MTB-Reifen im Test – 6 Kombis für Touren-Mountainbiker und 6 für Racer

Test: 12 MTB-Reifen-Kombis für Tour und Race


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MTB-Reifentest
Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Reifen Continental 26 Zoll
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MountainBIKE Reifen Continental 26 Zoll

 

MountainBIKE Reifen Maxxis 26 Zoll
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MountainBIKE Reifen Maxxis 26 Zoll
Sie fahren vorne und hinten den identischen Reifen? Dann sollten Sie umdenken! Immer mehr Hersteller bieten optimierte Reifen-Kombis an – zwölf Paare für Racer und Tourer hat MountainBIKE mit beispiellosem Aufwand getestet. Hier gibt's die Ergebnisse.

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Mountainbiken muss etwas mit Zauberei zu tun haben. Das gilt nicht nur für das Fassungsvermögen von Tagesrucksäcken, sondern auch für MTB-Reifen. Die Gummi-Rundlinge sind unter dem Strich das preiswerteste und wirkungsvollste Tuning-Teil am Mountainbike. Und das wohl spannendste, denn sie müssen Dinge vereinen, die sich eigentlich ausschließen. Da ist nachgerade schwarze Magie gefragt.

Schnell rollen sollen MTB-Reifen – und dennoch viel Grip, Kurvenhalt und Traktion bieten. Leicht sollen sie sein – und dennoch pannensicher. Dazu kommt, dass am Vorderrad und am Hinterrad andere Verhältnisse herrschen. So ist am „Antriebsrad“, also hinten, ein geringer Rollwiderstand wichtiger als an der Front. Umgekehrt muss der Vorderreifen über höheren Kurvengrip und mehr Bremstraktion verfügen.

Was also liegt näher, als clever zu kombinieren? Profi-Racer wie MoutainBIKE-Tester Torsten Marx machen dies schon lange so. Und auch die Industrie preist immer mehr Kombinationen an oder stellt spezielle Vorder- und Hinterreifen her, die sich etwa in der Gummimischung oder in der Stollenanordnung unterscheiden.

MountainBIKE lud die Hersteller daher erstmals zu einem Vergleichstest von optimalen Reifenkombinationen ein. Dabei durften Maxxis, Schwalbe & Co. jeweils zwei Reifenkombis für die Kategorien 26" Tour und 29" Race in den Test schicken.

Warum diese Größen? Bei Marathonisti hat sich 29" inzwischen durchgesetzt, das klassische 26"-Maß ist im Tourensegment stark verbreitet – und wird so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden. Natürlich bieten die meisten Hersteller ihre Reifen mittlerweile in allen drei Radgrößen an. Auch wenn die Ergebnisse sich nicht zu hundert Prozent auf 26", 27,5" oder 29" umlegen lassen, geben die Resultate eine grobe Orientierung.

Zwölf MTB-Reifensets im großen Vergleichstest

Während sich unter den MTB-Tourenreifen viele alte Bekannte wie Nobby Nic und Racing Ralph von Schwalbe sowie Mountain King II/X-King von Conti tummeln, finden Sie in der Kategorie Race neue, interessante Konzepte. Schwalbe schickte beispielsweise fürs Hinterrad den neuen Thunder Burt mit „Ministollen“ auf der Lauffläche und etwas gröberen Seitenstollen. Vorne setzt Schwalbe hingegen auf den bewährten Rocket Ron.

Continental geht noch einen Schritt weiter und schickte am Hinterrad den neuen, slickartigen Speed King ins Rennen. Dieser Leichtreifen besitzt statt Stollen auf der Lauffläche nur ein „schuppiges“ Profil – wie eine Schlangenhaut! Michelin, Specialized, Maxxis und Vredestein setzen den Neulingen bekannte Reifensets entgegen (siehe Testbriefe). Preislich liegen die Reifen im Test zwischen 35 Euro (Specialized) und 60 Euro (Maxxis) pro Reifen.

Race und Tour: Worauf kommt es an?

Ein Ziel der Hersteller ist es, den Reifen möglichst leicht, aber gleichzeitig pannensicher zu bauen. Letzteres wird meist durch eine verstärkte Flanke erreicht, wodurch das Gewicht des Reifens zunimmt und die Beschleunigung schlechter ausfällt. Bei den Mountainbike-Tourenreifen in diesem Test liegen die Gewichte zwischen knapp unter 500 g (Schwalbe Racing Ralph) und 691 g beim mit „Protection“-Karkasse massiv verstärkten Mountain King II.

