Sieben MTB-Federgabeln für Enduro-Mountainbikes im Test

Test: 7 Enduro-Federgabeln


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MTB-Federgabel Test
Foto: Manfred Stromberg

 

Formula Thirtyfive 27,5
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Fox 36 Float 27,5 160 Fit RC2
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Manitou Mattoc Pro
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Marzocchi 350 NCR
Foto: Benjamin Hahn
Enduro-Gabeln sind für Heavy-Duty-Belastungen im schroffen MTB-Gelände gebaut, sollen aber gleichzeitig im Uphill nicht zum Bremsanker mutieren. Der Test verrät, wie die aktuellen 2015er Gabeln diesen Spagat meistern.
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Beim Endurobiken kommt es auf wirklich alles an, was Mountainbiken ausmacht. Ob ruppige Felspassagen-Downhills, wellige MTB-Trails oder anstrengende Uphills, Enduro-Piloten wollen alles. Und sie können meist auch alles.

Ans Material stellen Enduro-Mountainbiker entsprechend hohe Ansprüche. Logo: Da muss die Gabel, die an vorderster Front den verblockten Weg freiräumt, kompromisslos auf Performance getrimmt sein.

Was es dazu braucht: 160 mm Hub, ein steifes und zugleich möglichst leichtes Chassis sowie eine Reihe an Verstellmöglichkeiten der Dämpfung stehen im Pflichtenheft einer Enduro-Federgabel.

Fotostrecke: Sieben MTB-Federgabeln für den Enduro-Einsatz im Test

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Formula Thirtyfive 27,5 Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Fox 36 Float 27,5 160 Fit RC2 Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE Manitou Mattoc Pro Foto: Benjamin Hahn

Sieben Enduro-Federgabeln im großen Vergleichstest

Um herauszufinden welcher Gabelhersteller derzeit die beste Federgabel für Endurobiker baut, lud MountainBIKE sieben Gabeln zum großen Vergleichstest. Die Preisspanne reicht dabei von 649 bis 1099 Euro. Mit dabei ist Formula mit der Thirtyfive 27,5 (989 Euro), Fox schickt die brandneue 36 Float 27,5 160 Fit RC2 (1099 Euro) ins Rennen.

Manitou ist zurück im Enduro-Segment und tritt mit der preiswerten Mattoc Pro (650 Euro) an. Auch Marzocchi hat für 2015 eine neue Federgabel im Programm: die Marzocchi 350 NCR (959 Euro). Die Rock Shox Pike RCT 3 (916 Euro) will den Titel der besten Enduro-Gabel gegen die Konkurrenz verteidigen. Und die wird neuerdings immer größer. Auch die Fernost-Produzenten SR Suntour und X-Fusion schicken die vergleichsweise preiswerten Gabeln Auron RC2 für 649 Euro und Sweep RL2 für 699 Euro ins Rennen.

Alle sieben MTB-Federgabeln kommen mit einer 15-mm-Steckachse (Fox bietet bei der 36 Float 27,5 160 Fit RC2 optional eine 20-mm-Achse).

Dennoch sind die Unterschiede in Sachen Handling bemerkenswert: Während bei der Rock Shox Pike RCT 3, der Formula Thirtyfive 27,5, der Marzocchi 350 NCR und der X-Fusion Sweep RL2 eine intuitive Schnellspannbedienung vorhanden ist, zeigen sich die Manitou Mattoc Pro und die SR Suntour Auron RC2 eher fummlig beim Radein- oder -ausbau, Fox verlangt für seine 36 Float 27,5 160 Fit RC2 gar nach einem Inbusschlüssel.

So mancher Enduro-Mountainbiker glaubt ja immer noch an die überlegene Funktion der Stahlfeder. Dennoch ist die Luftfeder auch im Segment der Enduro-Federgabeln nicht mehr wegzudenken. Alle Gabeln im Test sind mit einer Luftfeder ausgestattet, wodurch die Gewichte zum Großteil unter die magische Zwei-Kilo-Grenze fallen.

Die Formula Thirtyfive 27,5 bringt sogar nur 1804 g auf die Waage, was sonst nur leichte All-Mountain-Gabeln schaffen. Auch die Rock Shox Pike RCT 3 und die X-Fusion Sweep RL2 fallen mit unter 1900 g sehr leicht aus. Knapp unter zwei Kilo liegen folgende Gabeln: Fox 36 Float 27,5 160 Fit RC2, Manitou Mattoc Pro und SR Suntour Auron RC2. Die Marzocchi 350 NCR ist mit 2083 g die deutlich schwerste Gabel im Test.

