Mountainbiken im Fichtelgebirge – Infos, Tourentipps, GPS-Daten

Fichtelgebirge: MTB-Reisereportage

Schon Goethe kehrte immer mehrmals zurück. "Der Granit lässt mich nicht los", hieß es in einem seiner 1700 Briefe an seine Geliebte. Ähnlich geht es Bikern, die die Trails des Fichtelgebirges unter ihre Stollen genommen haben.

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MountainBIKE - Fichtelgebirge Foto: Stefan Schertl
MountainBIKE - Fichtelgebirge Foto: Stefan Schertl
MountainBIKE - Fichtelgebirge Foto: Stefan Schertl

Dicke Nebelschwaden ziehen am Fenster der Pension vorbei. Wir sitzen beim Frühstück und besprechen den heutigen Tag. „Oben auf dem Gipfel haben wir garantiert klare Sicht“, versichert uns Peter, unser Tour­guide und Inhaber des Hostels Bullhead House. Doch was wird uns da „oben“ eigentlich genau erwarten? Unsere Gruppe, das sind Julia, Kerstin, Frank, Maxi und ich, befindet sich in Warmensteinach, einem Luftkurort mitten im Fichtelgebirge.

Gebirge? Da dachten wir sofort an hohe Felswände, schroffe Gipfel und nicht enden wollende Schotterauffahrten. Falsch gedacht, denn das Mittelgebirge im Nordosten Bayerns ist durchzogen von sanften Hügelketten und ausgedehnten Wäldern. Einzig der Schneeberg und der Ochsenkopf bringen es auf etwas über 1000 Meter.

Anreiz genug, heute eine der beiden höchsten Erhebungen unter die Pedale zu nehmen. Wir entscheiden uns für den Tourenklassiker: die Ochsenkopf-Seehaus-Runde. „Sie zählt zu den landschaftlich eindrucksvollsten Touren im Fichtelgebirge“, erklärt uns Peter, während er munter in seiner Kaffeetasse rührt. „Dann sind wir ja mal gespannt, ob die Tour hält, was der Guide verspricht“, witzelt Kerstin.

Der erste Anstieg ist wahrlich kein Hexenwerk. Wir sind in Fleckl gestartet und fahren fast schon gemütlich auf einem Schotterweg Richtung Gipfel. Die Nebelschwaden lassen wir dabei tatsächlich hinter uns. „Schaut mal“, ruft Maxi von hinten, „Petrus ist uns gnädig.“

Auf dem Gipfel des Ochsenkopfs angekommen, strahlt die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Wir steigen auf die Aussichtsplattform des steinernen Asenturms und ergötzen uns an dem grandiosen Rundumblick über das Fichtelgebirge – unter uns ein riesiges Wolkenmeer.

Kurze Zusammenfassung: Ein gemütlicher Anstieg und eine Rast mit sensationeller Aussicht. „Da geht aber schon noch was?“ frage ich unseren Guide. „Wartet es nur ab“, antwortet Peter und tritt wieder in die Pedale. Mit der Gemütlichkeit ist es spätestens am ersten Trail­einstieg vorbei. Bizarr geformte Granitblöcke säumen den Weg, und das Gelände wird zunehmend ruppiger.

Wer jetzt nicht aufpasst, landet unsanft. Wir kämpfen uns durch das verblockte Terrain und werden kurze Zeit später mit einem flowigen Trailstück belohnt. Wie im Flug passieren wir den Goethefelsen. Ja, richtig gedacht! Namenspatron des auffälligen Steingebildes ist Deutschlands größter Dichter.

Der reiselustige Herr war von der Schönheit des Fichtelgebirges so fasziniert, dass er es drei Mal besuchte. „Der Granit lässt mich nicht los“, schrieb er in einem seiner 1700 Briefe an seine Geliebte Charlotte von Stein. Heute erinnert eine Inschrift am Asenturm daran.

Der nächste Anstieg ist happig, führt uns aber direkt zum Highlight der heutigen Tour – dem Seehaus. Oben angekommen, erwartet uns eine Szenerie wie auf einer urigen Alm in den ­Alpen. Hier oben scheint die Zeit stillzustehen. Die von ­Österreichern bewirtschaftete Hütte liegt inmitten einer wunderbaren Blumenwiese und beschert uns einen grandiosen Ausblick hinüber zum Ochsenkopf.

„Und jetzt was Deftiges“, platzt es aus Julia her­aus. Bei Gulaschsuppe, ­Folienkartoffeln und Currywurst bereiten wir uns mental auf die bevorstehende Abfahrt zum Fichtelsee vor. „Gleich müsst ihr vorsichtig sein“, warnt uns Peter. „Auf dem Trail ist schon der eine oder andere Local über den Lenker ­gegangen“, fügt er als Erklärung hinzu.

Den Fichtelsee umgibt an diesem Tag etwas Mystisches. Nebelschwaden wabern über das Wasser. Würde jetzt das sagenumwobene Moosweiblein aus dem See steigen – es würde uns nicht wundern. Wir legen eine Pause ein und genießen den Moment.

„Gibt es ein schöneres Fleckchen auf Erden?“ fragt mich Kerstin. Spontan fällt mir keines ein. Nach unserem Päuschen treten wir den Rückweg an. Auf traumhaften Singletrails fahren wir zurück nach Fleckl. Unsere Gedanken kreisen um Fabelwesen, Riesencurrywürste und traumhafte Trails.

„Heute wird's flowig“, tönt unser Guide nach dem Frühstück. Auf dem Programm steht eine Tour zum Klausenturm. Der Startschuss fällt unmittelbar vor der Haustür. Über den Boxgraben fahren wir nach Mehlmeisel hinauf und dann weiter zum Turm. Von dessen Plattform in 46 Metern Höhe genießen wir erneut eine imposante Aussicht auf die zahllosen Hügel und Wälder der Region.

Danach gleiten wir auf einem schier endlosen Trail Richtung Fichtelberg. Geradezu episch schlängelt sich der Weg am Hang entlang. Wir passieren das Silbereisenbergwerk, das seit über 500 Jahren in Betrieb ist und besichtigt werden kann. Wer jetzt noch Power hat, strampelt die restlichen 200 Höhenmeter hinauf zum Ochsenkopfgipfel. Uns reicht es für heute, wir biegen schon vorher Richtung Fleckl ab.

Den Abend lassen wir bei einem zünftigen Bier in einer Zoiglstube ausklingen. In dieser urigen Wirtshausatmosphäre schmieden wir Pläne für die nächsten Tage. „Ich würde gerne noch zur Burgruine Weißenstein“, sagt Maxi. „Und ich muss unbedingt noch zum weltberühmten Kösseinegranit“, wirft Frank ein. „Ob wir das alles schaffen?“ denke ich mir und nehme einen kräftigen Zug aus dem Krug.

Das Zoiglbier kann was, das Fichtelgebirge auch. Irgendwie gelingt der Region der Spagat zwischen Tradition und Moderne. Es gibt hier viel zu entdecken, vor allem für Mountainbiker. Plötzlich reißt ein Akkordeon mich aus meinen Gedanken. Ein paar Musiker stimmen traditionelles Liedgut an. Die Gäste schunkeln mit – wir auch. Hier im Fichtelgebirge, da liebe ich sogar die Volksmusik.


Inhaltsverzeichnis

01.10.2012
Autor: Stefan Schertl
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 11/2012