Test: 6 MTB-Federgabeln mit 150 bis 160 mm Federweg

Im MountainBIKE-Test: Sechs MTB-Federgabeln mit Federwegen von 150 bis 160 Millimeter


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Federgabel-Test
Foto: Daniel Geiger

 

Fox 34 Talas 160 FIT CTD
Foto: Benjamin Hahn

 

 

Fox 34 Float 160 FIT CTD
Foto: Benjamin Hahn

 

Enduro-Gabeln neuester Generation machen eine schlanke Figur, fegen aber dennoch sicher über Felsblöcke und Wurzelteppiche. MountainBIKE hat sechs Modelle mit 150 bis 160 Millimetern Federweg getestet und sich die Frage gestellt: Braucht es eine Absenkung?

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Für anspruchsvolle Enduro-Einsätze brauchen MTB-Federgabeln verwindungssteife Standrohre mit 36 Millimeter Durchmesser, robuste 20-Millimeter-Steckachsen, Federwege von bis zu 180 Millimetern ... Was lange galt, gilt heute nimmer mehr!

Denn die neueste Gabelgeneration – befeuert vom ungebrochenen Enduro-Boom – setzt auf die schlanke Linie: schmälere Standrohre, 15-Millimeter-Achsen und Federwege von 160 Millimetern. Das Gute daran: Neben Race-orientierten Enduro-Piloten profitiert auch der eine oder andere All-Mountain-Fahrer von der leichten Kost.

MountainBIKE hat der noch jungen Federgabelkategorie auf den Holm gefühlt, ihr Einsatzgebiet abgesteckt und sich die Frage gestellt: Braucht es bei 160 Millimeter Federweg zwingend eine Absenkung? Im Testfeld, bestehend aus sechs Modellen, tummeln sich deshalb jeweils zwei Modelle der Gabelriesen Fox und Rock Shox, eines mit und eines ohne Travel-Funktion. Fox nimmt zwei Mal mit dem Modell 34 FIT CTD in der Top-Version "Factory" teil, inklusive neuem Absenksystem.

Rock Shox schickt zwei Varianten seiner brandneuen Pike ins Rennen, mit dem fast schon vergessenen Vorgänger verbindet sie nur noch der Name. X-Fusion sichert sich mit dem schlichten Modell Slant RL2 – lediglich mit Lockout ausgestattet – einen Startplatz.

Mit 150 Millimeter Federweg und zarten 32-Millimeter-Stand­rohren passt die Magura TS8 mit neuem Dämpfungssystem auf den ersten Blick nicht so recht ins Testfeld. Doch bereits in der Vergangenheit überzeugte die spezielle "Double Arch"-Konstruktion mit überdurchschnittlicher Steifigkeit.

Leicht und trotzdem ausreichend steif

Der Standrohrdurchmesser nimmt Einfluss auf die Steifigkeit der Federgabel, aber auch auf das Gewicht. Bei Touren- und All-Mountain-Gabeln beträgt der übliche Durchmesser 32 Millimeter, die klassische Enduro-Gabel besitzt wuchtige 36er-Holme.

Irgendwo dazwischen liegt der neue Kompromiss aus Steifigkeit und Gewicht. Fox setzt auf 34 Millimeter und liegt in der Steifigkeitswertung auf Platz eins. Auch X-Fusion legt sich auf dieses Maß fest, wiegt aber deutlich weniger als Fox und belegt infolgedessen den letzten Platz im Testfeld – noch hinter der leichten Magura mit ihren dünnen 32er-Standrohren.

Rock Shox verbaut Standrohre mit 35 Millimeter Durchmesser und schafft es in Sachen Steifigkeit knapp hinter Fox. Dabei bringt die Gabel aber rund 180 Gramm weniger auf die Waage. Im Vergleich zur alten Enduro-Riege büßen die schlankeren Newcomer vor allem bei der Torsion Steifigkeit ein, was in verblocktem Gelände auch spürbar ist. Im Gegenzug sinkt das Gewicht um teils mehrere hundert Gramm.