Die Qual der Wahl bei den Einstellmöglichkeiten

Warum spielt das Gewicht eine so große Rolle? Ganz klar, weil ein leichtes Mountainbike im Uphill vorteilhaft ist. Beim Klettern hilft es zudem, wenn die MTB-Gabel eine zuschaltbare Lock- bzw. Plattform-Funktion hat. Folgende Gabeln stellen dies zur Verfügung: Formula Thirtyfive 27,5, Manitou Mattoc Pro, Marzocchi 350 NCR und die Rock Shox Pike RCT 3.

Wobei die Formula Thirtyfive 27,5 im gelockten Zustand keinen Resthub bietet. Die Formula Thirtyfive 27,5, die Marzocchi 350 NCR und die Rock Shox Pike RCT 3 erlauben die Feinjustage der Lowspeed-Dämpfung, alle weiteren Enduro-Gabeln im Test sind sogar in Sachen Low- und Highspeed-Dämpfung feinjustierbar.

Was heißt Low- oder Highspeed überhaupt?

Über die Lowspeed-Druckstufen-Dämpfung stellen Mountainbiker ein, wie die Gabel auf langsame Bewegungen reagiert, sprich Wiegetritt-Fahrten oder auch Fahrten durch einen Anlieger, bei denen die Gabel langsam komprimiert wird. Vielen MTB-Fans ist die Lowspeed-Dämpfung auch unter dem Namen Plattform bekannt. Verstellt man die Plattform, ist dies meist schon beim Einfedern im Stand spürbar.

Die Highspeed-Dämpfung ist hingegen schwerer einzustellen, da die Verstellung nur bei sehr schnellen und zudem starken Schlägen spürbar wirkt. Da es für das perfekte Highspeed-Setup keine Pauschallösung gibt, muss der Mountainbiker viel experimentieren und Erfahrungen sammeln – meist finden nur Profis die perfekte Einstellung.

Für Jedermänner gilt deshalb: je unkomplizierter die Einstellbarkeit, desto besser. Viele Mountainbiker überfordert bereits die Einstellung des Rebounds (Zugstufe). Dieser ist jedoch extrem wichtig, da er die Ausfedergeschwindigkeit der Gabel regelt. Eine zu geringe Zugstufe bewirkt, dass die Gabel träge reagiert. Bei zu hoher Zugstufe federt die Gabel zu schnell aus. Beides ist unerwünscht und bringt Unruhe ins Fahrwerk. Alles zum Gabel-Setup finden Sie in der folgenden Fotostrecke:

Fotostrecke: In sieben Schritten zum optimalen Federgabel-Setup

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Federgabel-Setup Foto: Dennis Stratmann
Federgabel-Setup Foto: Dennis Stratmann
Federgabel-Setup 3 Foto: Dennis Stratmann

Praxistest auf schroffen Alpentrails

Im schroffen Enduro-Terrain in Latsch, Südtirol mussten die Federgabeln ihr Können in der Praxis unter Beweis stellen. Vor allem ein spurstabiles Chassis ist hier essenziell. Fast alle Gabeln konnten in diesem Punkt überzeugen. Allen voran die hochsteife SR Suntour Auron RC2. Die X-Fusion Sweep RL2 schwächelt hingegen im groben Einsatz.

Diese Eindrücke deckten sich auch mit den Labortests. Große Unterschiede waren bei der Federcharakteristik zu verzeichnen. Hier agieren die Fox 36 Float 27,5 160 Fit RC2, die Rock Shox Pike RCT 3, aber auch die Formula Thirtyfive 27,5 extrem potent und rechtfertigen den im Vergleich zur Manitou Mattoc Pro, der SR Suntour Auron RC2 und der X-Fusion Sweep RL2 sehr hohen Preis. Schneller ans Limit kommt die X-Fusion Sweep RL2.

In der Summe überzeugt die Rock Shox Pike RCT 3 mit überragender Performance im harten Enduro-Einsatz sowie simpler Bedienung und geringem Gewicht – Testsieg! Fox macht mit der neuen Fox 36 Float 27,5 160 Fit RC2 einen top Job. Doch entfaltet die Gabel ihr wahres Können erst dann, wenn viele Fahrer schon am Limit sind. Sie dürfte so vor allem für Racer in Frage kommen. Den MountainBIKE-Kauftipp verdient sich die preiswerte Manitou Mattoc Pro.


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15.04.2015
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 4/2015