Test: Zwölf Touren-Mountainbikes unter 2.000 Euro

12 Tourenfullys im MountainBIKE-Test


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12 Tourenfullys im Test
Foto: Dennis Stratmann
Sorglos über alle ­Berge – davon träumt jeder Tourenbiker. Die zwölf Bikes im Test versprechen Tourenglück ohne viel Schnickschnack – und das für unter 2000 Euro.
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Einfache Produkte sind meist die besten. Oder studieren Sie nach dem Kauf gern stundenlang die Bedienungsanleitung? Druckstufe, Zugstufe, Gabelabsenkung und womöglich noch verstellbare Dämpferaufnahme.

Da verlieren Mountainbiker schon mal den Überblick. Moderne Tourenfullys verzichten auf komplizierten Schnickschnack und machen es uns Bikern leicht. Die Devise lautet: vereinfachte Handhabe, weniger schrauben, mehr biken! Und die Rechnung scheint, so viel sei vorab verraten, mit den 2012er Tourenbikes aufzugehen.

Viele Alpencrosser und Ganzjahres-Biker haben ihre Vorliebe zur 120-mm-Kategorie längst kultiviert. Andere sehen in den Tourern jedoch den frommen Bruder eines All-Mountains oder ein aufgeblasenes Marathon-Bike. Dabei vereinen Tourenbikes die Stärken beider Kategorien und picken sich im Optimalfall die guten Eigenschaften aus dem Töpfchen. Sicher und souverän soll es bergab gehen und – ohne große Verstellorgien – leichtfüßig bergan.

Um herauszufinden, welcher Hersteller diese Aufgabe meistert, lud MountainBIKE zwölf Tourenbikes unter 2000 Euro zum Vergleichstest. Das günstigste Rad stellt Merida mit 1699 Euro, darüber das ­Giant mit 1799 Euro. Es folgen KTM und Specialized (1899 Euro), alle weiteren siedeln ihre Bestseller knapp unterhalb der 2000-Euro-Grenze an.

Viel Ausstattung für wenig Geld

Für diesen Kurs gibt es ein teils sattes Ausstattungspaket. Vor allem bei den Versendern kommt Staunen auf. Mit überragenden Komponenten schickt Radon das Skeen 8.0 zum MountainBIKE-Test: Shimano-XT-Antrieb und -Bremse übertreffen selbst die Mitbewerber Canyon und Rose. Diese müssen sich aber keineswegs verstecken: Ihr hochwertiger Mix aus Sram- und Shimano-Schalt-/Brems-Einheit überzeugt. Vorteil Internetshop: Die Fachhandels-Marge fällt weg, das gesparte Geld kann in bessere Parts fließen. Für Biker, die selbst montieren können, ist das sicherlich kein Nachteil.

Merida zeigt indes, dass es auch im Fachhandel preisattraktiv zugehen kann, und versieht das One-Twenty mit Shimano-XT-Schaltwerk und -Kurbel. Weniger überzeugend: die billigen Schalthebel an Giant und Mondraker (Sram X5) sowie Specialized (Shimano Alivio). Positiv fielen wiederum die Bremsanlagen aller Kandidaten auf. Hier hat Shimano, selbst mit den günstigen Deore-Modellen, zu den Stoppern von Avid und Formula aufgeschlossen. Schade jedoch, dass Mondraker, Radon, Steppenwolf und Stevens am Heck nur eine 160-mm-Scheibe verbauen – Alpencrosser mit Gepäck sollten eine 180er-Disc nachrüsten.

In puncto Reifenwahl gehen die Hersteller unterschiedliche Wege. Während Giant, Rose und Specialized auf griffige Allround-Reifen setzen, verbauen Steppenwolf, Stevens und Radon leichte, schnell rollende ­Race-Reifen. Zu wenig Grip liefern indes die günstigen Schwalbe-Performance-Reifen an Merida und ­Giant. Für viel Kontrolle sorgen die Lenker/Vorbau-Einheiten fast aller Hersteller. Tourenfans dürfen sich am Steppenwolf sogar über komfortable Ergon-Griffe freuen. Einzig der Lenker am Ghost gefiel den Testern nicht: Mit geringer Rückkröpfung kann er in Sachen Komfort und Ergonomie nicht voll überzeugen.

Viele der 2000-Euro-Touren-MTBs tragen Gene der angrenzenden All-Mountain- oder Marathon-Kategorien in sich. Vor allem die Bikes von Radon, Stevens und KTM sind deutlich auf Vortrieb getrimmt. Neben Lenker-Remote und leichter Bereifung weisen Sitzposition und die kompakte, wendige Geometrie auf eine sportliche Ausrichtung hin. Die zwölf Zentimeter Federweg arbeiten antriebsneutral, bieten dabei aber mehr Komfort als ein klassisches 100-mm-Racefully. Auch Abfahrts-Fans stoßen teils auf unerwartet viel Potenzial: Giant, Rose und Specialized setzen auf stabile Parts, satte Fahrwerke und eine spaßfördernde Geometrie.

Mit Steckachsen an Gabel und Heck (Rose) liefern sie zudem ausreichend Steifigkeit. Und: Die Tourenfullys sparen mit leichten Rahmen, Gabeln und Komponenten sogar ordentlich Gewicht. So ist am 11,7 Kilo leichten Rose Jabba Wood kaum Tuning nötig. Alle weiteren liegen oberhalb zwölf Kilo. Beachtlich, denn viele All-Mountains der gleichen Preisklasse sind rund ein Kilo schwerer. Nur Kona und Mon­draker durchbrechen die 13-kg-Grenze und fallen damit zu schwer aus.


Die Mountainbikes im Test:

Autor: Chris Pauls
© MountainBIKE
Ausgabe 05/2012