Unterm Strich befördert die neue Gabel-Generation Enduro-Piloten, insbesondere im Renn­einsatz, somit schneller bergauf und besitzt auch für ruppige Abfahrten die nötige Steifigkeit, wenn auch mit Abstrichen.

Für effizienten Vortrieb bedarf es neben geringem Gewicht auch diverser Hilfsmittel, um etwa das Wippen im Wiegetritt zu reduzieren. X-Fusion bietet hierfür einen schlichten Lockout, wodurch sich aber in unwegsamem Gelände Komfort und Traktion deutlich verschlechtern. Besser sind sogenannte Plattformsysteme, die mit erhöhter Druckstufendämpfung Wippen reduzieren, bei Schlägen aber nach wie vor die Gabel arbeiten lassen.

An Steilstufen oder in schnellen Anliegerkurven lässt sich so etwa auch das ungewollte Wegsacken der Gabel verringern. Fox, Rock Shox und Magura bieten jeweils drei wählbare Grund-Modi von komplett offen über den gedämpften Trail-Modus bis hin zum Lockout, sprich einer voll blockierten Gabel. Fox und Rock Shox ließen sich bereits im Trail-Mode effizient pedalieren, bei Magura war dieser jedoch kaum von der offenen Stellung zu unterscheiden.

Wer braucht die neue Federgabel-Klasse?

Viele Hersteller bieten ihre Gabeln optional mit einer Absenkfunktion an. Dadurch wandert der Schwerpunkt in Anstiegen weiter nach vorn, was einen effizienteren Vortrieb bewirkt. Fox und Rock Shox lassen sich jeweils von 160 Millimeter auf etwa 130 absenken.

Überraschend: Das neue Talas-System von Fox erzeugt spürbar weniger Reibung als sein Vorgänger und stellt in Sachen Ansprechverhalten das nicht absenkbare Float-Modell erstmals in den Schatten. Eine Absenkfunktion bringt aber mit höherem Gewicht und höherer Ausfallwahrscheinlichkeit auch deutliche Nachteile mit sich.

Zudem kommen moderne Rahmengeometrien mit steilen Sitzwinkeln in vielen Fällen auch ­ohne Absenkung zurecht. Neben der Diskussion über die Notwendigkeit einer Hubverstellung stellt sich eine weitere Grundsatzfrage: Wer außer Enduro-Racern braucht diese neue Gabel-Klasse?

Natürlich profitiert auch der normale Biker beim Kauf eines Enduros vom geringeren Gesamtgewicht. Aber auch ältere Enduros lassen sich durch die leichtere Gabel etwa im Vortrieb spürbar verbessern. All-Mountain-Fahrer, die damit ihr 140- oder 150-Millimeter-Fahrwerk tunen, erhalten mehr Reserven für Abfahrten und erweitern so den Einsatzbereich.

Voraussetzung: Die neue Gabel ist mit Rahmen und Laufrad kompatibel. Vor allem die Punkte Einbaulänge, Achsstandard und Schaftdurchmesser gilt es zu beachten. Von den sechs Testgabeln zeichnen sich vor allem die beiden Pike-Modelle von Rock Shox aus – hocheffiziente, leichte Allround-Modelle, die sowohl All-Mountain- als auch Enduro-Fahrer glücklich machen.

Mit seinen 34er-Modellen brilliert Fox vor allem in richtig anspruchsvollem Terrain, bietet viel Reserven. X-Fusion kann nicht ganz mit­halten, bietet dafür ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Noch weniger wiegt die TS8 von Magura, die sich auch in verblockten Passagen erstaunlich wacker schlägt.

Test-Fazit:

Die noch junge Kategorie der leichten 160-Millimeter-Gabeln spricht Enduro-­Piloten, aber auch ambitionierte All-Mountain-Fahrer an. Rock Shox bietet mit der neuen Pike die beste Allround-Lösung, Fox schüttelt mit der 34 die Konkurrenz im anspruchsvollen Gelände ab.


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09.10.2013
Autor: Rainer Sebal
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 10/2013