16 MTB-Helme im Test bei MountainBIKE

Test: 16 Mountainbike-Helme


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Foto: Benjamin Hahn

 

MountainBIKE Heft 0613 - Helme im Test - Bell Sequence
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MountainBIKE Heft 0613 - Helme im Test - Bell Sequence
Foto: Bernhard Bossert

 

MountainBIKE Heft 0613 - Helme im Test - Bontrager Lithos
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MountainBIKE Heft 0613 - Helme im Test - Bontrager Lithos
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Erinnern Sie sich? Früher waren MTB-Helme reinste Schwitzkästen. Heute sorgen clevere Belüftungssysteme für top Komfort – dieser Test beweist es!

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„Oben ohne“ ist unter Mountainbikern verpönt! Denn mittlerweile dient die Schale nicht nur zum Schutz, sondern ist auch dank stylischer Optik ein Erkennungszeichen „wahrer“ Geländeritter.

Wer ohne Helm durch den Wald düst, muss mit schrägen Blicken und ermahnenden Sprüchen rechnen. Zu Recht, schließlich schützen die Plastikschalen bei einem Crash vor schlimmen Kopfverletzungen.

Das Gegenargument der Helmverweigerer? Die „Eierschalen“ würden bei Anstrengung für einen hochroten Kopf und Schweiß im Dauerfluss sorgen. Bei Helmen frühzeitlicher Herkunft stimmte dies tatsächlich, fehlende Luftschlitze führten schnell zum Hitzekollaps „unter der Haube“. Inzwischen hat die Industrie längst rea­giert, moderne Helme kühlen den Kopf ausgezeichnet. Aber gilt dies auch für eher preisgünstige Modelle? Und welcher sorgt für die beste Frischluftzufuhr?

Um diese und weitere Fragen zu beantworten, lud MountainBIKE 13 Helme der Kaufklasse von 80 bis 120 Euro sowie drei Modelle ab 150 Euro zum großen Komforttest. Apropos: Obwohl der Sicherheitsaspekt beim Helmkauf an erster Stelle stehen sollte, verzichtet MountainBIKE auf einen Crashtest. Denn jeder in Europa erhältliche Helm muss die Sicherheitsprüfung nach der Norm EN 1078 bestehen.

Dass dies tatsächlich so ist, bewies der MountainBIKE-Vorjahrestest in Kooperation mit dem TÜV Süd: Alle 18 Test-Helme aus drei verschiedenen Preisklassen absolvierten die Norm-Stichprobe ohne Beanstandung.

Eine gute Belüftung des MTB-Helms steigert die Leistung!

Wie wichtig ein effektives Belüftungssystem ist, zeigt ein Mini-Exkurs in die Biologie: Um Energie für (sportliche) Betätigung freizusetzen, verstoffwechselt unser Körper vor allem eingelagerte Kohlenhydrate und Fette. Ein energetisch eher ungünstiger Prozess, bei dem enorm viel Wärme als „Abfallprodukt“ anfällt. Die Folge: Der Körper heizt auf und muss mittels Schweißverdunstung auf der Haut gekühlt werden – anderenfalls würde buchstäblich der Hitzetod drohen! Führt der Mountainbike-Helm dem Kopf möglichst viel Fahrtwind zu, entlastet dies den Organismus: Leistungsfähigkeit und Konzen­tration steigen.

Um das Belüftungssystem objektiv zu testen, hat MountainBIKE ein Prüfverfahren entwickelt. Im Labor wird eine Auffahrt simuliert, bei der mittels Ventilatoren der Wind kons­tant auf einen „behelmten“ Glaskopf trifft. ­Anschließend lichtet eine Wärmebildkamera den Testkopf ohne Helm ab. Die blauen und grünen ­Bereiche (zu sehen in den Grafiken in der Fotostrecke) zeigen, wo der Helm gut belüftet ist, die roten und gelben Bereiche entlarven zu warme ­Zonen.

Speziell die teuren Helme von Giro und Specialized ragen bei der Labormessung (35 Prozent der Endnote) hervor. In der Kaufklasse sorgen die Helme von Lazer, Limar und Met für eine ähnlich gute Kühlung. Vorsicht: Bei vielen Herstellern wird der Luftstrom nicht über den gesamten Kopf verteilt, was vor allem am Hinterkopf für eine Überhitzung sorgt. Dennoch zeigen alle Helme gute bis sehr gute Ergebnisse und kühlen den Kopf mit über 20 Luftschlitzen zuverlässig.

