Test: 18 Radbrillen für Mountainbiker (2014)

18 Radbrillen für Mountainbiker im Test


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Test Sportbrillen für Mountainbiker
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Brillen im Test: Alpina Tri-Scray
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18 Radbrillen im Test

 

Brillen im Test: BBB BSG 45 Adapt
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18 Radbrillen im Test
Bike-Brillen sollen Schutz und klare Sicht unter allen Bedingungen bieten. Doch muss ein gute Radbrille auch teuer sein? MountainBIKE hat zehn günstige und acht hochpreisige Modelle getestet.

MTB-Helm, Brille, Handschuhe: Diese Schützer müssen Mountainbiker tragen! Doch anders als die Sturzschoner Helm und Handschuhe hat die Brille niemals "Pause". Denn Biken bedeutet rasante Action mit schnellen Abfahrten und technischen Trails in wilder Natur.

Vom Vorderrad aufgewirbelter Staub, Steine, Äste sowie herumschwirrende Insekten oder kalte Zugluft müssen jederzeit von Mountainbikers Auge ferngehalten werden, sonst drohen Irritationen, die die Sicht behindern können.

Eine Bike-Brille gehört daher zur Grundausstattung jedes Mountainbikers. Doch die Auswahl ist riesig und die Preisspanne immens. Die gute Nachricht: Bereits MTB-Brillen der Kaufklasse von 40 bis 100 Euro besitzen zumeist alle Ausstattungsmerkmale, die für top Performance nötig sind: mehrere Wechselscheiben aus bruchfestem Polycarbonat, clevere Systeme für schnellen Scheibenwechsel sowie rutschfest gummierte, anpassbare Bügelenden und Nasenauflagen.

Teure Highend-Brillen bieten Zusatz-Features wie diverse Gestellgrößen und Sehstärkenverglasung. Mit Preisen bis zu 300 Euro kosten sie aber auch ein Vielfaches. Um herauszufinden, ob guter Augenschutz auch teuer sein muss, hat MountainBIKE zehn Brillen der Kaufklasse und acht Highend-Modelle in der Praxis ausführlich getestet.

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Perfekte Passform sorgt für sicheren Sitz

Damit eine Bike-Brille Ihre Augen perfekt schützen kann, muss die Gestellweite zu Ihrer Kopfform passen. Ein zu breites Gestell bewirkt einen rutschigen Sitz und lässt Fahrtwind ans Auge dringen, ein zu schmales Gestell kann Druckstellen hervorrufen.

Alpina, Bollé, Swiss Eye und Oakley bieten ihre Brillen in einer Variante für Biker mit schmalem Gesicht an, die Evil Eye Halfrim Pro von Adidas ist sogar in drei Größen (XS/S/L) erhältlich. Testen Sie daher verschiedene Modelle ausgiebig vor dem Kauf im Shop und passen Sie, wenn möglich, Bügel­enden und Nasenauflage an.

Ob die Brille rutschfest sitzt, können Sie leicht überprüfen, indem Sie Schüttelbewegungen mit dem Kopf ausführen. Tipp: Bringen Sie auch Ihren Helm zur "Anprobe" mit, denn gerade geformte Bügelenden können an den hinteren Bereich der Helmschale stoßen.

Kaufklasse-Brillen sind komfortabler

Ein fünfköpfiges Testteam prüfte Tragekomfort und sicheren Sitz der Brillen auf zahlreichen Rüttelpisten-Abfahrten. Das Ergebnis floss mit 25 Prozent in die Endnote ein. Bestnoten für höchsten Tragekomfort erhielten die Modelle von Casco, Shimano und Adidas mit hervorragender Rahmen-Passform (Casco) und Anpassungsoptionen (Adidas/Shimano).

Überraschend: Das durchschnittliche Komfort-Niveau der Kaufklasse-Brillen übertrifft das der Highend-Modelle, da diese meist nur eine verformbare Nasenauflage bieten. Die Modelle von Julbo und Poc verrutschten bei starken Erschütterungen. Die Nasen-Aussparung an den Scheiben der Endura fällt zu schmal aus und erzeugte bei einigen Testern Druckstellen am Nasenrücken durch den aufliegenden Scheibenrand.

