Fahrradschloss-Test: 4 Falt-Fahrradschlösser und 8 Bügelschlösser

Test: 12 Fahrradschlösser - 4 Falt- und 8 Bügelschlösser

Test Fahrradschlösser
Foto: Benjamin Hahn
Welches Fahrradschloss schützt das MTB am besten? MountainBIKE hat vier Faltschlösser und acht Bügelschlösser getestet. Plus: Verschiedene Farradschloss-Arten im Vergleich und Versicherungen für Biker im Check.
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Es war eine traumhafte Tour: Richtig Gas gegeben hat Florian mit seinem brandneuen Carbon-Hobel und jetzt einen ordentlichen Durst. Da kommt der Supermarkt auf dem Heimweg wie gerufen.

Das Mountainbike mal eben abgestellt – da wird schon nichts passieren! Weit gefehlt, denn solche Gelegenheiten machen bekanntlich Diebe. Diese Lektion hämmert nun in Florians Kopf, als er traurig und wütend in seinen Race-Schuhen nach Hause klappert.

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Laut der polizeilichen Kriminalstatistik 2010 wurden im vergangenen Jahr 306 559 Fahrräder in Deutschland als gestohlen gemeldet – das entspricht etwa 840 an einem einzigen Tag(!), und die Dunkelziffer wird nochmals um ein Vielfaches höher geschätzt. Betrachtet man die Zahlen für 2009, ist zwar ein Rückgang von 11,2 Prozent zu verzeichnen, die Aufklärungsquote sank jedoch von 10,3 auf geringe 10,1 Prozent. Die meisten gestohlenen Fahrräder bleiben somit unwiederbringlich verloren.

Gelegenheitsdiebe und Profi-Knacker

Der Erfahrung von Polizei, ADFC und Herstellern zufolge, nehmen sich Fahrraddiebe höchstens drei Minuten Zeit, um ein Fahrradschloss zu knacken. Dabei gehen die Täter meistens nach der „Brutalo-Methode“ vor und bearbeiten das Schloss mit Werkzeugen, die in jedem Baumarkt erhältlich sind und sich gut unter einer weiten Jacke verbergen und transportieren lassen. Hält das Schloss der magischen Grenze von drei Minuten stand, lässt der Dieb im Regelfall von Schloss und Bike ab.

Eine andere Methode des Bike-Diebstahls sind so genannte „intelligente Entsperrtechniken“, auch „Lockpicking“ genannt, bei denen ein geübter Profi-Knacker mit speziellen Werkzeugen den Schließmechanismus des Schlosses zu überlisten versucht. Aber „Lockpicking spielt auf der Straße keine nennenswerte Rolle“, denn „Schlösser, die man durch Picking öffnen kann, kriegt man auch anders auf“, so ADFC-Referent Roland Huhn (Leiter Verkehr, Tourismus, Technik). Namhafte Schlosshersteller bestätigten dies im Gespräch mit MountainBIKE.

Lieber Falt- oder Bügelschloss?

Gelegenheitsdieben wird ihr Handwerk durch ungesicherte Bikes oder minderwertige Schlösser oft zu leicht gemacht. Grund genug für MountainBIKE, vier Falt-Fahrradschlössern und acht Bügelschlössern „auf den Stahl zu fühlen“. Dass effektiver Diebstahlschutz nicht teuer sein muss, zeigt dieser MountainBIKE-Praxistest. Dennoch offenbart der Aufbruchtest klare Unterschiede in puncto Sicherheit, die mittels Hammer, Säge und Bolzenschneider aufgedeckt werden konnten.

Die noch junge Gattung der Falt-Fahrradschlösser erhält derzeit steten Zuwachs durch neue Modelle. Einem Zollstock ähnlich, besteht dieser Schlosstyp aus länglichen Metallsegmenten, die beweglich miteinander vernietet werden und meist eine lackschonende Gummibeschichtung besitzen. So werden Umschließlängen von knapp einem Meter erreicht – geeignet etwa für das Anschließen an einen Laternenpfahl. Gefaltet nehmen sie ungefähr den Platz einer 0,5-Liter-Flasche ein.

