18 MTB-Helme im Labor- und Praxis-Test

So testet MountainBIKE die Helme

Crashtest im Messlabor: Am Prüfstand des TÜV Süd wurden alle Helme einem umfangreichen Sicherheitstest unterzogen. Im Praxistest überprüfte MB den Tragekomfort und die Handhabung der Helme.

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Bell Variant Foto: Benjamin Hahn
Bell Sweep Foto: Benjamin Hahn
Catlike Kompact ‘0 Foto: Benjamin Hahn

Labormessung
Seit 1997 müssen alle in der EU angebotenen Fahrradhelme den Sicherheitsstandard der EN 1078 erfüllen. Die Zulassung erfolgt durch zertifizierte Prüfinstitute wie den TÜV SÜD, den MountainBIKE mit der Durchführung der Sicherheitsprüfung nach EN-Standard beauftragte. Zur Ermittlung der Dämpfungsleistung eines Helms fällt ein Prüfkopf aus einer Höhe von ca. 1,50 Metern samt Helm auf einen flachen Sockel.

Zwei Prüfmuster des Helms müssen je drei Falltests an definierten Auftreffpunkten überstehen. Mittels Sensoren werden die Beschleunigungswerte im Prüfkopf in g=9,81 m/s2 gemessen (1 g entspricht der normalen Erdbeschleunigung). Der gemessene Wert muss kleiner als 250 g sein, damit ein angemessener Verletzungsschutz in der Praxis gegeben ist und der Helm die EU-Zulassung erhalten kann. Zum Vergleich: Wirken fünf bis sechs g für einige Minuten auf den menschlichen Körper, kann dies zu Bewusstlosigkeit führen.

Tritt die Kraft aber als kurzer Impuls auf, verträgt der menschliche Körper (hier der Kopf) eine höhere Beschleunigung. Werte um 250 g können als kurzer Impuls etwa „nur“ eine Gehirnerschütterung hervorrufen. Im Test unterschritten die durchschnittlichen Messwerte aller Helme die Höchstmarke von 250 g.

Zudem ließ MB die Helmschalen nach EN 1078 auf ihre Stabilität überprüfen: Hierzu fällt der Helm aus 1,13 Metern auf einen Kerb-Sockel, der eine Bordsteinkante simuliert. Als Auftreffpunkt wählten die Experten des TÜV Süd eine vermeintliche Schwachstelle des Helms aus, etwa eine Belüftungsöffnung. Auch bei diesem Test durfte keiner der Helme die Grenze von 250 g überschreiten.

Wichtig: Die Helmschale kann nur schützen, wenn sie sicher sitzt. Ein fest arretierbares und stabiles Tragesystem verhindert im Fall eines Sturzes das Abrutschen des Helms. Zur Überprüfung der Tragevorrichtung wird im Roll-Off-Test ein Seilsystem am hinteren Ende des Helms befestigt. Mittels eines Fallgewichts wird geprüft, ob die Beriemung diesem Fangstoß standhält. Zur Erfüllung der Norm darf der Helm nicht vom Prüfkopf abrutschen.

Zudem führten die TÜV-Experten einen Stabilitätstest an den Riemen der Helme durch. Hierbei wird der Kinnriemen um ein künstliches Kinn gelegt und per Fallgewicht belastet. Die Dehnung der Riemen liefert Anhaltspunkte zur Beurteilung der Festigkeit des Tragesystems.

Praxistest

Tragekomfort, Passform und die Handhabung der Helme standen im Fokus des Praxistests, den MountainBIKE mit acht Probanden der Testcrew durchführte. Diese deckte Druckstellen, fummelige Verstellsysteme und Schwächen in der Anpassung schnell auf.

Bewertungsschema

Die Schutzwirkung floss mit 40 Prozent in die Endnote ein. Da alle getesteten Helme die Anforderungen der Norm deutlich unterschreiten, erhielten alle Helme eine Mindestwertung von drei Punkten. Die Messergebnisse zum Roll-Off-Test und der Riemenprüfung sind stark von der Kopfform des Trägers abhängig, weshalb diese nicht in die Benotung einflossen.

Traten jedoch Defekte oder Mängel auf, die im Ernstfall die Sicherheit beeinträchtigen können, gab es Punktabzug bei der Sicherheitswertung. Anpassung, Tragekomfort und Gewicht des Helms gingen mit je 20 Prozent in die Endnote ein.


Inhaltsverzeichnis

04.06.2012
Autor: Christian Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2012