Der Volksmund weiß: Auf jeden Topf passt ein Deckel. Entsprechend gibt es für jeden Kopf den einen Helm – eine höchst individuelle Partnerwahl. Um den Tragekomfort (25 Prozent) dennoch möglichst umfassend zu bewerten, ließ MountainBIKE die 16 Helme von neun Probanden mit unterschiedlichen Kopfumfängen und -formen Probe tragen. Die Tester prüften, ob der sogenannte Headring (Kopfring) gleichmäßig den Kopf umschlingt oder Druckstellen den Tragekomfort mindern. Aufgrund der verschiedenen Kopfformen fallen die Ergebnisse teils sehr unterschiedlich aus.

So passte etwa der Specialized S3 MT dem Gros der Tester perfekt, führte aber bei zwei Probanden zu Druckstellen. Die größte Übereinstimmung erzielte der Scott Lin, der den Kopf sehr gleichmäßig umschließt. Zusätzlich vermaß MountainBIKE die Innenschale in vergleichbarer Größe (rot markiert) – die Grafiken in den Testbriefen geben einen groben Anhaltspunkt, ob sich der Helm eher an runde oder längliche Köpfe schmiegt.

Nur ein passender MTB-Helm kann auch schützen

Die beste Belüftung, die komfortabelste Polsterung und die höchste Schlagdämpfung nützen nichts, wenn der Helm nicht optimal an den Kopf anpassbar (25 Prozent) ist. Setzten in der Vergangenheit noch viele Hersteller auf Schiebeverschlüsse am Headring, lassen sich alle Helme in diesem Test über ein auch einhändig bedienbares Drehrad am Hinterkopf regulieren.

Die Unterschiede sind dennoch deutlich: Teure Helme wie der Giro Pneumo oder der Specialized S3 lassen sich dank feiner Rasterung präzise justieren. Hochwertig ist auch das Drehrad am Lazer Rox, das optisch schick im Helm integriert ist. Leider wirken manche der Verstellmechanismen billig verarbeitet. So war das Verstellrad am Limar 885 nach einigen Betätigungen defekt, was zur Abwertung führte.

Am Kinnverschluss wird der Riemen so eingestellt, dass bei verschlossenem Gurt genau ein Finger zwischen Riemen und Kinn Platz hat (siehe „Helmanpassung“). Uvex, Cratoni und Alpina bieten dafür einen Ratschenverschluss, der durch seine Rasterung schnell angepasst werden kann. Das ist praktisch, wenn Sie im Winter oder Herbst einen Buff oder eine Mütze unter dem Helm tragen möchten. Bei nahezu allen Helmen wird das Riemensystem zudem über das Gurtdreieck an die Position der Ohren angepasst. Einzige Ausnahme: Der Specialized kommt mit fixem Gurtdreieck, was jedoch bei keinem Tester für Probleme sorgte.

Neben Belüftung und Passform sorgt auch ein geringes Gewicht (15 Prozent) für ein angenehmes Tragegefühl. Besonders „luftig“ wirken die teuren Helme von Specialized und Alpina. Doch auch der günstige Uvex Ultrasonic ist mit 267 Gramm so leicht, dass man ihn kaum spürt. Merklich schwerer: Mavic Syncro und Giro Phase.

Der Praxistest zeigt vor allem eines: Eine Anprobe vor dem Kauf ist Pflicht! Gehen Sie zum Händler Ihres Vertrauens und kaufen Sie nicht flüchtig im Internet. Ein Mountainbiker, dessen Kopfumfang zwischen zwei Größen liegt, sollte beide Größen probieren und sich im Zweifel für eine andere Marke entscheiden. Optimalerweise liegt Ihr Kopfumfang genau im Mittelfeld der vom Hersteller angegebenen Größe.

Wenn Ihnen Passform und Anpassung zusagen und das Belüftungsschaubild nicht auf einen Hitzkopf hinweist, fragen Sie, ob der Hersteller ein Crash-Replacement anbietet. Das Prinzip ist einfach: Nach einem Sturz nimmt der Händler den beschädigten Helm entgegen und Sie bekommen beim Neukauf bis zu 50 Prozent Rabatt.

Bester Helm der Oberklasse ist der superleichte und perfekt belüftete Specialized S3 MT. Der Testsieg in der Kaufklasse geht an den neuen Scott Lin dank top Tragekomfort, den MountainBIKE-Kauftipp ­erhält der sehr gut belüftete Met Veleno.

Kurz und Knapp - die Testergebnisse im Überblick

Ein guter Helm muss perfekt sitzen und in Sachen Belüftung optimal funktionieren, zudem höchste Sicherheitskriterien erfüllen. Der einzigartige MountainBIKE-Labor- und Praxistest zeigt: Aktuelle Mountainbike-Helme (auch preiswerte!) sind sehr gut belüftet, prima anpassbar und obendrein sicher. Also: Nie mehr „oben ohne“!


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08.08.2013
Autor: Chris Pauls
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 06/2013