MTB-Beleuchtung: 10 Lampen ab 200 Euro im Test

Zehn Bike-Lampen im Test


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Bike-Lampen
Foto: Colin Stewart

 

BBB Highpower BLS-63
Foto: Benjamin Hahn

 

Busch & Müller Ixon IQ Speed
Foto: Benjamin Hahn

 

Light & Motion Stella 300
Foto: Benjamin Hahn

 

Lupine Piko 3
Foto: Benjamin Hahn
Biken zu nächtlicher Stunde, das entwickelt zweifellos seinen eigenen Reiz. Um ihn zu entdecken, braucht es aber potente Bike-Lampen. MountainBIKE hat 10 Modelle getestet.
Zu den getesteten Produkten

Das Angebot an Bike-Lampen ist vielfältig und reicht vom batteriebetriebenen „Anklipp-Lichtset“ mit Straßenverkehrszulassung um 30 Euro bis zum umfangreich programmierbaren Highend-Scheinwerfer mit Hochleistungsakku für über 800 Euro. Für nachtaktive Biker lautet demnach die Frage: Welche Lampe ist die richtige, um Lieblingstrails nicht nur im Traum absurfen zu können?

Zehn aktuelle Modelle lud MountainBIKE zum Labor- und Praxistest, darunter sechs Leuchtsysteme um 200 Euro. Im Gegensatz zu billigeren, für den Trail-Einsatz ungeeigneten Batterieleuchten, besitzen Bike-Lampen dieser Preisklasse bereits einen (separaten) Lithium-Ionen-Akku, der den Lampenkopf für viele Lichtstunden mit einer hohen Energieleistung versorgen kann. Bis auf die Lupine Piko 3 erzeugen die Lampen dieser Preisklasse ihren Lichtkegel mit einer LED.

Greift man tiefer in den Geldbeutel, erhält man mit teuren Lampensys­temen ab 350 Euro Zugang zur Königsklasse der Trail-Scheinwerfer. Bis zu sieben LEDs, eine meist deutlich höhere Lichtabgabe sowie umfangreiche Optionen zur Programmierung der Leuchtfunktio­nen versprechen Spitzenleistung und individuelle Abstimmung zugleich. Vier spannende Vertreter des Highend-Segments ließ MountainBIKE gegeneinander antreten.

Biker mögen es hell und breit

Damit beim Biken auf nächtlichen Trails Fahrfreude aufkommt, muss die Lampe drei zentrale Kriterien erfüllen. Zunächst ist die Helligkeit einer Leuchte besonders wichtig. In einem hellen Lichtkegel kann der Biker Details wie Wurzeln, loses Geröll, aber auch nachtaktive Tiere leichter erkennen und darauf reagieren. Die Helligkeit einer Leuchte wird in Candela gemessen.

Ebenso wichtig für die Leuchtkraft einer Lampe ist der Lichtstrom, der in Lumen angegeben wird. Aufgepasst: Viele Hersteller werben mit sehr hohen, aber nur theoretisch errechneten, nicht mit gemessenen Lumen-Werten.

Eine möglichst breite, runde Abstrahlung der Lichtquelle lässt den Biker die Umgebung besser erkennen wie etwa in die Fahrspur ragende Äste. Doch Achtung: Wollen Sie nach der Biketour den Heimweg auf Asphalt zurücklegen, ist eine Lampe mit Straßenverkehrszulassung Pflicht! Nur zwei der zehn Kandidaten (Busch & Müller, Supernova) erfüllen die Vorgaben der StVZO und sind in den Grafiken zur Abstrahlcharakteristik (zu sehen bei den getesteten Lampen) leicht an ihrem im oberen Bereich abgeschnittenen Lichtkegel erkennbar.

Dieses Leuchtbild vermeidet eine Blendung von Gegenverkehr und Umwelt und erzeugt auf Straßen einen gleichmäßigen Lichtwurf. Die Rundum-Ausleuchtung auf dem Trail wird hierdurch aber konstruktionsbedingt eingeschränkt.

Um auf dem Trail für Sicherheit und Fahrspaß zu sorgen, muss eine Bike-Leuchte drittens für die Montage am Helm geeignet sein. Zwar wirft eine am Lenker montierte Lampe das Licht in einem flacheren Winkel auf den Trail, wodurch die Konturen des Untergrunds durch Schattenwurf besser hervortreten – zudem erspart sie dem Biker zusätzliches Gewicht am Helm und ist recht schnell montiert.

Das für sicheres Biken essenzielle „vorausschauende Fahren“ ist jedoch nur mit einer korrekt am Helm montierten Lampe möglich, da sie stets die Blickrichtung des Fahrers beleuchtet – wie in modernen Autos, deren Systeme zur fahrtrichtungsbezogenen Lichtsteuerung als „adaptives Fahrlicht“ bezeichnet werden. Für beste Ausleuchtung montieren Biker ohne Geldsorgen je eine Lampe an Lenker und Helm.

