Sechs Twentyniner-Bikes aus Carbon im Test

Twentyniner: lahm und unbeweglich?

Das Stigma mangelnder Agilität und Wendigkeit klebt an den Twentyninern wie das Kaugummi am Absatz. Doch auch hier brodelt das Hirnschmalz der Entwickler.
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Für 26“ gilt diese Kurzformel: steiler Lenkwinkel plus kurze Kettenstreben gleich höhere Agilität.

Für 29“ theoretisch auch, doch bauliche „Hindernisse“ wie Umwerfer und Reifenfreiheit erzwingen, dass das Mindestmaß der Kettenstreben aktuell um 435 mm (26“-Hardtail: unter 420 mm) liegt.

Breezer, Niner und Specialized erreichen diesen Wert und wurden von den MB-Racern als spürbar agil(er) eingestuft. Die extrem steilen 71,5°-Lenkwinkel an Breezer und Specialized indes wirken übertrieben: Auf Kosten durchaus bewundernswerter Wendigkeit verzocken beide einen Teil der 29“-typischen Laufruhe.

Zudem reagieren sie auf zu starken Lenk­einschlag mit unorthodoxem Übersteuern, das Vorderrad kippt dann förmlich in die Kurve. Einen Sonderweg bestreitet Gary Fisher (Trek) und kreuzt einen flachen 69,5°-Lenkwinkel mit einer Spezialgabel mit kürzerem Nachlauf. Ergebnis ist ein ungemein „rundes“ Handling, das Superfly gleitet wie an der Schnur gezogen über den Trail, bleibt aber agil.

Auch Cannondale und Scott glückt eine wunderbare Melange aus Spurtreue und Wuseligkeit, mit Topnoten der MB-Tester als Lohn. Zusammen mit starken Rahmenwerten und 29er-spezifischer Ausstattung (breiter, flacher Lenker etc.) gebührt beiden die Traumnote „überragend“.

Nicht minder breitbandig noch gutmütiger im Handling: Das relativ günstige Trek erringt den MB-Kauftipp. Niner und Specialized fehlt diese Vielseitigkeit, dafür ist die Ausrichtung auf die Rennstrecke intensivst! Das Breezer ist ein feines Bike, kleine Schwächen kosten knapp das „sehr gut“.

20.09.2011
Autor: André Schmidt
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 07/2011