Test: 15 Sportbrillen bis 100 Euro für Mountainbiker

15 Radbrillen für Mountainbiker im Test


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Bike-Brillen Test
Foto: Christoph Laue

 

720Armour Speeder
Foto: Benjamin Hahn

 

720Armour Speeder

 

Alpina Tri-Praffix 3.0
Foto: Benjamin Hahn

 

Alpina Tri-Praffix 3.0
Wenn der Trail ruft, bieten Bike-Brillen zuverlässigen Schutz und klare Sicht. MountainBIKE hat 15 aktuelle Radbrillen bis 100 Euro getestet.
Zu den getesteten Produkten

Auf Trails und bei der Mountainbike-Tour gilt absolute Brillen-Pflicht. Die Preisspanne für die Radbrillen reicht von der Universal-Sportbrille mit starrem Kunststoffgestell für etwa 30 Euro bis zu Highend-Modellen für über 200 Euro, die zahlreiche Anpassungsoptionen und optionale Sehstärkenverglasung gegen Aufpreis bieten.

Bike-Brillen der Kaufklasse von 40 bis 100 Euro verfügen bereits meist über diverse Wechselgläser aus bruchfestem Polycarbonat, anpassbare Bügelenden und/oder Nasenauflagen sowie ausgereifte Wechselsysteme. MountainBIKE lud daher 15 aktuelle und bezahlbare Sportbrillen für Mountainbiker dieser Klasse zum Praxistest und verglich Tragekomfort, Handhabung und Ausstattung der Testkandidaten.

Im Testfeld finden Sie Bike-Brillen mit offenem und geschlossenem Rahmen. Vorteil der von Racern bevorzugten Sportbrillen mit unten offenem Rahmen sind ein oftmals unkomplizierter Glaswechsel sowie ein größeres Sichtfeld, da es von keinem Rahmen begrenzt wird. Im Fall eines Sturzes können die Scheibenränder jedoch das Gesicht verletzen.

Radbrillen mit geschlossenem Rahmen bieten besseren Schutz vor Zugluft und dem vom Vorderreifen aufgewirbelten Schmutz, beschlagen aber in der Regel schneller und sind meist etwas schwerer.

Wie die Passform der Radbrille, so der Schutz

Die beste Radbrille kann nur schützen, wenn sie zur Gesichtsform des Trägers passt. Ein zu schmales Gestell verursacht Druckstellen, ein zu breites einen rutschigen Sitz. Zudem müssen die Gläser perfekt mit den Augenhöhlen abschließen, sonst können Zugluft und Schmutz zu leicht eindringen. Testen Sie das favorisierte Modell vor dem Kauf daher unbedingt ausgiebig. Druckstellen machen sich manchmal erst nach einigen Minuten bemerkbar!

Ein fünfköpfiges Testteam überprüfte den Tragekomfort der Brillen auf unzähligen Trail-Kilometern. Das Ergebnis ging mit 25 Prozent in die Endnote ein: Die komfortabelsten Brillen besitzen verformbare Bügel und Nasenauflagen (Uvex, Shimano). Selbst in harten Rüttelpassagen „klebten“ diese Brillen förmlich an Nase und Ohren. Mit sehr sicherem Sitz überzeugten zudem die Modelle von Rodenstock, Limar, Alpina und Swiss Eye die MountainBIKE-Tester.

Schlechter schnitten die Sport-Lifestyle-Brillen von Casco und Gloryfy ab. Fehlende Verstell­­optionen und glatte, nicht gummierte Bügel bewirken einen rutschigen Sitz. Die nach innen gebogenen, zudem nicht justierbaren Bügel der KED verursachten bei einigen Testern Druckstellen.

Die Schutzwirkung der Radbrillen (25 Prozent der Endnote) wurde bei starkem Fahrtwind überprüft: Schlecht abschließende oder zu kleine Scheiben sowie Schlupflöcher an Rahmen und Fassungen spürte das MountainBIKE-Testteam schnell auf. Die theoretisch höchste Schutzwirkung erzielen die Scheiben von Casco und Rose – beide Testkandidaten sitzen jedoch undefiniert-rutschig, weshalb die ­eigentlich überragende Bewertung um einen Punkt herabgesetzt wurde.

Die Brillen von Uvex und Shimano vereinen sicheren Sitz und Windschutz am besten, zudem dichtet ihr geschlossener Rahmen das Auge gegen aufgewirbelten Schmutz passgenau ab. Eine überragende Performance wie etwa die Adidas Agilis (siehe Extra-Kasten „Referenzbrillen“) bot jedoch keine der hier getesteten Brillen. Die Formgebung und der Abstand des Glasrands zum Gesicht bei den Modellen von 720armour, Northwave und Rodenstock ließen Fahrtwind eindringen.

Reflexionen der Scheibe, Logos sowie breite ­Nasenstege und wuchtige Rahmen können das Sichtfeld (25 Prozent der Endnote) der Radbrille einengen. Race-typische Brillen mit unten offenem Rahmen wie die Modelle von Ked und Rodenstock sind hier durch die tief gezogenen Gläser systembedingt im Vorteil, aber auch generell ist das Niveau der Testkandidaten erfreulich hoch!

Kritik ernteten die Logos auf den Gläsern der 720armour sowie der etwas zu breite Rahmen der Uvex. Da Labormessungen in vergangenen Ausgaben zeigten, dass sowohl günstige als auch teure Brillengläser durchgängig mit hoher optischer Güte aufwarten, sah MB von einer erneuten Überprüfung ab.

Tipp: Achten Sie beim Brillenkauf auf die Tönungsvarianten der Wechselscheiben. Besonders wichtig: Die graue Scheibe darf nicht zu dunkel fürs Biken im Wald ausfallen. Im Lieferumfang von sieben Herstellern sind drei Scheiben enthalten, Endura und Limar liefern gar vier Gläser.

Neben dem Lieferumfang flossen auch Anpassungsoptio­nen wie verstellbare Nasenstege und Bügel in die Bewertung der Ausstattung (15 Prozent der End­note) ein. Uvex und Endura liefern ein rundes ­Paket ab, die Lifestyle-Brillen von Casco und Scott kommen nur in einem Aufbewahrungsbeutel.

Trotz geschlossenen Rahmens besitzen Gloryfy und Uvex handlich-intuitive Wechselsysteme. Ebenfalls top: Endura. Als nervig empfanden die Tester den Scheibentausch an der BBB Select. Uvex holt den Testsieg für top Tragekomfort, Ausstattung und Handhabung. Doch auch Rose und Endura bieten trotz leichter Abstriche bei Komfort und Schutz sehr gute Funktion – Kauftipp!


25.09.2012
Autor: Christian Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 09/2012