Viel Licht für wenig Geld

Dass eine sehr gute Lichtleistung keine Preisfrage ist, zeigt der Labortest, den MountainBIKE an einem speziellen Prüfstand der Hochschule Heilbronn durchführte (siehe Unterseite „So hat MountainBIKE die Bike-Lampen getestet“).

Mit einem Lichtstrom-Wert von 277 Lumen erzielt die preiswerte Sigma das zweitbeste Ergebnis in der Vernunftsklasse. Die Lupine Piko 3 erreicht mit zwei LEDs und 408 Lumen den höchs­ten Wert unter den günstigen Leuchten, steht mit 265 Euro aber auch preislich an der Spitze ihres Testfelds. Schlechter schneiden die Lampen von BBB und Busch & Müller ab.

In der Topklasse über 350 Euro schüttelt die sündhaft teure Lupine Betty 12 mit 1290 Lumen(!) die Konkurrenz ab. Doch auch die knapp 700 Lumen der My Tiny Sun sind ein sehr hoher Wert, der im Vergleich aber nur für ein „gut“ reicht. Die Werte gingen mit 20 Prozent in die Gesamtwertung ein.

Eine gleichmäßige Lichtverteilung ist für die Performance der Lampen beim Trail-Einsatz besonders wichtig. Neben den Labormessungen, die mit weiteren 20 Prozent in die Bewertung einflossen, wurden daher alle zehn Lichtbringer bei Nacht (und Nebel) auf einer definierten Testrunde im Stuttgarter Umland getestet. Der gewonnene Fahreindruck floss mit weiteren 20 Prozent in die Wertung ein.

In den meisten Fällen deckten sich die Labormessungen mit dem Fahreindruck des Praxistests: Auch in der Lichtverteilung und im TrailTest liegt die kleine Piko 3 von Lupine vorne. Ihr gleichmäßiger und sehr breiter Lichtkegel sorgt für top Übersicht auf verwinkelten, technischen Trails und lässt Details noch deutlich genug hervortreten.

Doch auch die Lampen von Light & Motion, Sigma und die StVO-zugelassene Supernova schaffen mit ihrem Lichtkegel guten bis sehr guten Überblick. Die punktuell strahlende BBB erhellte nur einen kleinen Bereich. Bei den Top-Lampen sorgten Lupine und My Tiny Sun für bes­te Sicht.

Der helle Lichtkegel der Expo­sure Lights wirkte in der Praxis schmaler, als die Messungen erwarten ließen. Anders die Silva, deren schwaches Laborergebnis sich in der Praxis nicht bestätigte. Dennoch bleiben Trail-Details mit ihr oft unerkannt.

Auch die Handhabung der Lampe entscheidet über ihren Nutzwert (20 Prozent der Endnote). Die Montage an Helm und Lenker, die Bedienung mit Handschuhen im Dunkeln und die Auswahl und Anwendung der verschiedenen Lichtmodi wurden überprüft.

Alle günstigen Lampen liegen hier auf einem hohen Niveau, allen voran die BBB mit ihrer leicht montierbaren Halterung und der intuitiven Bedienung. Bei den Highend-Lampen protzt die Lupine Betty mit programmierbarer Akkustandanzeige und auf Wunsch stufenloser Dimmung. Das komplexe Schaltmenü und die unausgereifte Helmhalterung der My Tiny Sun sowie der zähe Druckpunkt der Silva und ihre fehlende Akku­standanzeige ernteten Kritik.

Um die Laufzeit des Akkus vergleichend zu testen (zehn Prozent der Endnote), wurden die Lampen in der höchsten Leuchtstufe getestet – die Modelle von Busch & Müller und Sigma dimmten sich trotz praxisgerechter Kühlung aufgrund von Überwärmung herab – Gleiches widerfuhr den Top-Lampen von Exposure Lights, My Tiny Sun und Silva.

Hier wurde die Herstellerangabe zur Laufzeit in die Bewertung aufgenommen. Das Gewicht floss mit zehn Prozent in die Wertung ein. Leichteste Lampe im Test ist die Supernova (176 g), die schwerste heißt Lupine Betty (655 g).

Lupine schnappt sich in beiden Preisklassen den Testsieg mit höchster Lichtleis­tung, perfekter Ausleuchtung und besten Praxiseindrücken. Der Vernunftklasse-Kauftipp geht an die ausdauernde, leicht bedienbare Light & Motion. In der Top-Klasse erhält die vergleichsweise günstige Exposure Lights den Kauftipp.

Kurz & knapp

Biken bei Nacht ist ein Riesenspaß, wenn die richtige Lampe mit auf Tour ist. Schon Leuchten der Einsteigerklasse bringen viel Leistung für sehr gute Übersicht auf dem Trail. Für knapp über 200 Euro erhalten Biker ausgereifte Modelle mit leistungsfähigem, ausdauerndem Akku. Die sündhaft teure Lupine Betty zeigt, was in puncto Bike-Leuchten „Stand der Technik“ ist.



Die zehn Bike-Lampen in diesem Test:

10.01.2012
Autor: Christian Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 11/2011