In der Kategorie Race reicht die Spanne von sagenhaft leichten 419 g (Schwalbe) und arg schweren 678 g (Vredestein). Vergleicht man die Bedürfnisse von Racern und Tourern, sind die Anforderungen ähnlich, aber die Gewichtungen anders. Rennfahrer wünschen kompromisslosen Vortrieb und wählen deshalb superleichte Pneus, wollen aber auf die von Tourenfans favorisierte Pannensicherheit nicht gänzlich verzichten. Logisch, denn ein Plattfuß kostet im Rennen viel, viel Zeit.

Umgekehrt wollen auch Tourer leicht rollende Reifen, um auf Alpen- oder Mittelgebirgstouren Energie zu sparen. Aus diesem Grund testete MountainBIKE alle Reifen bei gleichen Bedingungen, legte jedoch die Bewertungsschwerpunkte so, dass bei den Race-Pneus das Gewicht eine größere Rolle spielt und bei den Tourenreifen der Pannenschutz. In den Testbriefen finden Sie die genaue Aufteilung in Prozentangaben.

Vor dem Praxistest fuhr ein MountainBIKE-Mitarbeiter mit sämtlichen Reifen in die Labore von Continental und Schwalbe, um auf deren bewährten Prüfständen Rollwiderstand und Pannenschutz zu messen. Danach fuhren drei erfahrene MountainBIKE-Tester alle Reifenkombinationen auf einer definierten Teststrecke im nassen sowie im trockenen Zustand im direkten Vergleich. Zusätzlich maß MountainBIKE via 2D-Datarecording auf einem abgesteckten Parcours die maximalen Kurvengeschwindigkeiten und die dabei entstehenden g-Kräfte.

Diese Werte sowie der von den Testern bewertete Kurven- und Traktionsgrip finden Sie in der Benotung „Grip trocken“ hier bei den Testergebnissen. Die Bewertung „Grip nass“ umfasst nur die subjektiven Eindrücke der Tester, da sich feuchte Bedingungen nicht genau genug für einen Datarecording-Test reproduzieren lassen. Mehr Details zum Testverfahren finden Sie auf dieser Seite.

Die Testergebnisse im Überblick

26-Zoll-Tourenreifen: Dank verstärkter Karkasse schneidet die schwere Continental-Kombi in puncto Pannensicherheit am besten ab. Doch auch Maxxis, Specialized und Schwalbe können hier überzeugen. Im Rollverhalten heißt der klare und leichte Sieger Schwalbe. In der Praxisbewertung verdient sich die Schwalbe-Kombi beim Trockengrip ebenfalls sehr gute Werte.

Das gilt auch für die Conti- und die hier überragenden Specialized-Reifen, die im Nassen aber noch einmal deutlich mehr Halt bieten. Beide Hersteller schwören am Vorderrad auf grobstollige Reifen, die in Kurven für viel Sicherheit und Vertrauen sorgen. Den besten Kompromiss aus Labor- und Praxisbewertungen bietet Schwalbe mit den bewährten Nobby Nic/Racing Ralph, dicht gefolgt von der günstigen Specialized-Kombi.

29er-Race-Reifen: Leicht, schnell und pannensicher, in diesen Disziplinen eilen Conti und Schwalbe der Konkurrenz davon. Nicht ganz überzeugen in Sachen Rollverhalten können die Kombis von Maxxis und die sehr schweren, dafür aber extrem pannensicheren Vredesteins. Einen gesunden Mix aus Traktion und Seitenhalt am Hinterrad bietet der neue Schwalbe Thunder Burt und überzeugt bei trockenen und nassen Bedingungen. Einzig Maxxis legt beim Trocken-Grip noch einen drauf.

Aber auch die Vredestein-Kombi kann in puncto Grip/Traktion mithalten und ist für Biker, die nicht aufs Gewicht schauen, ein echter Geheimtipp. Schwächen zeigt der neue Conti Speed King bei Nässe: Zwar ist die Traktion bergauf erstaunlich gut, dafür schneidet er beim Bremsverhalten weniger überzeugend ab.

Noch mehr Infos zum Thema MTB-Reifen:

Fotostrecke: So bauen Sie einen Spikereifen

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MountainBIKE: Spikereifen Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE: Spikereifen Foto: Benjamin Hahn
MountainBIKE: Spikereifen Foto: Benjamin Hahn

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10.04.2014
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 03/2014