18 MTB-Helme im Labor- und Praxis-Test

Test: 18 Mountainbike-Helme


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MountainBIKE Mai 2012 - Heft-Vorschau

 

Bell Variant
Foto: Benjamin Hahn

 

Bell Sweep
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Catlike Kompact ‘0
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Catlike Whisper Plus MTB
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Ein Helm schützt im Ernstfall vor schwerwiegenden Verletzungen. Wie effektiv, das hat MB zusammen mit dem TÜV Süd in einem aufwendigen Labortest herausgefunden.

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Leicht, gut belüftet und komfortabel zu tragen: Moderne Bike-Helme sind ausgereift wie nie zuvor. Kein Wunder, dass heute kaum ein Biker auf den Kopfschutz verzichtet, ist er doch „Hauptsicherung“ und Bekenntnis zu einem sportlichen Lebensstil zugleich.

Fokussiert auf geringes Gewicht und optimale Belüftung, liefern sich die Helm-Hersteller eine wahre Tuning-Schlacht – doch sind die teils superleichten, teuren Lochkonstrukte noch sicher? Oder bieten schwere, günstige Helme sogar besseren Schutz im Falle eines Unfalls?

Damit Sie immer sicher unterwegs sind, lud MB neun Hersteller mit je einem Modell der Kaufklasse zwischen 80 und 120 Euro sowie je einem zumeist sehr leichten Helm zwischen 140 und 190 Euro zum aufwendigen Labor- und Praxistest – TÜV-Prüfung inklusive.

Im Unfallszenario nach DIN EN 1078 stürzt ein Biker aus dem Stand mit seinem Kopf aus einer Fallhöhe von ca. 1,5 Metern auf einen flachen Untergrund. Trägt der Biker keinen Helm, wären schwere oder sogar tödliche Kopfverletzungen die Folge – mit Helm kommt er meist ohne bleibende Schäden davon.

Die Beschleunigung beim Sturz, die auf den Kopf des Bikers wirkt, darf zum Erfüllen der Norm einen Wert von 250 g (1 g = normale Erdbeschleunigung) nicht überschreiten, was je nach Sturzverlauf im schlimmsten Fall eine leichte Gehirnerschütterung bewirkt.

Bike-Sturz nach „Europanorm“

Doch entspricht dieses Szenario der Realität auf dem Trail? Schließlich warten Biker nicht darauf, im Stehen zu stürzen. „Die Prüfnorm verwendet eine realistische Fallhöhe bei einem Sturz mit dem Bike. Die hierbei auftretenden Kräfte werden von der Fahrgeschwindigkeit jedoch kaum beeinflusst“, erklärt Experte Frank Wittmann vom TÜV Süd. Das gilt aber nur, wenn der Kopf nicht auf ein stehendes Hindernis wie einen Baum trifft.

Um die Dämpfungseigenschaften zu ermitteln, beauftragte MB die TÜV-Experten mit einer Prüfung nach Norm (EN 1078). Das Resultat: Alle Helme erfüllen die Anforderungen der Norm hinsichtlich Stoßdämpfung ohne Probleme und unterbieten diese deutlich! Dennoch: Nicht nur in puncto Tragekomfort und Gewicht sind Unterschiede erkennbar, auch die Dämpfungsleistungen der Helme variieren.

„Ein Helm mit einer sehr guten Dämpfung bietet bei einem schweren Sturz mehr Reserven als ein Helm mit geringerer Dämpfung“, erklärt Wittmann. Zum Vergleich der Helme untereinander ermittelte MB die Durchschnittswerte dreier Messungen. Die besten Dämpfungseigenschaften besitzt der Specialized S3 MT – also ein Helm der Leichtbauklasse. Eine Belastung von durchschnittlich 129 g ergab die TÜV-Messung am Prüfkopf.

Alle MTB-Helme bestehen die TÜV-Norm

Die geringste Dämpfung besitzt der Giro Hex. Zwar sind die gemessenen 178 g ein guter Wert, die Sicherheitsreserve fällt im Vergleich zur Konkurrenz jedoch geringer aus. Prima: Selbst extrem leichte Helme wie der Scott Vanish erzielen top Dämpfungswerte. Auch der günstige Specialized Vice spielt bei der Dämpfung vorne mit, ist jedoch der schwerste Testkandidat.

Zudem überprüfte MB zusammen mit dem TÜV Süd die Stabilität der Helmschale beim Sturz auf ein kantiges Hindernis, etwa einen Bordstein. Auch dabei erreichten alle Modelle gute Werte und erfüllten die Anforderungen der Norm.

Doch nicht nur Schlagprüfungen, auch die normrelevanten Tests der verbauten Tragesysteme ließ MB durchführen. Der so genannte Roll-Off-Test überprüft das Abstreifverhalten der Helme im Fall eines Sturzes.

Auch die Stabilität der Trageeinrichtung ermittelte MB im Testprozedere des Kinnriementests. Die hieraus gewonnenen Messergebnisse flossen nicht in die Bewertung der Helme ein, da diese von der individuellen Kopfform des Trägers stark beeinflusst werden. Aber: Traten im Test Defekte oder Mängel auf, die im Ernstfall die Sicherheit beeinträchtigen können, gab es einen deutlichen Punktabzug in der Sicherheitswertung.


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04.06.2012
Autor: Christian Zimek
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 05/2012