Je besser Glasrand und Rahmen mit den Konturen des Gesichts abschließen, desto höher die Schutzwirkung einer Bike-Brille (25 Prozent der Endnote). Nach penibler Anpassung prüften die MountainBIKE-Tester sämtliche Kandidaten auf Schlupflöcher an Rahmen und Scheibenrändern in einer schnellen Abfahrt mit starkem Fahrtwind.

Höchste Schutzwirkung erzielen die Brillen von Rose, Swiss Eye und Adidas. Rose und Adidas erreichen den perfekten Abschluss zur Wangenpartie durch ihre im Neigungswinkel verstellbaren Bügel, die große Scheibe der Swiss Eye sitzt per se nah am Auge und schützt dadurch bestens. Die drei Modelle mit geschlossenem Rahmen (BBB, Poc, Smith) schützen sehr gut, da dieser den Brillenrand nach unten abdichtet.

Die Modelle von Alpina, Endura, Uvex, Gloryfy und Julbo ließen am unteren Scheibenrand Wind sowie kleine Schmutzpartikel eindringen. Eine große Scheibe gewährt dem Biker beste Sicht auf den Trail, doch Reflexionen, breite Nasenstege, Rahmenkanten oder Logos können das Sichtfeld (25 Prozent der Endnote) stören.

Mit den überaus großen Scheiben von Endura, Swiss Eye und Oakley kommt wahres Panorama-Feeling auf. Das Niveau fast aller weiteren Probanden ist sehr gut. Die Casco besitzt hingegen recht kleine Scheiben, bei Julbo und Poc drängt sich der Rahmen ins Sichtfeld.

Vollausstattung zum Spartarif

Vergleicht man die mitgelieferte Ausstattung (15 Prozent der Endnote) der Kaufklasse-Modelle mit der High­End-Liga, punkten sechs günstige, aber nur zwei teure Brillen mit top Ausstattung. Für drei Paar Wechselscheiben, ein stabiles Brillenetui (Hardcase) samt Aufbewahrungsbeutel vergab MountainBIKE die volle Punktzahl.

Bollé, Gloryfy, Rudy Project und Sziols rüsten ihre Modelle ab Werk mit nur einer Scheibe aus, schützen diese aber mit einem soliden Brillenetui. Die Gotha Team von Zero Rh+ ist mit einer Scheibe plus Beutel recht mager ausgestattet.

Wechselnde Lichtverhältnisse verlangen nach unterschiedlichen Tönungen. Doch selbsttönende Gläser sind nur bedingt zum Biken geeignet, da sie zu träge auf veränderte Lichtsituationen reagieren und bei kälteren Temperaturen trotz Dunkelheit "zumachen".

Zudem ist ein Ersatz der Hightech-Scheiben bei Beschädigung kostspielig. Ein Satz Wechselscheiben ist daher fast immer die bessere Wahl. Aber nur, wenn der Gläsertausch leicht von der Hand geht.

Die klassische Technik mit hakenförmig gefrästen Glasrändern, die im Brillenrahmen verkantet werden, funktioniert bei Julbo und Rudy Project perfekt. Doch auch mit innovativen Wechselsystemen wie bei Alpina, Adidas und Sziols ist der Gläsertausch rasch erledigt. Systembedingt ist der Scheibenwechsel an Modellen mit durchgehender Scheibe etwas umständlicher.

Mit top Schutz und großem Sichtfeld erringt Swiss Eye den Testsieg im Kaufklasse-Segment. Die üppig ausgestattete, günstige Rose erhält den Kauftipp. Bestnoten für Tragekomfort, Schutz und Glaswechsel sichern Adidas den Testsieg der High-End-Klasse. Die überaus flexibel anpassbare Rudy Project erringt den begehrten Kauftipp.

Kurz und Knapp:

Bike-Brillen schützen das Auge vor Verletzungen und gehören an jeden cleveren Biker-Kopf. Achten Sie auf sicheren Sitz, flexible Anpassung und schnellen Scheibenwechsel. Für 90 Euro bieten aktuelle Brillen höchsten Schutz, großes Sichtfeld und umfangreiche Ausstattung.

01.08.2014
Autor: Christian Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2014