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Shimano vs. Sram: Neun Schaltgruppen im Vergleich
Gruppenspiele
Wer baut den besten Antrieb? Shimano und Sram treten zum Duell an – von der Einsteigergruppe bis zur Highend-Klasse. Zu den getesteten Produkten
Eine Fernbedienung macht das Leben leichter. Nicht nur vor dem Fernseher auf dem Sofa, sondern auch auf dem Mountainbike. Biker bedienen die Gänge bequem via perfekt gerastertem Schalthebel vom Lenker aus. Seit Jahren eine Selbstverständlichkeit. Doch wer genauer hinsieht, erkennt die unglaubliche technologische Leistung dahinter. Selbst unter Last oder bei schlammigen Bedingungen wandert die Kette geschmeidig zwischen Ritzeln und Kettenblättern rauf und runter. Maschinenbau vom Feinsten.
Mal abgesehen von ein paar Exoten, gibt es auf dem Schaltungssektor einen reinrassigen Zweikampf: zwischen dem Platzhirschen Shimano aus Japan und dem amerikanischen Herausforderer Sram, der in den letzten Jahren peu à peu seine Produktpalette erweiterte. Der Markt ist umkämpft. Und es ist ein wichtiger Markt, denn die Schaltung übernimmt eine wesentliche Rolle am Bike. Gänge wechseln gehört zu den Grundbedürfnissen beim Biken und betrifft jeden, der sich auf zwei Stollenreifen bewegt.
Bei den unterschiedlichen Bedürfnissen der Biker reicht es aber nicht, eine einzige Gruppe anzubieten. Das Portfolio reicht sowohl bei Shimano als auch bei Sram von günstigen Einsteigerprodukten bis zur Highendklasse. Aber welche Gruppe ist für welche Biker die beste? Bei dieser Vielfalt an Gruppen geht der Überblick schnell verloren. MB beschreibt deshalb die wichtigsten Schaltkomponenten von Sram und Shimano im Detail und zeigt, welche Parts nicht nur optisch, sondern auch im Praxiseinsatz glänzen. Das Testfeld reicht von den Einsteigergruppen Shimano Deore und Sram X.5 bis zu den exklusiven und hochpreisigen Klassen XTR und X.0. Dazwischen liegt Shimanos brandneue SLX, die in Zukunft die Deore LX ersetzen wird. Sram versucht mit der X.7 dagegenzuhalten. Eine Klasse darüber wetzt Shimano mit der Deore XT die Messer und tritt gegen die Sram X.9 an.
Parallel zu diesen Duellen musste auch Shimanos neue "No gravity"-Gruppe Saint zeigen, was sie kann. Ohne Konkurrenz, denn Sram bietet in diesem speziellen Segment keine eigens dafür ausgelegte Schaltungsgruppe an. Sram bietet im Gegensatz zu Shimano übrigens ohnehin keine reinrassigen Komplettgruppen an, sondern bedient sich, was die Kurbeln betrifft, bei der hauseigenen Marke Truvativ.
Beide Komponentenriesen versuchen ihre eigenen Wege zu gehen und mit technischen Features aufzutrumpfen. Bei Sram etwa legt der Schaltzug gegenüber Shimano den doppelten Weg zurück, um das Schaltwerk zu bewegen. Dadurch verdoppelt sich aber weder der Hebelweg, noch halbiert sich die Schaltkraft. Aber: Wenn sich der Schaltzug mit der Zeit längt, wirkt sich das beim 1:1-Übersetzungsverhältnis von Sram weniger aus als beim 1:2-Übersetzungsverhältnis von Shimano. Das Schaltwerk funktioniert deshalb ohne Nachjustierung länger. Das Ganze birgt aber auch den Nachteil, dass sich durch den größeren Weg in der Zughülle auch die Reibung vergrößert.
Der jüngste Streich von Shimano dagegen: Die "Shadow"-Technologie, die sich im Markt schnell etabliert hat. Die schmale Bauweise des Schaltwerks schützt wirksam gegen "Feindberührung" auf engen Trails. Perfekt auch in der Praxis auf dem Trail: das "Multi-Release"-Prinzip von Shimano, das Schaltsprünge über zwei Ritzel auf größere Gänge an der Kassettte ermöglicht. Solche Neuentwicklungen kommen in der Regel zuerst in der Top-Gruppe zum Einsatz und wandern erfahrungsgemäß erst mit der Zeit langsam zu den günstigeren Gruppen über.
