend und fügt hinzu, dass es in den zehn Jahren seines Wirkens als Fahrtechniklehrer in diesem Gebiet nur selten Konflikte gegeben habe. Zum einen trifft man durch die Weitläufigkeit und die Vielfalt der Wanderwege nicht oft aufeinander, zum anderen wird meist ein respektvoller Umgang miteinander gepflegt – unabhängig davon, ob mit Wanderstiefeln, beim Laufen, beim Nordic Walking oder eben auf dem Mountainbike. Dieses friedliche Miteinander zeigt sich wenig später, als wir unsere Bikes durch das Eingangstor in den Burghof lenken, auf dem einige Wanderer zur nachmittäglichen Rast eingekehrt sind. Wir ernten freundliche, sogar anerkennende Blicke für die geschaffte Auffahrt zur Burg. Einfach nett! Die Anlage ist auf mehreren Ebenen angelegt, die über Durchgänge und Brücken verbunden sind. Dazu dieser Ausblick in die Täler und auf angrenzende Hügel. Einfach super!

Doch die Pause ist schnell vorbei, schließlich wollen wir noch hinüber zum Ödenturm. Dort wartet eine weitere tricky Abfahrt, die wir Kehre für Kehre hinabzirkeln – und uns bei besonders engen das Umsetzen von den Guides zeigen lassen. Beim Pro sieht das einfach aus und motiviert mich, es in der folgenden Abfahrt an einfacheren Stellen selbst zu probieren. Im Falle eines Falles sollte das Laub dämpfen ... Und so erziele ich tatsächlich von Kehre zu Kehre immer mehr Fortschritte. Am späten Nachmittag kurbeln wir noch auf die Kuchalb hinauf und statten ein paar grasenden Angusrindern einen Besuch ab. Kneift man die Augen zusammen, kann man bei gutem Wetter bis zum Schwarzwald hinüberschauen. Auch hier auf der Hochfläche gibt es jede Menge Möglichkeiten, in die Täler abzufahren – laut Eric und seinen Guides eine besser als die andere.

Als wir spätnachmittags wieder in Bad Überkingen eintreffen, kühlen wir uns im glasklaren Wasser des hier noch jungen Flusses Fils ab. Und die Guides erzählen von den unzähligen Abfahrten, die wir heute verpasst haben. Besonders "Reingeschmeckte" mögen ja über die Schwaben lachen. Aber in dem Fall wünsche auch ich mir: Hoffentlich ist bald wieder "Kehrwoche"!

01.10.2016
Autor: Gustavo Enzler
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 03/2017