10 Vario-Sattelstützen für Mountainbikes im Test (2017)

Test: 10 Vario-Sattelstützen


Zur Fotostrecke (10 Bilder)

Test Vario-Sattelstützen
Foto: Daniel Geiger

 

MOUNTAINBIKE 9Point8 Fall Line Dropper Post
Foto: Benjamin Hahn

 

MOUNTAINBIKE Bike Yoke Revive
Foto: Benjamin Hahn

 

MOUNTAINBIKE DVO Garnet
Foto: Benjamin Hahn

 

MOUNTAINBIKE E*Thirteen TRS+ Dropper
Foto: Benjamin Hahn
Vario-Sattelstützen sind von den meisten Mountainbikes nicht mehr wegzudenken. Dabei geht der Trend zu immer mehr Absenkung: 150 mm und mehr. Wir haben 10 Vario-Stützen des MTB-Jahrgangs 2017 getestet.
Zu den getesteten Produkten

Von uns getestet: 10 Vario-Sattelstützen

  • Während an aktuellen Bikes meist Vario-Stützen mit 125 mm Hub verbaut sind, gibt es auf dem Nachrüstmarkt jetzt viele Modelle mit 150 mm und mehr.
  • Die Originalpreise sind hoch! Ab rund 300 Euro geht’s los, das teuerste Modell kostet über 600 Euro! Im Online-Handel sind die meisten Stützen deutlich billiger.
  • Rock Shox und Kind Shock haben ihre Vormachtstellung eingebüßt und müssen sich einer Vielzahl neuer Konkurrenten stellen – gut für Endverbraucher!
  • Die Funktion sowie die Bedienbarkeit der meisten Stützen im Test ist sehr gut. Die Montage der innenverlegten Züge aber teilweise umständlich.
  • Leichte Modelle wiegen inzwischen keine 600 g mehr.

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
9Point8 Fall Line Dropper Post (2017) 600 Euro Sehr gut
Bike Yoke Revive (2017) 310 Euro Sehr gut
Fox Transfer Factory (2017) 369 Euro Sehr gut
Kind Shock LEV Integra (2017) 370 Euro Sehr gut
Rock Shox Reverb Stealth (2017) 514 Euro Sehr gut
YEP Uptimizer 2.0 (2017) 360 Euro Sehr gut
DVO Garnet (2017) 429 Euro Gut
E*Thirteen TRS+ Dropper (2017) 299 Euro Gut
Magura Vyron eLect (2017) 400 Euro Gut
Race Face Turbine Dropper (2017) 499 Euro Gut

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Wir brauchen mehr Hub! Dieses Motto haben sich die Hersteller von Vario-Sattelstützen für die aktuelle Saison 2017 offensichtlich auf die Fahnen geschrieben. Denn während die ersten dieser superpraktischen Helfer der MTB-Welt ihren Besitzer um mickrige 50–75 mm hoch- und runterlifteten, kommen nun Vario-Stützen mit 150–200(!) mm auf den MTB-Markt.

Für uns war deshalb klar, dass beim Test der 2017er Vario-Sattelstützen diese Langhüber her müssen. Unsere Fragen dabei: Hilft viel auch viel? Oder leidet die Funktion unter den mindestens 150 mm langen Standrohren? Ruckeln diese mehr beim Ein-/Ausfahren?

Vario-Stützen: Viel Absenkung passt nicht zu jedem

Jeder Zentimeter weiter, den die Vario-Sattelstütze einfährt, garantiert dem Mountainbiker in kniffligen Passagen mehr Spielraum auf dem Bike. Insofern ist mehr Hub ein Komfortgewinn. Aber eben nicht für jeden.

Gerade für kleine Biker/innen und ihre Bikes sind Vario-Stützen mit 150 mm oft zu lang, weil sie im ausgefahrenen Zustand dann über die eigentliche Sitzhöhe „hinausschießen“. Unter Umständen muss dann eine Stütze mit 125 mm Hub genügen.