Wer also immer mit der neuesten Technologie fahren will und auch beim Gewicht keine Kompromisse eingeht, muss meist tief in die Tasche greifen und sich der Top-Gruppen bedienen. Wer lieber ein paar Euro spart, aber trotzdem nicht auf hohe Qualität verzichten will, für den ist das mittlere Preissegment optimal. Einsteiger und Sparfüchse finden meist in der unteren Klasse das Passende. Gruppen, die unter Deore oder X.5 liegen, eignen sich zum sportlichen und ernsthaften Mountainbiken dagegen nicht, weil sie bei den hohen Belastungen im Gelände auf Dauer einfach überfordert sind.
Trotzdem kann viel Geld sparen, wer die Komponenten untereinander mixt – was sich insbesondere bei begrenztem Budget empfiehlt. So können Sie bereits mit einer Kurbel, die eine Klasse tiefer rangiert, einiges an Geld sparen. Wer seine Gruppe nicht sichtbar abwerten will, kann etwa durch eine günstigere Kassette sparen und trotzdem den Schein der Luxusklasse wahren. Vorsicht ist aber beim Mischen von Shimano- und Sram-Parts geboten. Während die Umwerferseite kompatibel ist, funktioniert der Mix auf Schaltwerksseite wegen des unterschiedlichen Schaltzugwegs nicht. Wer trotzdem kombinieren will, hat bei Sram die Möglichkeit, Shimano-kompatible Trigger-Hebel zu benutzen.
Zu den Standard-Shiftern bieten beide Hersteller jeweils eine Alternative an. Sram mit leichten Drehgriffschalter, die durch die hohe Schaltgeschwindigkeit bei Racern beliebt sind. Shimano bietet alternativ „Dual-Control“-Griffe an. Bremshebel, die gleichzeitig als Schalthebel dienen und sehr leicht sind. Das macht sie bei Racern beliebt – viele Tourenfahrer oder Enduro-Piloten kommen im technischen Terrain aber mit der Doppelbelegung der Hebel nicht zurecht. Wie sich die beiden Schaltungsriesen im Detail auch unterscheiden – sie verfolgen eine Strategie: durch unterschiedliche Technologien und Preisklassen ein möglichst breites Marktsegment abdecken.
Während Sram seine Trigger nur für den Daumen konzipiert, ermöglicht es Shimano, die hinteren Schalthebel mit Daumen oder Zeigefinger zu bedienen. Sram kennt keine Grenzen, was die Anzahl der geschalteten Gänge pro Hebelweg angeht. Mit etwas Übung gelingen zwei Kettenblätter oder bis zu fünf Ritzel mit einem Daumendruck. Die Anschlagschrauben platzieren die Amerikaner gut zugänglich an der Seite. In Sachen Umwerfermontage liegt aber Shimano vorn. Die schräg platzierte Schraube an der Schelle ermöglicht ungehinderte Fixierung am Sitzrohr. Im Klassenvergleich der Günstigen zeigen sich bereits erste Unterschiede. Die Deore-Shifter klicken definierter als die der X.5. Beim Umwerfer zeigen aber beide Gruppen Schwächen. Der Sprung in die nächste Klasse erfolgt bei Shimano deutlicher als bei Sram. Die knackigen Schaltvorgänge der neuen SLX unterscheiden sich kaum noch von der einer XT. Die X.7 kämpft noch mit dem Umwerfer, liefert aber eine ansonsten gute Schaltperformance ab. Beim Sprung in die Hochleistungsklasse legt Sram deutlich nach.
Die X.9 schaltet bereits im Sram-typischen Stil – knackig und präzise. Die XT befindet sich ähnlich wie die SLX am Zenit bei der Schaltperformance. In der Oberklasse setzen beide Hersteller noch einen drauf. Sram gefällt durch seine stark gerasterten X.0-Shifter. Durch den Einsatz von Carbon und Titan sinkt das Gewicht nochmals deutlich. Shimano kann mit der XTR sogar noch leichter, schaltet aber nicht ganz so knackig wie die XT.
Fazit: Die richtige Gruppe hängt vom Einsatzgebiet, persönlichen Vorlieben und vom Budget ab. Wer Top-Performance sucht, kommt an X.0 oder XTR nicht vorbei. Mit etwas Cleverness lässt sich aber viel Geld sparen, indem man sich seinen individuellen Mix sucht. Alle Details zu den Schaltgruppen von Srams X.5 bis zur Shimano XTR finden Sie auf den nächsten Seiten.
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