Sechs Twentyniner-Bikes aus Carbon im Test

Vor- und Nachteile der 29er-Bikes

Die Vorteile der Riesenräder sind auch in Profikreisen seit Jahren unstrittig.
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Fotostrecke: Sechs Highend 29er-Bikes im Test

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Breezer Cloud 9 LTD Foto: Benjamin Hahn
Cannondale Flash Hi-Mod 29er 1 Foto: Benjamin Hahn
Niner Air 9 Carbon Team XX Foto: Benjamin Hahn

Und der weltweit einzigartige MountainBIKE-Konzeptvergleich mit aufwendigem Datarecording belegte eindeutig: 29“-Räder überrollen Hindernisse durch den flacheren Aufprallwinkel leichter, sind fahrstabiler.

Sie halten, einmal beschleunigt, dank höherer Schwungmasse und des geringeren Rollwiderstands länger das Tempo. Und Sie generieren mehr Komfort und Traktion auf Wurzelteppichen und Steinfeldern.

Die 29er-Anklageliste indes umfasst drei Hauptpunkte: zu schwer, zu weich, zu behäbig. Nachteile, die sich nicht wegdiskutieren und auch in Zukunft nicht „wegbauen“ lassen.

Ein 26er wird per physikalische Gesetzmäßigkeit stets leichter, steifer, wendiger sein. Aber die Schere zwischen 26 und 29 Zoll wird enger – wie die folgenden Ergebnisse des MB-Labortests beweisen.

Durchschnittlich belasten die sechs Carbon-Rahmen Waage und Biker mit 1135 g. Das sind nur schlappe 35 g mehr als die Highend-26-Zöller (MB 12/10) – so viel wie zwei Scheiben Knäckebrot ... Mit gertenschlanken 940 g hätte das Scale 29 gar Rang zwei der 26er-Hitliste erreicht!

Bei den Gesamtgewichten ist die Differenz größer: Gabel, Laufräder und Reifen tragen „dick“ auf, führen im Schnitt zu 9,6 Kilo. Nur das bis zur hinterletzten Schraube gewichtsoptimierte Specialized knackt die Neun-Kilo-Grenze klar.

In puncto Steifigkeiten erreichen Flash & Co. zwar nicht ganz die Werte ihrer kleinen Brüder, sie liegen aber, gemessen an 26“-Maßstäben, im sehr guten und damit absolut fahrsicheren Bereich.

Dennoch: Beim intensiven Praxistest im Vinschgau und im Schwarzwald fühlten sich fast alle Kandidaten weicher, nachgiebiger an als ein 26er-Hardtail. Ursache: die geringeren Steifigkeiten der „langen“ Gabeln und vor allem die schlechtere Seitensteifigkeit der Laufräder.

Keine Angst, auf keinem der Testbikes reiten Sie wie auf einer weich gekochten Nudel. Aber Steckachsen, 34-mm-Gabel-Standrohre oder optimierte 29“-Sys­temlaufräder könnten noch brachliegendes Potenzial in Zukunft offenlegen.

Des Steifigkeitsfanatikers Leid, des Komfortsuchenden Freud: 29er sind die Fullys unter den Hardtails. Für erstaunliche Wellness im Sattel bürgt der Laufraddurchmesser: 29-Zöller tauchen weniger tief in Unebenheiten ab, mildern so Lastspitzen.

Zudem implantierten die Hersteller ihre neuen, zukunftsweisenden Komforttechnologien auch in die 29“-Hardtails. So sorgt ein gezielt vertikal flexendes hinteres Rahmendreieck wie am Cannondale ebenso für „Federweg“ am Heck wie eine nachgiebige, dünne Carbon-Sattelstütze (Cannondale, Specialized, Trek).

Übrigens: Von diesem Wohlfühlprogramm profitieren alle. Der weniger Trainierte, der nach der Abfahrt nicht mühsam seine Bandscheiben sortieren muss, ebenso wie der Profi, dessen Highend-Muskelfasern für den entscheidenden Schlussspurt geschont werden. Lediglich das knallharte Niner bläst zur Zahnplomben-Polka – Hardtail-Nostalgiker werden‘s wohl dafür lieben.

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Die sechs 29er-Hardtails in diesem Test:

20.09.2011
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 07/2011