Neun Action-Kameras für Mountainbiker im Test

Test: Neun Action-Cams für Mountainbiker


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Action-Cams
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Kamera-Test
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Action-Kameras für Mountainbiker im Test
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Kamera-Test
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Ein Mini-Camcorder bringt Ihre MTB-Action ­direkt ins Wohnzimmer. Doch welche Kamera ist die richtige für Biker? MountainBIKE hat neun brandaktuelle Modelle in Zusammenarbeit mit VIDEOAKTIV einem Praxis- und Labortest unterzogen.

"Wahnsinn, unfassbar, genial, purer Flow!" Selbst eloquenten Bikern fehlen oft die Worte, um die Glücksmomente und den Nervenkitzel ihrer Trail-Abenteuer zu schildern. Deshalb lassen sie zunehmend Bilder sprechen.

Videorecorder im Mini-Format, sogenannte Action-Cams, begleiten Biker auf rasanten Abfahrten und liefern Videos in HD-Qualität aus jeder denkbaren Perspektive: An Helm, Lenker, Körper und verschiedenen Punkten des Bikes montiert, filmen sie auf Wunsch die Blickrichtung des Fahrers, das Spiel der Federelemente oder auch den Blick nach hinten, etwa auf einen Bike-Kumpel in der "Verfolgerrolle".

Günstige Modelle sind schon für unter 200 Euro zu haben und versprechen wackelfreie, scharfe Bilder, einfache Bedienung und problemlose Funktion. Doch wie viel Geld muss der Trail-Regisseur investieren, um die Faszination des Bikens realistisch einfangen zu können?

Damit niemand sprachlos (diesmal vor Enttäuschung) von der letzten Bike-Tour berichten muss, hat MountainBIKE in Zusammenarbeit mit Experten des Fachmagazins VIDEOAKTIV neun Cams auf Bild- und Tonqualität, die Bedienung im Praxiseinsatz, die Montagefreundlichkeit sowie die Ausstattung und Akkulaufzeit untersucht.

Scharfe Sache: Die Bildqualität ist entscheidend

Die Preisspanne der getesteten Action-Cams reicht von der günstigen Midland für 189 Euro bis zum brandneuen Modell des Action-Kamera-Pioniers GoPro, der Hero 3+ Black Edition für 449 Euro. Eine gewaltige Differenz, zumal der GoPro in dieser Ausstattungsvariante außer einer WiFi-Fernbedienung nicht viel teures Zubehör beiliegt.

Aber: Die wahren Unterschiede zwischen den Action-Cams zeigen sich in der Qualität der aufgezeichneten Videos. Eine fehlende Halterung etwa lässt sich für wenige Euro im Zubehörshop des Herstellers leicht nachkaufen – eine schlechte Aufzeichnungsqualität ist nicht zu ändern.

Damit die Spannung und Action einer Bike-Abfahrt nicht in Bildfehlern und Aussetzern untergeht, müssen die Mini-Camcorder auch bei Erschütterungen scharfe Bilder liefern. Dies schaffen die Kameras entweder per elektronischer Bildstabilisierung oder mittels eines möglichst großen Weitwinkels. So viel zur Theorie.

Ganz und gar untheoretisch ging es beim Dreh der Testvideos auf der Downhill-Strecke im Bikepark Albstadt zu. Erschütterungen durch verblockte Passagen und Sprünge sowie schnelle Hell-dunkel-Wechsel verlangten den Kameras alles ab. In der Beurteilung der Bild- und Tonqualität durch Joachim Sauer, Chefredakteur von www.videoaktiv.de, liegen die Modelle von Drift, GoPro und Sony an der Spitze. Auch bei stärkstem "Gerüttel" und stetiger Veränderung der Lichtsituation zeigen die Testvideos detailreiche Bilder ohne starke Wackler oder Unschärfen.

Große Unterschiede bei der Tonqualität

Die Unterschiede bei den drei besten Modellen liegen vor allem in der Tonaufzeichnung. Hier liefert Sony den besten "Sound" vor GoPro und Drift. Generell eignen sich die Tonspuren selbst der besten Cams aber allenfalls zum gelegentlichen Würzen des Videos mit O-Tönen, da der Fahrtwind die Aufnahmen meist verrauscht. Ihre fertig geschnittenen Bike-Videos sollten Sie daher mit Musik unterlegen und die Szenen für sich sprechen lassen.