Die Preisspanne des Testfelds reicht von 35 Euro (M-Wave) bis zu 74 Euro für das Trelock. Es geht jedoch auch teurer (bis zu 120 Euro). Die Gattung der Bügel-Fahrradschlösser gilt allgemein als sehr sicher. Bereits Modelle für 20 bis 30 Euro versprechen Profiqualität und maximale Sicherheit. Das Manko der starken Bügel: Als Anschließpunkt sind fest stehende, schlanke Schildermasten oder Bike-Ständer geeignet, um Laternenpfähle und Bäume passen die Bügel jedoch nur selten.

Tipp: Schließen Sie Ihr Bike immer an einem fest stehenden Gegenstand möglichst hoch an. So können Diebe ihr Aufbruchwerkzeug nicht auf dem Boden abstützen. Idealerweise verwenden Sie ein zusätzliches Sicherungsseil für Laufräder und andere Komponenten, das vor dem Abschließen über die Bügelenden gestreift wird.

Bügelschlösser bieten top Preis-Leistung

Um die Aufbruchsicherheit der Fahrradschlösser zu testen, orientierte sich MountainBIKE an der Erfahrung von Polizei und ADFC und versuchte, die Schlösser innerhalb von drei Minuten zu knacken. Welche Methode bei einem Schlossmodell erfolgreich war, wird hier nicht verraten, um keine Anleitung zum Fahrraddiebstahl zu geben. Der Bolzenschneider ist bei Kabelschlössern ein sehr wirksames Aufbruchwerkzeug – ihm gab im Test jedoch nur ein einziges Schloss nach.

Die Schläge des Zwei-Kilogramm- Hammers zeigten in drei Fällen Wirkung. Mit der Metallsäge ließen sich hingegen sechs Schlösser durchtrennen. Im Systemvergleich fällt auf, dass Faltschlösser durch ihre Flexibilität punkten, für sehr guten Schutz jedoch der fast dreifache Preis (74 Euro) eines sehr guten Bügelschlosses (27 Euro) fällig wird.

Sehr guten Aufbruchschutz erhalten Sie mit dem Falt-Fahrradschloss von Trelock und den Bügelschlössern von Abus, Kryptonite, Master Lock, Onguard und Trelock. Zudem wurde die Handhabung beim Anschließen eines Bikes, das Öffnen und Schließen und die Transportvorrichtung in der Praxis überprüft. Beinahe alle Schlösser glänzen mit top Funktion. Die Glieder und das Schlosselement des MWave waren fummelig zu bedienen.

Beim Transport überzeugen die Faltschlösser von Abus und Trelock, deren Halterungen an den Flaschenhalterösen des Rahmens montiert werden können. Für die Halterungen der Bügelschlösser wird man an modernen Bikes aber kaum eine geeignete Stelle finden und das Schloss somit im Rucksack transportieren.

Bei der Ausstattung liegt das Trelock-Faltschloss unter anderem durch sein staubgeschütztes Schließsystem vorne, ebenso die Bügelschlösser von Onguard und Trelock, die zudem mit vielen Bügellängen punkten. Beim Gewicht bestätigt sich der Spruch: Viel hilft (oft) viel! Trelocks Schwergewicht siegt bei den Falt-Fahrradschlössern mit sehr gutem Schutz, bester Handhabung und Ausstattung. Das Onguard (fast 1,3 kg) erhält den Kauftipp für sehr guten Schutz und top Ausstattung. Kryptonite liefert mit dem Kryptolok eine rundum perfekte Bike-Sicherung ab und erhält den Testsieg für besten Schutz und super Handling.


Inhaltsverzeichnis


01.10.2011
Autor: Christian Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 10/2011