Wie du rausbekommst, ob eine Vario-Stütze passt oder nicht, zeigen wir dir in der Vario-Stützen Kaufberatung.

Wir haben daher den Hub selbst nicht bewertet. Es kommt viel eher darauf an, ob die Hersteller der Vario-Sattelstützen auch technisch zu neuen Höhen aufgestiegen sind. Gut: Fast alle Stützen im Test fahren geschmeidig ohne spürbare Ruckler auf und ab, zeigen zudem nur wenig des nicht ganz zu vermeidenden horizontalen Spiels am Sattel – alles andere wäre bei so teuren High-End-Stützen aber auch enttäuschend.

Auffällig: Steht das Sitzrohr des Bikes sehr schräg (und damit auch die Sattelstütze), können sich Tauch- und Sitzrohr verkeilen. Dann ist der Anfangswiderstand erhöht. Einige Stützen (Bike Yoke Revive, Rock Shox Reverb Stealth) sind in der Hinsicht etwas anfälliger.

Geschwindigkeitskontrolle bei Stützen wird wichtig

Neben dem Hub haben sich die Hersteller der Bedienbarkeit ihrer Vario-Sattelstützen angenommen. Einige bieten wahlweise Hebel zur Ober- und Unterlenker-Montage an. Letztere nehmen bei MTB-Modellen mit Einfach-Antrieb die Stelle des „fehlenden“ linken Schalthebels ein – ergonomisch perfekt!

Ebenfalls klasse: Bei der Rock Shox Reverb Stealth und der Fox Transfer Factory lässt sich die Ausfahrgeschwindigkeit einstellen. Zusätzlich reguliert bei der Fox Transfer Factory (auch bei der Kind Shock LEV Integra und der YEP Uptimizer 2.0) der Daumendruck den Speed: Je stärker man drückt, desto schneller schnellt die Stütze empor.

Für den Biker ist dieses Feature auf dem MTB-Trail durchaus wichtig. Beispielsweise, wenn der Trail nach einer Abfahrt zwar flach, aber anspruchsvoll weitergeht. Dann gilt es, gleichzeitig im Sitzen halbwegs kurbeln zu können und trotzdem Bewegungsfreiheit zu haben.

Dazu muss der Sattel nicht komplett, sondern um ein paar Zentimeter angehoben werden. Stützen mit regulierbarer Geschwindigkeit sind hier im Vorteil. Insbesondere, wenn die Ausfahrgeschwindigkeit so hoch ist wie bei der Race Face Turbine Dropper, die fast unkontrollierbar nach oben schießt. Wir haben daher als erstes Testmagazin den Speed der Vario-Sattelstützen mit Lichtschranken exakt gemessen.

In die Benotung sind diese Werte aber nur in Extremfällen eingegangen, weil dies durchaus Geschmackssache ist. Wir finden aber, dass Vario-Stützen, die bei mittlerem Speed (circa 60–90 cm/s) sauber auf und ab gleiten, den Idealzustand erreichen.

Die Race Face Turbine Dropper war uns wie angesprochen zu schnell, die DVO Garnet und die Magura Vyron eLect zu langsam. Zumal bei Letzterer noch die deutliche Verzögerung durch die kabellose Fernbedienung hinzukommt.

Fotostrecke: Know-how: Vario-Sattelstütze einbauen

16 Bilder
MountainBIKE 0316 Vario-Stützen Einbau Werkzeug Foto: Drake Images
MountainBIKE 0316 Vario-Stützen Einbau Sitzhöhe markieren Foto: Drake Images
MountainBIKE 0316 Vario-Stützen Einbau Hebel montieren Foto: Drake Images

So haben wir die Vario-Sattelstützen getestet

Vario-Sattelstützen sind auf dem Trail gefragt, wenn es richtig ruppig und technisch wird. Insofern ist der Praxiseindruck elementarer Bestandteil des Tests.