Gute Aufnahmen liefern die Sony HDR-AS30V und die technisch nahezu baugleichen Modelle von Beastvision und Rollei sowie die JVC. Sie können in puncto Schärfe und/oder Farbabstimmung nicht mit den Besten konkurrieren, stimmungsvolle Action-Videos sind mit diesen Modellen jedoch ohne Weiteres möglich.

Die Kameras von Camsports, Midland und Telefunken liefern bei ruhigen Rollpassagen ansprechende Bilder, sind mit heftigen Erschütterungen auf Rüttelpisten jedoch sichtbar überfordert, zeigen verwaschene Bilder und teils starke Bildstörungen und Artefakte. Zwar sind viele Biker Technik-Freaks, die erfolgreiche Konfiguration einer Action-Cam sollte jedoch auch für durchschnittlich Versierte schnell verständlich sein und im Idealfall nicht länger als ein paar Minuten in Anspruch nehmen.

Kleinere Mankos bei der Bedienung

Das Gros der Kameras bietet eine komfortable Bedienung, oft jedoch mit kleineren Mankos – mit denen man sich in der Regel aber nach etwas Eingewöhnungszeit arrangiert. Beispiele gefällig? Einige Modelle müssen vor dem Einsetzen in das Gehäuse eingeschaltet werden (Beastvision, Rollei), andere besitzen schwergängige Schalter und Knöpfe (JVC, Midland, Telefunken).

Die Klickhalterung der Drift ist etwas umständlich an der Cam zu montieren. Die Ein-Knopf-Bedienung der Camsports fiele mit einem größeren Knopf leichter. Die Bedienung der Cams von GoPro und Sony wird durch das kleine Display erschwert.

Damit die Kamera nicht zu starken Erschütterungen ausgesetzt ist und sicher und fest sitzt, sind solide, leicht zu montierende Halterungen Pflicht. Die Halterung der GoPro mit Kunststoffpads zum Aufkleben und Klickadaptern sitzt bombenfest und wackelfrei. Rollei und Beastvision liefern ähnliche Halter. Doch auch die Montage der Camsports per Klettstreifen oder Klickadapter gelingt schnell und fixiert die Kamera sicher.

Die Helmhalterungen von Midland und Telefunken neigen hingegen zum Klappern. Per se stabil konstruiert, besitzt der Montagefuß der JVC ein Kugelgelenk, dessen Schraube zur sicheren Fixierung der Kamera extrem fest angezogen werden muss.

Action-Cams mit integriertem Display

Eine wichtige Frage, die sich Biker vor dem Kauf einer Action-Cam stellen sollten: Brauche ich ein integriertes Display? Dieses Ausstattungsmerkmal erleichtert die Wahl des richtigen Bildausschnitts, den Sie nach einer kurzen Probefahrt direkt auf dem Trail kontrollieren können. Mit Beastvision, Drift, JVC, Rollei und Telefunken besitzen fünf Testkandidaten ein Display ab Werk.

Bei der GoPro kann dieses nachgerüstet werden, wodurch jedoch der Kauf eines größeren Gehäuses fällig wird. Zusatzkosten? Happige 158 Euro! Immerhin bietet GoPro wie viele andere Hersteller eine kostenlose App zur Kontrolle des Bilds via Smartphone an. Bei den Modellen von Camsports und Midland müssen Biker den richtigen Bildausschnitt durch langwieriges Ausprobieren finden.

Ein umfangreiches Angebot an mitgeliefertem Zubehör wie etwa verschiedene Halterungen, Ersatzakkus oder eine Fernbedienung sorgt für alternative Montagepunkte und mehr Bedienkomfort. Beastvision, Rollei und Drift bieten das umfassendste Ausstattungspaket. Sony und Midland statten ihre Kameras nur mit Klebehalterung und wasserdichtem Gehäuse aus, auch ein Display zur Bildkontrolle fehlt diesen beiden Modellen. Bei GoPro und JVC bekommt der Käufer angesichts der jeweils recht hohen Preise ebenfalls eine magere Ausstattung "ab Werk".

Und welche Action-Cam ist nun die beste? Die Drift liefert fast so exzellente Videos wie Sony und Marktführer GoPro, bietet aber im Vergleich die bessere Bedienung und deutlich mehr Ausstattung – Testsieg! Rollei und Beastvision punkten ebenfalls mit viel Zubehör, liefern gute Bilder und erhalten dafür den MountainBIKE-Kauftipp.

16.01.2014
Autor: Christian Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 01/2014