Test: 7 Vario-Sattelstützen für Mountainbikes (2015)

7 Vario-Sattelstützen im Praxis-Test

Vario-Sattelstützen Teaserbild
Foto: Detlef Göckeritz
Müheloses Auf und Ab – Vario-Stützen sind eine große Bereicherung für Mountainbiker. Worauf Sie beim Kauf achten müssen und was die aktuellen Trends sind, verrät Ihnen dieser Praxistest.
Zu den getesteten Produkten

Vario-Sattelstützen gelten vielen Mountainbikern als die beste Erfindung seit der Federgabel. Aus gutem Grund, sorgen diese aufwendig konstruierten Teleskop-Stützen doch dank der blitzschnellen Absenkung des Sattels (teils um bis zu 15 cm) für mehr Sicherheit in der Abfahrt und generell mehr Fahrspaß bei Trail-Manövern – ohne anhalten zu müssen und ohne mühsame Fummelei am Schnellspanner oder gar an der Inbusschelle.

Dadurch erweitern Sie den Einsatzbereich eines jeden Mountainbikes über eine simple Hebelbetätigung. Richtig Sinn machen Vario-Stützen jedoch nur, wenn sie sich via Fernbedienung vom MTB-Lenker aus ansteuern lassen. Denn wer eine Vario-Stütze mit Hebel am Sattel bedienen will, muss eine Hand vom Lenker nehmen. Das kann ganz schön brenzlig werden.

Fotostrecke: 7 Vario-Sattelstützen für Mountainbikes im Test

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Forca SPS 400 Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Fox Doss Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Kind Shock LEV Foto: Benjamin Hahn

Vario-Stützen: Darauf sollten Sie beim Kauf achten

Allerdings gibt es auch bei den Stützen mit Fernsteuerung Unterschiede. Besonders elegant sind Stützen, die es erlauben, das Kabel durch den MTB-Rahmen zu verlegen. Hierzu benötigen Sie aber einen Rahmen, der für diese Zugverlegung vorbereitet ist, sprich ein Loch im Sitzrohr bietet.

Die besten Nachrüstvarianten sind die, die über den unteren feststehenden Schaft der Stütze angesteuert werden. Stützen, deren Anlenkung direkt am Stützenkopf liegt, haben den Nachteil, dass sich der Zug beim Ein- und Ausfedern mitbewegt. Wenn die Leitung jedoch gut befestigt und geführt wird, funktioniert auch diese Art der Vario-Stütze einwandfrei.

Für diesen Test bestellte MountainBIKE Nachrüst-Vario-Stützen mit Fernbedienung und äußerer Anlenkung sowie einem Verstellbereich um 125 mm. Der Markt bietet zudem Stützen mit 100 mm oder 150 mm Hub, spannend für CC-Racer ist eine neue Vario-Stütze mit nur 35 mm Hub.

Im Test sind Rock Shox mit der bewährten Reverb sowie Fox mit der dreistufigen Doss. Kind Shock schickte die LEV mit fixer Zuganlenkung, Specialized sandte die leicht überarbeitete Command Post Blacklite, X-Fusion die leichte Hilo SL, Forca die preisgünstige SPS 400. Relativ neu in diesem Segment ist Thomson mit der Elite Dropper. Crankbrothers sagte seine Teilnahme ab, da die Kronolog aktuell überarbeitet wird. Auch die Newcomer-Marke Vecnum konnte ihre Moveloc-Stütze nicht in den Test geben – sie ist noch nicht lieferbar.

Technik hat ihren Preis. Die simpel aufgebaute Forca SPS 400 ist mit 130 Euro vergleichsweise günstig, der Großteil der getesteten Vario-Stützen liegt jedoch bei über 300 Euro. Teuerste Stütze im Test ist die Thomson Elite Dropper für 399 Euro.

Generell lässt sich das Testfeld einteilen in dreistufige mechanische Stützen und stufenlose Hydraulik-Lifte. Fox, Specialized und Forca arbeiten mit der dreistufigen Technik. Diese hat den Vorteil, dass Fahrer, die auf flachen Trails den Sattel gerne nur leicht absenken, immer wieder in der gleichen Position „landen“ – die je nach Stütze 30 bis 55 mm Absenkung beträgt.

Hilfreich: Die Fox Doss besitzt einen zweiteiligen Hebel, der es erlaubt, die Vario-Stütze „punktgenau“ auf die erste Stufe abzusenken. Stufenlose Stützen sind hingegen besser feinjustierbar, und der Fahrer ist nicht auf die drei Stufen begrenzt. Jedoch glückt die Suche der perfekten Position bei schneller Fahrt nicht immer.

Fotostrecke: Vario-Sattelstützen: Tipps zur Montage und Pflege

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Foto: Benjamin Hahn
Foto: Benjamin Hahn
Foto: Benjamin Hahn

Die Sieben Vario-Stützen im Praxistest

Auch die Montage wurde von der MountainBIKE-Testcrew bewertet. Auffallend, dass nur die Rock-Shox- und Forca-Modelle vormontiert sind. Bei allen anderen mussten die Seilzüge noch angebracht werden, was bei der Kind Shock LEV viel Geschick erfordert. Da die Rock Shox via Hydraulikleitung angesteuert wird, ist bei der Reverb beim eventuellen Leitungskürzen Fingerspitzengefühl nötig.

Gut: Die filigranen Hebel von Kind Shock, Specialized und Thomson finden immer Platz am Lenker. Auch der Rock-Shox-Hebel lässt sich gut ins Cockpit integrieren, muss aber je nach Montage für links oder rechts bestellt werden. Eher (zu) wuchtig sind die Hebel von Forca, Fox und X-Fusion.

Die Fahrtests führte MountainBIKE auf einer Strecke mit flachen Trail-Passagen sowie steilen Abfahrten durch. In Sachen Bedienung und Funktion „lifteln“ fast alle Stützen auf Top-Niveau. Lediglich die preisgünstige Forca SPS 400 agiert etwas hakelig. Der Fahrer muss bei jeder Betätigung Druck auf den Sattel ausüben, damit der Mechanismus entriegelt.

Die Stütze von X-Fusion sorgte für Ärger, der Sattel sackte in ausgefahrener Position beim Aufsitzen leicht ab. Das Problem konnte kurzzeitig durch mehrfache Pumpbewegungen der Stütze beseitigt werden, tauchte aber nach ein paar Mal absenken immer wieder auf.

In Summe zeigt der Test, dass die Funktion der meisten Stützen tadellos ist. Das häufig bemängelte mechanische Spiel mit in Folge wackelndem Sattel war bei den neuwertigen Stützen nicht feststellbar. Der Testsieg geht an die leichte Kind Shock LEV mit stufenloser Verstellung und fixer Zuganlenkung, die mechanische Specialized holt den Kauftipp.


08.01.2015
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 1/2015