Drei Tester haben die Stützen auf einer definierten, abwechslungsreichen Runde so oft wie möglich zum Einsatz gebracht. Dabei haben wir das Absenkverhalten, die Geschmeidigkeit beim Ausfahren oder das Horizontalspiel am Sattel beobachtet. Unter dem Punkt Funktion macht dies 35 Prozent der Endnote aus. Die Bedienbarkeit des Remote-Hebels haben wir ebenfalls in der Praxis bewertet. Sie beträgt 30 Prozent am Endergebnis.

Die ersten Punkte sammelten die Vario-Stützen bereits vor der Testfahrt bei der Montage. Ist diese größtenteils selbsterklärend? Gelingt der Einbau der Zugführung einfach? Wie schnell und gut lässt sich der Hebel montieren? In das Ergebnis fließen für die Montage 15 Prozent ein. Die übrigen 20 Prozent steuert das Gewicht der Stützen bei.

Außerdem haben wir in unserer Werkstatt erstmals die schnellstmögliche Ausfahrgeschwindigkeit jeder Stütze gemessen. Dabei musste jede Stütze unseren Testsattel vier Mal über 140 mm nach oben wuchten und passierte dabei zwei Lichtschranken (siehe Bild unten). Danach haben wir die durchschnittliche Zeit und auf deren Basis die Ausfahrgeschwindigkeit berechnet.

Warum nur über 140 mm und nicht über den gesamten Hub? Ganz einfach: Weil die von uns getesteten Vario-Stützen unterschiedliche Dämpfungen zu Anfang und am Ende des Hubs aufweisen und vergleichbare Werte nur auf einer vergleichbaren Strecke ermittelt werden können.

Bei den meisten der getesteten Vario-Stützen lässt sich über den Luftdruck in der Kartusche die Charakteristik der Eintauchgeschwindigkeit, aber auch die Ausfahrgeschwindigkeit regulieren. Wir haben die Stützen alle mit dem Luftdruck gemessen, mit dem sie bei uns angeliefert wurden.

Die Werte in den Testbriefen sind deshalb lediglich Anhaltspunkte. Wer es schneller oder langsamer mag, hebt oder senkt ganz einfach den Luftdruck passend zu seinen Vorlieben und/oder zum Fahrergewicht. Der Wert steht in den Testberichten, ist in das Endergebnis aber nicht eingerechnet.

Schließlich hat bei diesem Thema jeder Biker unterschiedliche Vorlieben. Manche mögen Stützen, die schnell aus- und einfahren. Wenn der Biker den Hintern zu weit unten hat, kann das beim Ausfahren aber unangenehm werden.

Deshalb ziehen es andere Biker vor, immer ein Gefühl für die Position ihres Sattels zu haben, was eher für gemäßigte Ausfahrgeschwindigkeiten spricht. Uns gefielen die Stützen mit moderatem Speed (50–90 cm/s) am besten.

 

MOUNTAINBIKE 0417 Vario-Sattelstützen Test
Foto: Benjamin Hahn Im MOUNTAINBIKE-Labor werden die Ausfahrgeschwindigkeiten der Vario-Sattelstützen gemessen.

Punktevergabe und Benotung der Vario-Stützen

Anhand einer Auswertungstabelle wird die Punktezahl für jede Vario-Sattelstütze aus dem Test errechnet und somit die Endnote bestimmt. Die Punkte erlauben eine feine Unterscheidung in der Beurteilung etwa zwischen zwei Produkten, die beide im „sehr gut“ liegen, aber dennoch nicht auf demselben Niveau abschneiden.

 

MOUNTAINBIKE 0417 Vario-Sattelstützen Punktevergabe
Foto: MOUNTAINBIKE Der Notenschlüssel zeigt, wie weit entfernt oder nah das Produkt an der nächsten Note liegt.

Die Vario-Sattelstützen im Test:

12.05.2017
Autor: Benjamin Büchner
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 04/2017